The Event 1x13

Es gibt Momente, in denen Wirklichkeit und Fiktion so sehr ineinanderfließen, dass es einem kalt den Rücken runterlaufen kann. Vor einigen Jahren gehörte eine Folge aus der zweiten Staffel von 24 dazu. Während Alan Dale in seiner Rolle als Vize-Präsident gerade erklärte, dass es eindeutige Beweise gegen drei nahöstliche Länder gäbe, tat Colin Powell (in der Nachrichtensendung auf einem anderen Kanal) vor dem UN-Sicherheitsrat genau dasselbe - nur, dass es dabei um den Irak ging. Der Rezensent konnte zwischen beiden Sendungen hin- und herschalten, während er fast wortgleich identische Begründungen dafür zu hören bekam, warum ein militärisches Eingreifen unumgänglich sei.
Es war unheimlich. Ein ähnliches Gefühl konnte sich einem in dieser Woche bei The Event einstellen. Da hatte man gerade die Berichte über nukleare Brennstäbe und eine mögliche Kernschmelze im japanischen Atomkraftwerk Fukushima halbwegs hinter sich gelassen, da ging es auch in Turnabout (wenngleich vor fantastischem Hintergrund) um nichts anderes als Brennstäbe und eine mögliche Atomkatastrophe.
Sophia (Laura Innes) und Michael (Scott Patterson) haben sich einen Kontaktmann von Thomas geschnappt - und erfahren auf diese Weise, dass er auf der Suche nach Uran ist, um das Portal zu betreiben, mit dem die anderen zur Erde gebracht werden können. Sophia warnt den Präsidenten (Blair Underwood), dass Thomas (Clifton Collins Jr.) versuchen könnte, die Brennstäbe eines Kernkraftwerks aus dem Reaktor zu teleportieren. Das letzte Mal hätte er dies 1986 versucht. In der Ukraine. Mit den bekannten Folgen. Auch in der Fiktion erinnert man sich dieser Tage also an die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.
Als Zuschauer ahnt man natürlich zu diesem Zeitpunkt bereits, dass Thomas Sophia nur dazu benutzt, um den Präsidenten das tun zu lassen, was Thomas möchte: Die Brennstäbe an einen anderen Ort bringen - was sie während des Transports anfällig für einen Überfall macht. Genau diese Ahnung ist es, die Turnabout so spannend macht. Denn gleichzeitig sehen wir, wie Sophia in ihrer Gemeinschaft immer mehr an Rückhalt verliert. Ihre Chancen, die drohende Invasion aufzuhalten, schwinden. Denn auch der Präsident wendet sich - nachdem Thomas der Überfall geglückt ist und Martinez sich übertölpelt vorkommt - ganz entschieden gegen Sophia. Beflügelt von einem Albtraum, in dem er sich selbst als Schwächling sieht, versucht er, den starken Mann zu markieren.
Fazit
Mit einem spannenden und wendungsreichen Plot sowie der brillanten Actionsequenz, in der der Hinterhalt auf den Atomtransport und der Mordanschlag auf Sophia geschickt parallelisiert werden, gelingt es The Event, bestens zu unterhalten.
Einziges Manko der Folge sind die beiden Nebenhandlungsstränge mit Leila (Sarah Roemer) und Sean (Jason Ritter). Während Leila sich ziemlich begriffsstutzig zeigt, was ihre Herkunft angeht, tappt Sean ziellos umher, gerät in eine Barprügelei (welchen dramaturgischen Sinn hatte bitteschön diese Szene?) und lässt sich schließlich in einem einzigen Gespräch überzeugen, dass er wieder gegen das Böse antreten muss.
Letztgenannte Szene gehört wohl zum dämlichsten, was je in The Event zu sehen gewesen ist. Erst mal: Wer ist diese Frau überhaupt, mit der Sean da redet? Das wird nicht wirklich klar. In Kurzform erzählt er ihr, was bisher passiert ist und erkennt selbst, dass das nicht ganz glaubwürdig klingt. Doch statt eines Besuchs beim Psychiater legt sie ihm nahe, den Kampf aufzunehmen. An dieser Szene ist so gut wie nichts glaubwürdig: Weder, dass die Frau ihm die Geschichte so ohne weiteres abnimmt. Noch, dass sie ihm raten würde, sich wieder in die Gefahr zu stürzen. Oder dass nur ein Gespräch am Küchentisch ausreicht, um Sean zu motivieren.
Und womit überhaupt? Die ganze Zeit über wurde Sean vor allem durch seine Liebe zu Leila angetrieben. Das war vielleicht nicht übermäßig originell, aber durchaus vertretbar: Normalo wird in eine Verschwörung hineingezogen, wächst aber durch die Liebe zu seiner Verlobten über sich hinaus. In Turnabout reicht ein einziger Appell aus, dass es ihm aber gar nicht ähnlich sehe wegzulaufen, um ihn wieder ins Geschehen zu holen. Das ist sehr, sehr schwach - und beschädigt ein Stück weit die Figur.
Wenigstens beschert uns Seans neu geweckte Aktivität ein Wiedersehen mit Vicky (Taylor Cole), deren Auftritt als überaus misstrauische Supermarkt-Kundin unterhaltsamer ist als alle Szenen mit Leila und Sean in dieser Folge kombiniert.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 16. März 2011(The Event 1x13)
Schauspieler in der Episode The Event 1x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?