The Blacklist 2x11

The Blacklist 2x11

The Blacklist konzentriert sich in Ruslan Denisov auf das, was die Serie am besten kann: James Spader von der Leine lassen und eine ansprechende Wochengeschichte mit der übergreifenden Handlung verflechten. Außen vor bleibt dabei die leidige Vaterfrage. Zum Glück.

Keen (Megan Boone, l.) und Ressler (Diego Klattenhoff, r.) bekommen von Denisov (Faran Tahir) eine Usbekistan-Tour. / (c) NBC
Keen (Megan Boone, l.) und Ressler (Diego Klattenhoff, r.) bekommen von Denisov (Faran Tahir) eine Usbekistan-Tour. / (c) NBC
© (c) NBC

Wenn in einem Procedural wie The Blacklist der übergreifende Handlungsbogen (die unendliche Vaterfrage) nicht besonders gut funktioniert, muss man anderswo nach Befriedigung schauen. Bisher konnten die Fälle der Woche nur selten (zum Beispiel im „Anslo Garrick“-Zweiteiler) auffangen, was im fortlaufenden Erzählstrang verschlafen wurde. In Ruslan Denisov schafft es die Serie jedoch wieder einmal, einen spannenden Fall zu präsentieren.

In this world there are no sides

Hinzu kommt, dass Liz Keen (Megan Boone) neuer Ärger ins Haus steht, weil sich ein ambitionierter Ermittler (Michael Kostroff) für ihre Verbindung mit dem von Tom (Ryan Eggold) ermordeten Hafenmeister interessiert. Ziemlich überraschend, dass sich die Autoren überlegt haben, diesem Handlungsbogen noch einmal eine Rückkehr zu ermöglichen. Jedenfalls viel besser, als weiter auf der leidigen Vaterfrage herumzureiten, ohne jeweils eine Antwort zu geben.

Bevor sich Liz aber den neuen Problemen an der Heimatfront widmen kann, muss sie sich um die Extraktion des entführten CIA-Agenten Burke (Arian Moayed) in Usbekistan kümmern. Diese Befreiungsaktion steht unter den wachsamen Augen von FBI und CIA, weil Burke dort als Geistlicher getarnt war, was einem Bruch internationaler Rechte gleichkommt. Er wurde von Ruslan Denisov (Faran Tahir) verschleppt, der aus der Entführung von Industriemanagern ein profitables Geschäftsmodell gemacht hat.

Statt des üblichen Katz-und-Maus-Spiels entwickelt sich in dieser Episode aber eine vielschichtigere Handlung. Denisov hat mit seiner jüngsten Entführung nämlich keine egoistischen materiellen Absichten, vielmehr verfolgt er damit politische Ziele. Er will auf die verheerende Umweltverschmutzung und den damit einhergehenden Tod hunderter Menschen durch eine Pipeline des fiktionalen Ölkonzerns Anneca Oil aufmerksam machen und den Konzern aus Usbekistan vertreiben.

Weil Reddington (James Spader) ihn in diesem Anliegen unterstützt, lässt er sich als Berater für die Verhandlungen mit dem usbekischen Militär unter Führung von General Kushan (Shaun Toub) anheuern. Wie sich am Ende herausstellt, sind das nicht die einzigen Absichten Reddingtons, er nutzt die erfolgreiche Vertreibung des Unternehmens gleich dazu, sich selbst ein nettes Sümmchen für die Vermittlung einer neuen Firma zu sichern.

In a mad world only the mad are sane

Die bisweilen etwas monochromatische Charakterzeichnung aus The Blacklist ist hier fast nicht zu finden. Reddington darf beweisen, dass sein Herz nicht nur aus einem Dollarzeichen besteht, was ihm bei seinem Ansinnen, Liz wieder auf seine Seite zu ziehen, behilflich sein dürfte. Auch der Episodenbösewicht Denisov entpuppt sich schnell als mehrschichtige Figur. Am Ende rät ihm Reddington gar dazu, es doch einmal mit der Führung eines ganzen Landes zu versuchen. Hierzu liefert er ihm auch gleich demjenigen aus, den er für das größte Hindernis auf dem Weg zu einem freiheitlich-demokratischen Usbekistan hält: General Kushan.

Um hier einem möglichen Irrtum vorzubeugen: Diese eine Episode hat nicht alle Probleme gelöst, die The Blacklist hat. Die Geschichten wimmeln immer noch vor holzschnittartig konstruierten Figuren. Es gibt den bösen CIA-Direktor, der immer erst Gewalt anordnet, bevor er über Alternativen nachdenkt, es gibt das böse Erdölunternehmen, das sich nur für seine Profitmarge interessiert, es gibt den bösen General, der sich und seine Armee am liebsten wieder als Teil eines großrussischen Reiches begreifen würde und es gibt den volltätowierten bad boy, der sofort alles ausplaudert, was er über einen Mord weiß, statt sich erst einmal einen Anwalt kommen zu lassen.

Wenn eine Episode wie Ruslan Denisov aber solch vielversprechende Entwicklungen enthält, sieht man darüber auch gerne mal hinweg - vor allem, wenn sich James Spader als Kurosawa-zitierender Freiheitskämpfer geriert. Hätte die Serie generell ein bisschen mehr Substanz, ein bisschen mehr dramaturgisches Fleisch auf den Rippen, wir könnten beinahe jede Woche so viel Spaß haben wie hier. Vielleicht war das ja jetzt der Umschwung. Bei mir stehen jedenfalls alle Zeichen auf Hoffnung.

PS: Aram (Amir Arison) weiß natürlich nichts mit dem vermeintlichen „Fulcrum“ anzufangen. Große Überraschung.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 13. Februar 2015

The Blacklist 2x11 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 11
(The Blacklist 2x11)
Deutscher Titel der Episode
Ruslan Denisov (Nr. 67)
Titel der Episode im Original
Ruslan Denisov
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 12. Februar 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 24. März 2015
Autoren
Jonathan Shapiro, Lukas Reiter
Regisseur
Andrew McCarthy

Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x11

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