The Expanse 3x04

© ild aus der Episode „Reload“ der Serie „The Expanse“ (c) Rafy/ Syfy
„The hardest part of this game is figuring out who the enemy really is.“ - Bobbie Draper (Frankie Adams)
Belter
Seit dem Staffelauftakt ist es sehr ruhig um die Belter und Fred Johnson (Chad L. Coleman) geworden und auch diese Woche tut sich da nicht viel. The Expanse setzt erneut auf ein gemächlicheres Tempo, was sich bereits in den ersten Minuten von Reload zeigt. Dort können wir uns zurücklehnen und die schönen Bilder genießen, während Drummer (Cara Gee) mit der Bergung der Nauvoo beschäftigt ist.
Dieser Koloss von einem Schiff wird bald also wieder in Betrieb genommen. Sehr schön. Wobei es aber hoffentlich demnächst wieder mehr von den Beltern zu sehen gibt. Das Universum der Serie ist groß und mit zahlreichen Figuren gefüllt. Neben der Erde und Mars nehmen die Belter die dritte große Fraktion ein und die wird zurzeit doch stark vernachlässigt. Das ist schade, denn die Auswirkungen des Erde-Mars-Konflikts und das Voranschreiten von Fred Johnsons Plänen sollten doch genug Material hergeben, um sich auf wöchentlicher Basis zumindest ein paar Minuten lang mit den Beltern zu beschäftigen.

Die große Ansprache
Gillis (Jonathan Whittaker) hält diese Woche seine große Rede, in der er den weiteren Kurs für die Erde festlegt und für die er extra Anna Volovodov (Elizabeth Mitchell) konsultierte, um sie für ihn zu schreiben. Die anfänglichen Worte stammen auch sehr eindeutig von Anna, die den Text sogar mitspricht. Aber Errinwrights (Shawn Doyle) Freundlichkeit im Vorfeld hätte ihr schon eine Vorwarnung sein können, dass die Ansprache nicht wirklich so verlaufen wird, wie Anna es vorgesehen hatte.
Ein weiteres Mal kann Sadavir den Generalsekretär beeinflussen. Diese Woche legt er ihm sogar die eigenen Worte in den Mund, wie Chrisjen (Shohreh Aghdashloo) an einer Stelle treffend anmerkt. Ich frage mich ja, wie unsere Schlange diesen Schachzug überhaupt bewerkstelligen konnte. Gillis hatte doch in den vergangenen Episoden stets ein offenes Ohr für Annas Meinung und gerade bei der Rede war es ihm wichtig, sie zu konsultieren. Klar, die zwei Millionen Toten führt Sadavir auf das Zögern des Generalsekretärs zurück, aber Gillis muss doch wissen, dass ohne den Angriff auf die Plattformen erst gar nicht auf die Erde gefeuert worden wäre. Mir fehlt da eine wichtige Diskussion zwischen den beiden, die offensichtlich dem Überraschungsmoment - der Wendung innerhalb der Ansprache - geopfert wird. Außerdem macht Gillis damit einen weiteren Schritt in Richtung rückgratlose Marionette.
Annas Fassungslosigkeit während der Ansprache und auch den anschließenden Wutausbruch gegenüber Gillis können wir jedenfalls vollends nachvollziehen. Sehr gut gespielt von Mitchell, die auch später im Dialog mit Nono (Raven Dauda) gekonnt die passenden Emotionen abrufen und an den Zuschauer weitergeben kann. Ihren Entschluss, wieder zu ihrer Familie zurückzukehren, wird sie nach dem ihr zugespielten Video aber sicher noch einmal überdenken. Sie hat da im Grunde genommen auch gar keine andere Wahl und muss ihrem Gewissen folgen.
Das wird übrigens eine spannende Sache. Bislang konnte Sadavir seine Machenschaften und Fehlschläge stets gut verkaufen oder jemand anderem in die Schuhe schieben. Bei dem Video ist es aber eindeutig, wer da gerade spricht. Bleibt nur zu hoffen, dass Anna die Botschaft von Chrisjen richtig einsetzt und Errinwright keine Gelegenheit erhält, im Vorfeld zu reagieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten - schließlich weiß er bereits, dass Avasarala entkommen ist.
Rocinante
Unsere Crew kommt vorerst nicht zur Ruhe. Neben den in der letzten Woche thematisierten Reibungspunkten, die sich auch in Reload fortsetzen, bringen nun drei unverhoffte Neuankömmlinge ordentlich Wirbel in den Bordalltag. Sinopoli (Atticus Mitchell), Loftis (Kelly McCormack) und Ranhofer (Alain Chanoine) werden bei der Plünderung ihres Schiffs gerettet und vermuten zunächst, dass ihre Rettung aus den eigenen Reihen erfolgt. Als sich jedoch herausstellt, mit wem sie es wirklich zu tun haben, versuchen sie, die Rocinante zu übernehmen.

Undankbares Pack, oder? Wenden sich einfach gegen ihre Lebensretter und hören sich nicht einmal die Erklärungen an. Aber halt, versetzen wir uns doch erstmal in ihre Lage. Da draußen tobt ein Krieg (von dem wir diese Woche auch die Auswirkungen zu spüren kriegen - meine Meinung von letzter Woche muss ich da ein wenig revidieren) und natürlich sind die Soldaten interessiert daran, dass ihre Seite gewinnt. Jetzt finden sie sich auf einem (vermeintlich gestohlenen) marsianischen Schiff wieder, mit einer bunt zusammengewürfelten Crew, die sich angeblich aus dem Konflikt heraushalten will. Selbstverständlich läuten da bei ihnen die Alarmglocken und sie gehen zum Angriff über.
Die Reaktion unserer Besatzung auf die Neuankömmlinge ist währenddessen ähnlich konsistent. Angefangen damit, dass die Rettung der Überlebenden nicht debattiert wird, über die einzelnen Reaktionen unserer Charaktere auf die drei, nachdem sie ihren Unmut äußern und bis hin zu Alex (Cas Anvar), der anschließend derjenige ist, der die Soldaten beruhigen will.
Wirklich faszinierend sind im weiteren Handlungsverlauf aber zwei Sachen. Einmal, dass niemand bei der versuchten Übernahme stirbt - denn das wäre durchaus vorstellbar gewesen. Wenn schon nicht eines unserer Besatzungsmitglieder, dann doch mindestens einer der Geretteten. Und zum zweiten, dass Bobbie diejenige ist, die Loftis zur Niederlegung der Waffe überzeugen kann. Das eingangs erwähnte Zitat hat da übrigens nicht nur für diese Situation eine große Bedeutung, sondern lässt sich locker auch auf die anderen Handlungsstränge anwenden, in denen den Figuren nicht klar ist, wer wirklich Freund und wer wirklich Feind darstellt.
Des Weiteren wissen auch die anderen, wesentlich kleineren Dinge auf der Rocinante zu überzeugen. Beispielsweise die Reaktionen auf Naomis (Dominique Tipper) Kochkünste in Form von Red Kibble oder Holdens (Steven Strait) Entschluss, Anna Chrisjens Nachricht zukommen zu lassen. Gespannt dürfen wir außerdem darauf sein, ob Admiral Souther (Martin Roach) eine bestimmte Nachricht erreichen wird.
Io
Die Sympathiepunkte von letzter Woche muss Mao (Francois Chau) am Ende wieder abgeben. Schade, dabei sieht es für den größten Teil der Handlung auf Io so aus, als wenn er tatsächlich empathischere Züge für die Kinder, allen voran Mei (Leah Madison Jung), entwickelt hätte. Dr. Strickland (Ted Atherton) hätte sich derweil wohl tatsächlich mit einigen seiner Versuchsobjekte davongemacht.
Die wichtigste Offenbarung in diesem Handlungsstrang betrifft Katoa (Jaeden Noel). „I'm here to repurpose, disassembly reveals useful pathways.“ Da läuft sicher nicht nur mir ein Schauer den Rücken herunter. Katoas Persönlichkeit steckt zwar noch immer irgendwo in seinem Körper und kommt manchmal an die Oberfläche, aber die zerlegte Leiche kombiniert mit den Worten des Jungen sind dem Einfluss des Protomoleküls zuzuordnen. Maos Faszination über dieses Horrorszenario lässt sich zwar nicht teilen, aber mit Blick auf die ebenfalls zerlegte Arbogast schwant uns allmählich, dass das mysteriöse Protomolekül einen ähnlichen „Forschungsdrang“ wie Dr. Strickland hat. Mit welchem anvisierten Ziel („repurpose“ ist noch recht schwammig) bleibt vorerst offen, aber auch hier kommen mir wieder Bobbies Zeilen in den Sinn.

Fazit
Im Grunde genommen gibt es nicht viel zu meckern. In meinen Augen werden die Belter trotz der tollen Anfangssequenz ein wenig vernachlässigt und das Überraschungsmoment bei Gillis' Ansprache hätte ich lieber gegen eine vorherige Diskussion zwischen Esteban und Sadavir eingetauscht. Ansonsten ließe sich der Aufstand der frisch geretteten Marsianer vielleicht zwiespältig betrachten und auch Maos Stimmungswechsel am Ende kam etwas plötzlich. Unterm Strich aber mit Sicherheit eine gute bis sehr gute Episode, mit der man mehr als zufrieden sein kann. Ich vergebe diese Woche vier von fünf Sternen.
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 6. Mai 2018The Expanse 3x04 Trailer
(The Expanse 3x04)
Schauspieler in der Episode The Expanse 3x04
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