The Blacklist 2x02

Raymond „Red“ Reddington (James Spader) ist die coolste Sau der Welt. Das haben mittlerweile auch seine Erfinder verstanden, weswegen er nun noch mehr Screentime bekommt, was der Serie aber nur guttun kann. In der ersten Staffel nahm sich The Blacklist noch viel zu ernst, nun kündigt sich nach nur zwei Episoden bereits ein Umdenken an: Spader wird von der Leine gelassen und der übergreifende Handlungsbogen um Reddington und seinen Erzfeind Berlin (Peter Stormare) spielt eine weitaus prominentere Rolle.
God can't protect you, but I can
Das ist überaus begrüßenswert, vor allem, weil die Einbindung der größeren Erzählung nicht nur bedeutet, dass sich die beiden Widersacher fortwährend gegenseitig anstacheln. Auch die procedural-Elemente der Serie werden geschickt mit dem Hauptplot verquickt, wodurch sie interessanter werden und größere Wirkung für die handelnden Charaktere entfalten können. Außerdem kommt es dadurch zu nachhaltigeren Interaktionen mit dem FBI-Team um Liz Keen (Megan Boone), die in der ersten Staffel noch ziemlich langweilig waren, weil es immer nur um den Fall der Woche ging.
Das immer gleiche Muster aus der Premierenstaffel (Team steht vor einem Problem, Red eilt zur Lösung herbei) wird dadurch zwar nicht ganz aufgelöst, es erhält durch die persönlichen Bezüge der Hauptfiguren aber eine viel dramatischere Ebene. Gleichzeitig wird Reddington, wenn schon nicht auf Normalmaß, dann aber doch zumindest auf ein menschlicheres Level zurechtgestutzt. Seine (ehemalige) Familie befindet sich nun im Fadenkreuz seines größten Gegenspielers. Da darf er denn auch mal am Ende einer Episode - wie hier geschehen - traurig darüber sein, dass er weder Freunde noch Familie hat.
Um diese wertvollen Augenblicke echter menschlicher Emotion spannen die Autoren von The Blacklist aber immer noch ein kaum zu durchdringendes Netz an plot points und Handlungsentwicklungen, die nur sehr schwer nachzuvollziehen sind. Vielleicht erhoffen sie sich davon, als besonders intelligent zu gelten. Wie bei so vielen anderen Formaten verwechseln sie dabei aber Kompliziertheit mit Komplexität. Nur weil man mehrere Wendungen in eine Geschichte einbaut, bedeutet das nicht, dass diese Geschichte nun komplex ist.
Bestes Beispiel dafür ist der Umgang mit der Beziehung zwischen Red und Liz - für mich immer noch das größte Ärgernis dieser Serie. In dieser Episode wird einmal mehr angedeutet, dass zwischen den beiden eine sehr enge Bindung besteht - zumindest hegt Red starke Gefühle für seine vermeintliche Schutzbefohlene. Bei ihrem Treffen in Coney Island spricht Berlin erneut aus, was Reds größte Schwäche sei: Elizabeth. Red wiederum will ihm beweisen, dass er es nicht war, der seine Tochter umgebracht hat. Statt jedoch diese Themen zu vertiefen (die auch für uns Zuschauer am interessantesten sind), sprechen die beiden noch einmal ein paar Drohungen aus und verabschieden sich bis zum nächsten Treffen.
You're blinded by passion
Dabei soll die Übergabe stattfinden. Red hat den Angriff auf die titelgebende Monarch Douglas Bank nur ausführen lassen, um Berlin erpressen zu können. Liz fasst den gesamten procedural-Teil der Episode in einem einzigen Satz zusammen: „You put us on this case, so you could get to the girl, so you could steal Berlin's money.“ („Du hast uns auf diesen Fall angesetzt, damit du an das Mädchen herankommen würdest und Berlins Geld stehlen könntest.“) Zur Erklärung: Das girl ist eine Frau mit fotografischem Gedächtnis, die sämtliche Zugangscodes und Passwörter der geldwaschenden Monarch Douglas Bank in Warschau kennt und deshalb dort als eine Art Gefangene gehalten wird.
Red braucht sie nun, um Berlins Geld auf sein Konto zu transferieren und damit die Herausgabe seiner Exfrau Naomi (Mary-Louise Parker) zu erpressen, die in der letzten Episode von Berlin entführt wurde. Dabei begeht Red jedoch den entscheidenden Fehler - und solche unterlaufen ihm für einen Meisterkriminellen eigentlich viel zu oft -, die schwer verletzte Gedächtniskünstlerin bei seiner Nagelpflegerin (einer ehemaligen Medizinstudentin) behandeln zu lassen. So kommt das FBI unter Führung des wieder erstarkten Harold Cooper (Harry Lennix) auf seine Spur.
Liz eröffnet ihrem Mentor daraufhin, dass sich das Geld nicht mehr auf dessen Konto befinde und er es deshalb auch nicht mehr einsetzen könne, um das Leben von Naomi zu retten. Red lässt sich dennoch auf ein gefährliches Vabanquespiel ein, indem er nämlich einfach darauf hofft, Liz möge ihm rechtzeitig das Geld überweisen, um ihn vor Berlins Rache zu schützen. Sein Wagemut wird bezahlt: Mit der Ausrede, Red sei ein asset, das um jeden Preis beschützt werden müsse, lässt sich Liz auf den Deal ein. Diese Offenbarung könnte dem FBI im Verhältnis zu Red jedenfalls bald zum Verhängnis werden.
Mittendrin in all dem Schlamassel taucht mit der Mossad-Agentin Samar Navabi (Mozhan Marno) eine neue Spielerin auf, deren Rolle bis zum Ende unklar bleibt. Sie rettet Liz und Ressler (Diego Klattenhoff) vor dem vermeintlich korrupten FBI-Agenten in Warschau und trifft sich später mit Cooper im Park. Mit der Akkumulation intimster Details über seine Spezialeinheit beeindruckt sie ihn so sehr, dass er sie ins Team aufnimmt. Eine Stelle ist schließlich noch offen - die der am Ende der ersten Staffel ermordeten Meera Malik.
I look forward to working with you
Die Stimmung innerhalb des Teams ist auch ohne den Neuankömmling gereizt. Cooper will Ergebnisse sehen, bekommt aber von IT-Spezialist Aram (Amir Arison) auf die Frage, welche Fortschritte gemacht worden seien, nur die lapidare Antwort: „Coffee machine still works.“ („Die Kaffeemaschine funktioniert noch.“) Das ist in dem Moment unerwartet witzig, es war ein guter Schachzug der Autoren, Aram die Rolle als comic relief zuzuspielen und die Last von Reddingtons Schultern zu nehmen.
Der und seine linke Hand Dembe (Hisham Tawfiq) haben den anderen großen Lacher auf ihrer Seite, als sie Reds alte Bekannte in Warschau besuchen - eine unscheinbare kleine Dame, die ihre Bäckerei als Tarnung für einen Waffenhandel nutzt. So findet Monarch Douglas Bank die richtige Mischung aus Humor und Action. Begrüßenswert ist weiterhin, dass der übergreifende Erzählstrang nun eine immer größere Rolle spielt und die procedural-Elemente weiter in den Hintergrund drängt.
Froh wäre ich hingegen darüber, wenn das Mysterium um das Verhältnis zwischen Red und Liz endlich aufgeklärt werden würde. Es ist kaum noch entschuldbar, dass die Autoren diese Nebelkerze vor ihren Zuschauern baumeln lassen wie man eine Karotte vor einem Esel baumeln lässt, um ihn voranzutreiben. Diese beiden Episoden der zweiten Staffel haben bewiesen, dass es einem solchen Lockmittel gar nicht bedarf. The Blacklist findet nun endlich zu seinen Stärken.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 30. September 2014The Blacklist 2x02 Trailer
(The Blacklist 2x02)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?