The Blacklist 5x22

© ulian Sands und Megan Boone in „The Blacklist“ (c) NBC/Foto: Will Hart
Samar und Aram
Fangen wir doch mit der Nebengeschichte an. Während unsere Taskforce auf der Seite von Liz (Megan Boone) versucht, Red (James Spader) zuvorzukommen und Sutton Ross (Julian Sands) zuerst in die Finger zu bekommen, gelten Arams (Amir Arison) Sorgen der im Koma liegenden Samar (Mozhan Marno). Aram hat sich dazu ausgiebig mit Komapatienten befasst und drängt darauf, dass das medizinische Personal die - seiner Meinung nach - optimalen Methoden anwendet, damit Samar wieder aufwacht (und hoffentlich keinen bleibenden Schaden genommen hat).
Tatsächlich winkt den Shippern dieser kleinen, herzallerliebsten Beziehung ein Happy End. Es ist zwar gut möglich, dass die kommende sechste Staffel (die irritierenderweise erst zur Midseason starten wird) noch ein paar Beziehungs- beziehungsweise Eheprobleme beinhalten wird, aber vorerst können alle Sorgen über Bord geworfen werden. Denn Samar wacht am Ende auf und gibt Aram das Jawort.
Der größte Kritikpunkt hierbei ist natürlich, dass das Happy End viel zu schnell gelingt. Letzte Woche ins Koma gefallen und diese Woche bereits wieder wach und ohne Hinweise auf Folgen? Zumal innerhalb der Serie nicht einmal eine Woche vergangen ist. Ein bisschen zu schnell. Obendrein hat Samar noch den Heiratsantrag mitbekommen, während sie im Koma lag (okay, der Ring könnte ein entscheidender Hinweis gewesen sein)? Gut gemeint, unterm Strich aber nicht ganz glaubwürdig.
Und dennoch, lieber ein Happy End vom Zaun brechen, als die Staffel ungewiss beenden. Da wäre auch im Fall einer Absetzung - zumindest was die beiden angeht - ein kleines Trostpflaster vorhanden.

Wettrennen
Wer bekommt Sutton Ross zuerst in die Finger? Diese Frage beschäftigt uns in der ersten Hälfte von Sutton Ross. Mal schaut es aus, als wenn Liz und das FBI die Oberhand haben, doch dann ist Red wieder am Zug und hat scheinbar die Nase vorn. Ganz nebenbei erfahren wir, womit der Blacklister der Woche sein Geld verdient und weshalb er aus dem Verkehr gezogen gehört.
Erwartungsgemäß gibt es einige Wendungen zu verbuchen. Nichts Großartiges, weil wir primär auf die Auflösung des großen Geheimnisses fokussiert sind und endlich erfahren wollen, wessen Überreste da in der Tasche schlummern. Zwei Punkte sollten dennoch kurz angemerkt werden. Zum einen natürlich, dass Red die Verfolgung von Ross abbricht, um sich über den Zustand von Liz zu vergewissern, nachdem sie einen Unfall hatte. Das ist deshalb so wichtig, weil uns abermals gezeigt wird, dass ihm sehr viel an ihr liegt. Mit Blick auf das Ende bleibt diese Frage auch offen (also, warum gerade Liz und nicht jemand anders wie Jennifer (Fiona Dourif)?).
Der zweite Punkt fällt ein wenig kritischer aus, denn Resslers (Diego Klattenhoff) Auftritt beim vermeintlichen Austausch mit Sutton ist eine dieser Überraschungen, die nicht so ganz schmecken wollen. Uns fehlen hier die nötigen Informationen, wie das gelingen konnte. Im Nachhinein kann man sich das „Wie“ zwar zurechtreimen, aber dennoch sollte Ross schon wissen, für wen er arbeitet und wie dieser Jemand aussieht. Ein kleiner Fauxpas, wobei Reds Abtritt den aber auch wieder ein wenig wett macht.
Den Verlauf des Wettrennens würde ich als solide bis gut bezeichnen. Falls das Geheimnis gelüftet wird, war jedenfalls zu erwarten, dass Sutton Ross vorerst im Gewahrsam des FBI landen würde und nicht in den Händen von Red. Inklusive einiger Wendungen, die teils besser hätten ausfallen können.
Fake Red
Holen wir also die Katze aus dem Sack. Denn die zweite Hälfte von Sutton Ross hat alleine die besagte Katze zum Thema, die uns natürlich erst am Ende offenbart wird. Ein Ende, das sich durchaus sehen lassen kann, aber dennoch ein wenig fade wirkt. Zunächst einmal ist doch irgendwie klar gewesen, dass Sutton das Geheimnis direkt an Liz weitergegeben hat, nachdem er in Gewahrsam war und sich ein privates Gespräch mit ihr erwünscht hatte, oder? Ich empfand daher die Rückblicke - wie es wirklich abgelaufen ist - nicht besonders überraschend. Sutton ist bereit zu reden, Liz schenkt ihm ein Ohr und somit ist das Geheimnis gelüftet. Alles Weitere dreht sich um Hinhaltung des Zuschauers, dem erst am Ende offenbart wird, wer da in der Tasche liegt. Nicht unbedingt schlechtes Storytelling, aber man erwartet den Kniff eben.

Der nächste Punkt wird vermutlich diverse Leute (mich seit zwei bis drei Wochen inklusive) freuen, die auf genau diese Theorie gesetzt hatten. Die sterblichen Überreste in der Tasche gehören dem echten Raymond Reddington und unser Red ist ein Fake. Diverse erklärende Rückblicke untermauern das Ganze, wobei sich tatsächlich viele Puzzleteile zusammenfügen. Viele vergangene Handlungen von Red ergeben in der Tat (mehr) Sinn und scheinen bereits von Beginn an darauf ausgelegt gewesen zu sein. Inklusive übrigens der Tatsache, dass er die direkte Frage von Liz, ob er ihr Vater sei, damals verneint hat.
Warum also wirkt die Lüftung des Geheimnisses fade? Einmal, weil man es kommen sah und somit die große Überraschung bloß eine Bestätigung ist. Zum zweiten, weil wir dadurch nicht wirklich einen Schritt weiter sind. Denn auf die Frage, wer Fake Red jetzt ist, gibt es noch keine Antwort. Die wird es erst in der nächsten Staffel geben (hoffentlich jedenfalls). Klar, man kann sich schon ein bisschen was zusammenreimen, aber die Macher bleiben ihrem Schema doch treu und vermeiden es, alle Antworten zu geben (ich verkneife es mir jetzt mal, über die vor ein paar Tagen noch mögliche Absetzung der Serie weiter nachzudenken).
Wenn wir das Geheimnis und dessen folgende Fragen jetzt mal kurz zur Seite legen, bleibt aber trotzdem ein gutes Finale zurück. Denn Liz hat Red täuschen können und damit schon sehr eindrucksvoll bewiesen, dass sie was auf dem Kasten hat. Er weiß (noch) nicht, dass sie über ihn (als Fake) im Bilde ist. Insofern wird die nächste Staffel auch recht spannend, wenn sie versucht, herauszufinden, wer Fake Red wirklich ist - ohne, dass er ihre Absichten bemerkt. Ob sie das Geheimnis mit den anderen in der Taskforce teilen wird? Ob Red ihr auf die Schliche kommt? Abwarten. Aber ich bin doch sehr gespannt auf die sechste Staffel.

Sonstiges
- Schöne Gastauftritte. Brimley (Teddy Coluca) war kurz zu sehen. Toms (Ryan Eggold) Auftritt hat mich anfangs zweifeln lassen, ob er tatsächlich tot ist. Und über Dominic Wilkinson (Brian Dennehy), der offenbar länger über Red im Bilde ist, dürfen wir weiterhin rätseln.
- Jennifer in der nächsten Staffel dabei? Sieht so aus. Aber bitte eine kleine Erklärung, weshalb sie mit Liz jetzt unter einer Decke steckt (nach ihrem letzten Auftritt war das nicht zu erwarten).
- Und äh, ist Red weiterhin für Coopers (Harry Lennix) Team als Informant tätig oder raus? So ganz klar ist mir das nicht.
- Außerdem fraglich: Dembe (Hisham Tawfiq), Kaplan (Susan Blommaert), Sam Milhoan (William Sadler) und andere waren über Reds Geheimnis im Bilde - warum bewahren sie es trotzdem so lange und rücken nicht damit heraus? Weshalb verbrennt Red die Knochen erst jetzt? Hoffentlich wird da noch eine gute Erklärung abgeliefert, denn die wird definitiv benötigt.
Fazit
Aus jeder Antwort ergeben sich neue Fragen. The Blacklist halt. Das fünfte Staffelfinale ist gut inszeniert, ein wenig vorhersehbar, aber gleichzeitig auch sehr befriedigend. Als Abschluss der Serie kann es aber kaum herhalten, insofern schön, dass Staffel sechs kommen wird. Von mir gibt es vier von fünf Sternchen.
Verfasser: Christian Schäfer am Donnerstag, 17. Mai 2018The Blacklist 5x22 Trailer
(The Blacklist 5x22)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 5x22
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