The Blacklist 2x14

The Blacklist 2x14

Comicesk überzeichnete Bösewichte, hanebüchene Plots, hauchdünn konstruierte Geschichten: The Blacklist verharrt auch in T. Earl King VI auf dem schwachen Niveau der Vorwochen. Die Serie zeigt weiterhin nur minimales Interesse an irgendeiner Art von nachhaltigem Storytelling.

Gestatten: Liz Keen (Megan Boone)! / (c) NBC
Gestatten: Liz Keen (Megan Boone)! / (c) NBC
© (c) NBC

Wie so oft gehören die letzten zwei Minuten der neuen The Blacklist-Episode mehreren übergreifenden Handlungssträngen, von denen wir nicht wissen, wo sie hinführen, woher sie kommen, was wir damit anfangen sollen. Warum kümmert sich Liz (Megan Boone) um Reddington (James Spader), warum mag sie ihn, was hat sie für ihn übrig? Es wurde uns bisher nie erklärt, bis zur letzten Episode hat sie ihn noch bei jeder erdenklichen Gelegenheit spüren lassen, wie sehr sie ihn verachtet.

You are so damaged

Und es ist ja auch mehr als verständlich, dass sie ihn verachtet. Aber wie kommt es dann jetzt plötzlich zu diesr 180-Grad-Wende? Wieso versucht Liz auf einmal, ihm zu helfen, ihn gar zu therapieren? Ist er der Vater, den sie nie hatte (obwohl sie ja eigentlich einen hatte)? Ist er gar ihr richtiger Vater und sie spürt eine unerklärliche Verbindung zu ihm? Wir wissen es nicht und werden es wohl auch nicht so bald erfahren. Das ist sehr schade, denn diese kurzen Charaktermomente sind derzeit das einzig Interessante an dieser Serie.

Zieht man einmal die Handlungsbögen um den wiederaufgetauchten Tom Keen (Ryan Eggold) und den in eine Korruptionsfalle getappten Harold Cooper (Harry Lennix) ab, bleibt eine Episodengeschichte übrig, die nichts bietet außer unmotiviertes Storytelling und lächerlich überzogene Bösewichte. Ich weiß nicht, ob es mein wachsender Frust über diese Serie ist, der mich bei diesen Handlungsbögen nur noch mit dem Kopf schütteln lässt, oder ob das schon immer so war. Jedenfalls bin ich von diesen Fällen der Woche maximal angeödet.

Viele Leser mögen sich nun wieder denken: „Soll er doch aufhören, die Serie zu schauen.“ Für Euch habe ich eine frohe Botschaft im Gepäck: Meine Reviews werden nach der zweiten Staffel ein Ende haben. Ich habe lange genug versucht, der Serie mehr Positives abzugewinnen als die Präsenz von James Spader, der zweifellos sehr oft sehr sehenswerte schauspielerische Leistungen abliefert. Ich habe in den letzten Episoden gar den Eindruck gewonnen, als habe sich Megan Boones Spiel durch ihre ständige Zusammenarbeit mit ihm deutlich gesteigert.

Doch ein charmanter Hauptdarsteller und eine in ihre Rolle hineinwachsende Hauptdarstellerin reichen lange nicht aus, um eine sehenswerte Dramaserie zu produzieren. Man braucht zusätzlich ein Autorenteam, das nicht nur Geschichten aus der Konserve aufwärmt, und ein Produktionsteam, das mehr liefert als visuelle Hausmannskost. Beides sucht man bei The Blacklist vergebens.

Winner takes it all

Wenn es doch wenigstens gelänge, eine Episodengeschichte hervorzubringen, die nicht an jeder Ecke zu verzweifeltem facepalming einladen würde! Aber diese comichaft überzeichneten Bösewichte, die die Serie Woche für Woche ausspuckt, sind nichts weiter als hauchdünne Abziehbildchen bekannterer, besser durchdachter Antagonistenfiguren. Das eklatante overacting ihrer Schauspieler trägt auch nicht gerade dazu bei, solchen Episoden den Makel der Irrelevanz zu nehmen.

Schon die Prämisse von T. Earl King VI lädt zum Kopfschütteln ein. Da gibt es also anscheinend diese furchtbare Familie, die ihren Wohlstand mit Menschen- und Raubkunsthandel aufpeppt und regelmäßig Auktionen veranstaltet, auf denen besagte Menschen und Kunstgegenstände wie Vieh verhökert werden. Diese Praxis soll seit Jahrhunderten bestehen, musste gegenüber dem FBI aber erst von Reddington aufgedeckt werden. Und dann schafft es die Behörde spielend leicht innerhalb weniger Stunden, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Wie soll man solche Handlungsbögen ernst nehmen?

Ich höre bereits die immergleichen Argumente erklingen, wonach dies eine Unterhaltungsserie sei, bei der man nicht allzu angestrengt nachdenken solle. Aber mal ehrlich: Warum lesen und schreiben wir Reviews zu Serien, über die wir nicht nachdenken wollen? Reicht es dann nicht aus, die Glotze anzuschalten, das Bügelbrett danebenzustellen und The Blacklist ein bisschen im Hintergrund dudeln zu lassen? Dafür ist die Serie nämlich gut - mit packendem, bewegendem, relevantem Geschichtenerzählen hat sie rein gar nichts zu tun.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 6. März 2015

The Blacklist 2x14 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 14
(The Blacklist 2x14)
Deutscher Titel der Episode
T. Earl King VI (Nr. 94)
Titel der Episode im Original
T. Earl King VI
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. März 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 28. April 2015
Autoren
Brandon Sonnier, Brandon Margolis
Regisseur
Steven A. Adelson

Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x14

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