The Blacklist 1x13

The Blacklist 1x13

In The Cyprus Agency prügelt The Blacklist so lange mit der Offensichtlichkeitskeule auf seine Zuschauer ein, bis auch der letzte Hirntote verstanden hat, dass Elizabeth nicht bereit ist, ein Kind zu adoptieren. Reddington wird gleichzeitig zum reinen Stichwortgeber degradiert.

Auch die wenigen Actionszenen machen die neue Episode von „The Blacklist“ nicht besser. / (c) NBC
Auch die wenigen Actionszenen machen die neue Episode von „The Blacklist“ nicht besser. / (c) NBC

Die neue Episode von The Blacklist ist nicht nur langweilig, vorhersehbar und vollkommen spaßbefreit, sie verkommt auch graduell zum echten Ärgernis. Die Drehbuchautoren der Serie sind wohl davon überzeugt, dass ihr Publikum nichts weiter ist als gedankenloses Konsumvieh, dem man jede noch so offensichtliche Entwicklung mehrmals vorkauen muss, damit es diese auch versteht.

You're arriving at a point of no return, Lizzie

Vielleicht halten sie aber auch einfach nicht viel von ihrer eigenen weiblichen Hauptfigur. Schließlich muss Elizabeth Keen (Megan Boone) gleich drei Nebencharakteren begegnen, die sie von ihrem Plan abbringen, mit Ehemann Tom (Ryan Eggold) ein Kind zu adoptieren. Der aufgeklärte Serienzuschauer wusste dabei schon von Beginn an, dass die Adoptionsgeschichte ins Leere laufen würde. Solch ein Erzählstrang lässt sich einfach unmöglich mit den restlichen dieser Serie vereinbaren.

Trotzdem verspürten die Autoren wohl das dringende Bedürfnis, Elizabeth und ihrem Überlegungsprozess eine gesamte Episode einzuräumen. Gleichzeitig handeln sie in The Cyprus Agency eine größere Enthüllung so lieblos und unspektakulär ab, dass man als Zuschauer direkt glaubt, sie könnten es sich leisten, mit potenziell fesselnden Geschichten so verschwenderisch umzugehen.

Mit Hilfe der doch nicht ganz so schuldigen Meera Malik (Parminder Nagra) findet Raymond Reddington (James Spader) heraus, dass die Geheimdienst-Vorturnerin Jane Alexander (Diane Fowler) diejenige ist, die Anslo Garrick Zugang zum Post Office (aka der FBI-Blacksite) verschafft hat. Sie behauptet, die Aktion hätte lediglich eine Warnung an Reddington sein sollen, sich nicht zu sehr in die Belange der sinistren Kräfte einzumischen, die in den Hinterzimmern der Macht sämtliche Fäden ziehen.

Don%26#039;t forget to bring your gun; Lizzie (Megan Boone)! © NBC
Don%26#039;t forget to bring your gun; Lizzie (Megan Boone)! © NBC

Die Wendung ist schlicht absurd. Erstens dürfte es kaum einen Zuschauer berühren, dass Fowler die Verräterin ist, weil sie bisher geschätzte fünf Kurzauftritte hatte, in denen sie keinerlei erinnerungswürdige Tat vollbrachte. Zweitens: Wer soll glauben, dass es eine Organisation gibt, die sämtliche Regierungsstellen infiltriert hat, es aber gleichzeitig nicht schafft, Reddington aus dem Verkehr zu ziehen? Wieso den riesigen Aufwand betreiben und den ganzen Überfall auf die Blacksite inszenieren, wenn man Reddington einfach umbringen kann?

You're the dirty rat

Dieser und die meisten anderen Handlungsstränge offenbaren, dass die Autoren kein staffelübergreifendes Konzept haben. Da wird über mehrere Episoden Spannung aufgebaut, nur um sie dann wirkungslos verpuffen zu lassen. Gleiches gilt für den Handlungsbogen um das Ehepaar Keen. Seit Beginn der Serie irrt dieser Erzählstrang orientierungslos umher, niemand scheint wirklich zu wissen, wohin er führen soll. Nun ist er endlich abgeschlossen - hoffentlich!

Der Weg dorthin ist jedoch gepflastert mit Ärgernissen und dramaturgischen Ausflügen, die jeglicher Intelligenz entbehren. Die Autoren scheuen nicht einmal davor zurück, Liz genau das aussprechen zu lassen, was sie mit dieser Episode erreichen wollen: „You want me to believe this is a coincidence?“ Soviel Chuzpe muss man erst einmal aufbringen! Man schreit seinen Zuschauern ins Gesicht, dass sie gerade eine Dreiviertelstunde ihres Lebens verplempert haben und erwartet von ihnen auch noch, dass sie dies in irgendeiner Form honorieren.

Zu Beginn der neuen Episode gibt Reddington seinem Schützling also den Hinweis, die „Cyprus Agency“ näher unter die Lupe zu nehmen. Dort gingen unbeschreibliche Dinge vor sich. Und so beginnt eine Reihe von allzu offensichtlichen Andeutungen, die am Ende darin resultieren, dass Elizabeth sich doch gegen die Adoption entscheidet - und damit ihren Ehemann Tom in die Arme von „Gillian“ treibt. Wir dürfen gespannt sein, ob das Geheimnis um Gillian genauso unspektakulär aufgelöst wird wie das um Malik und Fowler. Zuzutrauen wäre es der Serie in ihrem momentanen Zustand auf jeden Fall.

Der Episodenbösewicht wird von Liz Keen und Donald Ressler in die Zange genommen. © NBC
Der Episodenbösewicht wird von Liz Keen und Donald Ressler in die Zange genommen. © NBC

Vielleicht ist es ja ein Segen für The Blacklist, dass die Serie nun erst einmal vier Wochen pausiert, weil NBC die Olympischen Winterspiele ausstrahlen wird. Schließlich ist sie aus einer zweiwöchigen Pause im November auch mit ihrer bislang stärksten Episode zurückgekehrt.

My legacy is complete

Das Konzept von Anslo Garrick (1) war denkbar einfach: Die Handlung konzentrierte sich auf Reddington, sie porträtierte Elizabeth als Actionheldin und klammerte den Handlungsstrang ihres Privatlebens beinahe völlig aus. Momentan macht die Serie das genaue Gegenteil. Sie degradiert Reddington zum reinen Stichwortgeber und breitet Liz' private Probleme so sehr aus, dass selbst der Fall-der-Woche darauf zugeschnitten sein muss.

Gleich dreimal wird offensiv darauf hingewiesen, dass dieser Fall von persönlicher Relevanz für Elizabeth ist. Beim ersten Mal bekommt sie mit, wie Meera Malik Ärger von ihrem Vorgesetzten Harry Cooper (Harry Lennix) bekommt, weil sie wegen ihrem Sohn zu spät zur Arbeit gekommen ist. Dann erfährt sie von den ehemaligen Adoptiveltern des Gründers der „Cyprus Agency“, dass diese nicht bereit für ein Kind gewesen seien.

Schließlich darf das Monster selbst zu Wort kommen und Liz sein Leid klagen: „I was returned, like a defective toy.“ Da ist die plumpe Vorgehensweise der Autoren jedoch längst aufgedeckt, da weiß ein jeder Zuschauer, dass es diese Episode nur gibt, damit wir gedankenlosen Konsumenten eine Rechtfertigung für das Auseinanderdriften der Keen'schen Ehe bekommen. Das alles ist schon nicht mehr amüsant, es ist eine Frechheit, ein Ärgernis, ein Zeugnis dafür, wie wenig es die Autoren von The Blacklist und die Verantwortlichen bei NBC kümmert, was für einen Quatsch sie zwischen ihren Werbepausen versenden. Hauptsache, die Quote stimmt.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 28. Januar 2014

The Blacklist 1x13 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 13
(The Blacklist 1x13)
Deutscher Titel der Episode
Die Cyprus Agency (Nr. 64)
Titel der Episode im Original
The Cyprus Agency
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 27. Januar 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 11. März 2014
Autor
Lukas Reiter
Regisseur
Michael W. Watkins

Schauspieler in der Episode The Blacklist 1x13

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