The Expanse 3x08

© zene aus „It Reaches Out“ (c) Syfy
Musikalische Empfehlung meinerseits zur Lesung des Artikels und zur Folge kommt von den Pixies: Where is my mind?
Thomas Prince
Diese Woche steht uns einiges an Charakterentwicklung bevor, ehe es in den letzten zehn Minuten so richtig spannend wird und sich The Expanse mit einem Cliffhanger verabschiedet. Maneos (Zach Villa) selbstmörderische Aktion von letzter Woche sorgt überall für Aufruhr und manifestiert den Startschuss für Holdens (Steven Strait) Halluzinationen (oder wie auch immer man das bezeichnen will, was er sieht). Auch auf der Thomas Prince sind die Gemüter erregt, was zu einigen Diskussionen führt.
Glücklicherweise spielen sich die meisten Gespräche zum Sinn und Zweck des Rings im Hintergrund ab, denn das religiöse Geplänkel - welches durchaus nachvollziehbar ist - wäre in meinen Augen fehl am Platze. Da ist eine höhere (nicht göttliche) Intelligenz, die - wie Kolvoord (Chris Owens) meint - den Ring als Portal nutzen könnte, um zu uns vorzudringen, um einiges plausibler. Sorry, Hector (Paulino Nunes), aber hier darf man sich getrost die Frage von Kirk aus Star Trek V stellen, weshalb Gott ein Raumschiff (oder in diesem Fall einen Ring) braucht. Allmächtig und so.
Im Vordergrund steht derweil Anna (Elizabeth Mitchell), die sich gar nicht erst auf Kolvoords religiöse Anspielung einlässt und gut kontert. Viel wichtiger ist aber, dass Melba (Nadine Nicole) ihre Aufmerksamkeit erregt. Da hat Anna den richtigen Riecher, dass etwas nicht stimmt und kann in Zukunft vielleicht noch Schlimmeres verhindern.
Melba findet derweil ihren Weg auf die Thomas Prince, wobei ihr der Tod von Ren (John Kapelos) doch mehr zu schaffen macht, als sich erwarten ließ. So wirklich überzeugt von ihrer Sache scheint sie jedenfalls nicht zu sein, auch wenn sie am Ende die Bombe hochgehen lässt. Hier kommt erneut der menschliche Faktor ins Spiel, der die Serie so großartig macht. In jeder gewöhnlichen Reihe wäre Melba eine Antagonistin, mit der sich überhaupt nicht mitfühlen ließe. Aber von Schwarzweißmalerei lässt sich keine Spur blicken. Gut möglich also, dass sie schon jetzt ihren Druck auf den auslösenden Knopf bereut. Schließlich hätte sich Ren so oder so die Radieschen von unten angesehen und ihr Gewissen belastet. Aber warten wir erstmal ab, wer da im Hintergrund die Strippen zieht und weshalb diesem Jemand überhaupt Leute folgen.

Behemoth
Ashford (David Strathairn) ist darum bemüht, sich mit Drummer (Cara Gee) und Naomi (Dominique Tipper) gut zu stellen. Während er bei Naomi zunächst einen kleineren Erfolg verbuchen kann, scheint seine Vergangenheit bei Drummer allerdings auf heftigen Widerstand zu stoßen. Wäre schön, wenn das Thema in den nächsten Folgen mal etwas ausführlicher (und mit Rückblicken) versehen wird, denn bislang sind Ashfords Aktionen sehr nachvollziehbar und haben stets das Wohl der Belter im Gesamtgefüge der drei großen Parteien im Blick, was man von Drummer nur bedingt behaupten kann.
In Bezug auf den Schlussakt wendet sich das Blatt ein wenig, denn hier ist es Drummer, die Ashford Folge leistet und auf die Rocinante feuern lässt, während Naomi natürlich an ein gefälschtes Video von Holden glaubt. Für mich macht sich Ashford hier ein wenig verdächtig und könnte gar der Strippenzieher hinter dem Anschlag und dem Bekennervideo sein. Etwas zu schnell schlägt er vor, auf die Rocinante zu ballern, um den drohenden Konflikt im Keim zu ersticken. Vielleicht von ihm inszeniert, um die Belter durch „Behebung eigener Probleme“ in den Augen von Erde und Mars zu stärken?
Andererseits ergibt seine Schlussfolgerung natürlich auch ohne risikoreiche Hintergedanken Sinn und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass der Strippenzieher von der Erde (oder vom Mars) kommt. Schließlich sind O.P.A. und die Belter insgesamt schon immer ein Dorn im Auge der anderen Parteien gewesen, die diese neue Erstarkung aufgrund der letzten Ereignisse womöglich nicht gutheißen. Aber es gibt kaum Hinweise auf einen Missetäter von Erde oder Mars. Im Gegenteil, die bekannten Gesichter dieser beiden Planeten werden wohl kaum ein Bauernopfer der Rocinante hinnehmen. Bleibt doch nur Ashford, oder übersehe ich da jemanden?

Miller is back
Die Haupthandlung findet mal wieder an Bord der Rocinante statt. Holden wird weiterhin von Miller (Thomas Jane) heimgesucht, was ihm sichtlich zu schaffen macht und dem Rest der Crew nicht verborgen bleibt. Mit Fortschreiten der Folge ergeben Millers Ausführungen, die hauptsächlich aus Zitaten seiner Vergangenheit bestehen, aber plötzlich Sinn und liefern im Schlussakt eine Lösung aus der Bredouille und gleichzeitig den Cliffhanger der Episode.
Ich habe hier nur einen Kritikpunkt, aber der ist doch sehr wesentlich und hängt mit dem Zeitsprung von letzter Woche zusammen. Denn Holdens Verhalten, was in den Augen von Amos (Wes Chatham) und Alex (Cas Anvar) auf einen kommenden Nervenzusammenbruch hindeutet, wird hier auf die Ereignisse der ersten Staffelhälfte und die damit verbundenen Belastungen unseres bescheidenen Helden zurückgeführt. Da liegen aber Monate zwischen und letzte Woche gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass der Captain irgendwie beeinträchtigt ist. Insofern nicht stimmig, wenn Alex und Amos da eine Verbindung vermuten, die jetzt erst Folgen zeigt.
Ansonsten ist aber alles wunderbar umgesetzt, wenn auch etwas unverhältnismäßig schnell. Aber über Pacing-Probleme lässt sich leicht hinwegsehen, denn It Reaches Out kombiniert im Schlussakt wieder mehrere Handlungsstränge gekonnt miteinander. Melba löst die Bombe aus und kurz danach sendet die Rocinante ein Bekennervideo, welches auf die Rechnung des Kameramanns Cohen (Brandon McGibbon) geht und unsere Crew beziehungsweise Holden und die Belter als Missetäter dastehen lässt.
Bemerkenswert ist, dass Cohen den eigenen Tod in Kauf nimmt, denn eine entsprechende Reaktion der anderen Streitkräfte samt Feuerbefehl war zu erwarten. Ob Monica (Anna Hopkins) wohl auch mit drinsteckt? Schwierig zu beurteilen. Die ganze Dokumentation, die unserer Crew etwas Geld in die Kasse spült, scheint darauf ausgerichtet zu sein, einen Sündenbock für den Anschlag zu präsentieren. Aber Monicas Fragen, wenn auch stellenweise unangenehm für unsere Crew, scheinen von aufrichtiger Neugier geprägt und natürlich auch ein bisschen auf Sensation ausgelegt zu sein - wie man es eben von einer guten Reporterin erwarten würde. Außerdem ist es allein Cohen, der sich im Vorfeld verdächtig macht.
Zuletzt sei noch angemerkt, dass mir die Vorarbeit auf der Rocinante sehr gut gefallen hat. Holden, der seinen Halluzinationen auf den Grund gehen will und sich immer wieder nach dem Protomolekül scannen lässt. Amos, der zuerst merkt, dass mit dem Captain etwas nicht stimmt und ihm seine Hilfe anbietet. Und zuletzt natürlich die Zweifel, ob der Captain noch weiß, was er da tut. Nebenbei bekommen wir Zuschauer noch eine Erklärung für Holdens imaginären Freund, denn wir werden an den verbleibenden Rest Protomolekül an Bord der Rocinante erinnert.

Cliffhanger
Kennt ihr diese fiesen Cliffhanger, die uns am Ende einer Folge oder gar Staffel mit der Ungewissheit zurücklassen, ob unsere Protagonisten überlebt haben? Die sind oft blöd, oder? Schließlich glaubt doch niemand bei solchen Ereignissen, dass tatsächlich alle hops gehen. Und im nächsten Staffelauftakt oder in der nächsten Folge stellt sich uns dann nicht die Frage, ob sondern wie die Figuren dem scheinbar sicheren Serientod entkommen (sind). Die Auflösung kann in solchen Fällen zwar ebenfalls spannend und gut umgesetzt sein, aber oft ist sie nicht wirklich gelungen, weil sie als reine Hinhaltetaktik für den Zuschauer dient und als solche schnell entlarvt wird.
In It Reaches Out wäre es für die Macher sehr einfach gewesen, uns einen solchen Hinhalte-Cliffhanger abzuliefern - dazu hätte die Episode bloß ein bis zwei Minuten eher enden müssen. Stattdessen bekommen wir aber noch zu sehen, dass Holdens Taktik (vorerst) funktioniert und sowohl Rocinante als auch die Rakete irgendwie am Ring „eingefroren“ oder zumindest stark verlangsamt werden. Der Cliffhanger besteht hier nicht darin, uns um die Figuren bangen zu lassen. Nein, der Fokus wird auf das ausgerichtet, was als nächstes kommt. Auf das, was Miller beziehungsweise das Protomolekül mit unserer Crew vorhat. Der „Ring“ des Episodenverlaufs, durch Maneos Aktion losgetreten, schließt sich hier am Ende auf wunderbare Weise. Statt Who will survive and what will be left of them? heißt es jetzt What the fuck is going on and what will happen next? - für mich ist die letztere Frage die eindeutig spannendere.
Fazit
Nicht ganz ohne Kritik, aber fraglos erneut eine grandiose Folge. The Expanse zeigt einmal mehr, wie man gekonnt mit den Figuren umgeht und nebenbei verschiedene Handlungsstränge im Schlussakt zusammenfließen lässt, um den Zuschauer aus den Socken zu hauen. Das ist ganz großes Science-Fiction Kino, welches mit Spannung auf die nächste Episode warten lässt. Von mir gibt es diese Woche 4,5 von 5 Sternen.
Trailer zur Folge 3x09:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 2. Juni 2018The Expanse 3x08 Trailer
(The Expanse 3x08)
Schauspieler in der Episode The Expanse 3x08
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