The Blacklist 2x12

The Blacklist 2x12

Die Produzenten und Autoren von The Blacklist zeigen uns in The Kenyon Family, wie man mit möglichst wenig Aufwand und Inspiration eine Stunde Fernsehen produziert. Der übergreifende Handlungsstrang wird beinahe komplett für eine vergessenswerte Episodengeschichte geopfert.

Liz Keen (Megan Boone) - allein gegen die „Watchers“ / (c) NBC
Liz Keen (Megan Boone) - allein gegen die „Watchers“ / (c) NBC
© (c) NBC

Am Ende meiner Review zur letzten Episode äußerte ich die zarte Hoffnung, dass es nun mit der Serie endlich nachhaltiger aufwärts gehen könnte. Und dann kam diese neue Episode um die Ecke, die ideen- und fantasieloser nicht hätte sein können. The Kenyon Family gibt sich keinerlei Mühe, irgendeine auch nur ansatzweise interessante Episodengeschichte zu erzählen, sondern vermengt lediglich mehrere Storyelemente, die wir schon aus anderen Episoden der Serie kennen.

You've been many things lately but happy was not one of them

Am besten davon ist mir noch The Front in Erinnerung, eine Episode, die gerade einmal vier Monate zurückliegt. Auch darin ging es um einen durchgeknallten Sektenführer, der seine Jünger dazu anhielt, der ach-so-bösen Bundesregierung mit Bombenanschlägen (oder waren es damals Giftgasanschläge? Don't know, don't care.) empfindliche Nadelstiche zu verpassen. Liz (Megan Boone) und der Rest des FBI-Teams kommen zunächst in Gefahr, werden aber schließlich durch die tatkräftige Mithilfe Reddingtons (James Spader) aus ihrem Schlamassel befreit. Same old, same old.

Im Laufe der Episode muss Sektenführer Justin Kenyon (Stephen Bogardus) natürlich auch noch vom durchschnittlichen Monster zum verabscheuungswürdigen Monster erhoben werden. Er erlaubt in seiner Sekte nämlich nicht nur die einseitige - zum Teil pädophile - Polygamie, sondern geht sogar so weit, die überschüssigen Jungen zum Sterben in den Wald zu schicken. Doch die haben sich unter der Führung seines eigenen Sohnes David (Eric Nelsen) ihrem Schicksal erfolgreich widersetzt und eine Waldkolonie gegründet. Aus unerfindlichen Gründen folgen sie aber weiterhin der Ideologie des Übervaters.

Am Ende kommt zu unserer großen Überraschung niemand zu Schaden - außer denen natürlich, die es verdient haben. Bei diesen dürftigen Episodengeschichten von The Blacklist bin ich ja mittlerweile schon zufrieden, wenn die Autoren es schaffen, keine beleidigenden oder sonstwie anstößigen Charakterzüge oder Dialogzeilen unterzubringen. Aber etwas fantasievoller als hier darf es dann doch gerne sein. Diese Story haben wir so oder so ähnlich schon in unzähligen anderen Formaten „bestaunen“ dürfen.

Leider schafft es der spärliche Einsatz übergreifender Handlungselemente nicht, den unterdurchschnittlichen Plot auszugleichen. Weil die Jagd nach Kenyon nicht Reds voller Aufmerksamkeit bedarf, hat er noch genug Zeit, dem schon etwas älteren Hinweis des getöteten Alan Fitch (Alan Alda) nachzugehen, wonach irgendwo in Sankt Petersburg ein Safe versteckt ist.

The only cure for corruption is disruption

Mithilfe seiner uns bereits bekannten DMV-Bekanntschaft Glen (Clark Middleton), mit der ihn eine intensive Hassliebe verbindet, findet er den Safe schließlich, ist aber ein wenig enttäuscht, als sich darin nur eine Telefonnummer auftreiben lässt. Oder ist sein Jagdeifer nun etwa wieder geweckt? Angesichts des omnipräsenten Ennuis in dieser Episode ist es jedenfalls schwierig, zwischen Euphorie und Enttäuschung zu unterscheiden. Am Ende bekommt Red lediglich eine unbekannte Stimme an die Strippe, die sich sofort entlocken lässt, dass sie über den Safe in Sankt Petersburg Bescheid weiß.

Anderswo erhält Blacksite-Chef Cooper (Harry Lennix) zuerst eine niederschmetternde, dann aber eine frohe Botschaft. Sein FBI-Buddy Tom Connally (Reed Birney) zieht ein paar Register und verschafft ihm einen Platz in einer Testuntersuchung, aus der er als geheilter Mann heraustreten könnte. In diesem Falle stünde ihm sogar eine Beförderung bevor, da Tom seinen Posten als FBI-Chef räumt, um den des Justizministers anzutreten. The Blacklist ist ja nicht gerade bekannt für seine kritische Betrachtung politischer Verstrickungen - wie die Serie aber dieses old buddy-Netzwerk in einem guten Licht erscheinen lässt, ist sehr fragwürdig.

Bei 22 zu produzierenden Episoden pro Staffel ist es wohl unausweichlich, dass man solche Rohrkrepierer wie The Kenyon Family bekommt. Das kann man nun als Zuschauer achselzuckend hinnehmen - oder man kann sich fragen, welche ökonomischen Mechanismen dahinterstecken und ob das für den allgemeinen Zustand der Kultur zuträglich ist. Oder man denkt alternativ darüber nach, warum Red eine Präsidentenlimousine in einem Schiffscontainer bunkert. Ist vielleicht auch einfacher.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 20. Februar 2015

The Blacklist 2x12 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 12
(The Blacklist 2x12)
Deutscher Titel der Episode
Die Kenyon Familie (Nr. 71)
Titel der Episode im Original
The Kenyon Family
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 19. Februar 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 31. März 2015
Autoren
Daniel Knauf, Vincent Angell
Regisseur
David Platt

Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x12

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