The Blacklist 2x01

Beinahe alle Hauptfiguren von The Blacklist kehren gezeichnet von den Ereignissen des ersten Staffelfinales in die Handlung zurück. Elizabeth „Liz“ Keen (Megan Boone) zieht von Absteige zu Absteige, weil sie Angst vor ihrem Ehemann, dem Hochstapler Tom, und dessen Hintermännern hat. Donald Ressler (Diego Klattenhoff) weigert sich, die ihm dringend angeratene psychologische Hilfe anzunehmen, Technikgura Aram (Amir Arison) trauert seiner erschossenen Kollegin Meera Malik hinterher, und Harold Cooper (Harry Lennix) hat gemeinsam mit seiner Ehefrau beschlossen, den Dienst beim FBI zu quittieren.
The two can't conspire
Nur einer ist frohen Mutes und allzeit gut gelaunt: Raymond „Red“ Reddington (James Spader) heizt in einem Jeep voller Kindersoldaten durch den Dschungel Kameruns und wird dabei von schießwütigen Soldaten gejagt. Es gelingt ihnen mittels RPG, ihre Verfolger abzuhängen, Red gelangt zu seinem Ziel, dem Rebellenführer Ibari. Dem bietet er eine enorme Geldsumme an, um den Namen des Kopfgeldjägers zu erfahren, den sein Erzfeind Berlin (Peter Stormare) auf ihn angesetzt hat. Nach einer beeindruckenden Demonstration zweier Hellfire-Raketen bekommt er schließlich, wofür er gekommen ist: Lord Baltimore.
Warum Red den weiten Weg nach Kamerun machen muss, um den Namen eines amerikanischen Kopfgeldjägers zu erfahren, bleibt ein Geheimnis dieser Episode. Warum ein kamerunischer Rebellenführer über diese Informationen verfügt, ebenso. Aber wer diese Serie bis hierher - mit wechselnder Begeisterung - verfolgt hat, der stellt sich solche Fragen nicht mehr. The Blacklist erzählt hoffnungslos verworrene Geschichten und ist darauf - zumindest hat es den Anschein - auch stolz. Deswegen wissen wir bis heute nicht, wer der Vater von Liz Keen ist. Deswegen braucht man einen dicken Notizblock, will man den Sinn hinter all diesen Verwicklungen erkennen.
Die neue Episode trägt ihren Teil zur omnipräsenten Verwirrung bei, indem sie eine Großzahl neuer Figuren einführt (die allesamt glänzend besetzt sind) und neue Rätsel aufwirft. Während eines ersten Gesprächs zwischen Red und Liz, in dem er sich darüber mokiert, wie viele Menschen sich darüber beschwerten, allzeit beobachtet zu werden, und gleichzeitig Informationen freiwillig in sozialen Medien preisgäben, werden die beiden von Unbekannten beobachtet. Liz Keen wird nachfolgend von ebenjenen Unbekannten auf Schritt und Tritt verfolgt - und liegt mit genau diesem Verdacht goldrichtig.

Red glaubt, dass ein Auffinden Berlins nur über Lord Baltimore führen könne. Eine erste Spur führt zur Computerspezialistin Rowan Mills (Krysten Ritter, Breaking Bad), die, wie sich im Laufe der Episode herausstellt, unter einer dissoziativen Identitätsstörung leidet. Sie heißt eigentlich Nora, wurde als Kind von einem Verwandten sexuell missbraucht, und brachte ihre Zwillingsschwester Rowan um, woraus sich ihre psychische Krankheit entwickelte. Die Identität ihrer Schwester konnte sie annehmen, nachdem sie im Irakkrieg nach einem Angriff von Aufständischen als vermisst galt. Oder so.
Hello Misses Reddington
Jedenfalls arbeitet sie nun als Kopfgeldjägerin gemeinsam mit ihrem Kompagnon Marcus, der es mittels eines ganz bestimmten Musikstücks („We Three“ von The Ink Spots) schafft, sie zwischen ihren beiden Identitäten springen zu lassen. Marcus bekommt unterdessen Druck von Berlin, der seine Freizeit vorzugsweise in einer Badewanne voller Eiswasser verbringt. Es stellt sich jedoch heraus, dass Nora gar nicht Reddington selbst kidnappen soll, sondern dessen Exfrau Naomi Highland (Mary-Louise Parker, Weeds). Sie erledigt ihren Auftrag mit Erfolg und übergibt Naomi an Berlin und seine Schergen.
Zwischendurch dürfen wir ein weiteres Action-set piece bestaunen, dessen Notwendigkeit sich mir nicht gänzlich erschließt. Reddington und sein Adjutant Dembe (Hisham Tawfiq) checken in einem Hotel ein, und bevor Reddington seinen Verdacht gegenüber dem neuen Hoteldiener aussprechen kann, wird er auch schon von einem unbekannten Spezialkommando via Helikopter entführt. Die Auftraggeberin dieser Entführung, Samar Navabi (Mozhan Marno, House of Cards), erkennt er schnell als Angehörige des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad.
Die beiden tauschen noch schnell Informationen über alte und neue Geschichten aus, bevor Reddington an FBI-Interimschef Martin (Jason Butler Harner) übergeben wird. Wieso das FBI Reddington nicht selbst lokalisieren und entführen konnte, bleibt dahingestellt. Immerhin deutet Navabi an, dass der Mossad über feinere Observationstechniken verfügt - irgendetwas mit Textilfarbe. Oder so.

Jedenfalls gelingt es Luddite Reddington nicht rechtzeitig, die Entführung seiner Exfrau Naomi zu verhindern. Von einem Komplizen Noras erfährt er jedoch, wo Berlin sein Opfer gefangen halten könnte. Doch auch dort kommen er und Dembe zu spät an. Die Adresse war indes die richtige: Kurz zuvor hat Berlin dort noch seine perversen Spielchen getrieben, wozu auch ein Schnappschuss von Naomi gehörte. Diese Polaroids von späteren Opfern spielten ja schon in der ersten Staffel eine größere Rolle - nun wissen wir mit ziemlicher Sicherheit, woher sie stammen.
Let's get the job done
Am Ende erhält Red den befürchteten Drohanruf von Berlin: „I'm gonna do to your wife what you did to my daughter. I'm gonna send her back to you piece by piece by piece.“ („Ich werde mit deiner Ehefrau anstellen, was du meiner Tochter angetan hast. Ich werde sie dir zuschicken, Stück für Stück.“) Um die Bedrohlichkeit seines Anrufs zu untermauern, lässt er Reddington in einem Paket sogleich das erste „Stück“ zukommen - Naomis Ringfinger.
Dadurch vermiest Berlin die fröhliche Party, die am Ende der Episode gefeiert wird. Ressler verweigert meinungsstark die Hilfe der Psychologin, Liz annulliert erfolgreich ihre Ehe zu Tom, behält aber trotzdem seinen Namen, und Cooper kehrt wider Erwarten am Krückstock zur Arbeit zurück. Irgendwie freut er sich darüber, obwohl er ja eigentlich von Red dazu erpresst wurde. Die Mechanismen hinter diesem Erpressungsversuch entziehen sich jedoch meiner Kenntnis: Warum kann Cooper von Reddington erpresst werden? Weil der weiß, dass Cooper an einer (nicht weiter spezifizierten) Krankheit leidet?
Wie schon in der ersten Staffel habe ich einige dieser verworrenen Erzählstränge nicht ganz entziffern können. Das macht aber gar nichts, denn von den meisten der daran beteiligten Figuren werden wir sowieso nichts mehr hören. Der Rest des Ensembles schafft es hingegen, regelrechte Euphorie über die Rückkehr von The Blacklist auszulösen. Reddington ist cool wie immer, Liz nun etwas weniger blauäugig und irgendwie tougher. Dieser Auftakt war schnell und witzig, unterhaltsam und kurzweilig. Die Autoren der Serie scheinen erkannt zu haben, was sie besonders gut können und was nicht. Man darf gespannt sein, wie das in den kommenden Episoden weitergeht.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 23. September 2014The Blacklist 2x01 Trailer
(The Blacklist 2x01)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 2x01
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