The Blacklist 3x05

CIA vs. FBI
Neben einem kleineren Treffen mit Raymond Reddington (James Spader) steht diese Woche bei Donald Ressler (Diego Klattenhoff) hauptsächlich ein Auftritt vor einem Untersuchungsausschuss an, der es in sich hat. Durch die Blume soll nämlich geklärt werden, ob Ressler seine Jagd auf Keen (Megan Boone) mit der nötigen Objektivität angeht - immerhin gilt sie als Terroristin - und weshalb er dazu bislang nicht mit der CIA, genauer gesagt mit dem Director Peter Kotsiopulos (David Strathairn), zusammengearbeitet hat, wie es die Protokolle mittlerweile vorschreiben.
Die Verhandlung wird dabei in dem Moment zur Farce, als die Enthüllungen durch den Fulcrum als veraltetes und unbrauchbares Material abgestempelt werden - soweit also zum Thema des hochbrisanten Stoffes, der angeblich in der Lage ist, den Cabal einen schweren Schlag zu verpassen. Es mutet geradezu lächerlich an, wenn Leute wie Harold Cooper (Harry Lennix) aus ihrer Position entfernt werden, aber ein Missetäter wie der Director lediglich von seinen Cabal-Kumpanen getriezt und von der US-Regierung nicht einmal in Frage gestellt wird. Warum fasst man den während der Ausschuss-Sitzungen mit Samthandschuhen an, während Ressler danach gefragt wird, ob er persönlich an Keens Unschuld glaubt? Das passt alles nicht so richtig zusammen, wirkt geradezu wie ein Standgericht, in dem Ressler seine jetzige Position gerade noch (und unter Auflagen) halten kann. Oder soll uns damit gezeigt werden, dass auch die Kommission unter der Vorsitzenden (Christine Lahti), die die Verhandlungen leitet, bereits von den Cabal unterwandert wurde?

Aber so sinnlos die Verhandlung auch laufen mag, das Endergebnis verspricht hier wenigstens eine interessante Prämisse, die in gewisser Weise spiegelbildlich zum Team aus Reddington und Keen steht: Ressler wird gezwungen, seine Ermittlungen mit dem Director an seiner Seite fortzusetzen. Er muss also sehr vorsichtig sein, wenn er den Cabal nicht in die Hände spielen will - was zu einigen durchaus spannenden Situationen führen kann. Zu guter Letzt sei noch angemerkt, dass für uns Resslers Position in Sachen Keen gefestigt wird. Er glaubt an ihre Unschuld und will den Vorwürfen auf den Grund gehen.
Tom Keen
Die Undercovermission von Tom Keen (Ryan Eggold) macht wie zu erwarten kleinere Fortschritte. Tom spielt dabei ein riskantes Spiel, wie uns gleich zu Beginn gezeigt wird. Selbst Harold meint, er solle sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Zwar dient der schmale Grat, auf dem er wandert, ebenfalls dazu, Asher Sutton (Peter Vack) weiter ins Vertrauen zu ziehen und ist durchaus erfolgversprechend. Aber am Ende der Folge können wir uns nicht sicher sein, ob Tom nun möglicherweise zu weit gegangen ist.
Zu gefallen weiß dabei allerdings, wie direkt Tom die Auseinandersetzung mit den Russen sucht. Bei seiner Vorgehensweise wird es nicht lange dauern, bis er die Aufmerksamkeit der Organisation auf sich gelenkt hat, in der auch Karakurt (Michael Massee) vermutet wird. Und hohes Tempo ist immer eine tolle Sache, wenn es wie hier gut umgesetzt wird.
Sutton und dessen Verlobte Gwen (Conor Leslie) werden dabei möglicherweise den Kürzeren ziehen, was Tom relativ egal sein kann. Cooper hat ihn nicht ohne Grund deshalb eingesetzt, weil er eine skrupellose Vorgehensweise für effektiv - und in diesem Falle notwendig - hält. Asher vermutet bestimmt auch zu recht, dass die Russen nach dem Tod ihres Erpressungsgeldsammlers hinter ihm her sein werden. Tom kann sich also zurücklehnen und abwarten, bis sich der nächste bei Sutton blicken lässt. Ein perfides Spiel.
Die Spannung wird allerdings etwas dadurch getrübt, dass Tom weiterhin als der perfekte Maulwurf gilt, der jeden seiner Schritte und die Konsequenzen daraus vorhersehen kann. Oh, und seine Nazi-Tattoos scheinen auch spurlos verschwunden zu sein, was ebenfalls an der Glaubwürdigkeit kratzt. Trotz all seiner Taten bleibt er uns aber als ein Sympathieträger erhalten, wie seine Nachricht für Liz - die wiederum auch das eigentliche Motiv für seine Mission ist - verdeutlichen soll. Allerdings betritt er auch hier einen schmalen Grat, denn als Zuschauer fragt man sich schon, ob Frau Keen wohl einverstanden mit seiner skrupellosen Vorgehensweise wäre.

Arioch Cain
Kommen wir nun zum Fall der Woche, der leider nicht so ganz überzeugen kann. Da wäre zunächst der Anfang der Folge, der uns eine angeblich tote Liz zeigt. Sollte tatsächlich irgendein Zuschauer angenommen haben, dass die Macher hier eine zentrale Hauptfigur über die Klinge springen lassen? Wohl kaum, denn wenn es zwei Figuren gibt, auf die The Blacklist unter keinen Umständen verzichten kann, dann sind es Liz und Red.
Die spannende Frage ist hier damit nicht, ob Lizzie wirklich tot ist, sondern weshalb ihr Tod gestellt werden musste. Und die Antwort darauf geht den üblichen Weg, der nicht nur wenig Neues bietet, sondern uns am Ende auch noch eine hanebüchene Auflösung präsentiert. Aber fangen wir vorne an.
Mit dem „Wendigo“ (Andy Dylan) wird uns ein Killer präsentiert, der aus rein persönlich-moralischen Motiven Liz als sein Ziel auserkoren hat. Sein erstes Attentat ist dabei gewohnt spannend in Szene gesetzt und zeigt uns eine sehr unterhaltsame Actionsequenz. Es fühlt sich für einige Momente tatsächlich so an, als sei Red mit seinem Latein am Ende und als hinge das Leben seines Schützlings am seidenen Faden. Abermals muss Red auf die Hilfe von Aram (Amir Arison) zurückgreifen und setzt auch das FBI auf den Wendigo an.
Positiv anzumerken ist dabei, dass nicht erneut auf das Prinzip der „Flucht vor dem FBI in letzter Sekunde“ zurückgegriffen wird, sondern die Bedrohung durchgehend von anderen Gegnern ausgeht - worunter erfreulicherweise diese Woche auch Mr. Solomon (Edi Gathegi) fällt.
Aber die Wendungen, die der Fall mit sich bringt, sind eher holprig gestaltet und gipfeln in der Offenbarung, dass ein Teenager (Olivia Boreham-Wing) sich hinter dem Pseudonym Arioch Cain verbirgt und letzten Endes für die „Dead not Alive“-Order gegen Keen ausschlaggebend war. Dieser Brocken ist selbst für Blacklist-Verhältnisse nur schwer zu schlucken, denn obwohl Blairs Motive nachvollziehbar sind, drückt der Schuh hier allein wegen der genutzten Mittel schon gewaltig. Auch Keens kurze Überzeugungsrede, um die junge Dame zur Vernunft zu bringen, erzielt ebenfalls beim Zuschauer nicht die Wirkung, die sie haben müsste. Da konnte man sich noch eher mit Gavin Delgado (Will Brill) als Missetäter anfreunden, dessen „wahre Demokratie“ übers Dark Web zumindest eine interessante Idee darstellte.
Abschließende Frage: Wie kann der Name „Arioch Cain“ eigentlich als Nr. 50 auf der Blacklist stehen, wenn man die Figur bis zu dieser Episode noch gar nicht kannte? Wendigo wäre nachvollziehbar gewesen, aber über Cain stolpern wir und Red erst im Folgenverlauf.
Dembe returns
Mr. Vargas (Paul Reubens) macht diese Woche von der Telefonnummer Gebrauch, die er über Dembe (Hisham Tawfiq) erhalten hat und lockt Red und Liz in eine Falle. Wir werden Zeuge, wie Mr. Solomon und Reddington erstmals aufeinandertreffen, wobei es für unsere beiden Hauptfiguren gar nicht gut aussieht.
Ganz so gut wie erwartet, wird das Treffen dabei nicht gestaltet. Vor allem von Reds Seite fehlen die sonst schlagkräftigen Dialoge, die er seinen Gegenübern an den Kopf wirft. Fraglich bleibt außerdem, weshalb Solomon nicht gleich kurzen Prozess mit beiden machen lässt. Braucht er sie, wie Red vermutet, tatsächlich noch für irgendetwas oder liebt Solomon es einfach nur, mit seinen Opfern zu spielen, bevor er sie ausschaltet? Auf jeden Fall lässt er sich zu viel Zeit mit seinem Vorhaben und wird von Badass Dembe unterbrochen.
Dembes unverhoffter Auftritt ist auch gleichzeitig das (Action-)Highlight der Episode. Zwar kurz und knapp gehalten und natürlich kommt Solomon davon, aber die Sekunden lieferten einen echten kleinen Befreiungsschlag und zeigten uns gleichzeitig, dass Dembe weiterhin mit von der Partie sein wird. Diesen Auftritt hatte die Figur sich redlich verdient.
Sonstiges
Aram und Samar (Mozhan Marno) dürften gerne mal eigene kleine Handlungsbögen bekommen, die etwas weiter gehen als nur am Fall der Woche teilzuhaben. Aus den beiden ließe sich doch mehr herausholen als beispielsweise die Auftritte im Verhörzimmer oder Arams kurze Telefonate mit Red. Hier gäbe es auch zwei Figuren, die man glaubwürdiger in mögliche Todesszenarien einarbeiten könnte - gerade weil sich bei ihnen nicht so schnell abwägen lässt, ob sie nicht doch über die Klinge springen.

Resslers Abhängigkeit wurde noch nicht unter den Teppich gekehrt. Wenn das Thema weiterhin vorkommt, könnte seine derzeitige Position beim FBI in Zukunft auf der Kippe stehen (Abhängige in leitenden Positionen dürften wohl kaum geduldet werden) und Kotsiopulos könnte - sofern er davon erfährt - ein Druckmittel erlangen, mit dem er Ressler zusetzen könnte.
Außerdem auffällig: Reds Vertrautenkreis ist weiter am schrumpfen. Er wird zwar noch nicht am Ende seiner Mittel sein, verliert diese Woche mit Vargas aber erneut jemanden, dem er vertraute. Wird es vielleicht langsam eng für unser Mastermind?
Fazit:
Leider nicht das Gelbe vom Ei, sondern eher Mittelmaß. Spannung will nicht so richtig aufkommen und der Fall der Woche entwickelt sich mit seinen Wendungen zu stark in Richtung Unglaubwürdigkeit. Außerdem hinterlässt das erste Treffen zwischen Solomon und Red abgesehen von Dembes grandioser Rückkehr einen leicht unterwältigenden Eindruck. Von mir gibt es diese Woche 3 von 5 Sternen.
Promo zur Episode 3x06 der Serie „The Blacklist“: Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 31. Oktober 2015The Blacklist 3x05 Trailer
(The Blacklist 3x05)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 3x05
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