The Blacklist 2x17

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Es war ein dramaturgisches Niemandsland, durch das The Blacklist seit der Sendeplatzverlegung auf den Donnerstag gewatet ist. Woran es nun genau liegt, dass die Zuschauer derzeit massenweise abspringen, konnte bisher nicht zweifelsfrei eruiert werden. Ganz unschuldig dürfte diese narrative Dürre aber nicht sein. Vergessenswerte Episodengeschichten reihten sich aneinander, die dazugehörigen Bösewichte und ihre Schauspieler schafften es nicht wirklich, das Interesse an dieser Serie hochzuhalten.
We don't deserve to live forever
Die Episode The Longevity Initiative macht das alles nicht schlagartig besser, schafft aber einige Momente, die auf eine Besserung hindeuten. Die Episodengeschichte wird nicht so zentral platziert wie in den letzten Episoden üblich, außerdem wird sie endlich mal wieder mit den übergreifenden Erzählbögen verflochten, was sie weniger vergessenswert macht. Inhaltlich bleibt sie hanebüchen, die Figur, die es daraus in die größere Geschichte hinüberschafft, weckt aber zumindest erstes Interesse.
Außerdem lässt die Serie ihren Figuren und deren Schauspieler einigen Raum zur persönlichen Entfaltung. Das grundlegende Mysterium um die Vaterfrage bleibt weiterhin das gleiche. Aber sowohl Red (James Spader) als auch Liz (Megan Boone) als auch Tom aka Jacob (Ryan Eggold) bekommen Szenen zugestanden, die die innere Zerrissenheit ihrer Figuren ausleuchten. Weil die Darsteller dabei allesamt einen soliden Job machen, ist das durchaus wirkungsvoll - jedenfalls viel wirkungsvoller als die vermeintlichen Schockelemente der Serie.
Davon gibt es dieses Mal natürlich auch wieder einige. Die titelgebende „Longevity Initiative“ von Firmengründer Roger Hobbs (Ralph Brown) hat es sich zum Ziel gesetzt, dem Menschen das ewige Leben zu ermöglichen. Die Nachforschungen hat man aber in die Hände eines Wissenschaftlers gelegt, der schnell an die Grenzen seines Könnens stößt, weiterhin aber gefälschte Ergebnisse vorlegt, um seine kranke Ehefrau heilen zu können. Das alles ist egal und vergessenswert, unterscheidet sich aber von den übrigen egalen und vergessenswerten Handlungsbögen, weil Roger Hobbs in Verbindung mit FBI-Chef Tom Connolly (Reed Birney) steht.
Wegen dieser bisher undefinierten Verbindung macht Connolly Druck auf Harold Cooper (Harry Lennix), der erste Erfolgserlebnisse bei seiner Behandlung feiern kann, bald aber auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, weil er erneut merkt, dass Connolly ihn beliebig dirigieren kann. Es ist aber nicht nur das Wiesel Connolly, das ein gesteigertes Interesse an einer guten Beziehung zu Roger Hobbs hat. Auch Red ist erpicht darauf, sein Verhältnis zum schwerreichen Unternehmer nicht zu sabotieren.
I don't know who I am
Welche Zusammenhänge genau hinter all diese Verwicklungen stehen, lässt sich bislang nicht herausstellen. Es gibt bestimmt wieder irgendeine dubiose Organisation, die dahintersteht. Es ist eines der großen Probleme dieser Serie, dass sie ständig neue Geheimnisse auftürmt, ohne die alten auch nur halbwegs zufriedenstellend aufzulösen. Manch Zuschauer mag sich von diesem endlosen Katz-und-Maus-Spiel unterhalten fühlen - ich kann damit wenig bis gar nichts anfangen. Vor allem auch angesichts der Tatsache, dass eine Auflösung - wie auch immer sie aussehen mag - einfach nicht befriedigend sein kann (siehe auch: Lost).
All diese neuen und alten Turbulenzen ereignen sich an Liz' Geburtstag, den sie eigentlich ganz alleine verbringen will. Kollege Ressler (Diego Klattenhoff) weiß dies aber zu verhindern. Ob sich zwischen den beiden eine Romanze anbahnen könnte? Es sieht derzeit stark danach aus, wenn auch Tom in ihr Leben zurückgekehrt ist - weil er nicht mehr weiß, wo er sonst hingehen soll. Liz und Tom verbindet ein ähnlich diffuses Gefühl um die eigene Identität. Sie wissen nicht, wer sie eigentlich sind - sie wissen nur, wer sie zu dem gemacht hat, was sie heute sind.
Das ist interessant anzusehen - hat aber einen dramaturgischen Haken: Red könnte Liz jederzeit über ihre wahre Identität aufklären. Er schaut sich aber lieber alte Kinder- und Jugendbilder von ihr an. Weil es die Autoren so wollen. Nicht, weil es dieser Charakter so tun würde. Das ist schade und einer der großen Makel dieser Serie. Sie könnte viel besser sein.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 17. April 2015The Blacklist 2x17 Trailer
(The Blacklist 2x17)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?