The Blacklist 2x10

The Blacklist 2x10

Der längste Teaser in der Geschichte des Fernsehens geht weiter. The Blacklist will einfach nicht loslassen, was es für seinen interessantesten Handlungsstrang hält. Hinzu kommt die Marvel-eske Suche nach einem Orb... Entschuldigung, dem „Fulcrum“. Immerhin ist das Ganze ansprechend inszeniert.

„I told you so.“ Einmal mehr landet Reddington (James Spader, M.) obenauf. / (c) NBC
„I told you so.“ Einmal mehr landet Reddington (James Spader, M.) obenauf. / (c) NBC
© (c) NBC

Something happened that night, something people are willing to kill for to find out.“ („In dieser Nacht ist etwas passiert, für das einige Menschen töten würden.“) Zählt mich ab heute bitte offiziell zu diesen Menschen, liebe Autoren von The Blacklist! Aber bitte, bitte behandelt Eure Zuschauer nicht weiter wie Windhunde, denen man einfach nur ein Stück Fleisch vor die Nase halten muss, damit sie sofort anfangen zu hecheln.

Whatever you want, I get

Ich habe es ja verstanden, Ihr haltet die Frage nach dem echten Vater von Liz Keen (Megan Boone) für den spannendsten Handlungsbogen in der Geschichte des Fernsehens. Aber könnt Ihr uns nicht endlich davon erlösen? Könnt Ihr nicht wenigstens das eine Rätsel auflösen, bevor Ihr uns das nächste serviert? Es ist nämlich inzwischen nicht mehr nur langweilig, sich darüber Gedanken zu machen. Es ist schlichtweg ärgerlich, dass Ihr uns einen Informationsfetzen nach dem anderen zum Fraß hinwerft, und glaubt, wir wären damit zufrieden.

Die Episoden von The Blacklist sind derzeit nichts anderes als gigantisch aufgeblähte Luftnummern, die kurz nach ihrem Ende schlapp in sich zusammenfallen. Es werden vermeintliche Fachbegriffe wie Memory Extinction und Recovered Memory Therapy herumgeschleudert, ohne dass irgendwelche nennenswerten neuen Erkenntnisse dabei zu Tage treten würden. Im Gegenteil - die Frage nach Liz' echtem Vater wird nun komplementiert durch die Suche nach dem Fulcrum.

Das wiederum erinnert stark an beinahe sämtliche Filme des Marvel-Cinematic-Universe, in denen es meist darum geht, dass verschiedene Parteien einem nicht weiter spezifizierten Gegenstand hinterherhecheln, der natürlich die Macht hat, die Menschheit oder gleich das ganze Universum zu zerstören - oder es nach den Wünschen des jeweiligen Finsterlings zu verändern.

So ist es nun auch in Luther Braxton: Conclusion (2). Der titelgebende Bösewicht (Ron Perlman) jagt für die Alliance unter Führung des Director (David Strathairn) genauso hinter dem Fulcrum her wie Reddington (James Spader), der sich aber gegenüber dem Director nicht in die Karten blicken lässt und weiter eisern behauptet, er besitze das Objekt der Begierde. Warum sie alle so verzweifelt danach suchen, wird in dieser Episode kein einziges Mal mehr erwähnt. Muss also ziemlich egal sein.

%26bdquo;Open your eyes%26ldquo;: Klein-Lizzie; gesteuert von Groß-Lizzie. © NBC
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In Liz' Erinnerung ist also das Versteck des Fulcrum verborgen, woran sie sich aber nicht erinnern kann, weil sie die schlechten Erinnerungen an die Feuernacht mit positiven Erinnerungen verdrängt hat. Oder so. Jedenfalls kann sie sich deswegen nicht an ihren echten Vater erinnern. In den drogeninduzierten Flashbacks sieht sie zwar ihren Vater, kann sich nach dem Aufwachen aber leider nicht an sein Gesicht erinnern - auch nicht an das ihrer Mutter. An eines kann sie sich indes erinnern: dass Red in besagter Nacht auch dort war.

My father was killed because of the Fulcrum

Perfekte Gelegenheit für Red also, dieser einen Frage endlich - eeeeendlich - eine Antwort zu verpassen? Denkste! Wie in allen anderen Episoden zuvor zieht Red es vor, sich in kryptischen Ausflüchten zu ergehen und dabei wie ein Welpe traurig aus der Wäsche zu schauen. Liz zeigt daraufhin endlich einmal eine menschliche Reaktion und wirft Red vor, sie nur wegen des Fulcrum unter seine Fittiche genommen zu haben. You go, girl!

Eine Theorie könnte indes so gehen: Red ist nicht Liz' Vater, war aber in der Nacht des Feuers in ihrem Haus, um dort das Fulcrum zu suchen oder abzuholen, weil dieses - möglicherweise - von Liz' echtem Vater (der wiederum immer noch Reddington sein könnte) gehütet wurde. Für diese Theorie spricht auch das Ende der Episode, in dem Liz das Fulcrum in ihrem alten Stoffhasen findet. Wenn Red es dort versteckt hätte, wüsste er ja, wo es zu finden ist. Wenn ihr Vater es dort versteckt hätte, wüssten wir, dass Red nicht ihr Vater ist - außer natürlich, Red blufft auch gegenüber Liz. Aber warum sollte er das tun?

Eine dritte Möglichkeit wäre, dass es gar nicht das Fulcrum war, das Liz da in dem Stofftier entdeckt hat - sondern ein weiterer Orb, den es vor düsteren Mächten zu schützen gilt. Aber auch ohne dieses zusätzliche Rätsel dreht sich mir bereits der Kopf. Erschwerend kommt die Information hinzu, die Liz am Ende von der behandelnden Psychologin Selma Orchard (Gloria Reuben) erhält: Der zurückliegende Eingriff war nicht der erste. Schon einmal hat jemand in ihren Erinnerungen gewildert.

Die Reise von Liz in ihre eigene Vergangenheit war im Übrigen wunderbar inszeniert - für mich der Höhepunkt der Episode und der inszenatorische Höhepunkt der gesamten Serie. Kam so ein bisschen 'rüber wie eine Mischung aus Kubricks „The Shining“, „The Exorcist“ von William Friedkin und „Interstellar“ von Christopher Nolan, mit einer kleinen Prise „Minority Report“. Schönes Ding.

Und nun zum Schluss und der Vollständigkeit halber: Braxton stirbt, Aram (Amir Arison) und Samar Navabi (Mozhan Marno) kommen sich immer näher, und Cooper (Harry Lennix) bekommt schlechte Nachrichten von einem Arzt. Bis nächste Woche!

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 6. Februar 2015

The Blacklist 2x10 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 10
(The Blacklist 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Luther Braxton (Nr. 21) - Teil 2
Titel der Episode im Original
Luther Braxton: Conclusion (2)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. Februar 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 17. März 2015
Regisseur
Michael W. Watkins

Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x10

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