The Blacklist 3x06

The Blacklist 3x06

In der Folge Sir Crispin Crandall der US-Serie The Blacklist begeben sich Red und Liz auf die Suche nach dem nächsten wichtigen Puzzlestück, welches diesmal den Director betrifft. Tom muss derweil einiges über sich ergehen lassen, um seinem Ziel näher zu kommen.

Ryan Eggold in „The Blacklist“ / (c) Peter Kramer/NBC
Ryan Eggold in „The Blacklist“ / (c) Peter Kramer/NBC

Fight Club

Wie sich letzte Woche schon erahnen ließ, sahen die Karten für Asher Sutton (Peter Vack) nicht gut aus. Toms (Ryan Eggold) Mord hat genau die Aufmerksamkeit bei den Russen geweckt, die das Schicksal von Asher besiegelt. Doch am Ende ist er seinem Ziel ein Stück näher gekommen und hat Karakurt (Andrew Divoff) in seiner Gewalt.

Anmerkung des Rezensenten: Andrew Divoff wird auf Seiten wie IMDb als „Kerikar“ gelistet, aber sofern mich meine Ohren nicht getäuscht haben, hat Tom den Namen „Karakurt“ verwendet als er in aller Mutterseelenruhe gegen Episodenende sein Vorgehen geäußert hat. Außerdem wird selbst in der Zusammenfassung der Folge auf der NBC-Homepage der Name „Karakurt“ verwendet. Ich vertraue da auf letzteres, auch wenn ich vielleicht falsch liege.

Wie dem auch sei, beachtlich ist jedenfalls weiterhin das Tempo, mit dem Tom seinem Ziel näherkommt. Ob Harold Cooper (Harry Lennix) sein radikales Vorgehen dabei gutheißen wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Vielleicht bereut Harold es bereits, dass er Tom auf diese Mission geschickt hat, denn die Anzahl der Leichen, die Herr Keen dabei hinterlässt, ist bereits beachtlich.

Ryan Eggold als Tom in %26bdquo;The Blacklist%26ldquo; © Peter Kramer/NBC
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Der Handlungsbogen selbst, insbesondere der Kampf Asher gegen Tom, kam allerdings weniger spannend herüber. Erneut lässt sich feststellen, dass man kaum mit Tom mitfiebern kann. Natürlich gewinnt er den Zweikampf gegen Asher und selbstverständlich spielt sich am Ende alles genau so ab, wie er es prophezeit. Da wirkt seine Reue, nachdem er Asher mit dem Messer umgebracht hat, eher aufgesetzt als glaubwürdig. Es stellt sich mittlerweile nicht mehr die Frage, ob Tom Erfolg haben wird, sondern wie beziehungsweise wie schnell. Wenn es im momentanen Tempo weitergeht, wird er Liz (Megan Boone) wahrscheinlich eher rehabilitieren können (sofern Karakurt dazu die Mittel hat) als Red (James Spader) es vermag.

Dramaturgisch gesehen bleibt Tom Keen damit diese Woche trotz seines Erfolgs auf einer Durststrecke, auch wenn vor allem die letzte Szene recht unterhaltsam daherkommt. Für echte Spannung braucht es aber bedrohlichere Situationen, die vor allem glaubwürdiger sein müssen als das Zweikampf-Szenario diese Woche.

Sir Crispin Crandall

Für den Blacklister der Woche scheinen die Macher diese Woche in ihrer Schublade der Bond-Bösewichte gekramt zu haben. Sir Crispin Crandall (Harris Yulin) entführt die schlausten Köpfe der Welt, um sie für später (nach dem Weltuntergang) auf Eis zu legen - allerdings nicht ohne vorher in ihren Hirnen bohren zu lassen, was seinem neuesten Entführungsopfer sichtlich die Schweißperlen auf die Stirn treibt.

Die schönste Szene ist hier genau die, in der Red Crispin erklärt, weshalb sein Vorhaben kaum Chancen auf Erfolg hat. Denn wer soll noch die Technik entwickeln, die für das Auftauen notwendig ist, wenn die Forschungselite auf Eis gelegt wird? Auf der Meta-Ebene geben uns die Autoren damit schon zu verstehen, wie unsinnig der Fall der Woche daherkommt. Da ist das Flugzeug, welches so gut wie nie landet, nur das i-Tüpfelchen auf dem Eisberg. Zumal Red und auch die Cabal-Gruppe unter Solomon (Edi Gathegi) keine Probleme damit zu haben scheinen, die fliegende Arche zu betreten. Ganz zu schweigen davon, dass reihenweise Entführungen von Wissenschaftlern weltweit wohl so oder so für eine große Aufmerksamkeit sorgen würden (und nicht erst durch Red aufgezeigt werden müssten).

Der Knaller ist aber, dass Red und Crispin bereits seit längerer Zeit eine Geschäftsbeziehung pflegen. Da fragt man sich schon, weshalb er überhaupt das FBI einschalten musste und nicht über seine Organisation darauf aufmerksam wurde, wo er Andras Halmi beziehungsweise dessen Daumen finden würde. Aber vielleicht wollte er nur dem Director Peter Kotsiopulos (David Strathairn) aufzeigen, dass er am längeren Hebel sitzt, obwohl Peter jetzt Einblicke in die FBI-Arbeit hat.

Harris Yulin als Crispin Crandall und Arnie Kucera als Dr. Kucera in %26bdquo;The Blacklist%26ldquo; © Peter Kramer/NBC
Harris Yulin als Crispin Crandall und Arnie Kucera als Dr. Kucera in %26bdquo;The Blacklist%26ldquo; © Peter Kramer/NBC

Wo ist Liz?

Was in dieser Folge besonders auffällig ist, sind die wenigen Szenen, in denen Lizzie vorkommt. Sie verkommt hier schon fast zu einer Nebenfigur und ihre Beziehung zu Red wird auch nicht weiter beleuchtet. Sie taucht bloß ab und zu mal auf, ohne einen größeren Eindruck zu hinterlassen. Ging da wirklich nicht mehr?

Als Zuschauer hat man sicher keine Probleme damit, wenn Red die Führung übernimmt - was Spader diese Woche auch wieder in gewohnt guter Leistung vollführt. Schon die kleineren Szenen, als es um den Inspektor der Baustelle ging - und bei denen wir auch Marvin Gerard (Fisher Stevens) wiedersehen - waren gut in Szene gesetzt. Aber dass der zweiten Hauptfigur der Serie so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist einfach schade.

FBI vs. Director

Besser gelungen sind hier die internen Probleme, denen sich Ressler (Diego Klattenhoff) gegenüber sieht. Seine Ermittlungen gestalten sich durch die Augen von Kotsiopulos wesentlich schwieriger als sonst und er muss aufpassen, wie er seine (von Red erhaltenen) Informationen mit dem Director teilt. Das Tolle an der neuen Situation ist aber, dass auch Peter langsam aber sicher in die Enge getrieben wird und hier aufpassen muss, dass seine Verbindung zu Solomon nicht ans Tageslicht kommt. Insofern geraten beide Seiten unter Druck und müssen aufpassen, dass sie ihre wahren Intentionen nicht verraten.

Mit Blick auf den Rest der Folge wird dieser Handlungsstrang noch am besten gestaltet. Die Spannungsmomente bewegen sich zwar auf einem eher untergründigen Niveau, aber dem Zuschauer ist jederzeit bewusst, dass nur ein Fehltritt von Ressler oder Kotsiopulos ausreicht, um den jeweils anderen zu entlarven. Allein dadurch weiß die neue Situation schon zu gefallen.

Die große Frage am Ende ist natürlich, wie der Director nun gedenkt, die Oberhand zu behalten. Der Druck geht jetzt von Red aus, der den Wettlauf auf das Schließfach gewonnen hat. Wir wissen zwar noch nicht genau, was sich darin befand - abgesehen von der spärlichen Information, dass es eine Art Ausstiegsabsicherung für Peter war - aber Raymond hat nun ein weiteres Ass im Ärmel und wird das sicher auch einsetzen. Er ist somit einen Schritt weiter, was Lizzies Rehabilitation und seine ominösen Zukunftspläne angeht. Warten wir mal ab, wie sich das entwickelt.

David Strathairn als The Director in %26bdquo;The Blacklist%26ldquo; © Peter Kramer/NBC
David Strathairn als The Director in %26bdquo;The Blacklist%26ldquo; © Peter Kramer/NBC

Fazit:

The Blacklist dümpelt momentan ein wenig vor sich hin. Es gibt zwar einige Entwicklungen, die ein gutes Tempo vorlegen und weiterhin Lust auf mehr machen. Aber der Umsetzung fehlt es momentan gewaltig an Dingen wie Spannung, Glaubwürdigkeit und Originalität. Somit bewegt sich Sir Crispin Crandall eher auf Durchschnittsniveau und kann nicht wirklich überzeugen. Von mir gibt es diese Woche 2,5 von 5 Sternen.

Promo zur Episode 3x07 der Serie „The Blacklist“:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 7. November 2015

The Blacklist 3x06 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 6
(The Blacklist 3x06)
Deutscher Titel der Episode
Sir Crispin Crandall (86)
Titel der Episode im Original
Sir Crispin Crandall
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. November 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 19. Januar 2016
Autor
Dave Thomas
Regisseur
Ami Canaan Mann

Schauspieler in der Episode The Blacklist 3x06

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