The Blacklist 2x09

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In der ereignisreichen letzten Episode vor der Winterpause, The Decembrist, wurden einige lose Enden zusammengeführt. Reddington-Overlord Fitch (Alan Alda) wurde von Reddington-Nemesis Berlin (Peter Stormare) umgebracht. Später nahm es Reddington (James Spader) selbst in die Hand, seinen Erzfeind in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Bei all diesen personellen Umwälzungen gab es nur eine Konstante: die Aufrechterhaltung des ewig währenden Cliffhangers um den echten Vater von Liz Keene (Megan Boone).
How you gonna stop me, Red? Bore me to death with Beethoven?
Es wurde also Platz geschaffen für neue Ensemblezuwächse. Berlin wird nun durch Luther Braxton (Ron Perlman) ersetzt, während Fitch in einem Charakter seinen Nachfolger findet, der von David Strathairn gespielt wird. Irgendwie bleibt so alles beim Alten, natürlich auch die Frage nach Reds möglicher Vaterschaft. Braxton ist mit Reddington ebenso schicksalhaft verbunden, wie Berlin das war. In einem minutenlangen exposition dump dürfen sich die beiden vor Liz zuraunen, woher sie sich kennen, warum sie sich hassen und was sie verbindet.
In den 90er Jahren ist irgendetwas in Belgrad passiert, was Braxton als Sieg für sich verbucht, Reddington aber so nicht stehen lassen kann. Bevor wir aber endgültig entscheiden können, wer hier der größere badass ist, bekommen wir eine Vorgeschichte, die einmal mehr bis ins kleinste Detail von unseren altbekannten Protagonisten mit expositorischer Erklärung begleitet wird. Reddington hat sich nach den jüngsten Ereignissen absichtlich verhaften lassen, um in dasselbe Gefängnis zu kommen, in dem auch Braxton einsitzt - eine schwimmende Festung namens „The Factory“, von der niemand je ausbrechen kann.
Braxton gelingt es dann aber natürlich trotzdem innerhalb weniger Minuten, die gesamte Sicherheitsinfrastruktur der CIA-black site lahmzulegen und gemeinsam mit seiner vorsichtig zusammengecasteten „Super Villain Super Group“ das Kommando zu übernehmen. Bald stellt sich heraus, dass er hinter The Fulcrum her ist, einer brisanten Akte, die Informationen über sämtliche illegalen Operationen des amerikanischen Geheimdienstapparats enthält. Würde diese je an die Öffentlichkeit geraten... ach, Ihr wisst schon.
Die neue CIA- oder JSOC- oder sonstwelche Geheimdienstkoordinatorin Kat Goodson (Janel Moloney) macht sich gegenüber Harold Cooper (Harry Lennix) zwar überhaupt keine Sorgen darum, dass solche geheimen Informationen publiziert werden könnten, beschließt aber trotzdem, das schwimmende Gefängnis bombardieren zu lassen, um Braxton davon abzuhalten, an einen wichtigen Code zu gelangen.
I know about the house, the fire and the girl
In der Zwischenzeit wurden dort Ressler (Diego Klattenhoff), Navabi (Mozhan Marno) und Keen abgeladen; bis auf Liz geraten aber alle sofort in die Gefangenschaft der Aufständischen. Mehrere Explosionen und wahrlich unnötige Morde später befinden sich Reddington, Liz und Braxton zusammen in einem Raum, wobei diejenigen Zuschauer neues Futter bekommen, die vom ewigen „Ist Red der Vater von Liz?“ noch nicht die Schnauze voll haben. Bevor die Raketen der Kampfjets einschlagen, raunt Baxter seinen beiden Häschern bedeutungsschwanger zu: „She's the one.“ („Sie ist es.“)
Ich habe schon lange aufgehört, mich für diese Frage zu interessieren. Gerade deswegen ist es ärgerlich, dass die Autoren anscheinend völlig blind vor ihrem eigenen Material stehen. Glauben sie ernsthaft, dass irgendein Zuschauer noch nägelkauend vor dem Fernseher sitzt und gespannt auf eine Antwort wartet? Gibt es diese Zuschauer unter unseren Lesern? Würde mich sehr interessieren - jedenfalls viel mehr als die Auflösung dieses unsäglichen Plotelements.
The Blacklist bietet in Luther Braxton (1) mehr vom Gleichen. Die im Winterfinale verstorbenen Figuren wurden mit nahezu identischen Charakteren ersetzt, die neuen Handlungsstränge sind weder wirklich neu noch sonderlich spannend. Die Parabeln, die Red bemüht, um Liz von der Wahrheit fernzuhalten, hatten auch schon mal mehr Würze. Erschreckend ist auch die Erkenntnis, mit welcher Beiläufigkeit hier unbekannte Nebenfiguren von Reddington und Co mit Kopfschüssen ermordet werden. Das soll wohl zeigen, wie ruchlos er und seine Widersacher vorgehen, lässt sich aber schnell als billiger Schockwert entlarven.
Am Ende soll ein Cliffhanger für Spannung sorgen, welche aber innerhalb weniger Sekunden durch die Einsicht verpufft, dass keine der zentralen Figuren sterben wird. Diese Serie kann manchmal gut sein - wenn es sich das Autorenteam aber so einfach macht wie hier und nur die bekannten Tropen wiederholt, ist sie zäh und langweilig.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 2. Februar 2015(The Blacklist 2x09)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?