The Blacklist 2x16

The Blacklist 2x16

Das NBC-Actiondrama The Blacklist weiß derzeit zwar nicht so genau, was es mit sich anfangen soll, schafft es am Ende von Tom Keen aber wenigstens, manch emotionalen Moment hervorzubringen. Die einzelnen Episodengeschichten bleiben indes völlig vergessenswert.

Tom Keen (Ryan Eggold) - Man of Steel / (c) NBC
Tom Keen (Ryan Eggold) - Man of Steel / (c) NBC
© (c) NBC

Das größte Problem von The Blacklist in dieser zweiten Hälfte der zweiten Staffel ist, dass die Serie völlig orientierungslos vor sich hinstolpert. Alte Ereignisse haben keine Konsequenzen mehr, der einzige Handlungsstrang, der immer weiter verfolgt wird, ist die Frage nach der Rolle von Reddington (James Spader) im Leben von Liz Keen (Megan Boone). Die übrigen Erzählstränge versanden einfach irgendwann im dramaturgischen Nirgendwo.

I told you, Giftzwerg

Deshalb fällt es mir auch schwer, nachzuvollziehen, ob all diese Verwicklungen um Tom Keen (Ryan Eggold) überhaupt noch Sinn ergeben. Vor zwei oder drei Episoden wurde er jedenfalls von seinem Auftraggeber nach Deutschland geschickt, um eine Gruppe Nazidrogendealer zu infiltrieren. Diese Geschichte ist aber nun schon wieder vorbei, weil er (wohl aus Liebe zu Liz - WTF?!?) nach Amerika zurückkehrt und den Mord am Hafenmeister gesteht. Wie gesagt: dramaturgisches Nirgendwo.

Der gesamte Weg von Reddington und Ressler (Diego Klattenhoff) zu Tom nach Deutschland ist nicht nur langweilig - er ist ein echtes Ärgernis. Wäre es nicht einfacher gewesen, die Geschichte in Mexiko stattfinden zu lassen? Dann hätte man sich ein paar spanischsprachige Schauspieler zusammencasten können, statt seine Gastdarstellerriege (und uns Zuschauer) mit diesem grauenhaften Deutsch zu traktieren. Das Publikum im Rest der Welt wird das nicht die Bohne interessieren, aber warum genau musste dieser Handlungsbogen in Deutschland stattfinden?

Überhaupt finde ich es erstaunlich, dass wir in einer Episode, die so heißt wie einer ihrer Protagonisten, nicht mehr über ebenjenen erfahren. Die einzige Erkenntnis, die wir über Tom Keen erhalten, ist seine offensichtlich unverrückbare Liebe zu der Frau, die er eigentlich ausspionieren sollte. Nicht besonders professionell - vor allem angesichts Reds überschwänglichen Vorschusslorbeeren für ihn: „The man is an extremely talented covert operative.“ („Der Mann ist ein extrem talentierter Spion.“)

Am Ende ist also alles wieder wie immer. Liz Keen wird nicht angeklagt, weil sich Tom Keen gestellt hat - und, noch viel wichtiger: weil der künftige Justizminister Tom Connolly (Reed Birney) dem zuständigen Richter ein Angebot macht, das der nicht ablehnen kann. The Blacklist versucht immer mal wieder zaghaft, solche Kritik am wild gewordenen amerikanischen Strafverfolgungs- und Überwachungssystem zu äußern, kommt damit aber nicht über Stammtischniveau hinaus.

You saved a man you hate to save me

Was hat uns dieser Handlungsbogen also an neuen Erkenntnissen gebracht? Kurze, ernüchternde Antwort: nichts. Außer natürlich, dass Tom Liz liebt. Und, dass Reddington wohl ähnliche Gefühle (wenn auch aus anderen Motiven) für sie hegt. Er darf am Ende noch einmal metaphernreich erklären, dass er und sie in einem besonderen Verhältnis zueinander stehen - selbstverständlich, ohne dieses Verhältnis genau zu definieren. Irgendeinen Grund muss man schließlich vorschieben, um die Zuschauer zum wöchentlichen Einschalten zu bewegen.

Das Pikante daran ist, dass sowohl Toms als auch Reddingtons jüngste Aktionen Eindruck bei Liz hinterlassen zu haben scheinen. Steht sie noch unter Schock wegen ihrer Beinaheanklage? Oder hat sie angesichts der Erkrankung von Harold Cooper (Harry Lennix) erkannt, dass man diejenigen, die einem am nächsten sind, nicht zu schnell abschreiben sollte?

Wir wissen es nicht - und wenn ich ganz ehrlich bin, interessiert es mich auch nicht mehr. Jeder normale Mensch hätte Reddington und Tom wohl längst zum Mond geschossen, aber Liz lässt sie weiterhin an ihrem Leben teilhaben. Daraus bildete sich in dieser und den letzten Episoden ein merkwürdiges Familiendrama. Die Fälle der Woche und auch die übergreifenden Handlungsstränge werden größtenteils missachtet, um sich auf die Dynamik zwischen Tom und Liz Keen und Raymond Reddington zu konzentrieren. Vielleicht wird diese ja bald ein wenig erhellt. Den Glauben daran habe ich aber längst verloren.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 20. März 2015

The Blacklist 2x16 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 16
(The Blacklist 2x16)
Deutscher Titel der Episode
Tom Keen (Nr. 7)
Titel der Episode im Original
Tom Keen
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 19. März 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 12. Mai 2015
Regisseur
Andrew McCarthy

Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x16

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?