The Blacklist 7x15

The Blacklist 7x15

In der Folge Gordon Kemp der US-Serie The Blacklist legt sich unsere Taskforce auf Reds Geheiß mit einem legalen Waffenhersteller an. Ilya Koslov fühlt sich derweil in seiner neuen Behausung beobachtet.

Szenenbild der Blacklist-Episode Gordon Kemp (c) NBC
Szenenbild der Blacklist-Episode Gordon Kemp (c) NBC
© zenenbild der Blacklist-Episode Gordon Kemp (c) NBC

Gordon Kemp

Gordon Kemp (Jim True-Frost) betreibt einen legalen Waffenhandel („Fine Caliber Arms International“) und hat mit der „FineCal 9“ einen Verkaufsschlager der Sorte 9mm, der sich aufgrund des niedrigen Preises verstärkt in den Händen von Kleinkriminellen wiederfindet. Nachdem Red (James Spader) und Dembe (Hisham Tawfiq) den Tod von Sofia Salgado (Camila Perez) durch Edward Martell (Daniel Marconi) bei einem Überfall nicht verhindern konnten - Edward kommt allerdings nicht lebend davon - macht Red Liz (Megan Boone) und die Taskforce auf die Waffe und Gordon Kemp aufmerksam. Mit anderen Worten handelt es sich hier um einen eher ungewöhnlichen Blacklister und die Folge rückt den legalen Waffenhandel (in den Vereinigten Staaten) in den Fokus.

Die Autoren Jonathan Shapiro und Lukas Reiter widmen sich einem schwierigen Thema, welches in den USA nicht zuletzt wegen des zweiten Zusatzartikels der Verfassung (das sogenannte „Second Amendment“) immer wieder heiß diskutiert wird. Waffenbesitz und Waffenhandel oder allgemein das Waffenrecht der Vereinigten Staaten wurde und wird oftmals dann kritisiert, wenn es zu tragischen Ereignissen kommt - nicht unbedingt wie der Vorfall, den Gordon Kemp zum Anlass nimmt, vielmehr kommen da diverse Amokläufe ins Gedächtnis, die Diskussionen um ein verschärftes Waffenrecht losgetreten haben. Mit dem Thema allein ließen sich ganze Bücher füllen, aber darum soll es hier nicht gehen. Mich freut es in erster Linie, dass die Autoren sich überhaupt damit beschäftigt haben und diverse Eckpfeiler - legaler Waffenhandel, Opfer, Täter, trauernde wie wütende Familienangehörige sowie die rechtlichen Grenzen - anführen, die oft universell bei jedem Vorfall dieser Art vertreten sind.

Ob man allerdings bei einer Serie wie The Blacklist ein solches Thema adäquat unterbringen kann, lässt sich bezweifeln. Immerhin gehört Waffengewalt innerhalb der Reihe zum Alltag und es gibt nur wenige Episoden, die ohne Action in Form von Feuergefechten auskommen und - weil fiktiv - einen Unterhaltungsfaktor darstellen. Und in der Tat ist die Botschaft, die Gordon Kemp am Ende vermittelt - Red erschießt Gordon Kemp mit seinem eigenen Verkaufsschlager und sorgt damit für „Gerechtigkeit“ - mehr als fragwürdig. Irgendwie wäre es passender gewesen, wenn Cooper (Harry Lennix) und sein Team tatsächlich einen legalen Weg gefunden hätten, um Kemp aus dem Verkehr zu ziehen. So bleibt ein bitterer Nachgeschmack zurück, der letztlich auch Sinn und Zweck des Grundgerüsts der Episode infrage stellt.

Harold Cooper

Während Aram (Amir Arison) und Alina (Laura Sohn) wieder in den Hintergrund rücken und Resslers (Diego Klattenhoff) Bruder diese Woche nichts von sich hören lässt, erhält Harold mehr Szenen und begibt sich im Folgenverlauf auf Konfrontationskurs mit Red. Denn nachdem der Richter (Dennis Boutsikaris) den Fall gegen Kemp abgelehnt hat, gilt es für Harold, die nächste Waffenlieferung von Kemp gegen einen Angriff von Red zu schützen. Cooper rechnet hier alle Eventualitäten mit ein, insbesondere auch das Verhalten von Liz, welche er mit falschen Angaben über den richtigen LKW ausstattet.

Szenenbild der Blacklist-Episode Gordon Kemp
Szenenbild der Blacklist-Episode Gordon Kemp - © NBC

Hut ab, Harold, soviel Voraussicht hätte ich dir nicht zugetraut. Obwohl Liz sich diese Entscheidung ihres Chefs selbst zuschreiben kann, schließlich spielt sie gegenüber den Kollegen auch nicht gerade mit offenen Karten und zieht höchstens Ressler näher in ihren Vertrauenskreis. Da tut es richtig gut, wenn Cooper ihr nach dem geglückten Waffentransport einmal die Meinung sagen und sie ermahnen darf. Von mir aus hätte die Predigt gerne noch eine Spur härter ausfallen können, schließlich muss das gegenseitige Vertrauen im Team im Vordergrund stehen. Da kommen die Worte vom gegenseitigen Vergeben ein bisschen zu schnell über Harolds Lippen.

Was den Konfrontationskurs mit Red betrifft, sind Harold mehr oder weniger die Hände gebunden. Sein moralischer Kompass mag zuweilen auch nicht richtig funktionieren und Cooper bedauert den Erfolg des Transports natürlich, weil er um den möglichen Weg der Waffen in die Hände von Leuten wie Edward Martell Bescheid weiß. Aber er darf nicht zulassen, dass Red die Lieferung abfängt, auch wenn es gefühlt das „bessere Ergebnis“ wäre. Ironischerweise muss er Kemp sogar erst überreden, die Lieferung unter dem Schutz des FBI zu verschicken. Ebenso ironisch ist, dass Cooper Red erst auf die Idee bringt, den Transport abzufangen.

Es ist aber sicher die richtige Entscheidung von Harold, nicht einfach wegzuschauen und stattdessen Reds Plan zu vereiteln. Er spricht die Grauzonen, in denen er und sein Team sich zuweilen bewegen, bewusst an und dass die Grenzen von richtig und falsch sehr schnell verschwimmen können, woran die Zusammenarbeit mit Raymond natürlich den größten Teil beigetragen hat. Figurentechnisch ist es da nur richtig, wenn Cooper einmal deutlich Position bezieht und sich - allen Zweifeln zum Trotz - für das Gesetz entscheidet und eben nicht einfach wegschaut, wenn es ihm gerade passt. In meinen Augen hält Harold damit seine persönliche Integrität aufrecht, die in der Vergangenheit öfter mal ins Wanken geriet und wenn er obendrein unserem kriminellen Mastermind hier einen Schritt voraus ist, dann gleicht das einem verdienten Bonus in Sachen Kompetenz. Es wäre auch schlimm, wenn der Leiter der Taskforce zu einer Marionette verkommen würde, die ausschließlich nach Reds Pfeife tanzt.

Ilya Koslov

Frank Bloom alias Ilya Koslov (Brett Cullen) sieht Gespenster. Oder nicht? Steht da wirklich ein blauer Wagen mit einem heimlichen Beobachter an der Straße oder bildet Ilya sich das nur ein? Während seine Frau Linda (Audrey Heffernan Meyer) sich Sorgen um seinen Verstand macht, bittet er Red und Dembe um Hilfe.

Es gibt im Grunde genommen drei Richtungen, die die Autoren hier hätten einschlagen können. Dass Ilya nach seinen letzten Auftritten mitgenommen und psychisch angeschlagen ist, liegt schon fast auf der Hand. Was er durchmachen musste, hinterlässt Spuren, die sich nicht einfach abschütteln lassen und von daher wäre es tatsächlich verständlich, wenn er anfängt, Gespenster zu sehen und sonst nichts weiter dahintersteckt. Wir kennen unsere Macher mittlerweile aber so gut, dass diese Option maximal als Aufhänger dienen kann und eine Wendung erfolgen muss.

Szenenbild der Blacklist-Episode Gordon Kemp
Szenenbild der Blacklist-Episode Gordon Kemp - © NBC

Und siehe da, der blaue Wagen erweist sich nicht etwa als Hirngespinst, sondern wird auch von Red gesichtet, womit noch zwei Möglichkeiten übrigbleiben. Entweder hält Katarina Rostova (Laila Robins) erneut Ausschau nach Ilya oder aber die Privatdetektivin Esi Jackson (Kecia Lewis) hat ihr Ziel gefunden. Letzteres ist schließlich der Fall und dank Teddys (Teddy Coluca) Brettspiel-Folter (die leider offscreen stattfindet) weiß Red jetzt, wer nach Ilya suchen ließ.

Für mich ist es jetzt keine große Überraschung, dass Jackson im Wagen sitzt. Für Katarina oder einen ihrer Leute wäre es noch zu früh, obwohl ich sehr auf Reds Reaktion gespannt bin, wenn (nicht falls) er davon erfährt, dass sie noch lebt und ihn getäuscht hat. Aber zurück zu Jackson, die leider nicht sehr professionell vorgeht. Vielleicht hätte sie mal den Wagen wechseln sollen, um unentdeckt zu bleiben. Und weshalb überhaupt die lange Überwachung der Wohnung? Sie hat Ilya offenbar gefunden und sollte doch anschließend direkt mit Liz Kontakt aufnehmen, weil sie ihre Aufgabe erfüllt hat. Ihre Warterei und längere Überwachung der Zielperson ergeben da leider keinen Sinn.

Liz schafft es diese Woche derweil, gleich bei zwei wichtigen Figuren - Cooper und Red - negativ aufzufallen. Während sie bei Harold mit einem blauen Auge davonkommt, könnte das bei Raymond anders ausgehen. Wobei ich allerdings keine Ahnung habe, ob und wie Red jetzt etwas unternehmen wird. Sicher ist nur, dass er jetzt weiß, dass Liz ihn nicht für Ilya hält und weiter nach seiner wahren Identität sucht. Unter diesem Gesichtspunkt wird sich die Dynamik zwischen ihm und Liz erneut verändern und wir dürfen gespannt sein, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln wird.

Fazit

Grundsätzlich keine schlechte Folge, was in meinen Augen vor allem an Cooper und der Entdeckung von Red liegt, die die Haupthandlung und die Beziehung zu Liz wieder ein wenig in Schwung bringen wird. Die Umsetzung des Themas um Gordon Kemp würde ich als einen netten, aber leider zweifelhaften und schließlich vom Ergebnis her gescheiterten Versuch bezeichnen, den man anders hätte angehen oder zumindest enden lassen müssen. Von mir gibt es diese Woche dreieinhalb von fünf Sternen. Und von euch?

Vorschau auf die The Blacklist-Episode Nyle Hatcher (7x15):

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Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 19. April 2020
Episode
Staffel 7, Episode 15
(The Blacklist 7x15)
Titel der Episode im Original
Gordon Kemp
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 17. April 2020 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 26. Juni 2020
Autoren
Jonathan Shapiro, Lukas Reiter
Regisseur
Andrew McCarthy

Schauspieler in der Episode The Blacklist 7x15

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