The Expanse 3x09

The Expanse 3x09

In der Folge Intransigence der US-Serie The Expanse steckt die Rocinante in der Klemme. Der Ring entschleunigt diese Woche neben Raumschiffen auch die Handlung, wenngleich es bei Melba eine gute Portion Hintergrundinformationen gibt.

Cas Anvar, Anna Hopkins und Wes Chatham in „The Expanse“ (c) Rafy/Syfy
Cas Anvar, Anna Hopkins und Wes Chatham in „The Expanse“ (c) Rafy/Syfy
© as Anvar, Anna Hopkins und Wes Chatham in „The Expanse“ (c) Rafy/Syfy

Thomas Prince

Die Explosion der Seung Un veranlasst Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) dazu, die zivile Besatzung der Thomas Prince in Sicherheit bringen zu lassen. Nicht alle Figuren sind erfreut darüber, sieht es doch so aus, als wenn in Kürze der erste Kontakt mit den Schöpfern des Ringes und des Protomoleküls hergestellt werden könnte. Ein Abenteuer, welches Anna (Elizabeth Mitchell) sich nicht entgehen lassen will.

Die ganze Situation ist nicht schlecht umgesetzt. Mit dem Anschlag im Nacken und mit dem großen Unbekannten im Blickfeld lassen sich unterschiedliche Reaktionen bei den verschiedenen Figuren erwarten. Da gibt es Soldaten, die sich gerne zusammen mit der zivilen Fraktion davonmachen möchten, was nur verständlich ist. Hector (Paulino Nunes) sieht plötzlich nur noch gottverlassene Dunkelheit im Ring und lehnt es ab, an Bord zu bleiben - offensichtlich schwindet die Glaubensstärke, sobald die eigene Sicherheit gefährdet ist. Wenig überraschend.

Ebenso wenig überraschend ist es aber auch, dass Anna mit der Hilfe von Tilly (Genelle Williams) einen Weg findet, an Bord zu bleiben. Hier wäre es durch ihre familiäre Situation zwar glaubhaft gewesen, wenn sie sich anders entschieden hätte. Aber erstmal setzt Anna ihre Prioritäten - wie wir wissen - nicht so, wie es ein reiner Familienmensch handhaben würde (sonst hätte sie die lange Reise erst gar nicht angetreten) und zum zweiten baut man eine offensichtlich wichtige Figur nicht erst in einen Handlungsstrang ein, um sie kurz darauf wieder herauszunehmen. Das Ergebnis ließ sich demnach erwarten.

Elizabeth Mitchell in „The Expanse“
Elizabeth Mitchell in „The Expanse“ - © Rafy/Syfy

Melba Koh

Apropos Anna. Es gibt diese Woche ein weiteres kleines Gespräch zwischen ihr und Melba (Nadine Nicole), womit sich beide Charaktere ein klein wenig besser kennenlernen. Und wieder fällt Melba durch ihr Verhalten auf, wenn sie gefragt wird, weshalb sie an Bord bleibt. Ein weiteres Indiz, welches Anna sammeln und in nicht allzu ferner Zukunft gebrauchen könnte, um Melbas wahre Identität zu klären.

Uns wird währenddessen anhand von Rückblicken offenbart, dass Melba eine Tochter von Jules-Pierre Mao (Francois Chau) und somit die Schwester von Julie (Florence Faivre) ist. Das ist natürlich eine Überraschung, sofern man sich im Vorfeld nicht schon hat spoilern lassen. Und es ist durchaus interessant, wie groß die Rolle der Familie Mao innerhalb der Serie ist. Julie war schließlich einer der Dreh- und Angelpunkte in den ersten anderthalb Staffeln und Jules war bis zu seiner Verhaftung in Immolation eine wichtige Figur. Jetzt steht Melba im Mittelpunkt und bekommt anhand der Rückblicke mehr charakterliches Fleisch auf die Knochen. Gut so.

Allerdings komme ich nicht umhin, ein wenig gelangweilt von diesen Offenbarungen zu sein. Oder zumindest enttäuscht, was die Begründung ihrer Taten angeht. Alles, um die Anerkennung des Vaters zu gewinnen und um sich an Holden (Steven Strait) für Maos Verhaftung zu rächen? Das könnte sich als eine elegant banale Erklärung werten lassen, funktioniert aber leider nicht. Hauptsächlich deshalb, weil da jede Menge Widersprüche drinstecken. Denn auch diese Woche sehen wir Melba, wie sie von Rens (John Kapelos) Tod mitgenommen ist und dessen Erbe und Andenken vor Stanni (Ari Millen) und Soledad (Marci T. House) zu schützten versucht. Gleichzeitig benutzt sie aber Rens Besitztümer, um heimlich eine Nachricht an ihren Vater zu senden. Ganz zu schweigen davon, dass sie ein ganzes Schiff gesprengt hat, um Holden als Buhmann dastehen zu lassen.

Schön und gut, dass ihr die Konsequenzen ihres Handelns zu schaffen machen und obendrein noch viel größere Auswirkungen auf die gesamte Lage um Erde, Mars und die Belter mit sich bringen (was sie wohl nicht geplant hat). Aber sämtliche Charakterentwicklung erscheint bei Melba wie vergebliche Mühe, wenn sie am Ende die Nachricht absetzt, um weiterhin um die Aufmerksamkeit und Anerkennung ihres Vaters zu buhlen. Wo bleiben da der Lernprozess und die Weiterentwicklung, die sich angedeutet haben? Die verpuffen einfach.

Ebenso verpufft die groß angedeutete Verschwörung der letzten beiden Wochen. Denn mit Melba als Strippenzieherin ist das Ende der Fahnenstange bereits gesetzt. Kein weiterer Hintermann, der Cohen (Brandon McGibbon) und Maos jüngster Tochter Anweisungen gibt oder diese gar kontrolliert. Da macht sich schon etwas Enttäuschung bemerkbar.

Unterm Strich würde ich meinen, dass man dennoch von einer adäquaten Erklärung zu Melba und ihren Handlungen sprechen kann. Vielleicht sind meine Erwartungen da auch einfach zu hoch gewesen, so dass ich mit einer simplen Erklärung nur enttäuscht werden konnte. Aber wie heißt es so schön? Schlimmer geht immer. Und als Fiasko lässt sich dieser Handlungsstrang trotz aller Kritik sicher nicht werten.

Nadine Nicole in „The Expanse“
Nadine Nicole in „The Expanse“ - © Rafy/Syfy

Behemoth

Naomi (Dominique Tipper) steht auf der Behemoth im Fokus und muss ihre Zusammenarbeit mit Drummer (Cara Gee), Ashford (David Strathairn) und den anderen Beltern grundlegend überdenken. Der Feuerbefehl von letzter Woche lässt sich da leicht als Auslöser für jegliche Zweifel werten, stellt aber nur die Spitze des Eisbergs dar. Die Dialoge mit Ashford und Drummer zeigen Naomi auf, dass sie sich nicht mehr mit den „Beltalowda“ identifizieren kann, auch wenn sie immer ein Belter bleiben wird.

Zunächst einmal sei angemerkt, dass sich hier alle drei Hauptfiguren nachvollziehbar und glaubhaft verhalten. Für mich persönlich ist dabei Ashford einer der interessantesten Charaktere. Er steht mittlerweile etwa dort, wo Naomi vor ihrer Zeit auf der Rocinante gestanden haben könnte - jedenfalls mit Blick auf den „Belter-Patriotismus“. Uns schwant zwar weiterhin, dass er eine dunkle Vergangenheit hat, die erneut an die Oberfläche kommen könnte, aber seine Bemühungen um die Stärkung der Belter scheinen aufrichtig und ehrlich zu sein. Im Grunde genommen verkörpert er da vieles, was Naomi vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls als Antrieb diente und unter anderem dazu veranlasste, das Protomolekül heimlich an Fred Johnson (Chad L. Coleman) weiterzureichen. In gewisser Weise hält Ashford ihr da im persönlichen Gespräch einen verbalen Spiegel vor Augen - vielleicht gar der ausschlaggebende Punkt, weshalb Naomi die Behemoth am Ende verlässt?

Drummer steht Ashford derweil nicht mehr so abgeneigt gegenüber, wie noch vor zwei Wochen. Die beiden befinden sich da in Bezug auf Naomi sogar im gleichen Lager, beteuern sie doch, dass der Schuss auf die Rocinante zwar notwendig war, aber sie den Tod von Holden und Co keinesfalls gutheißen würden. Erwähnenswert ist hier noch, dass zunächst niemand an Bord der Behemoth weiß, ob die Rakete getroffen hat oder nicht - was den Aussagen von Drummer und Ashford über die Crew der Rocinante ein höheres, mitfühlenderes Gewicht verleiht.

In Sachen „mitfühlen“ kann Drummer schließlich enorm punkten. Ihre Ansprache an die Besatzung, bevor sie in den Ring fliegen, kann sich schon sehen lassen. Hier sehen wir dann auch, dass Naomi den Enthusiasmus ihrer Gefolgsleute nicht (mehr) teilt. Viel wichtiger ist aber, dass sie Naomi am Ende ziehen lässt. Keinesfalls selbstverständlich und insofern ein sehr starker (Abschieds-)Moment.

Falls sich etwas kritisieren lässt, dann vermutlich, dass Naomis Ausflug auf die Behemoth relativ kurz war. Hoffentlich bedeutet das jetzt nicht, dass wir in Zukunft weniger von Ashford (und Drummer) zu sehen bekommen. Mich würde nämlich schon interessieren, wie es mit den Beltern weitergeht. Und ich will nicht erneut auf dem Zeitsprung herumreiten, aber gerade nach dem Abschied von Drummer hätte ich gerne gewusst, wie Naomis Abschied von Holden oder Amos (Wes Chatham) aussah oder ganz generell, wie die Crew reagiert hat, als sie sich erneut den Beltern angeschlossen hat.

Rocinante

Nach dem Cliffhanger von letzter Woche ließ sich mit Spannung erwarten, wie es mit unserer Crew weitergehen würde. Die nüchterne Antwort ist leider, dass sich hier kaum etwas tut. Die Grenzen des Raumes im Ring werden ausgelotet, die Lage der Rocinante wird nochmal etwas aussichtsloser und Ratgeber Miller (Thomas Jane) lässt sich erst am Ende blicken, um Holden in den nächsten Cliffhanger zu schicken - dieses Mal alleine.

Cara Gee in „The Expanse“
Cara Gee in „The Expanse“ - © Rafy/Syfy

Langweilig wird es zum Glück trotzdem nicht, Amos sei Dank. Der zieht nämlich schnell den richtigen Schluss und knöpft sich Cohen (und Monica (Anna Hopkins)) vor - auf die liebenswürdig raubeinige Art, die allein Amos vorbehalten ist. Die Sabotage lässt sich zwar nicht rückgängig machen (dazu muss Naomi erstmal zurückkehren, was auch noch spannend werden könnte), aber unser bärtiger Freund erweist sich im Verhör sehr effektiv. Vielleicht zu effektiv, als dass Cohen und Monica nach geglückter Reise zur Xuesen unsere Crew lobend erwähnen werden. Aber wir erinnern uns kurz, dass Bobbie (Frankie Adams) sich ebenfalls an Bord des marsianischen Schiffes befindet und sicher ein gutes Wort für die Rocinante einlegen wird.

Alex (Cas Anvar) darf derweil ein paar offensichtliche Erkenntnisse und Beobachtungen ausformulieren, die die Grenzen der aktuellen Lage aufzeigen. Die (stark verlangsamte) Rakete wird ihr Ziel offenbar nicht mehr treffen, aber die Xuesen befindet sich auf den Fersen der Rocinante, der keine Fluchtmöglichkeiten mehr bleiben (am Rand der „Blase“ ist Schluss). Davon ab sorgt Alex allerdings noch für eine gute Portion Humor. Köstlichster Moment ist sicher, als er vor der Kabine des Captains steht und nach Miller fragt. Wobei es ohnehin schön ist, dass Alex und Amos diesbezüglich Holden nicht mehr in Frage stellen. Die „Rettung“ von letzter Woche hat da sicher gewirkt.

Bleibt noch Holden übrig, der verzweifelt Kontakt zu Miller sucht und diesen erst gegen Ende der Episode bekommt. Für mich bleibt da ein leicht unwohles Gefühl zurück, wenn Holden sich aufmacht, um dem „Kern“ des Ganzen näherzukommen. Gleichzeitig wird aber auch Spannung geweckt, nachdem sowohl wir als auch Holden durch Miller so lange hingehalten wurden. Die nächste Folge darf jedenfalls kommen.

Fazit

The Expanse lehnt sich diese Woche zurück, konzentriert sich auf die Figuren und kommt handlungstechnisch nur wenig voran. Überraschungen sind zwar vorhanden, lassen aber hier und dort ein wenig zu wünschen übrig. Vermutlich die Ruhe vor dem Sturm, der da am ringförmigen Himmel aufzieht. Für mich eine schwächere, aber keine wirklich schlechte Folge. Für 3 von 5 Sternen sollte es reichen.

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 9. Juni 2018

The Expanse 3x09 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 9
(The Expanse 3x09)
Deutscher Titel der Episode
Unnachgiebigkeit
Titel der Episode im Original
Intransigence
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 6. Juni 2018 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 8. Februar 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 8. Februar 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 8. Februar 2019
Regisseur
David Grossman

Schauspieler in der Episode The Expanse 3x09

Darsteller
Rolle
Steven Strait
Cas Anvar
Dominique Tipper
Wes Chatham
Frankie Adams
Thomas Jane

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