The Blacklist 1x10

„Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“ Das weltbekannte Zitat aus Goethes âFaust. Der Tragödie erster Teilâ lĂ€sst sich einwandfrei auf die neue Episode und den generellen Fortlauf der NBC-Dramaserie The Blacklist anwenden. Nach dem dramaturgischen ReiĂaus der letzten Episode fĂ€llt die Serie nĂ€mlich in der Konklusion ihres âAnslo-Garrickâ-Zweiteilers in alte ErzĂ€hlmuster zurĂŒck. Dabei kommt es leider zu keiner wirklichen Auflösung. Die Autoren umschiffen mal mehr, mal weniger geschickt sĂ€mtliche Fragen, die viele Zuschauer sicher beinahe seit Beginn der Serie beschĂ€ftigen.
You need to walk away from this job before it destroys you
Dabei wĂ€re dies doch der perfekte Zeitpunkt gewesen, eine groĂe EnthĂŒllung mit einem massiven Cliffhanger zu garnieren, um das Interesse der Zuschauer wĂ€hrend der langen Winterpause (bis 13. Januar 2014) aufrechtzuerhalten. Stattdessen bekommen wir nur halbgare Informationen und Halbwahrheiten, von denen wir immer noch nicht wissen, ob sie nun wahr sind oder eben nicht. Nicht zum ersten Mal ist dabei das RĂ€tsel um Liz Keens (Megan Boone) echten Vater das gröĂte Ărgernis. Gegen Ende fragt sie ihren ungewollten Mentor Raymond âRedâ Reddington (James Spader) sogar direkt, ob er ihr Vater sei. Doch der bringt nur eine unmotivierte Verneinung heraus, die weder Liz noch uns Zuschauer ĂŒberzeugen kann.

Statt der KlĂ€rung der Vaterfrage lenkt âRedâ das GesprĂ€ch erneut auf Liz' Ehemann Tom (Ryan Eggold). Die Geschichte um das ungleiche Paar dreht sich Ă€hnlich im Kreis wie die meisten anderen Handlungsbögen der Serie. Am Ende sollen ein paar gepackte Umzugskisten suggerieren, dass Liz tatsĂ€chlich den Vorschlag Toms erwĂ€gt, nach Nebraska zu ziehen. Dass dies nicht passieren wird, ist wohl so sicher wie die Vermutung, dass Anslo Garrick (Ritchie Coster) in dieser Episode umkommen wĂŒrde. Leider ist den Autoren bisher fĂŒr Tom Keen nichts Besseres als die Rolle des entsetzten Ehemannes eingefallen, der von Anfang an keine Chance hatte, sich die Gunst der Zuschauer zu erspielen. Er kann nĂ€mlich nur als Hindernis fĂŒr Lizzie wahrgenommen werden.
Die Episode Anslo Garrick (2) beginnt nahtlos dort, wo die vorige aufgehört hatte. Reddingtons rechte Hand Dembe (Hisham Tawfiq) ĂŒberlebt, weil der Schuss, den wir am Ende der letzten Episode gehört hatten, gar nicht aus Garricks Waffe abgefeuert wurde. Obwohl es die Serie wohl gestĂ€rkt hĂ€tte, wenn auch Dembe geopfert worden wĂ€re, habe ich keine Probleme damit, dass er ĂŒberlebt. FĂŒr seinen Charakter gilt Ăhnliches wie fĂŒr Tom Keen. Bis auf die Gebetsszene am Ende der letzten Episode kann ich mich an kaum eine Szene erinnern, die wegen Dembe besser geworden wĂ€re. Auch ihm geben die Autoren zu wenig zu tun.
Garrick und seiner Truppe gelingt es also, sĂ€mtliche FBI-Agenten in ihre Gewalt zu bringen. Als der Bösewicht schlieĂlich damit droht, Liz vor den Augen Reddingtons zu ermorden, greift der zum letzten Mittel, um den Code fĂŒr seine Glaszelle herauszufinden. Mit Erfolg droht er dem mit ihm eingesperrten Ressler (Diego Klattenhoff) mit dem Tod, sollte er nicht das Codewort herausrĂŒcken. Es lautet ĂŒbrigens âRomeoâ. Auffallend ungerĂŒhrt von all der Gewalt bleibt Harold Cooper (Harry Lennix), der offensichtlich bereit ist, sĂ€mtliche Agenten in den Tod gehen zu lassen, bevor er ebenjenen Code preisgeben wĂŒrde.
There's no one you can trust to keep you from us
Auch diese Charakterisierung kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Ich weiĂ zwar nicht, ob es eine solche Anweisung, wonach ein wertvoller Spion (Reddington) um jeden Preis zu schĂŒtzen ist, wirklich gibt. Selbst wenn es diese jedoch gĂ€be, fiele es mir schwer, zu glauben, dass jemand so abgestumpft sein könnte, um zuzusehen, wie einer seiner Agenten nach dem nĂ€chsten abgeschlachtet wird. In den ersten Episoden war Cooper noch der gesichtslose Karrierebeamte, nun wird er plötzlich als skrupelloser Ideologiehamster portrĂ€tiert.

Nachdem Red also schlieĂlich aus dem GlaskĂ€fig befreit wurde, macht sich Anslo Garrick mit seinem Team auf die Flucht. Zur Sicherheit nimmt er Liz Keen mit, da auch an ihm nicht spurlos vorĂŒbergegangen ist, dass zwischen ihr und Reddington eine besondere Verbindung besteht. Im Fluchtkrankenwagen lĂ€sst sie ihrem inneren bad ass erneut freien Lauf und befreit sich aus der Geiselhaft. Zuvor hatte ihr Reddington die Kontaktdaten eines gewissen âMister Kaplanâ mitgeteilt, der sich spĂ€ter als Frau und begabte âFixerinâ herausstellt.
WĂ€hrend Reddington von seinen HĂ€schern gefoltert wird, kommt Liz dem mysteriösen Apfelmann auf die Schliche - und erschieĂt ihn, bevor sie irgendetwas ĂŒber ihn herausfinden kann. Dieses RĂ€tsel bleibt also vorerst ungelöst, gleichzeitig bekommen wir einen neuen Charakter vorgefĂŒhrt, der zu neuen Spekulationen einlĂ€dt. Garrick war nĂ€mlich gar nicht das Mastermind hinter der EntfĂŒhrung Reds. Zwar wĂŒrde er sich gern an ihm rĂ€chen, muss seinem Auftraggeber jedoch den Vortritt lassen. Der hat mit der EntfĂŒhrung anscheinend nur ein einziges Ziel verfolgt: Er will Reddington einblĂ€uen, dass es fĂŒr ihn kein Entkommen gibt, dass er selbst beim FBI keinen Schutz erwarten könne. Diese vermeintliche Auflösung nimmt der Doppelepisode um Anslo Garrick gehörig den Wind aus den Segeln. Schade, hatte sie doch so furios begonnen.
Fazit
Wenngleich die Konklusion der Geschichte um Anslo Garrick enttĂ€uschend verlĂ€uft, bleiben einige positive Aspekte der Neuausrichtung von The Blacklist seit der letzten Episode bestehen. Der Look der Serie hat sich verĂ€ndert, alles sieht plötzlich dĂŒsterer aus. Das verleiht der Geschichte erhöhte Dramatik, die ihr zuvor durch den sehr flachen Look verwehrt geblieben war.
Leider bleibt die Charakterzeichnung sehr inkonsequent. So kann Liz Keen scheinbar auf Knopfdruck den inneren bad ass entfesseln, stellt sich an anderer Stelle (beim Einbruch in die Wohnung des Apfelmanns) jedoch unbegreiflich dĂ€mlich an. AuĂerdem wird dem bisher interessantesten Gegenspieler, Anslo Garrick, die Faszination dadurch genommen, dass er nur als Mittelsmann einer noch gröĂeren Organisation eingesetzt wurde.
Ebenso unbefriedigend ist das Ende des einen mystery man und die gleichzeitige EinfĂŒhrung eines neuen. Wir können natĂŒrlich darauf hoffen, dass die Auflösung nachgereicht wird. Warum sich die Autoren jedoch der Auflösung auch nur eines kleinen RĂ€tsels verweigern, ist mir vollkommen unverstĂ€ndlich - vor allem angesichts der Tatsache, dass die Serie nun in eine sechswöchige Winterpause geht.
Auch bei der Ergreifung der TĂ€ter kehrt die Serie wieder zu ihren problembehafteten UrsprĂŒngen zurĂŒck. Viel Zeit wird darauf verwendet, technischen Jargon auszubreiten, der nun wahrlich niemanden interessieren dĂŒrfte. Am Ende ist es wieder Reddington alleine, der sich um sein Schicksal kĂŒmmert. Das FBI kommt - wie immer - zu spĂ€t. Technisch hat The Blacklist eine neue Stufe erklommen, dramaturgisch ist die Serie leider wieder zum Treppenabsatz zurĂŒckgekehrt.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 3. Dezember 2013The Blacklist 1x10 Trailer
(The Blacklist 1x10)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 1x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?