The Falcon and the Winter Soldier 1x01

The Falcon and the Winter Soldier 1x01

Die neue Marvel-Serie The Falcon and the Winter Soldier setzt nach den Ereignissen aus Avengers: Endgame ein. Kommt die Welt ohne Steve Rogers als Captain America aus? Wie geht es für seine Gefährten Sam Wilson und Bucky Barnes weiter?

Szenenfoto aus The Falcon and The Winter Soldier (c) Disney+
Szenenfoto aus The Falcon and The Winter Soldier (c) Disney+
© zenenfoto aus The Falcon and The Winter Soldier (c) Disney+

Marvel meint es ernst, was die Serien bei Disney+ angeht. Nachdem WandaVision hier schon eine Erzählung in Kinoqualität vorgelegt hat, legt die erste Episode von The Falcon and the Winter Soldier namens New World Order beeindruckend nach. Die Serie von Drehbuchautor Malcolm Spellwell und Regisseurin Kari Skogland muss sich nicht hinter Filmen der „Iron Man“-Reihe oder „Captain America“ verstecken und sieht vom ersten Moment an absolut hochwertig aus.

Im Zentrum der Erzählung steht die Frage, wie mit dem Erbe von Captain America (Steve Rogers) verfahren werden soll. Die Öffentlichkeit glaubt, dass er nach den Ereignissen aus „Avengers: Endgame“ verstorben ist, wobei hier noch zu klären ist, ob er auch ganz offiziell inzwischen das Zeitliche gesegnet hat oder irgendwo als Old Man Steve noch rumläuft. Sam Wilson (Anthony Mackie) sollte seine Nachfolge antreten. Doch er hatte bisher seine Zweifel daran, weil sich das Schild für ihn wie das von jemand anderem anfühlt. Sechs Monate sind seitdem vergangen und Sam arbeitet als Falcon für die US-Army. Er wird dann eingesetzt, wenn man schnelle und inoffizielle Problemlösungen braucht. Zumindest ist das der Fall bei dem Einsatz, den wir am Anfang der Folge mit ansehen.

Beste Luftverfolgung im Serienbereich?

Dabei gibt es ein Wiedersehen mit Batroc (MMA-Kämpfer Georges St-Pierre), den man aus „Captain America - The Winter Soldier“ kennt. Sam muss seine Zielperson in Tunesien aus dem Luftraum befreien. Die Zuschauer erhalten nicht nur eine kleine Demonstration von seinem Fluganzug als Falcon, sondern in meinen Augen auch die beeindruckendste Luftverfolgung, die ich im Serienbereich bisher gesehen habe. Die ersten zehn Minuten sind einfach nur extrem stark inszeniert und erinnern daran, warum Falcon auch schon in früheren Filmen Scenestealer-Qualitäten mitbrachte. Auf sehr kreative Weise gelingt es Sam also, Batroc und seine Crew zu überlisten, bevor man den Luftraum von Libyen erreicht, die auf ein Eindringen wohl nicht gut zu sprechen wären.

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Ganz unbeschadet übersteht Sams Anzug das aber nicht und er muss kleine Reparaturen in Tunesien vornehmen, wo er von seiner Kontaktperson Torres (Danny Ramirez) mehr über die Organisation namens „Flag Smashers“ erfährt. Die glauben nämlich, dass die Welt während des Blips besser dran war als danach. Sam weiß aus eigener Erfahrung als Schwarzer, dass es immer schwerer für eine Gruppe wird, wenn es für eine andere leichter wird. Er spricht übrigens auch recht passables Arabisch, als ihn ein Passant anspricht und für seinen Heldeneinsatz bedankt.

Fun Fact: Die Figur des Joaquin Torres feierte ihr Debüt 2015 in den Comics übrigens im „Captain America“-Titel mit Sam Wilson in der Hauptrolle und wird später selbst zu Falcon.

Neue Symbole braucht das Land

Wenig später verschlägt es Sam nach Washington, D.C., wo Steve in einer Art Trauerfeier gedacht wird. Sam ist der Meinung, dass das Land und die Welt neue Symbole braucht und er deswegen das Schild nicht übernimmt, sondern als Erinnerungsstück in die Captain-America-Ausstellung übergibt.

James Rhodes aka War Machine (Don Cheadle) ist ebenfalls vor Ort und fragt Sam, warum er nicht das Kostüm übernimmt. Doch für ihn hat sich das eben nicht richtig angefühlt. Gleichzeitig gibt Rhodey zu bedenken, dass die Welt, wie wir sie kannten, kaputt ist und nun nach jemandem sucht, der sie reparieren kann. Doch ist Sam bereit für diese Verantwortung?

106 Jahre alt

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James „Bucky“ Barnes wird von Albträumen aus seiner Zeit als Winter Soldier heimgesucht. Nach einem Auftragsmord bringt er einen unbeteiligten Zeugen um, der sich später noch als Angehöriger eines Freundes herausstellt. Da er momentan Zivilistenstatus hat, geht er in Therapie und versucht, sein eigenes Trauma zu verarbeiten. Er führt eine Liste und probiert, nach drei therapeutischen Regeln Wiedergutmachung zu betreiben. Die Regeln nimmt er allerdings nicht immer ganz genau, wenn er etwa eine Hydra-Politikerin dem Gesetz überführt, der er einst zur Machtergreifung verholfen hatte.

Die Therapeutin flunkert er wegen seiner Albträume an, was sie jedoch durchschaut. Sie schlägt ihm vor, dass er sich anderen Menschen mehr öffnen sollte, weil er zu wenig soziale Kontakte hat. Bisher ist er nur in Wakanda etwas zur Ruhe gekommen, ihm stecken aber sonst 90 Jahre des Kampfes in den Knochen.

So verabredet er sich mit einem alten Gefährten, Yori (Ken Takemoto), die Betonung liegt hier wirklich auf alt, denn den kennt er wohl noch aus seinen Weltkriegszeiten. Beim gemeinsamen Essen fällt natürlich zumindest der äußerliche Altersunterschied auf und die Tatsache, dass beide Männer eigentlich einer anderen Generation entstammen. Sehr forsch fordert Yori dann die Kellnerin Leah (Miki Ishikawa) zu einem Date für Bucky auf, das sie auch annimmt. Im Gespräch mit Yori deutet sich dann bereits etwas an, was Bucky später für sich bestätigt: Der junge Zeuge, den er als Winter Soldier umgebracht hat, war Yoris Sohn. Bisher wusste er nie, was sich genau zugetragen hatte und noch schweigt Bucky dazu, hat aber klar ein schlechtes Gewissen deswegen.

Beim Date mit Leah fällt Bucky derweil durch seinen altmodischen Charme auf, weil er ihr einen Blumenstrauß mitbringt. Mit Onlinedating hat es der 106-jährige Winter Soldier nicht so. Als er allerdings merkt, was er einst getan hat, sehen wir, dass der Name des Sohns auf seiner Liste steht.

Wie schon bei WandaVision wird deutlich, dass die Autoren der Serie daran interessiert sind, tiefer in die Psyche der Figuren einzudringen. Buckys Vergangenheit als Auftragskiller und Spielball von Hydra birgt viel Potential, besonders in solchen Fällen wie hier. Wegen seiner Gehirnwäsche konnte er dafür natürlich wenig, seine Taten lasten dennoch schwer auf ihm, nun da sie wieder an die Oberfläche kommen. Ähnlich dürfte es beim Mord an Tony Starks Eltern gewesen sein. Auch die Tatsache, dass er wie Steve Rogers ein Mann einer anderen Ära ist, sorgt für spannende Erzählmöglichkeiten und ein Clash mit der Gegenwart und der Moderne, die in einer Miniserie womöglich besser ergründet werden kann denn als Ensemblemitglied in einem Actionfilm. Es bricht einem jedenfalls das Herz, dass er Yoris Sohn auf dem Gewissen hat.

Paul und Darlene

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Sam verschlägt es in die alte Heimat nach Louisiana, wo seine Schwester Sarah (Adepero Oduye) ihm offenbart, dass sie das nach den Eltern „Paul & Darlene“ benannte Fischerboot verkaufen will, weil das Fischereigeschäft Verluste einfährt. Er bietet seine finanzielle Hilfe an und möchte zudem mit der Bank wegen eines Kredits sprechen. Es ist in gewisser Weise typisch für das Marvel aus den Comics, den Protagonisten menschliche Schwächen zu geben, was im Filmbereich manchmal etwas kurz kommen kann. Doch hier kann man sich mehr Zeit nehmen und eben auch die familiären Hintergründe der Charaktere beleuchten, von denen wir bisher noch so gut wie nichts wussten.

Als die beiden ihren Termin bei der Bank haben, ist der Berater dann eher davon geblendet, dass Sam ein Superheld ist, obwohl er ihn zunächst für einen Sportler hält. Doch schon bald wird klar, dass es andere Probleme gibt, die man so vielleicht nicht auf dem Schirm hatte. Denn Sam war fünf Jahre, wie Milliarden andere Wesen, spurlos verschwunden. Demnach hatte er kein Einkommen. Zudem erfahren wir auch, dass man sich nicht als Superheld selbst über Wasser halten musste, obwohl mit Tony Stark natürlich lange Zeit ein reicher Gönner hinter dem Team stand. Ohne stabiles Einkommen oder Sicherheiten kann die Bank jedoch keinen Kredit genehmigen und das, obwohl Sam von der Armee bezahlt wird. Das sind reale Probleme, die man nachvollziehen kann. Unterschwellig brodelt es außerdem auch wegen Sams Hautfarbe, wobei es im Auftakt noch relativ subtil ist. Gewisse Andeutungen zeigen jedoch in eine eindeutige Richtung und auch Sarah erwähnt ihm gegenüber ihre Probleme als Witwe und alleinerziehende Mutter während der fünf Jahre des Blips. Genau eine solche Aufarbeitung der Katastrophe habe ich mir gewünscht und ich bin deswegen positiv erfreut, dass dem Thema hier Screentime eingeräumt wird.

Dass The Falcon and the Winter Soldier insgesamt bodenständiger wird als WandaVision, konnte man sich schon denken, dennoch ist die Bestätigung erfreulich. Im Auftakt steht das Verhältnis von Action zu Charakterarbeit klar im Zeichen von letzterem, was ich aber positiv finde. Noch wurde der vorab versprochene der Buddy-Movie-Aspekt nicht ins Spiel gebracht, was schlichtweg daran liegt, dass Sam und Bucky noch nicht aufeinander getroffen sind. Zudem fehlt im Auftakt von Sharon Carter (Emily VanCamp) oder Zemo (Daniel Brühl) jede Spur, aber das ändert sich sicherlich bald.

Flag Smashers

Torres ist derweil in der Schweiz den Flag Smashers auf der Spur. Die organisieren einen Banküberfall, bei dem sie auch Normalos, darunter Torres, mit ihren Masken ausstatten, um im allgemeinen Chaos leichter entkommen zu können. Er nimmt die Verfolgung auf, wird dabei jedoch von einem übermenschlich starken Mitglied ordentlich durch die Mangel genommen. Später setzt er Sam davon in Kenntnis und zeigt ihm einige Aufnahmen. Allerdings will Sam die Sache vorerst geheim halten.

Eine richtige Verschnaufpause gibt es jedoch nicht, denn das Verteidigungsministerium überrascht in einer Pressekonferenz mit der Entscheidung, der Welt einen neuen Captain America zu präsentieren. Dieser trägt ein Kostüm, das stark nach Steve Rogers aussieht und auch das Schild ist wieder im Einsatz, nachdem es Sam eigentlich in den Ruhestand schicken wollte. Was hat es mit diesem neuen Cap, gespielt von Wyatt Russell, auf sich? Ist hier Super-Soldaten-Serum im Spiel? Ist er nur ein Propaganda-Werkzeug oder ein von der Regierung gesteuerter Held? Das erfahren wir bestimmt schon in der nächsten Folge.

Fazit

Wer Fan der „Captain America“-Filme ist, sollte The Falcon and the Winter Soldier nicht verpassen. Ganz im Stile der Filme, besonders von Teil zwei und drei, wird im Auftakt die Nachfolge von Cap geklärt und den Figuren Sam Wilson und Bucky Barnes sehr viel mehr charakterlicher Freiraum gegeben. Die Zuschauer erfahren über ihre Privatleben außerhalb der „Avengers“-Abenteuer, die erstaunlich normal erscheinen, aber nicht unspannend sind. Beide Figuren kommen mit Ballast und Traumata daher, was noch sehenswert werden dürfte. Die Serien von Disney+ erlauben es erfreulicherweise auch, den vermeintlichen Nebenfiguren charakterliche Tiefe zu verpassen, was ich als MCU-Fan nur begrüßen kann. Sowohl Falcon als auch der Winter Soldier haben bei mir ohnehin einen Stein im Brett. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass Cap die beste Solo-Trilogie im Marvel Cinematic Universe vergönnt wurde, weswegen ich mich auf die weiteren fünf Episoden freue.

Die ersten zehn Minuten sind atemberaubend gut inszeniert, ein absolutes Must-see und machen Lust auf weitere Actionszenen. Schon jetzt steht fest: Wir lesen uns dann nächste Woche an dieser Stelle wieder.

Ein Trailer zur Serie „The Falcon and the Winter Soldier“:

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 19. März 2021

The Falcon and the Winter Soldier 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Falcon and the Winter Soldier 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Eine neue Welt
Titel der Episode im Original
New World Order
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 19. März 2021 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 19. März 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 19. März 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 19. März 2021
Autor
Malcolm Spellman
Regisseur
Kari Skogland

Schauspieler in der Episode The Falcon and the Winter Soldier 1x01

Darsteller
Rolle
Sebastian Stan
Wyatt Russell
Erin Kellyman
Desmond Chiam
Adepero Oduye
Miki Ishikawa

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?