The Event 1x12

Es ist schon beinahe beängstigend, wie sehr The Event dem Vorbild von FlashForward aus der vergangenen Season folgt: Rapider Quotenabfall nach einem starken Auftakt. Das Network legt, offenbar in dem irrigen Glauben, dass Warenverknappung zu einer höheren Nachfrage führt, die Serie erst einmal für einige Monate auf Eis. Die Serie kehrt zurück - und scheint inhaltlich jetzt erst richtig an Fahrt zu gewinnen. Doch die Zuschauerzahlen sind niedriger denn je. Und so taumelt die Serie ihrem vorzeitigen Ende entgegen.
Keine Frage, es käme schon einer großen Überraschung gleich, sollte es The Event doch noch gelingen, die Kurve zu kriegen. Entsprechend hadern die Fans der Serie bereits jetzt mit den US-Zuschauern, welche Case-of-the-Week-Procedurals den ungleich komplizierteren fortgesetzt erzählten Serials vorziehen. Der Ärger ist verständlich. Ebenso jedoch die Zurückhaltung des US-Publikums.
Anders als bei einem Procedural erfordert ein Serial es, dass man sich wirklich auf die Serie einlässt. Dass man sich in einen Bann begibt, der es einem nicht erlaubt, auch nur eine Folge zu verpassen. Serien, die das in der Vergangenheit geschafft haben, zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie ein starkes Alleinstellungsmerkmal besaßen. Etwas, das sie neu, anders und unverwechselbar gemacht hat.
24 - der Echtzeit-Thriller mit den aktuellen Zeitbezügen. Lost - ein Flugzeugabsturz als Mysteryserie, garniert mit der ungewöhnlichen Erzählweise der Figuren-Flashbacks. Ja, sogar Prison Break - der Mann, der seinen unschuldig einsitzenden Bruder aus dem Gefängnis befreien will. Das alles sind starke, eindrückliche Grundideen, die ein außergewöhnliches Unterhaltungserlebnis versprechen.
Was ist dagegen The Event? Ein bisschen SciFi, ein bisschen Verschwörung, plus ein wenig Geraune über ein Ereignis, von dem wir auch nach zwölf Folgen nicht mit Sicherheit sagen können, worum es sich dabei handelt - oder warum uns das überhaupt interessieren sollte. Um ein breites Publikum für ein Serial zu begeistern, ist das einfach zu wenig.
Bezeichnend für den Mangel an kreativer Würze ist die Auflösung des Rätsels, wer die Anderen denn nun sind. Die halbe Staffel über wurde darum ein großes Geheimnis gemacht, nur damit sich in And Then There Were More herausstellt, dass es doch schlicht und ergreifend Aliens sind. Tra-ra! Um wirklich herauszuragen, ist das ein bisschen zu gewöhnlich, zu überaschungsarm - zu wenig WTF.
Um keine Missverständnissse aufkommen zu lassen: An sich waren And Then There Were More und Inostranka zwei sehr unterhaltsame, spannende Folgen. Woran die Enthüllung, dass die Anderen Außerirdische sind, maßgeblichen Anteil hat. Für das Entstehen von Spannung ist es schließlich förderlich, um nicht zu sagen notwendig, dass die Zuschauer die Konsequenzen von Handlungen absehen können. Und genau das ist jetzt der Fall.
Der Plan von Thomas (Clifton Collins Jr.) besteht also darin, eine Invasion der Erde anzuführen, weil er das Wohl seiner Spezies über das der Menschen setzt - und dazu auch vor der Hinrichtung der eigenen Leute nicht Halt macht. Sophia (Laura Innes) und Maya (Clea DuVall) sind dagegen außerirdische Inkarnationen von Captain Picard, die das Alien-Äquivalent der Hauptdirektive an die oberste Stelle setzen und eine Invasion um jeden Preis verhindern wollen. Sterling (Zeljko Ivanek) gerät während des Angriffs auf Inostranka zwischen die Fronten - und muss erkennen, dass Alien nicht gleich Alien ist.
Das ist eine spannende Geschichte. Nichts, was innerhalb der Science Fiction besonders neu und besonders aufregend wäre. Aber doch ein Garant für gute Unterhaltung. Unterstrichen wird das nicht zuletzt durch den hohen production value der beiden Folgen. Dabei sticht besonders der Überfall auf das Gefängnis hervor, welcher - angefangen bei dem erstaunlich realistisch wirkenden Kunstschnee bis hin zu den Actionszenen - durchweg Kino-Qualität besitzt.
Ebenfalls sehr gelungen sind die Realitäts-Anker, welche The Event in den beiden Folgen setzt: Dazu zählt sowohl der Auftakt von And Then There Were More, der geschickt die Geschichte des Raketenstarts aus der vergangenen Folge mit der medialen Aufregung um eine vermeintliche Raketensichtung in Südkalifornien parallelisiert, als auch der Auftritt von Virginia Madsen als um das Wohl der Steuerzahler besorgte US-Senatorin in der Talkshow des (wirklichen) MSNBC-Politmoderators Chris Matthews.
Fazit
Nach dem Zweiteiler vom Montag dürfte zweierlei klar sein: Erstens, The Event ist nicht das nächste Lost oder 24. Dafür sticht die Serie einfach nicht genug heraus. Zweitens, die Serie hat klar an Richtung und Spannung gewonnen - und verspricht zumindest für das verbliebene SciFi-Publikum den Rest der Season über sehr unterhaltsam zu werden.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 9. März 2011(The Event 1x12)
Schauspieler in der Episode The Event 1x12
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