The Blacklist 1x14

Ohne Reddington läuft beim FBI nichts. Das wussten wir schon vorher, in der neuen Episode Madeline Pratt wird es uns jedoch noch einmal vor Augen geführt. Wegen James Spader ist das alles ziemlich sehenswert. Allzu sehr sollte sich The Blacklist allerdings nicht auf seine Entertainerkünste verlassen - zu leiden haben darunter nämlich die restlichen Schauspieler und deren Charaktere.
Your job has now become our life
Die Geschichte beginnt mit ebenjener Madeline Pratt (Jennifer Ehle) in Istanbul, wo sie sich als Witwe des angeblich verstorbenen Mr. Reddington ausgibt, um an millionenschwere Dokumente in einem Schließfach heranzukommen. Dort hinterlässt sie auch eine an „Red“ hinterlegte Nachricht, die ein Treffen in einem Luxushotel vorschlägt. Dabei wird schnell klar, dass die beiden eine lange gemeinsame Geschichte haben, die auch amouröse Abenteuer beinhaltet.
Im Hause Keen hängt der Ehesegen derweil richtig schief. Nach einem anfänglichen Streit, bei dem Tom (Ryan Eggold) wutentbrannt die Wohnung verlässt, scheinen sich die Wogen zur Mitte der Episode wieder zu glätten. Da geht Elizabeth (Megan Boone) auf den Vorschlag ihres Ehemannes ein, ihn zu einer Konferenz nach Florida zu begleiten. Als kundige „Blacklist“-Zuschauer wissen wir natürlich im gleichen Moment ihrer Zusage, dass sie wegen ihrer Arbeit wird absagen müssen.
Am Ende werden wir darin bestätigt. Liz treibt ihren Tom unwissentlich in die Arme der ihn umschwirrenden Femme fatale, wobei mir nicht ganz klar wurde, ob die beiden sich nun zufällig auf dieser Lehrerkonferenz getroffen haben oder ob Tom sie zuvor gebeten hat, ihn zu begleiten. Ersteres wäre ziemlich an den Haaren herbeigezogen, deswegen gehe ich einfach mal davon aus, dass Tom den nächsten Schritt im Abnabelungsprozess von Liz gegangen ist. Dieser Handlungsbogen dreht sich nur noch um sich selbst, ist schrecklich vorhersehbar und daher ziemlich langweilig. Leider fällt den Autoren momentan keine andere Verwendung für Tom ein.

Mit ihrer Behauptung, sie hasse ihren Job, lacht Liz ihren Zuschauern folglich direkt ins Gesicht. Bisher wurde ihre Figur immer so porträtiert, als gäbe es für sie nichts Wichtigeres, als FBI-Agentin zu sein. Und wenn sie ihren Job so sehr verachtet, warum kündigt sie dann nicht einfach? Es ist nicht gerade vorteilhaft für einen Charakter, wenn er das, was er in jeder einzelnen Einstellung der Serie tut, abgrundtief hasst.
If something goes wrong, we can't protect you
Trotz all ihrer Abneigung gegen die Arbeit lässt sich Liz danach auf ein neues Abenteuer mit Reddington ein. Zuvor darf sie sich von ihm aber noch erzählen lassen, wie falsch die Ausrichtung der amerikanischen Geheimdienstarbeit ist. Heutzutage werden ursprüngliche Werte wie die Kontaktpflege zu Informanten nicht mehr gewürdigt, alles sei nur noch dem Ziel der maximalen Datenanhäufung untergeordnet: „Your country has become a nation of eavesdroppers.“ Warum sagt er eigentlich „your country“? Ist er selbst gar kein Amerikaner? Ist er vielleicht gar staatenlos?
Nach seiner kurzen leidenschaftlichen Rede demonstriert er denn auch gleich, wie wertvoll die Kontaktpflege sein kann. Sein Historikerfreund Novak erzählt ihm und Liz die Geschichte der „Effigy of Ashtarta“ und wie die Suche nach diesem Artefakt zum Auffinden der „Kungur Six“ führen könnte. Diese wird ursprünglich für eine Gruppe von sowjetischen Spionen gehalten, über die Reddington zu wissen glaubt: „Finding them would be the Holy Grail of US counter intelligence.“
Später, nachdem eine wenig nachvollziehbare „Heist-Story“ heruntergebetet wurde, findet das FBI heraus, dass es sich bei den „Kungur Six“ nicht um Personen, sondern um in den USA versteckte sowjetische Atomwaffen handelt. Reddington kommt aus dem ganzen Schlamassel einmal mehr als strahlender Sieger hervor, weil es ihm gelingt, alle involvierten Parteien (die Syrer, Madeline Pratt, das FBI) gegeneinander auszuspielen. Er tauscht die Koordinaten der Atombomben gegen das Bildnis.

Zum Schluss zeigt Donald Ressler (Diego Klattenhoff) Mitgefühl für seine Kollegin, die fürchtet, ihr Ehemann könnte sie bald verlassen. Harold Cooper (Harry Lennix) bekommt unterdessen ungebetenen Besuch von einem FBI-Agenten, der eine klare Botschaft seiner Vorgesetzten überbringt: Die Ermittlungen zum Verschwinden von Diane Fowler (die von Red in der letzten Episode erschossen wurde) seien sofort einzustellen.
You need to stop
Cooper hatte zuvor Meera Malik (Parminder Nagra) damit beauftragt, die Umstände von Fowlers Verschwinden zu klären. Er glaubt richtigerweise, dass Reddington dafür verantwortlich ist, hat jedoch keine Beweise, um diese Vermutung zu untermauern. Aber warum ist Cooper eigentlich so felsenfest davon überzeugt, dass Red dahintersteckt? Eine Erklärung dafür ist die Episode schuldig geblieben. Vielleicht hat der Mann ja einfach ein untrügliches Gespür dafür.
In der neuen Episode von The Blacklist ist das sehenswert, was schon in den bisherigen Episoden sehenswert war: James Spader als Raymond Reddington. Er bekommt so manche amüsante Drehbuchzeile vorgesetzt („Some of my best friends are Syrian“), wenn die Handlung jedoch Fahrt aufnehmen und mit mehr Ernsthaftigkeit ausgestattet werden soll, scheitert das Projekt regelmäßig.
Bestes Beispiel hierfür ist die Szenenfolge, in der das FBI-Team dem syrischen Botschaftsmitarbeiter die Identifikationskarte entwendet, um sie in Sekundenschnelle zu klonen. Das alles ist sehr tollpatschig aufgebaut und schafft es deshalb nicht, für Spannung zu sorgen. Mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen und stetem Augenzwinkern kann man sich diese Serie anschauen, für echtes Drama und Atemlosigkeit sorgt sie fast nie.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 25. Februar 2014(The Blacklist 1x14)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 1x14
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