The Deuce 3x01

The Deuce 3x01

The Deuce beweist mit dem Start der dritten und leider letzten Staffel einmal mehr, dass dies die massentauglichste David-Simon-Serie ist. Das bedeutet aber nicht, dass der Schöpfer von The Wire Abstriche bei der Qualität zulässt...

Die Zeit auf der Straße ist für Eileen (Maggie Gyllenhaal) und Lori (Emily Meade) lange vorbei... (c) HBO
Die Zeit auf der Straße ist für Eileen (Maggie Gyllenhaal) und Lori (Emily Meade) lange vorbei... (c) HBO
© ie Zeit auf der Straße ist für Eileen (Maggie Gyllenhaal) und Lori (Emily Meade) lange vorbei... (c) HBO

Mit der Episode The Camera Loves You startete das HBO-Drama The Deuce gestern in die dritte und letzte Staffel (hierzulande wird bald SKY für die Premiere sorgen). Los ging die Geschichte damals im Jahr 1971. Mit großen Schritten rannte das period piece durch die ereignisreichen Siebziger und ist nun am Silvesterabend 1984 angekommen. Viel hat sich im einst so trostlosen Leben von Eileen (Maggie Gyllenhaal), Lori (Emily Meade) und den Zwillingsbrüdern Vince und Frankie (beide James Franco) verändert. Und das sogar zum Positiven, was für eine David-Simon-Serie äußerst ungewöhnlich ist!

The Deuce: David Simon & George Pelecanos im Interview

Für ein Werk des Schöpfers solcher Formate wie The Wire oder Treme fühlt sich The Deuce ohnehin in vielerlei Hinsicht erstaunlich zugänglich an. Das wird nicht zuletzt auch anhand des Soundtracks deutlich, der die etwas älteren Zuschauerinnen und Zuschauer zu zahlreichen nostalgischen Momenten einlädt. Ähnlich war das auch schon bei der Miniserie Show Me a Hero, bei der vor allem Bruce-Springsteen-Fans auf ihre Kosten kamen. Früher galt der ehemalige Journalist mal als Verfechter der sogenannten diegetischen Musik, die in die Handlung eingebaut sein muss.

Vielleicht befürchtet der Serienmacher Simon aber auch aufgrund der Übernahme seines treuen Heimatsenders HBO durch den Telekommunikationskonzern AT&T, dass es für seine Nischenprodukte künftig keinen Platz mehr geben könnte. Versucht er sich deshalb Themen anzunehmen, die dem breiten Publikum passender erscheinen als Drogendealer in Baltimore oder Straßenmusiker in New Orleans? Pornostars am Times Square wirken zumindest auf den ersten Blick etwas reißerischer. Zumal Simon mit der Philip-Roth-Adaption The Plot Against America nun sogar ein kontrafaktisches Historiendrama in Planung hat, das seinen Prinzipien, die Realität möglichst unverfälscht darzustellen, eigentlich widersprechen müsste.

All das könnte nun so klingen, als ob sich Simon in irgendeiner Form verkaufen würde. Doch dem ist ganz und gar nicht so. Die Qualität seiner Serien spricht noch immer für sich. Und ein echter Blockbuster wurde The Deuce bekanntlich auch nie.

Auf gute Zeiten!

Selbstverständlich gibt es einen großen Unterschied, ob es jemandem nur von außen betrachtet gut geht oder auch innerlich. Doch zumindest oberflächlich meinte Simon es über die Staffeln hinweg gut mit den Figuren in The Deuce. Eileen ist jetzt eine begeisterte Erotikregisseurin, Lori ein landesweiter Pornostar und die beiden Martino-Brüder, deren Handlungsstränge zum Glück immer weiter in den Hintergrund rückten, sind wohlhabende Geschäftsmänner, die allmählich sesshaft werden...

Eileen (Maggie Gyllenhaal) lernt den geschniegelten Geschäftsmann Hank (Corey Stoll) kennen...
Eileen (Maggie Gyllenhaal) lernt den geschniegelten Geschäftsmann Hank (Corey Stoll) kennen... - © HBO

Dass das Schicksal und die Gesellschaft so nett zu ihnen waren, dürfte nicht zuletzt auch daran liegen, dass die genannten Charaktere allesamt weiß sind. Vielleicht lässt sich der unbestreitbare Unterschied in Sachen Optimismus zwischen einerseits The Deuce und andererseits The Wire auch dadurch erklären, denn im Drogendrama waren die meisten Akteure bekanntlich people of color, die es in Amerika, dem Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten und Träume, eben nicht so leicht haben. Wobei diese Theorie spätestens dann an ihre Grenzen stößt, wenn man sich im Auftakt der neuen Season den steilen Aufstieg des Polizisten Chris Alston (Lawrence Gilliard Jr.) anschaut, der ja selbst schwarz ist. Wahrscheinlicher ist also, dass der feste Glaube an eine bessere Zukunft damals einfach noch im Zeitgeist lag. Nicht zufällig zeigt Simon die Bemühungen des Bürgermeisters von New York, seine Stadt auf Vordermann zu bringen und von Kriminalität zu säubern.

Der alte Titelsong „This Year's Girl“ von Elvis Costello wurde passend dazu durch „Dreaming“ von Blondie ersetzt. New Wave steht vor der Tür und sorgt für frischen Wind. Die Pornoindustrie wird derweil durch die Erfindung der VHS-Kassette neu beflügelt, wenngleich der technische Fortschritt auch den Untergang bringen könnte. Denn Camcorder und das Internet ermöglichen plötzlich auch Amateuren den Dreh der profitablen Schmuddelfilme. Auch die Bereitschaft, sich auf Neuheiten einzulassen und sich immer weiter zu entwickeln, könnte am Ende den Ausschlag geben, ob ein Charakter in The Deuce mit Erfolg gesegnet ist oder vom unaufhaltsamen Lauf der Zeit verschluckt wird. Mit Bobby (Chris Bauer) dürfte beispielsweise bald der nächste Zuhälter den Löffel abgeben. Er hat sich womöglich mit der neuartigen Krankheit AIDS angesteckt.

Ganz neu an Bord ist derweil der Geschäftsmann Hank, gespielt von Corey Stoll (House of Cards), der als love interest für Eileen vorgestellt wird. Kann er ihr endlich auch die private Erfüllung bringen, nach der sie all die Jahre suchte? Oder setzt sie sich als feministische Filmemacherin vielleicht sogar zur Ruhe? Schließlich hat ihr sogar ihr langjähriger Produktionspartner Harvey (David Krumholtz) zu verstehen gegeben, dass Pornos als Kunstform einfach keine Zukunft haben. Die wichtigste Zielgruppe seien schlichtweg Männer, die masturbieren und keine transzendente audiovisuelle Erfahrung haben wollen. In dem Fall triumphiert dann doch wohl eher der blanke Realismus, nicht das Wunschdenken der Zuschauerschaft...

Fazit

The Deuce macht mit dem Auftakt zur dritten und leider letzten Staffel etwas Hoffnung darauf, dass es den Protagonisten am Schluss deutlich besser geht als noch am Anfang. Da das Drama von David Simon geschrieben wird, ist man geneigt, diesem Gefühl zu misstrauen. Gut möglich, dass vieles im Finale doch noch anders kommt. Doch im Moment scheint dem Publikum ein positives, optimistisches Ende zu blühen. Wir sind gespannt und freuen uns auf die letzten Wochen mit dieser wunderbaren Serie, von deren Art es künftig vielleicht nicht mehr viele geben wird. Auch nicht mehr bei HBO.

Hier abschließend noch der Trailer zur finalen 3. Staffel der US-Serie The Deuce:

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Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 10. September 2019

The Deuce 3x01 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 1
(The Deuce 3x01)
Deutscher Titel der Episode
Sex, AIDS und VIdeo
Titel der Episode im Original
The Camera Loves You
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 9. September 2019 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 20. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 20. Januar 2020
Autoren
George Pelecanos, David Simon
Regisseur
Alexander Hall

Schauspieler in der Episode The Deuce 3x01

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