The Blacklist 1x16

The Blacklist 1x16

Die neue Episode von The Blacklist holt auf, was in den meisten Folgen zuvor verpasst wurde. Mehrere Figuren bekommen Vorgeschichten und eine tiefgreifendere Charakterzeichnung. Einer jedoch bleibt rätselhaft: Raymond Reddington.

Entscheidung im Schnee: Donald Ressler (Diego Klattenhoff) nimmt Rache. / (c) NBC
Entscheidung im Schnee: Donald Ressler (Diego Klattenhoff) nimmt Rache. / (c) NBC

Der flüchtige ehemalige Drogenboss Mako Tanida (Hoon Lee), der dieser neuen Episode von The Blacklist ihren Titel verleiht, dient als Aufhänger für eine Reihe von Handlungssträngen, die der gesamten Geschichte mehr Tiefe verleihen und die Dramaturgie endlich mit ordentlichem Punch ausstatten.

Collateral damage in your hunt for Raymond Reddington

Zu Beginn flüchtet Tanida aus einem japanischen Hochsicherheitsgefängnis. Sein Weg führt ihn zum FBI-Agenten Raimo, den er entführt und dazu zwingt, mittels Seppuku Selbstmord zu begehen. Schnell stellt sich heraus, dass Tanida nur eines im Sinn hat: Rache für den Tod seines Bruders Iko. Neben Raimo stehen außerdem zwei bisher unbekannte FBI-Agenten auf seiner Liste: Janico und Maguire (hallo, Hassan Johnson aus The Wire!) sowie Donald Ressler (Diego Klattenhoff).

Der weiß genau, wen er aufsuchen muss, um nähere Informationen über Tanida zu erhalten. Elizabeth Keen (Megan Boone) hilft ihm dabei, Kontakt zu Raymond „Red“ Reddington (James Spader) herzustellen. Ressler will wissen, ob die Anschläge auf Raimo und Maguire „Payback for Vienna“ gewesen seien. Ich bin mir unsicher, ob das Schlagwort „Vienna“ bisher schon einmal gefallen war. Vielleicht weiß ja einer unserer Leser Bescheid?

Reddington warnt Ressler jedenfalls, dass sich Tanida auf einem Rachefeldzug befinde. Rechtzeitig schafft es Ressler daraufhin, seine Freundin Audrey (Emily Tremaine) aus der gemeinsamen Wohnung zu holen. Bei der Überfahrt in eine sichere Unterkunft kommt es jedoch zum Überfall. Ressler versucht, Tanida zu überwältigen. Dem gelingt es jedoch, einen letzten Schuss auf Audrey abzufeuern. Er trifft sie tödlich.

Ein bisschen %26bdquo;Fargo%26ldquo;; ein bisschen %26bdquo;Pine Barrens%26ldquo;: Liz Keen (Megan Boone) und Donald Ressler (Diego Klattenhoff) © NBC
Ein bisschen %26bdquo;Fargo%26ldquo;; ein bisschen %26bdquo;Pine Barrens%26ldquo;: Liz Keen (Megan Boone) und Donald Ressler (Diego Klattenhoff) © NBC

Der Handlungsstrang rund um Audreys Tod ist merkwürdig inszeniert. Zum einen ergreift Tanida beim Überfall auf Ressler lieber die Flucht vor der nahenden Polizeistreife, statt seinen Widersacher zu erschießen. Zum anderen schafft es die Episode nicht, Resslers Verzweiflung nach dem Mord an Audrey nachvollziehbar zu porträtieren. Ob es an Klattenhoff liegt? Oder an der Tatsache, dass die Serie im Allgemeinen nicht viel Raum für die Erforschung emotional niederschmetternder Ereignisse lässt?

I'm gonna kill 'em all

Ressler schwört daraufhin Rache an Tanida. Mit Reddingtons Hilfe findet er ein Behelfskrankenhaus, das von diversen Untergrundfiguren genutzt wird. Gemeinsam mit seinem besten Freund Jonica macht er sich daran, Tanida zu verhaften und ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen. Auf der Überfahrt kommt jedoch eine Wahrheit ans Licht, die zuvor schon vom FBI-Team in der „Blacksite“ enthüllt wurde. Tanidas Drogengeschäfte wurden nämlich nicht von dessen (totem) Bruder Iko weitergeführt, sondern von Robert Jonica.

Der will verhindern, dass Tanida weitere Geheimnisse preisgibt und versucht, ihn vom Fahrersitz aus zu erschießen. Dadurch kommt es zu einem Handgemenge im Wagen und einem anschließenden Unfall. Sowohl Tanida als auch Jonica ergreifen die Flucht, Ressler entscheidet sich für die Verfolgung Jonicas. Die Szene könnte als Hommage an die Episode Pine Barrens der HBO-Kultserie The Sopranos (oder „Fargo“?) verstanden werden. Ressler holt seinen besten Freund ein und will ihn zwingen, sich ebenfalls mittels Seppuku zu ermorden. Zunächst weigert sich Jonica. Als ihn die Aussicht auf ein Leben als korrupter Bulle im Gefängnis jedoch zu sehr verschreckt, greift er zum Schwert und bringt sich um.

Am Ende bekommt Ressler sogar die letzte Genugtuung, als er eine Kiste von Reddington in Empfang nimmt. Darin steckt der abgetrennte Kopf Tanidas. Der Inhaber der „Blacklist“ wandelt sich immer mehr zum Vertrauten Resslers. Dessen Worte gegenüber Jonica bezüglich Audrey erhalten damit noch stärkeres Gewicht: „My greatest enemy brought her back to me and my best friend took her away.“ Reddington bleibt die große Unbekannte der Serie, seine Motive und Motivationen verharren weiterhin größtenteils im Dunkeln.

Vorstellung für zwei: Reddington (James Spader; v.) genießt eine Privatvorführung. © NBC
Vorstellung für zwei: Reddington (James Spader; v.) genießt eine Privatvorführung. © NBC

Das offenbart sich auch während des Erzählbogens um Tom Keen (Ryan Eggold) und seine mysteriöse Bekannte Jolene (Rachel Brosnahan). In Mako Tanida wird endgültig klar, dass Tom auf Elizabeth Keen angesetzt wurde. Es gibt eine Verbindung zwischen ihr und Raymond Reddington. Tom soll herausfinden, wodurch diese Verbindung zustande kam und wie sie aufrechterhalten wird.

Berlin doesn't have a clue

Besonders tief ist er in diesen Verhältniskomplex indes noch nicht eingedrungen: „Best I can tell: their paths have crossed at key moments in the last 20 years. Quantico, Baltimore. She doesn't know and I can't prove it, but I believe Reddington was funneling money through her father for years.“ Wir erfahren außerdem, dass es nicht sein Auftrag ist, Reddington umzubringen. Auch die Auftraggeber bleiben weiterhin im Schatten. Tom und Jolene sprechen lediglich über Befehle, die aus „Berlin“ kommen.

Schon in der letzten Episode hatte Reddington den Cowboy (Lance Reddick) auf Jolene angesetzt. Als er erfährt, dass sie mit Tom unter einer Decke steckt, erteilt er dem Cowboy den Auftrag, Jolene zu ihm zu bringen. Ihr und Tom gelingt es jedoch, ihren Verfolger zu überwältigen. Als Tom realisiert, dass Jolenes Deckung aufgeflogen ist, überlegt er nicht lange und ermordet sie und den Cowboy. Nachdem er die Leichen der beiden entsorgt hat, kehrt er nach Hause zurück. Liz steigt zu ihm in die Dusche, an seinen Fingern klebt noch Blut.

Reddington bekommt die Nachricht vom Verschwinden der beiden, während er den Proben des Ballettstücks „Schwanensee“ beiwohnt. In den Händen hält er ein Programmheft des gleichen Stücks aus dem Jahre 1987. Eine Halluzination lässt ihn glauben, dass ein kleines Mädchen auf der Bühne tanzt. Ist es die junge Liz, die in seinen Tagträumen auftaucht? Das Datum würde jedenfalls passen.

Der neuen Episode von The Blacklist gelingt es, den Fall der Woche so in die übrige Geschichte einzuflechten, dass beide voneinander profitieren. Das Rätsel um die Verbindung zwischen Red und Keen erhält neue Brisanz und bleibt dadurch spannend. Auch die endgültige Enthüllung um Tom und seine wahre Identität bringt die Dramaturgie der Serie auf Trab. So kann's gerne bis zum Staffelfinale weitergehen.

Trailer zur neuen Episode von „The Blacklist“ (1x17):

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 18. März 2014

The Blacklist 1x16 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 16
(The Blacklist 1x16)
Deutscher Titel der Episode
Mako Tanida (Nr. 83)
Titel der Episode im Original
Mako Tanida
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 17. März 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 22. April 2014
Regisseur
Michael W. Watkins

Schauspieler in der Episode The Blacklist 1x16

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