The Blacklist 2x03

The Blacklist 2x03

The Blacklist gönnt sich in der dritten Episode eine Atempause und kehrt zu seinem aus der ersten Staffel bekannten dramaturgischen Muster zurĂŒck. Der Fall der Woche ist so vorhersehbar wie langweilig, Humor und Spezialeffekte retten die Episode.

Keen (Megan Boone) und Ressler (Diego Klattenhoff) in Aktion / (c) NBC
Keen (Megan Boone) und Ressler (Diego Klattenhoff) in Aktion / (c) NBC

WĂ€re Liz Keens (Megan Boone) Traum vom Beginn der Episode doch nur echt gewesen (abzĂŒglich des Auftritts Reddingtons)! Dann hĂ€tte Dr. James Covington durchaus eine interessante Geschichte erzĂ€hlen können. Doch das - dann sicherlich nicht mehr ĂŒberraschende - Auftauchen Tom Keens (Ryan Eggold) heben sich die Autoren wohl fĂŒr einen spĂ€teren Zeitpunkt in der zweiten Staffel auf.

Sounds like a shady character in a Humphrey-Bogart-film

Das grĂ¶ĂŸte Kapital dieser Serie ist gleichzeitig eine ihrer SchwĂ€chen: James Spader hĂ€lt sie mit seiner jovial-grĂ¶ĂŸenwahnsinnigen Darstellung der Figur Raymond Reddington am Leben. Weil „Red“ aber so ein zentraler Bestandteil dieser Serie ist, gibt es beim Zuschauer eine unumstĂ¶ĂŸliche Gewissheit darĂŒber, dass er niemals sterben wird. Deswegen fallen solche stand offs wie diejenigen am Ende der Episode auch ziemlich flach. NatĂŒrlich wird Berlins Gefolgsmann Vargas (Paul Reubens) nicht Red töten, sondern ihm seinen ehemaligen WeggefĂ€hrten Niko Demakis (Joseph Siravo, er spielte in den RĂŒckblenden in The Sopranos Tonys Vater) ausliefern.

Dr. James Covington ist eine einzige Ansammlung an dramaturgischen Gewissheiten und Vorhersehbarkeiten. Reds GeschĂ€ftsabschluss in Indonesien spielt ebenso wenig eine Rolle fĂŒr den Fortlauf des ĂŒbergreifenden ErzĂ€hlstrangs der Serie wie die Jagd nach dem Robin Hood der Organtransplantationen, Dr. James Covington (Ron C. Jones).

Um darĂŒber hinwegzutĂ€uschen, fĂŒttert uns das Autorenteam mit winzigen HĂ€ppchen weiterfĂŒhrender Informationen. Der Motelnachbar, den Liz zu Beginn der Episode ĂŒbereifrig durchsucht, nachdem sie ihren Albtraum durchstanden hat, stellt sich als Auftragsmörder (oder Ähnliches) heraus, der sie ausspĂ€hen soll. Oder so. Vielleicht soll er sie ja auch ermorden? Aber hĂ€tte er das dann nicht schon lĂ€ngst getan? Wir wissen es nicht, erfahren es aber bestimmt ganz bald. Außerdem bekommen wir am Ende noch eine Szene vorgetragen, in der Naomi (Mary-Louise Parker) ihren Exmann Red ohrfeigen darf. Auch dazu fehlt jedoch jeglicher verstĂ€ndnisfördernder Kontext.

Der ominöse Vargas (Paul Reubens; l.) und sein spĂ€ters Opfer Niko (Joseph Siravo) © NBC
Der ominöse Vargas (Paul Reubens; l.) und sein spĂ€ters Opfer Niko (Joseph Siravo) © NBC

The Blacklist versucht, diese LĂŒcken im storytelling auf zweierlei Art und Weise zu kaschieren - und das ziemlich erfolgreich: Zum einen habe ich das GefĂŒhl, als hĂ€tte man sich im Writers' Room vorgenommen, den Humor noch einmal prominenter zu prĂ€sentieren. Zu Reds grĂ¶ĂŸtenteils witzigen SprĂŒchen („Try a ,grapefruit gusher'. It's just like you today, a little sour.“ - „Versuche doch den ,Grapefruit-Geysir'. Er ist heute genauso sauer wie du.“) gesellt sich nun in jeder Episode ein Schwank aus seiner Kindheit und Jugend. Dieses Mal ist es Niko, der sich kurz vor seinem Tod eine wichtige Lektion erteilen lassen muss.

Value loyalty above all else

Auch IT-Crack Aram (Amir Arison) dient grĂ¶ĂŸtenteils dem comic relief. In dieser Episode verschlĂ€gt ihm die schiere KörpergrĂ¶ĂŸe seiner neuen Kollegin Samar Navabi (Mozhan Marno) die Sprache. Die unterbreitet Liz am Ende ein Friedensangebot, was die an zunehmender Paranoia leidende Agentin aber ausschlĂ€gt. Sowohl ihr Vorgesetzter Cooper (Harry Lennix) als auch ihr Kollege Ressler (Diego Klattenhoff) machen sich Sorgen um Liz' mentalen Gesundheitszustand. Sie aber wehrt sĂ€mtliche GesprĂ€chsangebote der beiden ab.

Neben dem verstĂ€rkten Einsatz humoristischer Einlagen wurde offensichtlich das Budget fĂŒr Actionsequenzen und Spezialeffekte erhöht. Die halb verrottete Leiche eines Opfers von Dr. Covington, die Transplantationsszene am Ende und die Verfolgungsjagd mit dem Kurier des Doktors waren durchaus sehenswert. Schon in den ersten beiden Episoden konnte die Serie durch ihre schnelllebige Action ĂŒberzeugen, die hier aber deutlich heruntergefahren wurde.

Eines wundert mich an The Blacklist, seit die Serie vor ĂŒber einem Jahr gestartet ist: Warum legen die Autoren so viel Wert auf mysteriöse Hintergrundgeschichten, wenn sie offensichtlich nicht dazu bereit sind, diese je aufzuklĂ€ren? In dieser Episode wird erneut auf das verwirrende mögliche VerwandschaftsverhĂ€ltnis zwischen den beiden Protagonisten angespielt. Auch um Naomi und Samar ranken sich Geheimnisse. Die erste Staffel hat uns jedenfalls gelehrt, dass wir auf eine Auflösung dieser RĂ€tsel nicht hoffen sollten. Dabei ließe sich doch beispielsweise viel Interessantes mit RĂŒckblenden in die gemeinsame (und getrennte) Vergangenheit von Liz und Red anfangen. WĂ€re jedenfalls interessanter als ein solch generischer Fall der Woche wie in Dr. James Covington.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 7. Oktober 2014

The Blacklist 2x03 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 3
(The Blacklist 2x03)
Titel der Episode im Original
Dr. James Covington
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 6. Oktober 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 9. Dezember 2014
Autoren
Lukas Reiter, J.R. Orci
Regisseur
Karen Gaviola

Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x03

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?