The Blacklist 5x19

© iego Klattenhoff als Donald Ressler und Mozhan Marno als Samar Navabi in „The Blacklist“ (c) Will Hart/ NBC
„Everything you've believed for the last 30 years has been a lie. You've spent a lifetime hiding for no reason.“ - Ian Garvey (Jonathan Coyne)
Das erste Treffen
Ian Garvey steht diese Woche im Mittelpunkt, ob er nun möchte oder nicht. Zunächst dreht sich alles um ein Treffen mit Red (James Spader), welches dieser mittels Zarak Mosadek (Bernard White) in die Wege leitet und worauf sämtliche Figuren vorerst hinarbeiten.
Lillian (Fiona Dourif) alias Naomis (Mary-Louise Parker) Tochter Jennifer befindet sich anfangs noch bei Liz (Megan Boone) und kann kaum glauben, was ihr da über ihren Ziehvater Ian berichtet wird. Während sie überrascht und schockiert von Garveys kriminellen Verwicklungen ist, sind wir als Zuschauer (bereits seit letzter Woche) überrascht davon, dass er sich für gut drei Jahrzehnte um sie gekümmert hat. Diese gute Seite Garveys ließ sich nicht kommen sehen, aber die Macher nutzen diese nicht, um ihn in eine positive Figur zu verwandeln - was auch unglaubwürdig wäre - sondern, um uns Grund für abschließende Spekulationen zu geben (mehr dazu später). Und für etwas Spannung bezüglich Jennifer, denn nachdem Ian ihr gegenüber einige seiner Untaten (mehr oder weniger) bestätigt, stellt sich die Frage, auf welcher Seite sie am (Folgen-)Ende stehen wird.
Die Spannung in der ersten Episodenhälfte kommt aber aus anderer Richtung. Denn Zarak hat keineswegs vor, Ian ans Messer zu liefern. The Blacklist wartet hier einmal mehr mit doppelten Spielchen auf, die den Ausgang des ersten Treffens vielleicht nicht ungewiss machen, aber doch zumindest eine gelungene Überraschung in Sachen Doppelgänger abliefern. Mir war jedenfalls klar, dass Red hier (noch) die Oberhand behält. Aber wie er das anstellen würde, konnte ich beim besten Willen nicht vorhersehen.

An dieser Stelle muss auch gleich Raleigh Sinclair III (John Noble) erwähnt werden. John Noble meldet sich diese Woche zurück und erinnert durch seine Ausführungen ein bisschen an einen gewissen Walter aus Fringe - klarer Pluspunkt. Red benötigt seine Dienste, um einen Doppelgänger zu schaffen, wobei Raleigh ein äußerst geringes Zeitfenster bleibt, um Tony (Lenny Venito) in eine andere Figur zu verwandeln. Als Zuschauer wird man ein wenig an der Nase herumgeführt, denn allem Anschein nach möchte Red sich an zwei Orten gleichzeitig befinden - was letztlich aber nicht der Fall ist. Vielmehr wird Ian bereits im Vorfeld aus dem anstehenden Treffen genommen und Tony sorgt als dessen Doppelgänger dafür, dass Garvey demontiert wird. Ein schöner Schachzug seitens Red, hält er doch plötzlich trotz schlechter Ausgangslage wieder alle Fäden in der Hand und darf Ian genüsslich erklären, was passiert ist.
Red vs. Liz
Aber allzu lange bleibt Ian nicht in Reds Gewalt. Dann hätte die Geschichte um die sterblichen Überreste auch ein vorzeitiges Ende - ohne Auflösung - gefunden und Liz würde nie erfahren, weshalb Tom (Ryan Eggold) Garvey zum Opfer fiel. Diese Woche wird jedenfalls sehr deutlich herausgestellt, dass Lizzie sich nicht damit zufriedengibt, Ian einzubuchten oder sich an ihm zu rächen. Sie will wissen, weshalb Tom sterben musste und was es mit der Tasche und deren Inhalt auf sich hat. Antworten, die sie offensichtlich von Red nicht bekommt. Antworten, die Garvey ihr aber geben kann. Insofern gibt es einen spannenden Wettlauf zwischen Liz und Red zu verzeichnen, der schließlich in einem kleinen Showdown endet.
Ob Liz wohl tatsächlich auf Red gefeuert hätte? Ich glaube nicht. Dennoch war die Szene großartig gespielt (von allen Beteiligten) und verdeutlicht uns, dass unsere beiden Hauptfiguren in den letzten Episoden der Staffel gegeneinander arbeiten werden. Hilfe könnte Lizzie von Jennifer bekommen, die jetzt scheinbar die einzige Möglichkeit darstellt, an die Tasche und die sterblichen Überreste zu gelangen. Aber dazu müsste sie Ians Schützling erst einmal überzeugen, schließlich wird Jennifer ihr zumindest eine Teilschuld am Tod von Garvey geben. Ganz zu schweigen von den Worten, die da vorher gefallen sind („He doesn't own her. He is her. And she is him.“) - Worte, die uns in leicht entschärfter Form auch schon durch den Kopf gingen. Das soll zwar nicht heißen, dass sie jetzt Red 2.0 ist. Aber sie billigt seine Methoden nicht nur, sondern setzt sie mittlerweile bereitwillig ein - was eine Elizabeth Keen aus der ersten Staffel niemals getan hätte.
Und Red? Vorerst kann er sein Geheimnis noch bewahren, aber bestimmt nicht mehr lange. Zwar streckt die Serie des Öfteren die größeren Offenbarungen um seine Vergangenheit ins schier Unermessliche, aber irgendwie bin ich mir sehr sicher, dass wir in diesem Fall in Kürze erfahren werden, wer in der Tasche ist. Ians Zitat da oben könnte ein entscheidender Hinweis gewesen sein, der für eine gewisse Theorie spricht.

Spekulationen
Wessen Überreste befinden sich in der Tasche? In den Kommentaren habe ich des Öfteren mal vernommen, es könne sich um den echten Raymond Reddington handeln und unser Red hätte vor langer Zeit lediglich seine Identität angenommen. Ians Zitat würde demnach Sinn ergeben, denn falls der echte Raymond - Jennifers Vater - tot ist, hätte sie sich in der Tat nicht zu verstecken brauchen. Wobei Garveys Aufmerksamkeit vermutlich erst durch die DNA-Analysen der Überreste geweckt wurde - als Jennifers „Beschützer“ und mit Zugang zu derartigen Analysen hat er sicher Ausschau nach dem echten Raymond gehalten und Toms Nachforschungen brachten Ian schließlich ins Spiel.
Außerdem ist noch offen, was unser Red damals Alexander Kirk (Ulrich Thomsen) ins Ohr geflüstert hat, damit dieser von ihm abließ. Vielleicht, dass er nicht der echte Raymond Reddington ist? Und hat Cooper (Harry Lennix) nicht Material von einem uralten Fall benutzt, um zu klären, ob Red Lizzies Vater ist? Womöglich sagte unser Red damals in Staffel eins doch die Wahrheit, als er Lizzies direkte Frage mit „nein“ beantwortete...
Je mehr ich drüber nachdenke, desto wahrscheinlicher halte ich diese Auflösung. Wobei ich mir keineswegs sicher bin, ob wirklich alles damit zusammenpasst. Dazu müsste ich mir im Speziellen die Episoden mit Naomi auch noch einmal anschauen. Die Mehrzahl der Puzzleteile scheint sich mit dieser Theorie aber zusammenzufügen. Was meint ihr?
Fazit
Eine Folge, die sich ausnahmslos der großen Rahmenhandlung widmet und das Kapitel Ian Garvey abschließt. Reds Geheimnis wird zwar noch nicht gelüftet, aber es gibt einen großen Hinweis dazu - ob der sich bestätigt, bleibt allerdings noch abzuwarten. In jedem Fall ist Ian Garvey: Conclusion) eine sehr gute Episode, die den Endspurt der Staffel einleitet, durchgehend spannend bleibt und vor allem durch den Showdown am Ende überzeugen kann. Da lässt sich auch verschmerzen, wenn unsere restliche Task Force diese Woche rein funktioneller Natur ist. Von mir gibt es diese Woche 4,5 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 27. April 2018The Blacklist 5x19 Trailer
(The Blacklist 5x19)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 5x19
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