The Blacklist 1x20

The Blacklist 1x20

Die Auflösung des bisher grĂ¶ĂŸten Cliffhangers von The Blacklist enttĂ€uscht: Wieder erfahren wir nichts Neues. Stattdessen wird uns mit The Kingmaker ein langweiliger Fall der Woche prĂ€sentiert, der an AbsurditĂ€t kaum zu ĂŒberbieten ist.

So spannend, dass man dabei an den NĂ€geln kauen mĂŒsste, war „The Blacklist“ nur sehr selten. / (c) NBC
So spannend, dass man dabei an den NĂ€geln kauen mĂŒsste, war „The Blacklist“ nur sehr selten. / (c) NBC

Das Netflix-Politdrama House of Cards entwirft ja schon ein tiefschwarzes Bild von amerikanischen Politikern und ihrem unbedingten Willen zur Macht. Bei dem, was The Blacklist aber in seiner neuen Episode veranstaltet, können selbst Frank Underwood (Kevin Spacey) und Konsorten nicht mithalten.

In der Liebe und in der Politik ist alles erlaubt

Der titelgebende The Kingmaker (Linus Roache) sorgt dafĂŒr, dass Politiker die Karriere bekommen, die sie schon immer angestrebt haben. Zu Beginn der Episode hĂ€ngt er einem tschechischen Parlamentsabgeordneten in Prag den Mord an einem Callboy an. Reddington (James Spader) und ein osteuropĂ€ischer GeschĂ€ftspartner hatten Verbindungen zu dem Politiker und wittern sogleich die Handschrift des „Kingmaker“.

GlĂŒcklicherweise befindet sich der nĂ€chste Kunde des Kriminellen in der nĂ€heren Umgebung Washingtons, weshalb Red nicht mal ins Flugzeug steigen muss, um den bislang jahrelang unentdeckten, vom FBI jedoch einmal mehr in Sekundenschnelle gefundenen und identifizierten Verbrecher dingfest zu machen.

Wir sollen allen Ernstes glauben, dass der ambitionierte Politiker Patrick Chandler (Mike Doyle) sein eigenes Leben sowie das seiner Frau, seines Kindes und eines Senators aufs Spiel setzen wĂŒrde, nur um schneller an den Posten des letztgenannten zu kommen. Der ach so geniale Plan des „Kingmaker“ sieht nĂ€mlich vor, dass Chandler sich mitsamt Frau und Kind im Auto von einer BrĂŒcke stĂŒrzt, um danach den Medienhype ausnutzen zu können und in den Umfragewerten nach oben zu klettern. Gleichzeitig soll der „Kingmaker“ den Senator ermorden, damit die gestiegenen PopularitĂ€tswerte umgehend in einen politischen Aufstieg umgesetzt werden können.

Locker easy: Raymond Reddington (James Spader); Meister der Entspannung. © NBC
Locker easy: Raymond Reddington (James Spader); Meister der Entspannung. © NBC

Von allen hanebĂŒchenen Plotkonstruktionen, die uns The Blacklist bislang vorgesetzt hat, ist dies die abwegigste (ja, dagegen war sogar die Story von The Cyprus Agency halbwegs hinnehmbar). Wer soll dieser Geschichte bitte abkaufen, dass ein erfolgreicher, mitten im Leben stehender Politiker das Leben seiner gesamten Familie riskiert, um eine vage Aussicht auf ein höheres Amt zu haben?

HanebĂŒchene PlĂ€ne

Und selbst wenn es Menschen gibt, die fĂŒr den eigenen Aufstieg ihre NĂ€chsten opfern wĂŒrden, welcher von ihnen wĂŒrde sich auf einen solch wahnwitzigen Plan einlassen? Das Auto mit der gesamten Familie ins Wasser stĂŒrzen, dabei nicht ohnmĂ€chtig werden, Ehefrau und Tochter unter Wasser aus dem Auto ziehen, sie an die OberflĂ€che zerren, dort erste Hilfe durchfĂŒhren und hoffen, dass sie beide wieder zu Bewusstsein kommen? Dann gleichzeitig darauf hoffen, dass ein Passant das Ganze mit dem Handy aufnimmt, es an die Presse verkauft und man danach als Nationalheld gefeiert wird? Oder war der Passant etwa vom genialen „Kingmaker“ gekauft? WĂ€re zumindest sein erster und einziger ordentlicher Schachzug gewesen.

Jedenfalls enthĂ€lt diese Geschichte so viele „wenn“, „aber“ und „vielleicht“, dass es ein Wunder ist, wie sie ĂŒberhaupt den Writers' Room verlassen konnte. Gleichzeitig prĂ€sentiert die Episode eine der eklatantesten Dichotomien zwischen kĂŒnstlich aufgebauschtem Bösewicht und seinen tatsĂ€chlichen FĂ€higkeiten. Die Strategien und Intrigen des „Kingmaker“ sind keineswegs genial oder einfallsreich, sie sind viel eher plump und leicht nachvollziehbar (wie das FBI ja mehrmals in der Episode beweist).

Die Autoren von The Blacklist scheinen tatsĂ€chlich darauf zu hoffen, dass ihre Zuschauer eher mit ihrem „Second Screen“ beschĂ€ftigt sind, als auf die Handlung zu achten. „Verpassen wir dem ,Kingmaker' doch einfach einen englischen Akzent, das verleiht ihm genug Gravitas!“ So etwa könnte die RĂ€son im Autorenzimmer gelautet haben. Daraus entsteht aber leider kein intelligentes Fernsehen, nicht mal unterhaltsames.

Vor den TrĂŒmmern ihrer Existenz: Liz Keen (Megan Boone) hatte noch keine Zeit zum AufrĂ€umen. © NBC
Vor den TrĂŒmmern ihrer Existenz: Liz Keen (Megan Boone) hatte noch keine Zeit zum AufrĂ€umen. © NBC

Seit Beginn der Staffel versucht die Serie nun schon, sich als etwas zu verkaufen, was sie nicht ist. In beinahe jeder Episode werden neue kleine Details eingestreut, die aber alle zusammen kein stimmiges Bild ergeben. Nun sind noch zwei Episoden der ersten Staffel ĂŒbrig und wir Zuschauer wissen kaum mehr als zu Beginn der Serie. Ist es denn so schwer, endlich zu erklĂ€ren, welche Beziehung Reddington zu Liz Keens (Megan Boone) Vater hatte?

Wir wissen, dass wir nichts wissen

Am Ende von The Pavlovich Brothers wurde Liz noch von Ehemann Tom (Ryan Eggold) zu einem Schließfach gefĂŒhrt, in dem ein mysteriöser Umschlag lag. Die Episode endete mit einem der grĂ¶ĂŸten Cliffhanger der gesamten Staffel. Und nun? Wird die Auflösung dieses Spannungsmoments so unspektakulĂ€r wie nur irgendwie möglich gestaltet! Im Umschlag sind zwei Fotografien enthalten, die Red beim Betreten des Krankenhauses zeigen, in dem Keens Vater gestorben war.

Es dauert dann noch bis zum Ende der Episode, bis Aram herausfindet, dass Liz' Vater nicht eine Stunde nach Reds Abschied starb, sondern wÀhrend seines Besuchs. Sie konfrontiert ihn mit dieser Erkenntnis, erhÀlt jedoch wieder einmal keine befriedigende Antwort - genau wie wir Zuschauer, die seit September auf nichts anderes warten als auf eine Auflösung dieses totgetretenen, ausgelatschten, mittlerweile sterbenslangweiligen RÀtsels.

Immer wieder bekommen wir HĂ€ppchen vorgeworfen, die beinahe nichts bedeuten. Ähnlich verhĂ€lt es sich bei der IdentitĂ€t der mysteriösen Organisation, die von Alan Fitch (Alan Alda) geleitet wird und mit Reddington GeschĂ€ftsbeziehungen zu pflegen scheint. Wir sehen erstmals die Mitglieder der Organisation bei einer Sitzung, wissen aber nicht, wer sie sind, wo sie sind, was sie im Schilde fĂŒhren, welche Ziele sie verfolgen. Gleiches gilt fĂŒr die Organisation, die als Auftraggeber von Tom Keen fungiert. So viele offene Fragen, so wenige befriedigende Antworten. Das Resultat: Langeweile.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 29. April 2014
Episode
Staffel 1, Episode 20
(The Blacklist 1x20)
Deutscher Titel der Episode
Der Königsmacher (Nr. 42)
Titel der Episode im Original
The Kingmaker
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 28. April 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 20. Mai 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 28. Mai 2014
Autoren
J.R. Orci, Lukas Reiter
Regisseur
Karen Gaviola

Schauspieler in der Episode The Blacklist 1x20

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