The Blacklist 1x17

The Blacklist 1x17

Nach einigen ordentlichen Episoden reproduziert The Blacklist in Ivan sämtliche Konstruktionsfehler, die die Serie in ihren dunkelsten Momenten beinahe unerträglich werden lassen. Zu allem Überfluss kommen auch noch neue Fehlentwicklungen hinzu.

Sony-Vaio-Laptops sind einfach die besten! „The Blacklist“ - unterstützt durch Produktplatzierungen. / (c) NBC
Sony-Vaio-Laptops sind einfach die besten! „The Blacklist“ - unterstützt durch Produktplatzierungen. / (c) NBC

Ich will hier gar nicht wieder zu einer Rundumkritik an The Blacklist ausholen. Schließlich hat die NBC-Dramaserie in den vergangenen Episoden mehr als einmal bewiesen, dass sie auch inhaltlich kohärente Geschichten erzählen kann, ohne auf die simpelsten Stilmittel seriellen Erzählens zurückzugreifen. Ich habe auch keine Lust mehr, alle misslungenen Einzelheiten aufzuführen und diese akribisch auseinanderzunehmen.

Durchkämmt die Wüste

Vielmehr habe ich gelernt, damit zu leben, dass sich diese Serie öfter einmal Ausreißer nach unten erlaubt. Teilweise verschwendet sie sogar ganze Episoden an einen Fall, der uninspirierter kaum sein könnte und für die restliche Geschichte keinerlei Bedeutung hat. Dazu gehört leider auch die neue Episode mit dem schlichten Titel Ivan. Diese steckt so voller Ungereimtheiten und logischen Inkonsequenzen, dass es selbst bei einer Serie, die ihre gesamte Dramaturgie auf eine völlig eigene logische Basis stellt, negativ auffällt.

In den schlechtesten Momenten passt bei The Blacklist einfach nichts zusammen. In einem solchen Moment meldet sich FBI-Agentin Elizabeth Keen (Megan Boone) bei ihrem Scheinehemann Tom (Ryan Eggold), weil das Drehbuch verlangt, dass er gewarnt wird, bevor sie die geheime Wohnung seiner vermeintlichen Kollegin Jolene Parker (aka Lucy Brooks) betritt. Wie sie die Adresse dieses eigentlich geheimen Unterschlupfs einer mysteriösen Organisation gefunden hat? „I was following up some leads in Jolene's case and I came across an address.“ Achso.

In einem anderen Moment gelingt es Raymond „Red“ Reddington (James Spader), einen der gefährlichsten Cyberkriminellen der Welt, den titelgebenden Ivan (Stan Demidoff), innerhalb von Sekunden zur Kooperation und zur Überweisung von acht Millionen US-Dollar zu überreden. Und das, obwohl er zuvor gegenüber Liz noch gestanden hatte, dass Ivan kaum zu fassen wäre und er im unwahrscheinlichen Falle seiner Verhaftung sowieso zu allen Anschuldigungen eisern schweigen würde. Solche hanebüchenen Wendungen offenbaren gnadenlos, dass die Ausformulierung der Geschichten bei der Produktionsarbeit keine Priorität genießt. Für manche Zuschauer mag dies hinnehmbar sein, ich kann darüber nicht so einfach hinwegsehen.

So nah und doch so fern: Liz Keen (Megan Boone; r.) kann ihren Ehemann Tom (Ryan Eggold) förmlich riechen. © NBC
So nah und doch so fern: Liz Keen (Megan Boone; r.) kann ihren Ehemann Tom (Ryan Eggold) förmlich riechen. © NBC

Ivan stellt sich jedenfalls als sehr redseliger Geselle heraus. Er eröffnet Red, dass nicht er hinter einem Cyberangriff auf ein hochgeheimes Spionageprojekt der amerikanischen Sicherheitsbehörden stecke. Schließlich kämpfe er ausschließlich gegen Mutter Russland, was Red zuvor schon beleuchtet hatte, als er gegenüber Liz den Modus Operandi des Hackergenies ausführte: „Collapsing Russian markets, selling government secrets, disrupting Siberian pipelines.“ Wäre alles sehr beeindruckend, würde sich Ivan beim Anblick einer Polizeistreife nicht sofort in die Hosen machen.

Wahnsinnige Geschwindigkeit

Er behauptet, dass jemand lediglich seinen Nom de Guerre verwende, um sich zu tarnen. An dieser Stelle fängt der wirklich abwegige Teil der Geschichte an. Nach einer schnellen Recherche entpuppt sich das Hackergenie als 17-jähriger pubertierender Jugendlicher namens Harrison Lee (Will Denton), der zwar schlau genug ist, seine Taten einem der weltweit profiliertesten Hacker anzuhängen, jedoch nicht daran denkt, dass er dabei erwischt werden könnte, wie er die Rente seiner Großmutter einfach um ein Vielfaches erhöht.

Harrison steuert von seinem iPad aus die Geschicke der amerikanischen Zivilbevölkerung und gelangt in den Besitz des sogenannten „Skeleton Key“, einer Superwaffe der NSA, die folgendermaßen beschrieben wird: „The Skeleton Key can cut through the world's securest networks at the push of a button.“ Na klar.

Wem das alles noch nicht genug himmelschreiende Stumpfheit war, der bekommt nun eine Extraportion Dümmlichkeitssahne auf den Seriencocktail gelöffelt. Es stellt sich nämlich heraus, dass der Teenager eigentlich gar niemandem schaden, sondern einfach nur verhindern wollte, dass seine Angebetete Abby, ein Mädchen, das er gar nicht persönlich kennt, mit ihrem Vater, dem Chef des „Skeleton Key“-Projekts, ins ferne Colorado umziehen muss. Die Jagd nach Harrison endet schließlich in einer führerlosen U-Bahn, was den Klassiker aller Filmparodien, „Spaceballs“ von Mel Brooks, evoziert. Harrison erhöht die Geschwindigkeit des Zuges nämlich auf „HAZARDOUS SPEED“, was mich sofort an Lord Helmchen denken ließ und seine Order, das Raumschiff auf „LÄCHERLICHE GESCHWINDIGKEIT“ zu beschleunigen. Lächerlich: gutes Stichwort.

Seelenruhig bastelt Raymond Reddington (James Spader) an seiner Musikbox. © NBC
Seelenruhig bastelt Raymond Reddington (James Spader) an seiner Musikbox. © NBC

Der Fall der Woche bildet also wieder einmal einen Ausreißer nach unten, was auch nicht durch die letzten fünf Minuten der Episode ausgeglichen werden kann. Darin soll der übergreifende Handlungsbogen vorangetrieben werden. Liz entdeckt auf den Bildern von Jolenes und Toms „Safe House“ das Spielzeugnilpferd, das sie Tom zu Beginn der Episode geschenkt hatte.

Milpferd - halb Mensch, halb Nilpferd

In einer Rückblende sehen wir noch einmal alle verdächtigen Momente, aus denen sich Tom bisher immer rauswinden konnte. Das Nilpferd bringt das Fass jedoch zum Überlaufen: Liz ist sich fortan sicher, dass Tom ein dunkles Geheimnis vor ihr wahrt. Sie sucht Trost und Unterstützung bei Red, der ihr von Beginn an gesagt hatte, dass mit Tom etwas nicht stimmt. Auch hier zeigt sich The Blacklist von seiner schwächsten Seite, denn der gesamte Handlungsbogen um Tom steht auf sehr wackligem Fundament.

Red wusste von Anfang an, dass Tom eine geheime Agenda hat. Er weiß, wer Jolene ist und weiß spätestens seit letzter Episode auch, dass sie mit Tom zusammenarbeitete. Er weiß, dass Jolene und der Cowboy von Tom ermordet wurden. Wenn ihm nun so viel an Elizabeth liegt, wie er vorgibt, warum hat er sie dann nicht schon längst eindringlicher vor Tom gewarnt und ihr Beweise präsentiert, die Toms Doppelagenda belegen? Ein einfaches Gespräch zwischen Red und Liz hätte den gesamten Erzählstrang um Toms Geheimnis beendet. Weiß Red etwa nicht, dass Tom auch hinter ihm her ist? Sieht er in Tom einen möglichen Verbündeten?

Die Einzelteile dieses Puzzles wollen einfach nicht zusammenpassen. Ich bin überaus skeptisch, dass die Autoren es schaffen, am Ende eine kohärente Auflösung dieses ganzen Durcheinanders zu präsentieren. Sie verlassen sich allzu oft auf Redundanzen und die Etablierung unnötiger Rätsel, die bisher nie zu einer befriedigenden Auflösung führten. Es gibt nahezu keinen emotionalen pay off in dieser Serie. Alles kann sofort wieder rückgängig gemacht werden. Nichts ist sicher. Die Charaktere haben keine klare Motivation. Hinter einem Geheimnis lauert immer schon das nächste, größere. Schwache Episoden wie Ivan macht dies zu einem echten Ärgernis.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 25. März 2014

The Blacklist 1x17 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 17
(The Blacklist 1x17)
Deutscher Titel der Episode
Ivan (Nr. 88)
Titel der Episode im Original
Ivan
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 24. März 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 29. April 2014
Autoren
J.R. Orci, Amanda Kate Shuman
Regisseur
Randall Zisk

Schauspieler in der Episode The Blacklist 1x17

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