The Blacklist 1x12

The Blacklist 1x12

Am Ende der neuen Episode versucht The Blacklist noch einmal, die Kurve dramaturgischer Relevanz zu bekommen. Da ist es jedoch leider schon zu spÀt, denn zuvor hÀlt sich die Serie allzu lange mit dem langweiligen Fall der Woche auf.

Elizabeth Keen (Megan Boone) zeigt vollen Körpereinsatz in der neuen Episode von „The Blacklist“. / (c) NBC
Elizabeth Keen (Megan Boone) zeigt vollen Körpereinsatz in der neuen Episode von „The Blacklist“. / (c) NBC

Es gibt wenige schöne Momente in der neuen Episode von The Blacklist. Ich hoffe instĂ€ndig, dass das Ausschweifen der Geschichte ins Privatleben von Donald Ressler (Diego Klattenhoff) nicht dafĂŒr ausgenutzt wird, irgendeine Art von Komplott rund um seine Exfreundin Audrey (Emily Tremaine) zu spinnen. In The Alchemist sorgen diese kurzen AusflĂŒge nĂ€mlich fĂŒr eine charmante Auflockerung der Geschichte. Ressler bekommt zum ersten Mal ein menschliches Antlitz verpasst und siehe da - sein Charakter kann sogar fĂŒr das eine oder andere Schmunzeln sorgen.

It's a trade in death

Ein weiterer Moment dieser Episode hat einen Ă€hnlichen Effekt. In einer Szene berĂ€t sich Reddington (James Spader) mit einer von ihm beauftragten Nerdtruppe. Sie sollen aus tausenden Papierschnipseln Hinweise auf den Maulwurf innerhalb des FBI finden. DafĂŒr benutzen sie eine Technik, die Reddington nicht versteht, die aber aus Deutschland stammt. Dazu sein Kommentar: „Despite the headlines, they're still the best at keeping an eye on their fellow men.

Diese Aussage können wir nun zweierlei interpretieren. Entweder will Reddington damit auf die deutsche Stasivergangenheit anspielen. Oder aber die Autoren von The Blacklist befinden sich so sehr auf der Höhe der Zeit, dass sie die empfindliche UnterkĂŒhlung der deutsch-amerikanischen Beziehungen infolge des NSA-Skandals in ihre Serie eingebaut haben. Zugegeben, die zweite Möglichkeit bewegt sich auf einer solch schwer zugĂ€nglichen Metaebene, dass ich nicht davon ausgehe, die Autoren trauten ihren Zuschauern das VerstĂ€ndnis einer solchen Anspielung zu.

Trotzdem: AmĂŒsant sind diese kleinen AusflĂŒge durchaus. Ohne sie hĂ€tten wir nĂ€mlich nur die gewohnt leidenschaftslose Abarbeitung des wöchentlichen Kriminalfalls, der wohl selbst Menschen nicht mehr vom Hocker reißen dĂŒrfte, die seit zwanzig Jahren keine TV-Sendung mehr gesehen haben.

Überraschend sorgt FBI-Agent Ressler (Diego Klattenhoff) fĂŒr einen der Höhepunkte der Episode. © NBC
Überraschend sorgt FBI-Agent Ressler (Diego Klattenhoff) fĂŒr einen der Höhepunkte der Episode. © NBC

Abgefahren ist der Fall dieses Mal schon. Der Alchemist (Ryan O'Nan) hat sich nach abgebrochenem Medizinstudium darauf spezialisiert, seinen Kunden neue IdentitĂ€ten zu verpassen, indem er ihren Tod simuliert - inklusive DNA-Spuren und Gebisstransformationen. Wie immer hat Reddington die elegantere ErklĂ€rung parat: „He relies upon science to transform one person into another.

You have a chance to resurrect the dead

Ganz zufĂ€llig operiert der Alchemist wieder einmal in der NĂ€he des FBI-Hauptquartiers, er begibt sich sogar dorthin, um seine Spuren zu verwischen. Die jĂŒngsten Auftraggeber, ein gewisser Herr Pytor Madrczyk und seine Frau, mĂŒssen ebenso das Zeitliche segnen wie zwei Unschuldige, die im Haus des Alchemisten als dessen Frau und Kind herhalten sollen. Die Gesichter der Leichen sind so entstellt, dass man sie ohne DNA-Analyse nicht erkennen kann.

Es ist wahrlich kein einfaches Unterfangen fĂŒr die „Blacklist“-Autoren, Woche fĂŒr Woche mit einem neuen Szenario aufzuwarten (wobei „neu“ eigentlich ĂŒbertrieben ist, schließlich verlaufen sĂ€mtliche FĂ€lle nach dem gleichen Muster). In dieser Episode lassen sie sich jedoch einen Twist einfallen, von dem ich noch nicht weiß, ob ich ihn schreiend komisch oder einfach nur abgrundtief dĂ€mlich finden soll.

Der Alchemist befindet sich dabei auf der Flucht vor den Behörden, nachdem er sich zuvor ohne Not an diese ausgeliefert hat (indem er eines ihrer Hauptquartiere betreten hat). Der entscheidende Hinweis zur Ergreifung des FlĂŒchtigen kommt schließlich von Liz. Ihr war bei der Befragung der Exfrau aufgefallen, dass die gemeinsame Tochter an Diabetes leidet und deshalb stĂ€ndig eine Insulinpumpe bei sich tragen muss. Die neuen Modelle sind anscheinend mit einem Funksender ausgestattet, den man mĂŒhelos verfolgen kann.

Vielleicht ist das wirklich so, vielleicht aber auch nicht. Ehrlich gesagt ist mir meine Zeit zu schade, um das mit einer Internetrecherche zu ĂŒberprĂŒfen. Im Endeffekt ist es auch egal, schließlich befinden wir uns in einer Geschichte, in der ein durchgeknallter Halbwissenschaftler das Erbgut seiner Opfer so manipulieren kann, dass sie nicht mehr auffindbar sind. Nicht einmal Reddington versteht das.

Ist Meera Malik (Parminder Nagra) wirklich die; als die sie sich ausgibt?
Ist Meera Malik (Parminder Nagra) wirklich die; als die sie sich ausgibt?

Ein doofer Handlungsstrang kommt bekanntlich nicht alleine und so darf auch die immer gleiche Geschichte um Elizabeth Keen (Megan Boone) und ihren Ehemann Tom (Ryan Eggold) weitererzĂ€hlt werden. Allen Ernstes diskutieren die beiden darĂŒber, ob sie in sechs Wochen ein Kind adoptieren wollen.

Who is it you're looking for?

Wie zwei erwachsene Menschen in dieser Situation ernsthaft ĂŒber einen solchen lebensverĂ€ndernden Schritt nachdenken können, ist mir absolut schleierhaft. Wie kann Tom nur glauben, dass es diesem Kind irgendwie auch nur halbwegs gut gehen könnte? Wo auf der Welt gibt es eine Adoptionsagentur, bei der man sechs Wochen vor der Geburt eines Kindes noch immer keine feste Zusage abgeben muss? Wollen uns die Autoren ernsthaftes MitgefĂŒhl fĂŒr diesen Handlungsstrang unterjubeln?

Bei Homeland ist es ja schon dĂ€mlich genug, jetzt muss auch noch The Blacklist damit anfangen. Niemals wird es mit der Seriendramaturgie vereinbar sein, dass Liz sich auch noch um ein Kind kĂŒmmern soll. Trotzdem wird stĂ€ndig wieder versucht, daraus irgendeine Art von Spannung zu generieren. Liebe Autoren, es wird nicht funktionieren. Bitte gebt auf!

NatĂŒrlich drehen sich die Diskussionen zwischen den Ehepartnern Keen im Kreis. Statt erneut ins Nirgendwo des amerikanischen mittleren Westens abzuhauen, entschließt sich Tom dieses Mal dazu, die Möglichkeiten einer AffĂ€re auszuloten. Sein Blick fĂ€llt auf die schöne „Gillian“, die sich erfolgreich bei ihm anbiedert. SelbstverstĂ€ndlich hat auch sie eine versteckte Agenda. Um all diesen hanebĂŒchenen, hoffnungslos konstruierten ErzĂ€hlstrĂ€ngen gerecht zu werden, belohnt The Blacklist uns tapfere Zuschauer am Ende mit einer weiteren vollkommen unvorhergesehenen Wendung: „You're here to kill me. Because I'm the mole.

Meera Malik (Parminder Nagra), we hardly ever knew you!

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 21. Januar 2014
Episode
Staffel 1, Episode 12
(The Blacklist 1x12)
Deutscher Titel der Episode
Der Alchemist (Nr. 101)
Titel der Episode im Original
The Alchemist
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 20. Januar 2014 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 4. MĂ€rz 2014
Autor
Anthony Sparks
Regisseur
Vincent Misiano

Schauspieler in der Episode The Blacklist 1x12

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