The Blacklist 2x15

Die Episode The Major als Lückenfüller zu bezeichnen, ist eine generöse Untertreibung. Es fällt mir wahrlich schwer, eine Analyse darüber zu schreiben, denn es ist schlicht nichts passiert - zumindest nichts, was besonders berichtenswert wäre. Mir ist schon lange nicht mehr eine Episode untergekommen, die derart inhaltsleer war wie diese. Bis auf wenige minimal neue Erkenntnisse über Tom Keen (Ryan Eggold) bestand sie daraus, die bisherigen Ereignisse nachzuerzählen.
The very concept is comically dichotomous
Nun schaue ich mit Ausnahme von The Blacklist (und das auch nicht mehr lange) keine Serien, die mehr als 13 Episoden in einer Staffel haben. Deswegen kann es ja sein, dass es bei anderen Networkformaten durchaus üblich ist, sich solche dramaturgischen Atempausen zu gönnen, um dem Zuschauer die Chance zu geben, das bisher Geschehene noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Wenn dabei nur eine einzige neue Erkenntnis herausgesprungen wäre, wäre ich in meinem Urteil bestimmt viel gnädiger gewesen.
Aber so endet die Episode mit den gleichen offenen Fragen, mit denen sie auch begonnen hat - und die uns seit nunmehr 38 Folgen quälen. Wieder wurde das leidige Vaterschaftsthema aufgegriffen, wieder gab es am Ende eine vermeintlich schockierende Wendung, als der überraschend zum Sprechen fähige Dembe (Hisham Tawfiq) seinen Chef Raymond „Red“ Reddington (James Spader) drängt, dessen Protegé Liz (Megan Boone) doch endlich die Wahrheit über Tom Keen zu erzählen.
Ich würde viel Geld darauf verwetten, dass Reddington ebendas in der kommenden Episode nicht tut. Er ist in dieser Episode damit beschäftigt, den titulären Major (Lance Henriksen) zu finden, der ihn zu Tom Keen führen kann. Den hat er zwar am Ende der ersten Staffel auf Nimmerwiedersehen verabschiedet, nun braucht er ihn aber wieder - wahrscheinlich, um Liz aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Zuvor erfahren wir, dass Tom eigentlich Jacob heißt und vor über zwei Jahrzehnten vom Major angeheuert wurde, weil der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, junge Delinquenten zu Meisterspionen zu erziehen.
Voraussichtlich wird der Major also Reddington in der nächsten Episode zu Tom führen. Der ist gerade in Ostdeutschland damit beschäftigt, eine Gruppe Nazis zu infiltieren. Hierzu scheut er nicht davor zurück, „unschuldige“ Waffenhändler auf offener Straße hinzurichten. Wenn amerikanische Drehbuchautoren doch bloß wüssten, dass es in Deutschland nicht eben so einfach wie in ihrem Heimatland ist, an vollautomatische Waffen zu kommen - und dass ein solcher Mord sofort eine landesweite Fahndung auslösen würde, der sich selbst Superspion Tom Keen nicht entziehen könnte...
None of this is possible
Aber naja, so viel Rechercheaufwand wäre wohl zu viel verlangt - vor allem auch angesichts der Tatsache, dass das Kreativteam offensichtlich größte Schwierigkeiten hat, genug Material für 22 Episoden zusammenzukratzen. Liz Keen muss sich deshalb von einem Richter (John Finn) zu intimen Details ihrer professionellen (und persönlichen) Beziehung zu Raymond Reddington befragen lassen. Dabei bekommt sie die Gelegenheit, alle wichtigen bisherigen Ereignisse noch einmal Revue passieren zu lassen.
Ein solches Vorgehen mag für diejenigen Zuschauer interessant sein, die sporadisch in die Serie reinschauen - für Serienjunkies (zumindest für diesen hier) löst das alles nur ein gelangweiltes Gähnen aus. Erschwerend kommt natürlich hinzu, dass am Ende keinerlei neue Einsichten warten, sondern nur der nächste Cliffhanger, der für die neue Episode überraschende Enthüllungen verspricht, die niemals eintreten werden (zumindest laut meiner eigenen stochastischen Kalkulation).
Ich will zum Abschluss noch etwas Gutes über diese Episode schreiben: Die darstellerischen Leistungen von Spader, Boone und den beiden Gastdarstellern Finn und Henriksen waren sehr gut. Sie erheben das langweilige Basismaterial (aka das Drehbuch) auf halbwegs erträgliches Serienniveau. Wer sich auch nach 38 Episoden noch an den Parabeln von Raymond Reddington und seinen bisweilen amüsanten Dialogen ergötzen kann, der ist wohl auch in The Major auf seine Kosten gekommen. Die beinahe völlige Abwesenheit irgendeines Plotfortschritts machte die Episode für mich aber zu einem reinen Ärgernis.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 13. März 2015The Blacklist 2x15 Trailer
(The Blacklist 2x15)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x15
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?