The Expanse 3x13

© teven Strait und David Strathairn in âThe Expanseâ (c) Rafy/ Syfy
Vorwort des Autors
Eigentlich wollte ich zwei Reviews schreiben. Eines zu Congregation und eines zu Abaddon's Gate. Das lieĂe sich womöglich auch bewerkstelligen, wĂŒrde aber das Gesamtbild der beiden Episoden stark verzerren. Zwar liefert „Congregation“ sehr viel ab, was sich diskutieren lieĂe - inklusive eines Cliffhangers der Marke âohohâ - aber es werden halt ânurâ Figuren in Stellung und zusammengebracht, der (fast alleinige) Standort auf die Behemoth verlegt und im Zuge dessen die finale Episode anvisiert. Wollte ich das trennen, kĂ€me der erste Teil sicher nicht gut weg, weil unterm Strich erkennbar ist, dass es sich um eine Vorbereitungsfolge handelt. Nachvollziehbar - ohne Frage - aber eben darauf ausgerichtet, uns Abaddon's Gate zu bescheren. Insofern gibt es jetzt nur ein Review, denn beide Folgen hĂ€ngen zu stark zusammen, um sie zu trennen. Quasi ein kleiner Film, der nicht auseinandergerissen werden will, sondern als Ganzes dasteht.
Kolvoord
Der Wissenschaftler an Bord der Thomas Prince - Kolvoord (Chris Owens) - sucht wie alle anderen nach einer Lösung des gegenwĂ€rtigen Problems. Eine Nachricht an die AuĂenwelt zu senden, ist natĂŒrlich wĂŒnschenswert und da hat er auch eine gute Idee, die sich leider nicht umsetzen lĂ€sst. Das Signal der Behemoth ist zu schwach, um den Ring zu durchdringen, womit man keine Hilfe von auĂerhalb erwarten kann und die Schiffe im gegenwĂ€rtigen Raum von der AuĂenwelt abgeschottet bleiben. Es liegt somit an unseren Figuren, eine Lösung fĂŒr die abgebremste Situation zu finden. Da ist Zusammenarbeit gefragt, die in der ersten HĂ€lfte dieses Finales auch sehr gut angegangen und demonstriert wird - denn es ziehen alle am gleichen Strick.

Kolvoords nĂ€chster Vorschlag sorgt dann aber schon fĂŒr Skepsis. Eine nukleare Explosion hat bislang noch nie etwas Positives hervorgebracht und genau so ist es hier auch. Dieses Experiment hĂ€tte verstĂ€rkt unter den beteiligten Figuren diskutiert werden mĂŒssen, da die Lage zuvor zwar relativ aussichtslos, aber doch irgendwo stabil war. Zum Teil geschieht das zwar, aber gerade mit Blick auf die Granate, die das neue Geschwindigkeitslimit ausgelöst hat, bekommt man als Zuschauer sogleich das nötige Unbehagen, welches sich kurz darauf auch manifestiert. Die Station in der Mitte holt zum groĂen Schlag gegen die Menschheit beziehungsweise unser Sonnensystem aus, den es nun zu verhindern gilt.
Im Grunde genommen ist Kolvoord jetzt verantwortlich dafĂŒr, dass die Menschheit von der Station als Bedrohung angesehen wird. Wo aber bleiben die Szenen, in denen er sich damit auseinandersetzt? Gut, Kolvoord ist nur eine Nebenfigur, aber etwas mehr als die kurze Funkverbindung zwischen ihm und Commander Kunis (Sean Baek) gegen Ende des Finales wĂ€re sicher nicht verkehrt gewesen.
Melba Koh
Melba Koh a.k.a. Clarissa Mao (Nadine Nicole) wird uns sicher noch lĂ€nger erhalten bleiben. Ich musste kurz grinsen, als sie im gleichen Zellentrakt wie Holden (Steven Strait) eingesperrt wird und er sich noch vorstellt. Da ist sie ihrem Racheziel nĂ€her denn je, kann aber vorerst nichts unternehmen. Wobei uns anfangs noch veranschaulicht wird, wie wenig sie fĂŒr die KollateralschĂ€den empfindet oder zumindest vorgibt, zu empfinden.
Aber wer jetzt meint, sie könnte in der zweiten HĂ€lfte des Finales zu Holden vordringen und ihm gefĂ€hrlich werden, ist auf dem falschen Dampfer. Anna (Elizabeth Mitchell) sei Dank, denn der gelingt es tatsĂ€chlich, zu Melba vorzudringen. Wobei ich mir da ein weiteres Grinsen nicht verkneifen konnte, als sie meint, Melba mĂŒsse einen Gehirntumor haben. Ein solcher Gedanke ist mir zwar nie gekommen, aber Anna nimmt hier Melbas Motivation und Rachegedanken gekonnt auseinander - als wenn die Macher sich der Kritik an Maos Tochter bewusst sind und diese durch Anna jetzt auf den Punkt bringen.
Melba fĂ€ngt jetzt jedenfalls an, ihre Taten zu ĂŒberdenken. Zwar konnten wir zuvor - nach dem Mord an Ren (John Kapelos) - bereits sehen, dass das nicht viel heiĂen muss, denn die Seung Un hat sie trotzdem gesprengt. Und es hĂ€tte durchaus sein können, dass sie ihren Racheplan weiterverfolgt, nachdem sie aus der Zelle geholt wird und spĂ€ter auch noch das Armband ablegen darf, welches ihre KrĂ€fte in Zaum hĂ€lt. Aber ihre Frage an Ashford (David Strathairn) entlarvt den Gesinnungswechsel als vollzogen. Storytechnisch kommt ihre âgute Tatâ am Ende daher nicht ĂŒberraschend und lieĂ sich erwarten. Aber charakterlich stehen ihr jetzt neue, interessantere Möglichkeiten zur VerfĂŒgung und ich bin wieder gespannt, wie es mit ihr weitergeht.

Ashford
Ashford und seine Entscheidungen sind die Dreh- und Angelpunkte des Finales. In der ersten HĂ€lfte bleibt er nachvollziehbar, hört sich Holdens Geschichte an, folgt dem Vorschlag von Kolvoord, um möglicherweise das Geschwindigkeitslimit auĂer Kraft zu setzen und erkennt als erster die fatalen Folgen, die das Experiment nach sich ziehen wird - „They burnt whole solar systems like they were trying to cauterize a wound.“
Er ist und bleibt ein harter Hund, was sich in seinem Umgang mit Naomi (Dominique Tipper), Bobbie (Frankie Adams), Grigori (Brock Johnson) oder auch Diogo (Andrew Rotilio) widerspiegelt. So muss Naomi sich zuerst um ein gröĂeres Schiffsproblem kĂŒmmern, ehe sie Drummer (Cara Gee) aufsuchen darf. Bobbie und ihr Team mĂŒssen Waffen und RĂŒstung abgeben, wenn sie an Bord der Behemoth bleiben wollen. Und Grigoris Hinweise zum medizinischen Versorgungsproblem werden mit verbindlichen Blutspenden gekontert, wĂ€hrend Diogo einen Einlauf bekommt, nachdem VorrĂ€te verschwunden sind. Das alles wirkt hart, aber gerecht, wobei Ashford nie das gröĂere Ziel aus den Augen verliert. Ferner werden uns die FrĂŒchte seines Handelns prĂ€sentiert, wenn uns gezeigt wird, wie sich die verschiedenen Uniformen bei der Krankenversorgung Seite an Seite um die Verletzten kĂŒmmern - da ist es egal, ob man von der Erde oder vom Mars kommt oder ein Belter ist.
In der zweiten HĂ€lfte des Finales macht sich allerdings bemerkbar, wie Ashford zum Bösewicht mutiert und vieles von der zuvor an den Tag gelegten Nachvollziehbarkeit ablegt. Sein Plan, den Ring zu zerstören, um unser Sonnensystem und somit die Menschheit zu retten, klingt nicht verkehrt. Bis zu einem gewissen Punkt lĂ€sst sich sein Festhalten am Vorhaben samt eben angesprochener harter Linie auch nachvollziehen. Aber spĂ€testens, als ihm die Alternative aufgezeigt wird und er davon nichts wissen will, wird er zum Besessenen. Sein Argument, dass frĂŒher oder spĂ€ter jemand die âBombeâ auslösen wird, ist ja nicht schlecht. Aber was spricht dagegen, zuerst Holdens Plan auszuprobieren und sich spĂ€ter Gedanken darĂŒber zu machen, wie sich in Zukunft verhindern lĂ€sst, dass doch noch jemand den Ring betritt und die Menschheit durch unvorsichtiges Verhalten gefĂ€hrdet? Nichts.
Abaddon's Gate hat hier definitiv ein Zeitproblem, um uns Ashford als glaubwĂŒrdigen Gegenspieler zu verkaufen, der am Ende sogar ĂŒber Leichen geht. Da wird mal eben das in Fallen World geschaffene, neue VerhĂ€ltnis zu Drummer beiseite gelegt. Und auch beim Thema Holden sollte Ashford anders reagieren - immerhin zitiert er ihn am Ende von Congregation und mĂŒsste somit verstanden haben, dass James nicht ganz so verrĂŒckt ist, wie es aussehen mag. Unterm Strich wĂ€re Ashfords Wandlung zum Besessenen mein gröĂter Kritikpunkt am Finale. Den Drink mit Drummer am Ende hat er sich jedenfalls nicht verdient.

Rocinante
Nun aber endlich zu unseren Helden, die sich natĂŒrlich wieder mitten ins Geschehen begeben und den Tag retten mĂŒssen. Nach den Ereignissen der letzten Folge finden sich Alex (Cas Anvar), Amos (Wes Chatham) und Naomi noch an Bord der Rocinante wieder. Melba ist ĂŒberwĂ€ltigt und Anna darf Amos erklĂ€ren, was es mit ihr auf sich hat.
Eine der ersten von mehreren tollen Szenen mit Anna und Amos - zwei Figuren, die von Grund auf verschieden sind, aber eine gegenseitige Faszination vom jeweils anderen verspĂŒren. Jede Szene mit den beiden ist ein kleines Highlight. Als eine beispielhafte Stelle lĂ€sst sich die bezeichnen, als Anna Amos erklĂ€rt, weshalb sie anderen hilft: „Because it needs to be done. I think that's what most of my life is: seeing what needs to be done and trying to do it.“ - „Mine, too.“ Wie gesagt, beide Figuren sind grundverschieden, was sich in den Dialogen und Einstellungen auch widerspiegelt. Und doch stimmt hier die Chemie und beide finden sich im gleichen Team wieder.
ZurĂŒck zum Anfang, wo Naomi die Rocinante soweit repariert hat, dass sie zumindest Nachrichten von auĂerhalb wieder empfangen kann. Ashfords Botschaft initiiert den Standortwechsel unserer Crew, wobei Alex darauf besteht, dass man sich nicht wieder trennt. Im Nachhinein die richtige Entscheidung, auch wenn der Wechsel zur Behemoth etwas ĂŒberhastet wirkt. Aber es gilt ja noch, Holden zu finden und Naomi interessiert natĂŒrlich, was mit Drummer passiert ist. Insofern verstĂ€ndlich, dass unsere Figuren zum Ort der Haupthandlung und auf den neuesten Stand der Dinge gebracht werden. Anders könnten sie auch kaum ins Geschehen eingreifen.
Was dann folgt, weiĂ durchaus zu gefallen. Naomi hilft Drummer wieder auf die Beine und wird anschlieĂend zu Holden gebracht, was uns gleich zwei Wiedersehensmomente beschert. Ein bisschen bleibt zwar das GefĂŒhl zurĂŒck, dass die Macher hier eine Liste abarbeiten, um die Figuren in Stellung zu bringen und vor allem bei Drummer wĂ€re sicher mehr Ăberzeugungsarbeit von Nöten gewesen, damit sie Holden Glauben schenkt. Aber die Motivationen unserer Figuren bleiben stets erhalten und jede Entscheidung wirkt nachvollziehbar - beispielsweise vertraut Drummer auf Naomi, was ihre Einstellung zu Holden wieder relativiert. Den Startschuss zum Endspiel liefert schlieĂlich Miller (Thomas Jane), der sein Schweigen bricht und Holden erklĂ€rt, was zu tun ist.
Ab hier werden Spannung und Action wieder in die Höhe geschraubt. Unser Team trennt sich in zwei Gruppen. WĂ€hrend Anna, Amos und Alex mit Hilfe von Monica (Anna Hopkins) die anderen Schiffe warnen, ihre Reaktoren abzustellen, liegt es an Holden, Naomi und Drummer, der Behemoth den Saft abzudrehen. Besonders greifbar wird die Spannung, als Drummer sich den Verfolgern stellt und als Alex und Amos sich im Feuergefecht mit Bobbie wiederfinden. Und natĂŒrlich lĂ€sst uns das Finale schlieĂlich mit einem Wow-Moment zurĂŒck, der mit Spannung auf die nĂ€chste Staffel warten lĂ€sst.

Sonstige Gedanken
- Wie geht es jetzt mit Bobbie weiter, nachdem sie sich erneut gegen die eigenen Leute gestellt hat? Auf der Rocinante wÀre sicher noch ein Platz frei, oder?
- Erstaunlich, wie viele Figuren ĂŒberlebt haben. Zumindest bei Ashford, Melba oder Drummer (die opfert sich gerne fĂŒr andere, oder?) hĂ€tte ich erwartet, dass der Sensenmann zuschlĂ€gt und eine oder zwei Figuren aus dem Verkehr zieht. TatsĂ€chlich erwischt hat es ânurâ die kleineren Leute - Eagan (Obssa Ahmed), Grigori, Diogo und wie wir von Monica erfahren, hat es Cohen (Brandon McGibbon) bei der Vollbremsung zerrissen.
- 1300 Ringe fĂŒhren zu 1300 Sonnensystemen, manche oder viele davon vermutlich bereits zerstört. Klingt ein bisschen nach Stargate fĂŒr die nĂ€chste Staffel. Und irgendwo da drauĂen wird sich noch die groĂe Bedrohung befinden, die die Schöpfer des ProtomolekĂŒls auslöschte. Wann kommt eigentlich Staffel vier?
Fazit
Insgesamt weiĂ das zweiteilige Finale schon zu gefallen und zumindest bei unseren Helden lĂ€sst sich wenig bis gar nichts beanstanden. Allerdings wirkt besonders Abaddon's Gate sehr gehetzt, worunter die Figur des Klaes Ashford stark in Sachen GlaubwĂŒrdigkeit zu leiden hat. Mindestens eine Episode mehr wĂ€re da wĂŒnschenswert gewesen, um den unverhofften Bösewicht nachvollziehbarer zu gestalten und auch, um noch ein paar andere Dinge glattzubĂŒgeln. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, wurde die dritte Buchvorlage jetzt in einer halben Staffel durchgeprĂŒgelt, was schon arg wenig fĂŒr ĂŒber 500 Seiten ist (das erste Buch hat dafĂŒr bei einer Ă€hnlichen Seitenanzahl anderthalb Staffeln bekommen). Unterm Strich wĂŒrde ich die dritte Staffel zwar als die beste der Serie bisher betrachten - denn kaum eine Folge konnte das hohe Niveau nicht halten - aber das Finale liegt doch leicht unterm Schnitt (der fĂŒr die ersten elf Episoden bei etwa 4,2 Sternen liegt). Von mir gibt es daher 3,5 von 5 Sternen, die ich geschmeidig auf 4 von 5 Sternen aufrunde. Einverstanden?
Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 30. Juni 2018(The Expanse 3x13)
Schauspieler in der Episode The Expanse 3x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?