The Expanse 3x07

The Expanse 3x07

In der Folge Delta-V erwartet uns ein neues Kapitel der US-Serie The Expanse. Nicht wenige bekannte Figuren finden sich in einem neuen Umfeld vor und neue Charaktere betreten die Bühne. Im Fokus stehen die Auswirkungen des Cliffhangers von letzter Woche.

Dominique Tipper, David Strathairn und Cara Gee in „The Expanse“ (c) Syfy
Dominique Tipper, David Strathairn und Cara Gee in „The Expanse“ (c) Syfy
© ominique Tipper, David Strathairn und Cara Gee in „The Expanse“ (c) Syfy

Zeitsprung

Bereits die ersten Szenen, in denen Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) ihre Ansprache hält und mit denen uns vor Augen geführt wird, was der Cliffhanger von letzter Woche - dieses riesige Protomolekül-Ungetüm - bewerkstelligt hat, deuten auf einen Zeitsprung hin. In der Tat sind ungefähr sechs Monate vergangen, seit wir unsere Figuren zuletzt gesehen haben und in der Zwischenzeit ist eine Menge passiert.

Mir liegt es nun fern, den Zeitsprung als solchen zu kritisieren, denn die neue Ausrichtung kommt nicht nur glaubwürdig, sondern auch vielversprechend daher. Aber (und das ist ein großes ABER) mir fehlt da was. Chrisjens Rückkehr zur Erde, Gillis' (Jonathan Whittaker) Rücktritt, Annas (Elizabeth Mitchell) neue Mission und Bobbies (Frankie Adams) Wiedereinstellung für die Mars-Streitkräfte sind da nur die Spitze des Eisbergs. Vielmehr würde mich interessieren, wie der Abschied von Naomi (Dominique Tipper) an Bord der Rocinante aussah (vor allem nach dem letzten Schäferstündchen mit Holden (Steven Strait)) oder, wie Prax (Terry Chen) sich von Amos (Wes Chatham) verabschiedet hat.

Nicht falsch verstehen, denn die aktuelle Handlung ist nicht minder spannend als zuvor und füllt im Folgenverlauf auch die obigen Lücken. Aber ich wäre gerne dabei gewesen, um die Momente auszukosten und auf der dramatischen Ebene zu beobachten. Da gibt/gab es sicherlich genug Material, um eine ganze Folge zu füllen und uns auf die neuen Situationen der Figuren vorzubereiten. Schließlich ist Delta-V kein Staffelauftakt, der nach längerer Pause das Geschehen weitererzählt.

Steven Strait als Earther James Holden in „The Expanse“
Steven Strait als Earther James Holden in „The Expanse“ - © Syfy

Maneo

Eine nette, kleine Nebenhandlung dreht sich um den Rekordbrecher Maneo (Zach Villa), der gerne seine Freundin Evita (Bo Martyn) beeindrucken würde. Doch die Nachrichten berichten lieber über den ominösen Ring und Evita wendet sich Maneos Bruder (Adam Bogen) zu. Da ist ein riskantes Manöver gefragt, um die Aufmerksamkeit aller zu wecken.

Fernab der Hauptfiguren trägt Maneo zunächst nichts zur größeren Handlung bei. Eine kleine Geschichte am Rande, dazu da, den Zuschauer ein wenig zu unterhalten und zu amüsieren. Erst das große Vorhaben des Adrenalin- und Speedjunkies, mit Anlauf durch den Ring zu fliegen, weckt unser Interesse. Und erinnert das Gebilde nicht irgendwie an ein Tor? Eine Art Stargate, welches sogar einen Ereignishorizont besitzt. Da liegt die Vermutung nahe, dass der Ring als ein Portal dient, welches Reisen über große Entfernungen erlaubt. Reisen, die womöglich in beide Richtungen möglich sind.

Maneos Reise endet allerdings ziemlich abrupt. Sein Schiff wird durch den Ereignishorizont kräftig abgebremst, was sein Körper - vorsichtig ausgedrückt - nicht verkraftet. Geschichte wird er wohl trotzdem geschrieben haben und wer weiß, vielleicht inspiriert sein Versuch nun die anderen, sich etwas aktiver mit dem Ring zu beschäftigen.

Thomas Prince

Auf der Thomas Prince - Annas neue Heimat fernab der Familie - rätselt man derweil über Sinn und Zweck des riesigen Gebildes. Kolvoord (Chris Owens) präsentiert uns hier im Gespräch mit Anna seine Theorien zum Protomolekül, welches er nicht für intelligent hält. Vielmehr ist er der Meinung, dass das Protomolekül von einer Intelligenz erschaffen wurde, der man vielleicht besser aus dem Weg geht. „Pray that it's inert.

Wir hoffen derweil das Gegenteil und sind gespannt auf die Dinge, die da womöglich aus dem Ring kommen werden. The Expanse schreibt Science-Fiction wieder groß und es hat durchaus Sinn, dass das auf Phoebe gefundene Protomolekül einst als Sonde losgeschickt wurde, dessen Zweck die Errichtung eines Portals ist, welches den Erschaffern einen Weg in unser Sonnensystem ermöglicht.

Abseits dieser (begründeten) Spekulationen gibt es noch ein paar direkte und indirekte Beobachtungen zu verbuchen. Indirekt haben sich die Wogen zwischen Mars und Erde geglättet. Der Krieg gehört der Vergangenheit an und jetzt heißt es - wie uns Chrisjens Ansprache bereits verrät -, zusammen die Geheimnisse des Protomoleküls zu lüften, welches zuvor (und in den falschen Händen) so viel Zerstörung angerichtet hat. Direkt lässt sich hingegen beobachten, wie Melba Koh (Nadine Nicole) eine Bombe an Bord der Seung Un platziert und sich bei der Entdeckung durch den sympathischen Kollegen Ren (John Kapelos) tödlich zur Wehr setzt. Ein Sabotageakt, der vom Mars ausgeht? Oder vielleicht eine neue Gruppierung, die nichts Gutes im Schilde führt? Noch ist unklar, wer hier auf explosive Art und Weise den irdischen Streitkräften zu Leibe rücken will. Aber von Friede, Freude, Eierkuchen kann nicht die Rede sein.

Elizabeth Mitchell als Anna Volovodov und Chris Owens als Kolvoord in „The Expanse“
Elizabeth Mitchell als Anna Volovodov und Chris Owens als Kolvoord in „The Expanse“ - © Syfy

Ähnlich sieht es bei Anna und ihrer Familie aus. Annas neue Mission sorgt für einen Geldregen bei Nonos (Raven Dauda) Projekten, aber das Paar ist nach wie vor über eine große Entfernung getrennt, was Nono zu schaffen macht. Während Maneo und Evita sehr oberflächlich behandelt werden und dem Amüsement des Zuschauers dienen, verleiht Nonos Nachricht der Beziehung Tiefe und wirkt viel intensiver. Anna steckt in einem persönlichen beziehungsweise familiären Dilemma. Und gerade solche charakterlichen Hintergründe und Entwicklungen sind es, die uns die Figuren aus The Expanse real und glaubwürdig erscheinen lassen. Da können sich andere (Science-Fiction-)Serien gerne eine Scheibe von abschneiden.

Rocinante

James Holden ist auf dem Weg zum Ring - eine Meldung, die für Aufsehen sorgt und jetzt dokumentiert wird. Monica Stuart (Anna Hopkins) und ihr Kameramann (Brandon McGibbon) haben es sich jedenfalls zur Aufgabe gemacht, unsere Crew näher zu beleuchten und stellen dabei auch unangenehme Fragen. Glücklicherweise kann unsere Crew dadurch ein paar Rechnungen begleichen, denn sonst hätte man die damit einhergehenden Strapazen wohl kaum in Kauf genommen.

Von den drei Hauptfiguren zeigt sich Alex (Cas Anvar) noch am kooperativsten gegenüber den Reportern. Vermutlich der Grund, weshalb Monica nicht viel von ihm wissen will, denn da lauert keine Sensation (und eine Sensation ist genau das, was sie entdecken möchte). Lieber heimlich filmen, wie Alex im Gespräch mit Bobbie etwas mehr zur ungeklärten Frage des Besitztums der Rocinante ausplaudert.

Anderseits kann man Monica auch kaum verübeln, dass sie an vielen Ecken nachbohrt. Holdens Zurückhaltung und Bescheidenheit (hey, ihr habt Erde und Mars bereits gerettet - das darf gerne mal deutlich zur Sprache gebracht werden) sind zwar ehrenwert, aber wir würden es ihm kaum ankreiden, wenn er mal ein paar der absolvierten Abenteuer zum Besten gibt und sein Licht weniger unter den Scheffel stellt.

Die größte Aufmerksamkeit genießt allerdings Amos (Wes Chatham), der den Zuschauer mal wieder zum Grinsen bringt. Da werden gleich zwei Annährungsversuche mit „I don't shit where I eat“ abgeblockt und natürlich wird eine der Kameradrohnen zerschmettert. Monicas Recherchen in Sachen Amos Burton fördern derweil ein weiteres Puzzlestück aus seiner Vergangenheit in Baltimore zutage - Amos als „Mob Boss“? Das macht neugierig auf weitere Offenbarungen.

Abgesehen davon und von den etwas ungewöhnlichen Kameraaufnahmen wird der Ball hier aber eher flachgehalten. Unsere Crew nimmt Kurs auf das nächste Abenteuer - nicht mehr, nicht weniger. Besonders viele Neuigkeiten gibt es daher nicht zu verbuchen. Allerdings sticht Monicas Kameramann in seinen letzten Szenen ein wenig hervor. Der scheint nämlich arg neugierig zu sein. Gehört er vielleicht zur selben Gruppierung wie Melba und führt Böses im Schilde?

Behemoth

Die Nauvoo wurde von Drummer (Cara Gee) geborgen und trägt fortan wieder den Namen „Behemoth“. Reparaturen und Aufrüstungen sind im Gange, während Naomi das Hauptaugenmerk des Handlungsstranges genießt. Ziel ist es nach wie vor, die Belter zu stärken und sich als eigene Nation in den Augen von Erde und Mars zu etablieren. Kein leichtes Unterfangen, denn dazu müssen diverse alte Gewohnheiten abgelegt werden.

Dank des Zeitsprungs und der Rettung von Mars hat sich bereits einiges getan, denn die Belter wirken wesentlich organisierter und weniger fraktionierter als je zuvor. Dennoch dominieren Differenzen das Tagesgeschehen, was vor allem durch die Auftritte der neuen Figur Ashford (David Strathairn) demonstriert wird, der offensichtlich kaum Sympathien genießt, aber letztlich viel angepasster auf die neue Situation wirkt als alle anderen.

David Strathairn als Klaes Ashford und Andrew Rotilio als Diogo in „The Expanse“
David Strathairn als Klaes Ashford und Andrew Rotilio als Diogo in „The Expanse“ - © Syfy

Drummer hat das Kommando und orientiert sich an den „alten Regeln“. Drogen? Kann doch jeder selbst bestimmen, was er einnimmt, solange niemand zu Schaden kommt. Kommt jemand zu Schaden, wird der Schuldige halt in der Luftschleuse entsorgt. Tradition und so. Ashford krempelt da vieles ein wenig um und es gelingt Strathairn auf wundersame Weise, seine Figur gleichzeitig als den bösartigen Piraten von damals als auch als den sympathischen Typen mit neuem Blickwinkel zu präsentieren. Eine großartige Balance, die sich sehenlassen kann.

Naomis Präferenzen werden uns derweil nicht verheimlicht - sie findet sich eher bei Drummer als bei Ashford wieder. Aber der Folgenverlauf und nicht zuletzt Ashfords Worte machen sie darauf aufmerksam, wer sie in der Zwischenzeit geworden ist und in welche Richtung die Belter gehen sollten, um ihre Unabhängigkeit zu untermauern. Ein sehr schöner, wenn nicht gar der beste Handlungsstrang diese Woche.

Kuriosität

Hoppla, da wollte ich gerade schon den Artikel beenden und habe noch gar nicht über Thomas Jane gesprochen, der diese Woche einen Gastauftritt absolviert. Wird sich Joe Miller bald zurückmelden? James Holden hat gegen Ende eine kleine Halluzination (?) und sieht Joe leibhaftig vor sich. Kurz die Augen zusammengekniffen, ist Joe wieder weg.

Bahnt sich hier eine kleine Sensation an? Steht uns eine Rückkehr bevor? Die Wege und Absichten des Protomoleküls wurden uns diese Woche ein gutes Stück nähergebracht, scheinen aber dennoch unergründlich. Spannende Sache, die durch die Vorschau auf nächste Woche wohl umso mehr angeheizt wird.

Fazit

The Expanse schlägt ein neues Kapitel auf, wobei die Absichten des Protomoleküls in den Vordergrund rücken und die Menschheit - Erde, Mars, Belter - ein gutes Stück zusammenfindet. Konflikte bleiben aber an der Tagesordnung und lassen sich nicht wegdichten, was dieses neue Kapitel ungemein spannend macht. Dennoch werden uns durch den Zeitsprung ein paar (womöglich) gute Charakterszenen vorenthalten, was den Erklärbären ein wenig steppen lässt. Ganz zu schweigen davon, dass die Szenen auf der Rocinante zwar größtenteils amüsant und unterhaltsam, aber eben vorbereitend gehalten sind. Von mir gibt es diese Woche vier von fünf Sternen.

Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 25. Mai 2018

The Expanse 3x07 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 7
(The Expanse 3x07)
Titel der Episode im Original
Delta-V
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 23. Mai 2018 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 8. Februar 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 8. Februar 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 8. Februar 2019
Regisseur
Kenneth Fink

Schauspieler in der Episode The Expanse 3x07

Darsteller
Rolle
Steven Strait
Cas Anvar
Dominique Tipper
Wes Chatham
Frankie Adams
Thomas Jane

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