The Blacklist 2x18

Tom und Liz
Es gibt bestimmt einige Leute, die sich fragen, weshalb Tom Keen (Ryan Eggold) überhaupt noch in der Serie ist. Seine Funktion aus der ersten Staffel hat er längst hinter sich gelassen und wurde für eine längere Zeit in gewisser Weise künstlich in die Handlungen der zweiten Staffel eingebaut. So macht sich dann auch diese Woche zunächst ein leichtes Augenrollen breit, als Elizabeth Keen (Megan Boone) ihren ehemaligen Lebensgefährten um Hilfe bittet, damit sie Raymond (James Spader) den Fulcrum vorenthalten kann.
Glücklicherweise läuft es aber nicht nur darauf hinaus, dass Liz nach wie vor Gefühle für Tom hegt - und er für sie. Ein fortgesetztes Liebesdrama zwischen den beiden wäre auch nicht das, was wir in The Blacklist unbedingt sehen wollen. Die Geschichte geht hier in eine andere Richtung. Tom und Liz laufen eher in der „quid pro quo“-Schiene, denn sie möchte seine Hilfe für den aktuellen Fall und er will im Gegenzug die Pässe zurück, die er lange Zeit vor ihr versteckt hatte.
Die Serie schlägt damit einen Bogen zur ersten Staffel und beleuchtet einige Hintergründe, die erst jetzt offenbart werden und sich schon angedeutet hatten: Red steckt hinter Toms damaligen Einsatz und hat ihm auch die Pässe verschafft. Das ist eine Pille, die es zu schlucken gilt und vielleicht nicht so ganz ins Schema passt (dazu müsste man sich noch einmal die entsprechenden Episoden aus der ersten Staffel ansehen). Einerseits kann man nun nachvollziehen, weshalb Red von Anfang an über Tom Bescheid wusste. Andererseits, weshalb hat er Liz nicht schon früher eingeweiht? Ein wenig konstruiert wirkt diese Offenbarung schon, aber immerhin bekommen wir ein weiteres Puzzle-Teil zur größeren Rahmenhandlung damit geliefert und können Toms Handlungen unter einem neuen Blickwinkel betrachten.
Vanessa Cruz
Normalerweise sind die Fälle der Woche recht einfach gestrickt: Red gibt einen Tipp, das FBI bringt in Windeseile Näheres über den Missetäter in Erfahrung und nebenbei stellt sich heraus, dass der Fall eine Bereicherung für Raymond ist, dessen Absicht erst zum Schluss deutlich wird (aber dennoch oft mysteriös bleibt).
So ist es hier zum Glück nicht. Zwar gibt es diesmal durch den Forensiker ein paar leicht konstruierte Hinweise, die für Fortschritte sorgen, aber unser FBI-Team tappt recht lange im Dunkeln, was Vanessa Cruz (Ana de la Reguera) betrifft. Die entpuppt sich für die FBI-Leute als eine relativ harte Nuss, die nicht so einfach aufzufinden ist. Zudem lässt sich Vanessas Motivation, reiche Geschäftsleute zu Fall zu bringen, vor dem Hintergrund ihres verstorbenen Mannes gut nachvollziehen und wir bekommen auch einiges von ihrer Beziehung zu Abby Issa (Hani Avital) zu sehen, was sie uns auch menschlich näher bringt.
Ihre Beziehung zu Abby ist dann auch der Knackpunkt, der ihren finalen Plan zu Fall bringt. Sie bringt es nicht fertig, Abby umzubringen, um ihren Racheplan zu beenden. Sicher, sehr originell war die ganze Geschichte um Madame Cruz nicht. Aber im Vergleich zu anderen Blacklist-Episoden bekommen wir hier einen Charakter, mit dem man sich anfreunden kann. Damit sticht Vanessa Cruz ein wenig aus dem Allerlei der Serie hervor.
Außerdem stellt sich am Ende heraus, dass Red Interesse an ihrer Person hat und ihr über einen seiner Leute ein Jobangebot unterbreitet. Eine Rückkehr ist somit nicht ausgeschlossen und mit ihrer Eigenschaft als Con Artist könnte sie durchaus eine hübsche Bereicherung in Sachen interessante Nebenfiguren bieten. Warten wir mal ab, was die Macher noch mit ihr vorhaben.

Red und Liz
Es herrscht mal wieder ein angespanntes Verhältnis zwischen Liz und Red. Dieser kommt allmählich in die Bredouille, denn er braucht möglichst bald den Fulcrum, wenn er weiterhin seinen mysteriösen Geschäften nachgehen will. Es wird von vielen Seiten Druck auf ihn ausgeübt und so meldet sich auch der ominöse Direktor (David Strathairn) zurück, der genug von Reds Spielchen hat und ihn loswerden möchte.
Red probiert zwar, mit Hilfe von Roger Hobbs (Ralph Brown) weiterhin die Oberhand beziehungsweise das eigene Leben zu behalten, aber er weiß, dass er nur mit dem Fulcrum wirklich eine Chance hat und seine elaborierten Dialoge ihn nicht mehr lange schützen werden. Somit übt er seinerseits verbalen Druck auf Liz aus, damit sie ihm den Fulcrum endlich übergibt. Aber sie möchte natürlich vorerst mehr wissen, weiß, dass der Fulcrum ein mächtiges Mittel ist und vielleicht sogar eine zu gefährliche Waffe in Reds Händen darstellt, die sie ihm unter keinen Umständen geben sollte.
Es bleibt zwar ungewiss, weshalb sie ihm am Ende doch das gibt, wonach Red verlangt hat (welche Gegenleistung gab es nun dafür?) - aber uns sollte von vornherein klar gewesen sein, dass Reddington früher oder später den Fulcrum erhalten würde. Es war nur eine Frage der Zeit.
Doch bevor es weitere Erklärungen - abseits davon, dass Red für Toms Mission und Pässe verantwortlich war - gibt, wird Red von einem Scharfschützen angeschossen, und wir werden mit einem Cliffhanger aus der Episode entlassen. Im Einleitungstext steht, dass dieser Cliffhanger „nett gemeint“ ist. Aber eine echte Wirkung hat er beim Zuschauer nicht. Red wird nicht sterben, genauso wenig, wie die Macher Liz über den Jordan schicken werden. Diese beiden Figuren sind einfach zu wichtig für die Serie, als dass man sie fallen lassen könnte. Hätte es Ressler (Diego Klattenhoff), Tom oder jemand anderen aus dem FBI-Team erwischt, sähe das anders aus und wir könnten deren Tod ernsthaft in Erwägung ziehen. Aber Red töten? Nein, niemals. Es bleibt ein netter Versuch, um am Folgenende für etwas Spannung zu sorgen. Nicht mehr, nicht weniger.
Fazit:
Vanessa Cruz ist keine Durchschnittsfolge sondern schafft es, sich ein wenig von den anderen Fällen der Woche abzuheben. Das liegt vor allem daran, dass Vanessa für den Zuschauer eine nachvollziehbare und interessante Figur abgibt. Abseits davon geht es auch wieder ein kleines Stück in der Rahmenhandlung voran und wir bekommen weitere Puzzleteile zu Tom, Red und Liz geliefert, die sich relativ gut in die Geschichte einfügen. Der Cliffhanger bleibt zwar ohne große Spannung zurück, aber immerhin ist es ein netter Versuch, der den Zuschauer auch in der nächsten Woche wieder zum Einschalten bewegen wird. Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 4. April 2015The Blacklist 2x18 Trailer
(The Blacklist 2x18)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x18
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?