The Blacklist 7x12

© zenenfoto aus der The-Blacklist-Folge Cornelius Ruck (c) NBC/Sony TV
Cornelius Ruck
Ursprünglich sollte diese The Blacklist-Folge zusammen mit Victoria Fenberg im Doppelpack ausgestrahlt werden, und ich frage mich gerade, ob Cornelius Ruck in dem Fall nicht etwas besser abgeschnitten hätte. Ich weiß, ich weiß, letzte Woche hatte ich noch den Wunsch geäußert, dass Raymond Reddington (James Spader) und Dembe (Hisham Tawfiq) gerne mal ein Abenteuer ohne unser Team vom FBI erleben könnten - dieser Wunsch geht jetzt offenbar in Erfüllung, auch wenn Dembe nicht dabei ist. Aber was eingangs noch nach einem interessanten Katz- und Mausspiel der Sorte Agatha Christie aussieht, entwickelt sich schnell in eine andere Richtung und zielt schließlich auf einen Überlebenskampf ab, den ich nicht ganz für voll nehmen kann.
Jedenfalls sorgen die kurze Laufzeit des Abenteuers sowie das viel zu schnell wieder verlassene „Whodunit“-Szenario bei mir vorrangig für Enttäuschung. Ich hätte gerne mehr über Reds Komplizen erfahren, die nach rund zwanzig Minuten wieder aus dem Bild sind. Ich hätte gerne gesehen, wie nach dem Tod von Margo (Katie Thompson) das Rätselraten in den Fokus gestellt wird, unsere Protagonisten vielleicht über den Diebstahl der Kästchen sinnieren, um demjenigen auf die Schliche zu kommen, der einen nach dem anderen ausschaltet. Quasi Red als eine verdrehte Version von Hercule Poirot, der von allen Anwesenden durch geschickte Dialoge die nötigen Hinweise erhält, um schließlich den Täter ausfindig zu machen.
Stattdessen ist mit dem Tod von Mahmoud (Ajay Naidu) nur noch Cassandra (Joely Richardson) übrig und der Kreis der Verdächtigen somit zu einer Person geworden - denn wir wissen, dass Red nicht als Täter infrage kommt (obwohl das vielleicht ein interessanter Twist gewesen wäre). Entsprechend sorgt Cassandra mit einer (wenig glaubwürdigen) Spionage-Geschichte für eine Wendung, die schließlich zum Überlebenskampf führt. Denn Butler Arthur Rodman (Darren Goldstein) alias Cornelius Ruck ist für die Tode verantwortlich und hat ein ganzes Killerkommando im Gepäck, gegen das sich Red und Cassandra anschließend behaupten müssen. Uns erwartet damit eine gute Portion Action, aber leider kaum Spannung. Denn ein Ableben von Red kommt wohl kaum in Frage, während Cassandra mir über die Folge hinweg ziemlich egal bleibt.
Red und Cassandra

Cassandra wird uns von Beginn an als alte Flamme von Red präsentiert. Offenbar hat es damals in Marseille zwischen den beiden gewaltig gefunkt, ehe Red sich vom Acker machte, um sich Liz (Megan Boone) zu widmen. Ebenso offenbar ist der Kontakt zu Cassandra in all den Jahren aber nie abgerissen, schließlich hat sie ihn und die anderen eingeladen, um die wertvollen Kästchen jetzt an einen interessierten Käufer zu verhökern und damit Millionen zu scheffeln. Da stellt sich direkt die Frage, weshalb wir von Cassandra zuvor noch nie etwas gehört haben - kein Kritikpunkt per se, schließlich haben wir von Margo, Mahmoud, Joko (Hugo Armstrong) und Annika (Adeola Role) zuvor auch noch nie etwas gehört und Reds Vergangenheit bleibt ohnehin rätselhaft. Dennoch wäre ein vorheriger Aufbau dieser Beziehung der Geschichte sicherlich förderlich gewesen.
Was mich aber mit Blick auf die Folge am meisten bedrückt, ist die Tatsache, dass ich weder Red noch Cassandra die vergangene Beziehung abkaufe. Geschweige denn, dass ich es auch nur eine Sekunde für möglich gehalten hätte, dass Red nach Agnes' (Katherine Kell und Sarah Kell) Auftritt mit Cassandra durchbrennt. In meinen Augen fehlt es dazu Spader und Richardson einfach an der Chemie miteinander - ich sehe da immer nur zwei Darsteller, die ihre Rollen spielen, aber leider nie den nötigen Funken, der mich überzeugen könnte. Von daher werde ich Cassandra wohl auch schnell wieder vergessen - ganz im Gegenteil zu Katarina Rostova, die uns einst in der wundervollen Folge Cape May (3x19) nähergebracht wurde.
Was Raymond Reddington betrifft, hätte ich diese Woche auch ein wenig mehr erwartet. Keine Frage, vor allem zu Beginn scheint er voll in seinem Element zu sein und die Geschichte über seinen Vater, während er in MacGyver-Manier ein Mikroskop improvisiert, ist jetzt nicht unbedingt verkehrt. Aber sonst ergeben sich kaum Möglichkeiten für seine ausschweifenden, aber pointierten Monologe, die in dieser Folge doch fehlen. Vielmehr verkommt er im letzten Viertel der Episode zu einem Actionhelden, der Kopfschüsse austeilt und auch im Nahkampf geübt ist - nicht gerade das, womit ich Red verbinde. Für diesen Part wäre eher Dembe zuständig.
Verschenktes Potenzial

Die Überschrift dieses Absatzes mag hart klingen, aber mich wurmt es einfach, dass wir das Team des damaligen Diebstahls nur so kurz zu sehen bekommen und letztlich nur Bruchteile über die Charaktere erfahren. Dabei fing es recht vielversprechend an.
Margo als Tresor- und Schlossknackerin gibt schon zu Beginn eine Idee davon, weshalb sie beim Bruch dabei war. Mahmoud als Sprengstoffexperte, der mittlerweile fast taub ist, sowie seine off/on-Beziehung zu Margo sorgen ebenfalls direkt für eine kurze Charakterisierung, die auf einen weiteren Ausbau wartet. Joko als eine Art Leibwächter, der hauptsächlich mit der Waffe umzugehen weiß, bloß zehn Prozent erhalten soll und somit direkt als Red Herring daherkommt, klingt jetzt auch nicht uninteressant. Annika liefert mit Blick auf Agatha Christies Geschichten erstmal zum abergläubischen Teil bei und hat außerdem Asthma, bleibt aber ansonsten als Figur sehr blass. Red und Cassandra dürften sich derweil die Rolle des Masterminds teilen.
Für den Anfang hat die Geschichte jedenfalls was und schreit geradezu danach, weiter ausgeführt zu werden. Wie sind die sechs an die Kästchen gekommen, wie lief das damals ab, hat der Plan funktioniert, musste er abgeändert werden und gab es böses Blut, welches sich nun im Hier und Jetzt niederschlagen könnte? Ich hätte jedenfalls gerne mehr darüber gehört (und in möglichen Rückblicken gesehen). Ernsthaft, ein „Whodunit“-Szenario mit Red als Ermittler ist genau das, wonach ich jetzt hinterherweine.
Sonstiges
Die große Story schläft abermals, was mitunter auch zu erwarten war. Vom Team sehen wir erst am Ende etwas, wobei es aber sehr schön ist, dass alle bei Agnes Auftritt dabei sind und applaudieren. Das bringt in der Tat ein bisschen mehr Familienstimmung ins Team, was immer gerne genommen wird.
Cynthia hätte ich jetzt fast vergessen. Erst letzte Woche kurz vorgestellt, darf sie diese Woche die Echtheit der Kästchen bestätigen und Red und Cassandra eine Zahl nennen, die zufrieden stimmt. Stellt sich bloß die Frage, weshalb Red nicht gleich vorgeschlagen hat, zu ihr zu gehen - denn offenbar ist der Schritt in ihren Laden sehr viel einfacher als - sagen wir - ein Ausflug auf eine Insel, wo man abgeschnitten von der Außenwelt ist, den Besitzer nicht kennt und der Butler möglicherweise ein Mörder ist, der ein Killerkommando in petto hat. Nur so'n Gedanke...
Fazit
Es dürfte schwer zu erraten sein, dass mir diese Folge nicht sonderlich gefallen hat. Den Anfang fand ich noch sehr vielversprechend und hatte mich auf ein Szenario gefreut, welches den damaligen Bruch und die neuen Figuren entsprechend ins Bild setzt. Spätestens ab Hälfte der Episode wird davon Abstand genommen, wobei der große Twist bei mir allerdings bloß Unverständnis und Langeweile hervorgerufen hat, auch wenn es nette Action gab, aber leider halt ohne entsprechende Spannung. Von mir gibt es mit einem zugedrückten Auge noch zweieinhalb von fünf Sternen. Und von euch?
Der Serientrailer zur Episode Newton Purcell der Serie The Blacklist (7x13):
Hier kannst Du „The Blacklist: Staffel 7 (OV) im Stream“ bei Amazon.de kaufen
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 29. März 2020The Blacklist 7x12 Trailer
(The Blacklist 7x12)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 7x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?