The Blacklist 7x16

© zenenfolge aus der The-Blacklist-Folge Nyle Hatcher (c) NBC/Sony TV
Nyle Hatcher
Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Diese Frage hat Autorin Katie Bockes sich offenbar gestellt, bevor sie mit der Figur des Nyle Hatcher (Sean Bridgers) einen ganz besonderen Widerling geschaffen hat, dessen Verbrechen enorm viel Geduld, Sperma von Toten, Erpressung, Leichen und neugeborene Babys beinhalten. Aber auch die restlichen Handlungen der Episode erscheinen komplizierter als sonst, und gegen Ende winkt uns nicht nur ein Cliffhanger, sondern jede Menge lose Enden, die noch aufgelöst werden müssen.
Bleiben wir aber kurz bei Nyle Hatcher. Bereits die Eröffnungsszenen sind insofern ungewöhnlich, als dass wir zunächst noch keine Idee davon haben, wie seine Verbrechen aussehen - andere Blacklister zeigen uns das oft in diesen ersten Szenen. Selbst als Liz (Megan Boone) kurz darauf ihren alten Fall dem Rest des Teams vorstellt und wir eine Idee davon bekommen, was Crystal alias Angela Hendrickson (Gus Birney) blüht, tappen wir über die Zusammenhänge im Dunkeln. Die sonst üblichen Wendungen und Twists werden durch Offenbarungen über Hatchers Vorgehen abgelöst, die während der Ermittlungen offengelegt werden, bis sich schließlich das scheußliche Gesamtbild ergibt, welches zielsicher die Magengrube des Zuschauers findet. Mit Blick auf die relativ komplizierte Geschichte ist das durchaus spannend zu verfolgen, aber am Ende würde ich vieles davon lieber ungesehen und ungehört machen und erst gar nicht versuchen, mich in die Gedankengänge von Nyle hineinzuversetzen, dessen Motive uns zuletzt aufgezeigt werden und ihn uns vermutlich als nachvollziehbaren Täter (oder gar Wohltäter mit Blick auf die Neugeborenen) präsentieren sollen.
Gerade der letzte Punkt funktioniert aber nicht, denn jeder Versuch, für Hatcher Sympathien zu erzeugen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Er landet somit in der Schublade der bösen, charakterlosen Widerlinge, die schlicht aus dem Verkehr gezogen gehören - ganz egal, wie gut er seine Verbrechen geplant und durchgeführt hat. Es ergibt sich hier auch kein Mehrwert in Form von weiteren Recherchen nach der Episode, denn selbst, wenn Nyle Hatcher auf einer wahren Figur basieren sollte, liegt mir nichts daran, mehr darüber zu erfahren. Ungewöhnlich ist außerdem noch, dass Raymond Reddington (James Spader) nichts mit dem Fall zu tun hat - kurioserweise muss Liz sich auch erst von ihm die Erlaubnis holen, ihrem alten Fall nachzugehen (sollte Cooper (Harry Lennix) nicht dafür zuständig sein?). Und zuletzt werde ich wohl Ned Flanders (Nyle sieht wie eine Live-Action-Version der The Simpsons-Figur aus) nie wieder mit den gleichen Augen sehen.
Sadiq Asmal

Dembe (Hisham Tawfiq) und Red (James Spader) statten zu Beginn dem Imam Sadiq Asmal (Harold Surratt) einen Besuch ab. Der bittet Red um Hilfe wegen laufender FBI-Untersuchungen und wird kurz darauf entführt. Alles deutet darauf hin, dass eine Schmugglerbande, die die Moschee des Imams besucht und „Ware“ von Syrien in die Staaten schmuggelt, für die Entführung verantwortlich ist. Aber wie eingangs schon erwähnt, ist alles ein wenig komplizierter.
Dieser zweite Handlungsbogen gefällt schon deswegen besser als der Fall der Woche, weil Red und Dembe ein separates Abenteuer erhalten. Raymond darf in gewohnter Manier und mit Worten Leute davon überzeugen, ihm weiterzuhelfen, wobei auch ein kleines Feuergefecht im späteren Verlauf nicht fehlt. Zudem ist es natürlich erfreulich, dass er hier einem Anliegen von Dembe nachgeht - was abermals aufzeigt, wie sehr ihm seine rechte Hand am Herzen liegt. Die große Überraschung erfahren wir zeitgleich mit unseren beiden Protagonisten, denn die „Ware“ der Schmuggler sind Flüchtlinge aus Syrien, die heimlich in den Staaten eine neue Heimat finden - das ist doch mal eine erfreuliche Wendung, wenn vom Thema Terrorismus auf humanitäre Hilfe umgeschwenkt wird. Jalal Abbas (Daoud Heidami) mag da zwar gewiss Profit auf Kosten der Flüchtlinge erzielen, aber diese Art von Wendung ist mir allemal lieber als mögliche Terrorattacken oder ein Blacklister, der Sperma von toten Männern für seine Zwecke benutzt.
Mit dieser angenehmen Überraschung kommt aber auch gleich die Gewissheit, dass Jalal nichts mit dem Verschwinden von Sadiq zu tun hat. Während Red und Dembe wieder bei null anfangen, sind wir Zuschauer (dank der Opening Credits) schon einen Schritt weiter. Und richtig, hinter der Entführung des Imams, die nichts mit dem Abenteuer von Red und Dembe zu tun hat, steckt Katarina Rostova (Laila Robins). Ob sie Dembe observieren ließ und so auf Sadiq aufmerksam wurde, scheint eine rhetorische Frage zu sein. Welche Fragen sie Sadiq stellen wird und wie viel dieser über Dembe oder gar Red weiß, steht auf einem anderen Blatt, wenngleich wir zu Beginn erfahren, dass der Imam von Reds Verbindungen zum FBI weiß. Red analysiert aber richtig, wenn er meint, dass jemand versuchen könnte, über Sadiq und damit Dembe an ihn heranzukommen und ist zumindest vorgewarnt. Allerdings kann er noch nicht wissen, dass Katarina noch lebt - womit eine gute Portion Spannung auf die nächsten Folgen generiert wird.
Liz vs. Red

Eine Nebenhandlung dreht sich um Esi Jackson (Kecia Lewis), die Liz im Auftrag von Red von einer weiteren Suche nach Ilya Koslov (Brett Cullen) abhalten soll und scheinbar erfolgreich ihre Aufgabe erfüllt. Doch hier wird das anfängliche Ergebnis revidiert als Liz die Privatdetektivin zur Rede stellt und einen neuen Informationshappen erhält. Womit das Verhältnis zwischen Red und Liz weiterhin kompliziert bleibt.
Das Katz- und Mausspiel zwischen Liz und Red geht weiter. Denn weder er noch sie spricht den Elefanten im Raum an, um den sich alles dreht. Dembe wird zwar nicht müde, Red darauf hinzuweisen, ihr doch einfach die Wahrheit zu erzählen, aber aus einem (noch nicht ersichtlichen) Grund sieht er davon ab. Ebenso, wie Liz nicht davon absehen wird, die neue Spur der ominösen Archive zu verfolgen. Was daran kompliziert ist? Nun, sie weiß, dass er weiß, dass sie weiß, dass er nicht Ilya Koslov ist.
Ich weiß hingegen, dass mich das große Geheimnis um Reds Identität immer weniger interessiert, obwohl ich es gerne aufgelöst sehen will. Weshalb sich da die beiden Figuren so sehr sträuben, einfach mal den anderen mit dem jeweiligen Wissen zu konfrontieren, statt permanent umeinander herum zu schwadronieren, wird immer mehr zum Rätsel. Mir ist zwar bewusst, dass die Serie genau daraus ihre Spannung beziehen möchte, aber nach fast sieben Staffeln wird die Warterei langsam nervig. Natürlich sind wir um ein Vielfaches weiter als in Staffel eins, aber statt sich an einen Punkt (Reds wahre Identität) zu klammern, sollte die Reihe einfach mal versuchen, diesen Punkt aufzulösen und sich anschließend mit einem anderen Geheimnis beschäftigen. Jedenfalls, sofern der Plan der Macher über acht Staffeln hinausgehen sollte.
Sonstiges

Resslers Bruder Robby (Anthony Michael Hall) ist prominent besetzt und taucht persönlich auf, um Donald darauf hinzuweisen, dass die Ray Fields demnächst in mehrerer Hinsicht aufgedeckt werden. Was dort unter der Oberfläche schlummert, wird uns zwar noch nicht verraten, aber es erfordert nicht unbedingt viel Fantasie, um (Keller-)Leichen zu vermuten. Die kommende Episode Brothers deutet mit dem Titel schon an, dass es wohl hauptsächlich um die Ressler-Brüder gehen wird. Einerseits bin ich gespannt, weil ich Hall seit The Dead Zone sehr mag und Donalds Vergangenheit durchaus interessant sein könnte. Andererseits wird der Fokus wohl wieder vom aktuellen Geschehen um Red und Liz (und Katarina) weggeführt, was auch deshalb schade ist, weil diese Staffel recht sicher mit 19 statt 22 Folgen enden wird.
Zuletzt muss ich noch Reds Zustand zum Ende der Folge erwähnen. Ich bin mir zwar zu fast 100% sicher, dass er nicht tot ist, aber dieser Cliffhanger kann sich sehenlassen. Und selbst, wenn es nächste Woche um die Ressler-Brüder gehen sollte, muss es einfach eine kleine Auflösung zum Zustand von Red geben. Vielleicht erfahren wir endlich, weshalb er Medikamente nimmt? Wobei die Einnahme in den letzten Folgen nicht gezeigt wurde und bislang ein Nebenthema zu sein schien, was nur sporadisch mal aufgegriffen wurde. Auf die Auflösung dieses Cliffhangers bin ich jedenfalls am meisten gespannt.
Fazit
Der Fall der Woche um Nyle Hatcher konnte mich jetzt weniger abholen, während ich das Abenteuer von Red und Dembe - trotz Neustart am Ende - ziemlich gelungen fand. Die meiste Spannung wird ohnehin gegen Ende kreiert, als Liz einen neuen Hinweis erhält, Katarina sich blicken lässt, Resslers Bruder auftaucht und Red plötzlich am Boden liegt. Von mir gibt es erneut dreieinhalb von fünf Sternen. Und von euch?
Der Serientrailer zur Episode Brothers der Serie The Blacklist (7x17:
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Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 26. April 2020The Blacklist 7x16 Trailer
(The Blacklist 7x16)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 7x16
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