The Blacklist 2x05

In ihrer neuen Episode The Front treibt die NBC-Dramaserie The Blacklist das „Procedural“-Prinzip auf die Spitze. Innerhalb nur einer Folge findet ein ausgeflippter Ökoaktivist einen jahrhundertealten Virenstamm, destilliert daraus ein tödliches Virus und lässt es auf die Menschheit los. In der gleichen Episode gelingt es dem FBI mit der Unterstützung Raymond Reddingtons (James Spader), den Plan zu zerschlagen und einen weltweiten Ausbruch zu verhindern.
In order to preserve life we need to become extinct
Wir wissen natürlich von Anfang an, dass pünktlich zum Ende der Episode sämtliche Gefahren gebannt sein werden. Schließlich muss ja Raum geschaffen werden für einen Superbösewicht in der nächsten Episode, der sich dann einmal mehr als nicht ganz so super herausstellen darf. Mein Interesse an diesen einzelnen Episodengeschichten tendiert regelmäßig gegen Null - es sei denn, die Autoren finden einen Weg, diese Einzelstorys mit dem übergreifenden Handlungsstrang zu verbinden (was sie hier nicht tun).
In The Front ärgerte mich aber, dass die Bedingungen einer Infektion mit dem Virus und der darauffolgenden öffentlichen Verbreitung nicht klar herausgearbeitet wurden. Zu Beginn spricht das FBI-Team mehrmals darüber, dass es sich hier um die tödlichste Seuche handelt, die die Menschheit je gesehen hat. Dann wird sogar ein Mitglied der Ökoterroristenorganisation „The Front“ mit diesem Virus infiziert und auf die Öffentlichkeit losgelassen. Nachrichtensprecher verkünden daraufhin aufgeregt, dass hunderte weiterer Fälle aufgetreten seien.
Als sich abzeichnet, dass es der Plan von Sektenführer Maddox Becks (Michael Laurence) ist, die Seuche weltweit auszubreiten, glaubt Liz Keen (Megan Boone), dass sämtliche Passagiere eines Flugzeugs mit einem Infizierten an Bord nun auch angesteckt seien. Zu Beginn behauptet Maddox gar gegenüber Keen, dass sie beide sofort sterben würden, würde der Virenstamm an die Luft geraten. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine Lüge. Trotzdem ist es merkwürdig, wie sorglos sich die FBI-Agenten auf die Jagd nach dem letzten verbleibenden Virenträger am Flughafen machen. Ohne Schutzanzüge stürmen sie ihm hinterher. Auch Reddington tritt Maddox am Ende ohne jegliche Schutzvorkehrung gegenüber.
Wäre es nicht eine viel bessere, effektivere und einfachere Maßnahme gewesen, den Flug des Infizierten vom Start abzuhalten (beziehungsweise alle Flüge zu streichen)? Hätte man nicht die Ausgänge des Flughafens kontrollieren und das Gebäude unter Quarantäne stellen sollen? All diese logischeren Handlungsbögen opfern die Autoren von The Blacklist aber für einen vermeintlich emotionalen Moment am Ende, als sich Navabi (Mozhan Marno) und Keen mit dem Virus anstecken. Jetzt mal ehrlich: Hat sich hier irgendjemand echte Sorgen um Keen gemacht?
I'm the snake in the grass
Neben der inkohärenten Virusgeschichte ist auch das Portrait der Ökoterroristen ein Ärgernis. Anführer Maddox wird als absoluter Cartoonbösewicht gezeichnet, am Ende werden gar seine Intentionen infrage gestellt. Er sagt Sätze wie: „The disease is humanity, we're the antidote.“ („Die Menschheit ist die Krankheit, wir sind das Gegenmittel.“) Holzschnittartiger kann man eine Figur kaum anlegen. Viel schlimmer als die Charakterzeichnung ist aber die Aussage, die NBC seinem (wahrscheinlich sowieso schon sehr konservativen Publikum) zusendet: Umweltaktivisten sind in Wahrheit megalomanische, egozentrische Monster! Umweltschutz ist Quatsch, die Erderwärmung sowieso. Diese Darstellung ist das Gegenteil einer kritischen Herangehensweise.
In The Front kehrt The Blacklist zum ersten Mal in der zweiten Staffel seine schlechtesten Angewohnheiten nach außen. Übrig bleiben Teile des übergreifenden Erzählstrangs um Liz und Red, die jedoch erneut äußerst vage gehalten werden. Red beauftragt sowohl Aram (Amir Arison) als auch seinen besten Spurensucher mit der Suche nach dem „girl.“ Er spricht explizit nicht von seiner Tochter, obwohl Liz das einmal vermutet. Schließlich findet er eine Frau namens Zoe D'Antonio (Scottie Thompson). Statt sie jedoch anzusprechen, schaut er sich lieber alte Familienfilme an. Der über diese Szenen gelegte schnulzige Song verrät uns Zuschauern, dass es sich hier um einen emotionalen Moment handelt.
Liz täuscht indes ihren Bewacher ein ums andere Mal, um sich erneut in den mysteriösen Kellerraum zu schleichen, in dem sich die Tür befindet, die sie am Ende der letzten Episode schon aufzuschließen gedachte. Nun geht sie tatsächlich hindurch - wir Zuschauer müssen aber draußen bleiben. Gegenüber Navabi gibt sie überdies zu, dass sie eifersüchtig auf Reds angebliche Tochter ist, obwohl er doch „the bane of my existence“ („der Fluch meiner Existenz“) sei. Wir sind am Ende der Episode also wieder so schlau, wie wir schon immer waren. Schade.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 21. Oktober 2014The Blacklist 2x05 Trailer
(The Blacklist 2x05)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?