The Event 1x14

The Event 1x14

Die Radio-Astronomie ist eine überraschend gefährliche Profession. Das ist nur eine der neuen Erkenntnisse, die die aktuelle Folge von The Event liefert. Abgesehen davon spitzen sich die Ereignisse um die bevorstehende Invasion dramatisch zu.

Blair Underwood als nicht mehr ganz so idealistischer US-Präsident Martinez in „The Event“ / (c) NBC / Foto: Joseph Viles
Blair Underwood als nicht mehr ganz so idealistischer US-Präsident Martinez in „The Event“ / (c) NBC / Foto: Joseph Viles

Fernsehserien sind bisweilen ein sehr guter Spiegel für das, was in der Wirklichkeit vor sich geht. So regiert in den USA ein Präsident, der bei Amtsantritt eigentlich das Gefangenenlager Guantanamo binnen Jahresfrist schließen wollte und der allein vom Präsidenten angeordnete militärische Aktionen (sofern sie nicht unmittelbar dem Schutz des Landes dienen) für verfassungswidrig hielt. Nun, so schnell können sich die Dinge ändern. Guantanamo gibt es immer noch. Und die US-Luftwaffe fliegt auf Anordnung von Obama Angriffe auf Libyen.

Eine ähnliche Wandlung hat auch sein fiktionaler Widergänger Präsident Martinez (Blair Underwood) in The Event vollzogen. Während er zu Beginn der Serie ganz vom Idealismus beseelt war, die unrechtmäßige Inhaftierung der Gefangenen von Inostranka zu beenden, ist davon längst nichts mehr übrig.

Aus der Überzeugung heraus, dass Sophia (Laura Innes) ihn die ganze Zeit über nur belogen und manipuliert hat, von seinen eigenen Komplexen (siehe Turnabout) einmal ganz zu schweigen, ist aus Martinez ein Falke geworden, der bereit ist, seine Prinzipien der Gewaltlosigkeit über Bord zu werfen. Und dem auch die rechtlichen Beschränkungen für den Inlandseinsatz der US-Armee nicht mehr das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben stehen.

Noch eine Parallele zu Obama: Wenn es um seine Gegner im Inneren geht, dann mutiert Martinez wieder zum zahnlosen Tiger, der sich bei der Rückkehr des verräterischen Vizepräsidenten Jarvis (Bill Smitrovich) ein wenig aufplustert, ansonsten jedoch aus Furcht vor der öffentlichen Bloßstellung und dem damit einhergehenden Machtverlust den Schwanz einzieht.

Neben diesem bemerkenswerten Psychogramm des US-Präsidenten bietet A Message Back eine überaus spannende Zuspitzung des Invasions-Konflikts: Thomas (Clifton Collins Jr.) erhält, nachdem ein bedauernswerter Radio-Astronom sein Leben dafür lassen musste, eine Antwort von seinem Heimatplaneten. Wieso niemand sonst auf der Erde die Botschaft empfangen hat, darüber sehen wir jetzt einfach mal großzügig hinweg...

Wie Thomas auf einer Versammlung der Aliens enthüllt, zu der er auch Sophia einlädt, steht die Sonne ihrer Welt kurz davor, zur Supernova zu werden. Laut Thomas bleibt ihnen keine andere Wahl mehr: Sie müssen die gesamte Bevölkerung evakuieren - und auf die Erde transportieren.

Was bislang nur vage angedeutet wurde, steht damit nun offen im Raum: Die Aliens sind keine per se bösartigen Invasoren, sondern Wesen, die sich selbst in einer akuten Notlage befinden, weil ihr Heimatplanet kopeister zu gehen droht. Und das noch nicht einmal aus eigenem Verschulden. Diese Entwicklung führt dazu, dass man als Zuschauer sogar für Thomas Mitgefühl entwickelt. Gleichzeitig verleiht es der Handlung eine tragische Dimension: Zwei Spezies, Menschen und Aliens, sind verstrickt in einen Überlebenskampf um die begrenzte Ressource „Planet“ - und es ist im Augenblick völlig unklar, wie dieses Dilemma, in dem sich beide Seiten befinden, gelöst werden kann.

Zu den spannenden Fragen in diesem Zusammenhang gehört jetzt natürlich, ob Sophia ihre strikte Position, was die Einhaltung der Hauptdirektive angeht, wird beibehalten können. Wenn es darauf überhaupt noch ankommt. Schließlich hat sie über ihr Handy unbeabsichtigt die Einheiten von Martinez zum Treffen der Außerirdischen geführt, was die Macher der Serie kurz vor Eintritt des Showdowns zu einem sehr effektiven Cliffhanger nutzen.

Etwas enttäuschend ist dagegen - wieder einmal - der Plot rund um Sean (Jason Ritter). Die Erpressung von Vicky (Taylor Cole), die sich - darauf würde ich fast wetten - als leere Drohung erweisen wird, und ihr gemeinsamer Versuch, bei einer Spendengala an Vizepräsident Jarvis heranzukommen, um über ihn Beweise gegen Dempsey (Hal Holbrook) zu finden, sind zwar an sich nicht schlecht inszeniert. Es sind jedoch die Momente (von denen es in The Event so manche gibt...), in denen einen das Gefühl beschleicht, das alles schon x-mal in 24 gesehen zu haben.

Die beste Szene in diesem Handlungsstrang hat - wie schon in der letzten Folge - Vicky, die Sean erst eine herzzereißende Geschichte auftischt, um zu erklären, wie aus ihr die eiskalte Killerin geworden ist. Und diese Erzählung dann aber gleich wieder als Fake einkassiert, wobei man sich als Zuschauer allerdings nicht ganz sicher sein kann, inwieweit ihre Behauptung, „einfach so geworden zu sein“, nicht wiederum eine Halb-/Unwahrheit ist.

Von solchen gut geschriebenen Charakterszenen dürfte es in der Serie ruhig mehr geben.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 22. März 2011
Episode
Staffel 1, Episode 14
(The Event 1x14)
Deutscher Titel der Episode
Das Ende der Heimat
Titel der Episode im Original
A Message Back
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 21. März 2011 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 17. Oktober 2013
Autoren
Joshua Preston, Mark Thomas
Regisseur
Norberto Barba

Schauspieler in der Episode The Event 1x14

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?