The Blacklist 5x21

© egan Boone, Amir Arison und Diego Klattenhoff in „The Blacklist“ (c) Virginia Sherwood/NBC
Lawrence Dane Devlin
Lawrence (Pruitt Taylor Vince) ist nach seiner kurzen Einführung in der Folge Nicholas T. Moore der Gegenspieler der Woche. Er hat Samar (Mozhan Marno) in seiner Gewalt und führt keine guten Absichten im Schilde, womit die Zeit für Aram (Amir Arison) und die anderen knapp wird. Ein Handlungsstrang befasst sich folglich mit den Geschehnissen zwischen Entführer und todgeweihtem (?) Opfer.
Wie sich herausstellt, hat Nicholas T. Moore (Bob Gunton) den lieben Lawrence schon öfter eingesetzt, weiß aber nicht wirklich um dessen Identität und Machenschaften Bescheid. Folglich kann er Aram, Red (James Spader) und unser restliches Ermittlerteam bloß in die richtige Richtung lotsen, als er schließlich doch den Mund aufmacht. The Blacklist versucht uns hier abermals einen Bösewicht schmackhaft zu machen, dessen Taten das Wort Grausamkeit neu definieren könnten. Mit einem ganzen Wald voller Leichen und seinen „Experimenten“ wird uns Devlin jedenfalls als jemand vorgestellt, der - ähnlich wie Moore - eine verdrehte Weltansicht hat und dessen „Forschungen“ jahrelang unter dem Radar der Behörden blieben. Und genau darin ist einer der Knackpunkte zu finden, der den Fall der Woche eher mäßig gestaltet.
Als letzte Woche Pruitt Taylor Vince zu sehen war und Samar am Ende nicht befreit werden konnte, stand schon fest, dass es sich diesmal hauptsächlich um einen weiteren Fall der Woche drehen würde und der große Handlungsbogen um die Tasche einen weiteren Aufschub beziehungsweise nur kleinere Fortschritte erhält. An sich nicht schlimm, schließlich ist Vince ein sehr guter Darsteller und bringt auch hier genug Charisma mit, um seine Rolle glaubhaft rüberzubringen. Was weniger gefällt, ist das Drehbuch, welches nahezu 08/15 ausfällt, einen blöden Zufall mitbringt und als einzigen relevanten Pluspunkt das Mitfiebern um Samar im Schlussakt enthält - denn da ließ sich tatsächlich befürchten, es könne sich um ihre letzte Episode handeln.

Näher ausgeführt, lässt einen bereits Samars Fluchtversuch sauer aufstoßen, weil der mehr als typisch für ein solches Entführungsszenario ist. Dabei sollte Devlin schlicht vorsichtiger mit seinen Opfern sein, denn immerhin hat er jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet und sollte ebenfalls wissen, dass er da eine FBI-Agentin entführt hat, die kaum kampflos aufgeben wird. Diese Art, Spannung zu generieren, ist ähnlich abgenutzt wie der anschließende Autounfall des zu dem Zeitpunkt bereits schwer verletzten Lawrence. Aber den Vogel schießt man mit dem Bären ab, der auch nach dem Erlangen seiner ersten Beute noch versucht, an den verbleibenden Inhalt des Fahrzeugs heranzugelangen und dieses dabei ins Wasser befördert. Wobei Devlins Tod mit Blick auf die Art, wie er seine Opfer umbringt, schon irgendwie passend gestaltet ist.
Unterm Strich folgt ein Twist dem nächsten - was in Ordnung wäre -, aber die Macher verrennen sich damit immer mehr in Richtung Unglaubwürdigkeit plus merkwürdige Zufälle und unterminieren letztlich sogar ihren eigenen Bösewicht. Was mir besser gefallen hätte? Ein simpler Wettlauf gegen die Zeit für unsere Ermittler, während sich die Lage von Samar zusehends zuspitzt, weil - und jetzt kommt der große Unterschied - ihr Entführer durchgehend die Oberhand behält.
Ermittlungen
Bei unserer Task Force steht selbstverständlich Aram im Vordergrund, der die treibende Kraft hinter den Ermittlungen ist. Seine Beziehung zu Samar (die in den letzten Episoden etwas strauchelte) macht ihre Rettung zu einer persönlichen Angelegenheit für ihn, womit auch Alleingänge und das Brechen der (legalen) Regeln verbunden sind. Arams Sorgen und sein persönlicher Einsatz lassen sich dabei hundertprozentig nachvollziehen und am Ende darf ordentlich mitgefiebert werden, ob die Rettung für Samar noch rechtzeitig kommt.
Zwei Ereignisse verdienen hier eine besondere Erwähnung. Eines davon ist der Selbstmord von Moore, der ohne Arams Zutun nicht stattgefunden hätte. Cooper (Harry Lennix) durchschaut auch recht schnell, wie der Missetäter von letzter Woche sich das Leben nehmen konnte und wer das erst möglich machte. Die Frage ist nun, ob sich für Aram daraus Konsequenzen ergeben oder nicht. Wobei in Sachen Regelbrechen mittlerweile niemand aus unserem Team mehr ein unbeschriebenes Blatt ist. Insofern lässt sich leicht vermuten, dass Cooper die Angelegenheit - ähnlich wie Resslers (Diego Klattenhoff) Briefchen - erstmal unter den Teppich kehrt. Nur, wie lange können unsere Agenten einen solchen Weg noch weitergehen? Anfangs wird ja sogar in Erwägung gezogen, Brimleys (Teddy Coluca) Folterdienste in Anspruch zu nehmen, um Moore zum Reden zu bringen. Wie lange kann der Zweck da noch die Mittel heiligen? Eine interessante Frage, die zwischendurch immer mal wieder aufkommt. Für meinen Geschmack überwiegen die Sympathien der Figuren noch recht eindeutig, während ihr Handeln zunehmend grenzwertiger wird. Wie sieht das bei Euch aus? Und meint Ihr, unsere Agenten sollten am Ende zur Rechenschaft gezogen werden?

Zweites Ereignis ist derweil Samars Situation am Episodenende. Eine erwartete einfache Lösung (sie kommt unbeschadet oder nur leicht verletzt davon) bleibt aus, während uns das andere - durchaus zu befürchtende - Extrem (sie stirbt) erspart bleibt. The Blacklist entscheidet sich stattdessen für die Ungewissheit eines Komas. Es bleibt offen, ob Samar wieder zu Bewusstsein kommt und in welchem Zustand sie sich im Fall der Fälle dann befinden wird. Wobei ihr Ja-Wort als vorerst letzter Dialog mit Aram und vor allem die letzten Szenen mit den beiden im Krankenhaus doch stark auf die Tränendrüse drücken. Ob die beiden noch ihr Happy End bekommen? Ich hoffe es, auch wenn die Aussichten darauf stark gesunken sind.
Red vs. Liz
Raymond steht nur anfangs hilfsbereit bei den Ermittlungen zur Verfügung und macht sich schließlich davon, nachdem die Spur zu Samar und Lawrence sehr heiß geworden ist. Liz (Megan Boone) entgeht sein Aufbruch nicht, wobei sie genau weiß, wo seine Reise hingehen wird und zu welchem Zweck. Bei ihr hat Samar allerdings die höhere Priorität, womit sie Red einen möglicherweise entscheidenden Vorsprung beim Wettlauf um die Tasche gibt.
Zu erwarten war, dass Red diese Woche noch keinen Erfolg verbuchen kann. Smokeys (Michael Aronov) Ermittlungen im Vorfeld wecken zwar kurzzeitig den Anschein, dass Red die sterblichen Überreste in Costa Rica einheimsen kann, aber die Angelegenheit ist mal wieder komplizierter. Garvey (Jonathan Coyne) hat die Überreste nicht zur Auktion freigegeben, sondern bloß jemandem übergeben, der sich ebenfalls über die Bedeutung dieser bewusst ist. Der mysteriöse Name, der hier auftaucht, ist Sutton Ross - gleichzeitig übrigens der Titel für das Staffelfinale.
Die ganze Angelegenheit um die Auktion, Mr. Gonzalez (Jose Zuniga) und dessen Wachen weiß noch gut zu gefallen. Auch kommt der Humor nicht zu kurz, wenn Red beispielsweise eine der Wachen (Brett Azar) über die Auswirkungen von Steroiden befragt - wobei die Ausführungen über einen gewissen, schauspielerisch talentierten Dachs gegen Episodenbeginn ebenfalls köstlich sind. Schön ist außerdem, wenn Red Dembe (Hisham Tawfiq) einen Gefallen erweist und das Gemälde, welches gerade zur Auktion steht, zum Anlass nimmt, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
Aber der neue Name, Sutton Ross? Da wird mal wieder jemand aus dem Hut gezaubert, der offensichtlich mit Raymonds Vergangenheit zu tun hatte, aber nie erwähnt wurde. Mit Blick auf die Auktion dürfen wir uns ohnehin fragen, wie viele Leute über Red schon Bescheid wissen. Schließlich deutet seine Annahme, Garvey hätte die Tasche dafür freigegeben, doch stark daraufhin, dass es da viele interessierte Parteien gibt. Dieser Eindruck, dass abgesehen von der Task Force und von uns Zuschauern scheinbar jeder über den Inhalt der Tasche Bescheid weiß, ist ziemlich ernüchternd. Da fragt man sich auch umso mehr, weshalb die Überreste damals bloß verbuddelt und nicht auf permanentere Art und Weise aus dem Verkehr gezogen wurden.

Somit bleiben zwei Dinge zu hoffen. Einmal, dass wir tatsächlich im Finale nächste Woche erfahren, wer da in der Tasche steckt und zum Zweiten, dass die Enthüllung noch niemand auf dem Schirm hat. Es gibt ja mittlerweile einige Theorien, wobei ich auch (wie neulich ausgeführt) zu einer von denen tendiere. Aber ein Knaller, der Sinn ergibt und gleichzeitig vom Hocker haut, wäre natürlich die wünschenswerteste Offenbarung.
Zuletzt sei noch angemerkt, dass man leicht überrascht über Lizzies abschließende Szenen sein darf. Wie konnte sie denn so schnell Raymonds Spuren folgen? Steht sie etwa heimlich mit Dembe in Kontakt? Aber halt, der könnte ihr das große Geheimnis auch einfach mitteilen. Schlüssig ist es jedenfalls nicht, wie sie Reds Vorsprung so schnell zunichtemachen kann. Da fehlen uns offensichtlich noch ein paar Infos. Andererseits ist es natürlich besser, wenn sie zum Finale dicht an Reds Fersen ist - sonst hätte sie kaum Chancen, diesen Wettlauf zu gewinnen.
Fazit
Auf jeden Fall besser als letzte Woche, aber doch mit viel Luft nach oben. Einen Pruitt Taylor Vince kann man deutlich effektiver einsetzen als hier, auch wenn der Ansatz ganz nett war und wir mit Samar und Aram gut mitfiebern konnten. Reds Ausflug nach Costa Rica bringt derweil einen neuen Mitspieler zum Vorschein, der das Finale einläutet. Ob das aber überzeugen können wird, bleibt doch sehr fraglich. Unterm Strich gab es aber mehr Licht als Schatten. 3,5 von 5 Sternen sind sicher in Ordnung.
Verfasser: Christian Schäfer am Donnerstag, 10. Mai 2018The Blacklist 5x21 Trailer
(The Blacklist 5x21)
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