The Blacklist 1x09

Ich muss ehrlich zugeben: Eine solch wagemutige Wandlung hĂ€tte ich The Blacklist zu diesem Zeitpunkt nicht zugetraut. Die Serie scheint schon zuvor irgendetwas richtig gemacht zu haben, zumindest schwĂ€rmte das darbende Network NBC angesichts solider Einschaltquoten bereits von einem neuen âHitâ. Trotzdem entschieden sich die Autoren in der neuen Episode dazu, der Serie einen neuen Kick, einen gewaltigen Punch, eine ordentliche Portion Mut und Risiko zu verpassen.
There is nowhere in this world where I cannot reach you
Schon wĂ€hrend des Verlaufs von Anslo Garrick (1) war ich angenehm ĂŒberrascht. Die Episode ist von Beginn an actionbepackt, kurzweilig und umarmt geradezu inbrĂŒnstig die Tatsache, dass es ihr nicht wichtig ist, ob einzelne Handlungsbögen logisch nachzuvollziehen sind. Deshalb will ich mich in diesem Review auch gar nicht bei einzelnen UnzulĂ€nglichkeiten aufhalten. Die Serie scheint nĂ€mlich begriffen zu haben, dass ein solches Konzept nach einem Prinzip am besten funktioniert: entweder ganz oder gar nicht.

Da macht es auch gar nichts aus, wenn Liz Keen (Megan Boone) plötzlich zum marodierenden bad ass wird. Die Rolle steht ihr nĂ€mlich auĂerordentlich gut. Da macht es weiterhin nichts, wenn der Episodenbösewicht beinahe comichaft ĂŒberzeichnet ist oder der FBI-Computernerd jedem gĂ€ngigen Klischee entspricht. Die Episode macht einfach nur SpaĂ, weil sie sich nicht um erzĂ€hltechnische Konventionen schert, sondern sowohl das Drehbuch als auch die Schauspieler von der Leine lĂ€sst.
Trotz dieser scheinbar stĂ€ndig mit einem ironischen Augenzwinkern voranschreitenden Handlung vergisst The Blacklist am Ende nicht, dass es hier um eine Dramaserie geht. Dabei schlĂ€gt das Format eine Volte, wie ich sie kaum fĂŒr möglich gehalten hĂ€tte. Da hat die Serie doch tatsĂ€chlich die Traute, zwei Charaktere zu ermorden, von denen zumindest einer - Dembe (Hisham Tawfiq) - bereits mehrere Gelegenheiten hatte, dem Zuschauer irgendwie ans Herz zu wachsen. Auch die Exekution von Reddingtons (James Spader) WeggefĂ€hrtin Luli (Deborah S. Craig) war ĂŒberaus drastisch inszeniert. Niemals hĂ€tte ich geglaubt, dass am Ende auch noch Dembe ermordet wird. Chapeau, The Blacklist!
Die Geschichte beginnt mit mehreren ZeitsprĂŒngen. Zuerst sehen wir FBI-Agent Donald Ressler (Diego Klattenhoff), der sich unter starken Schmerzen windet. An seinem Bein klafft eine monströse offene Wunde. Sekunden spĂ€ter befinden wir uns in einem MĂŒnchner Bierkeller, wo Reddington sein Team auf ein wildes Trinkgelage einzustimmen scheint. Die Einblendung verrĂ€t, dass die Handlung einen Sprung um 13 Stunden in die Vergangenheit gemacht hat. Prompt kommt ein kerngesunder Ressler dazu und fĂŒhrt Red ab. Er mĂŒsse sofort mit zurĂŒck nach Washington. Red Ă€rgert sich noch kurz ĂŒber den implantierten Ortungschip, bevor er widerwillig abzieht.
Allies today, enemies tomorrow. The world is a complex place.
ZurĂŒck in der „Blacksite“ stellt sich schnell heraus, dass das FBI sich mal wieder hat an der Nase herumfĂŒhren lassen. Als Red von den angeblichen AnschlagsplĂ€nen auf ihn durch einen gewissen Anslo Garrick erfĂ€hrt, braucht er nicht lange, um die wahren Absichten des Finsterlings herauszufiltern. Garrick sei darauf spezialisiert, Gefangene oder sonstige Zielpersonen aus den sichersten Geheimverstecken zu extrahieren. Sogleich fĂ€hrt ein ominöser MĂŒllwagen vor der „Blacksite“ vor und enthĂŒllt kurze Zeit spĂ€ter, was Reddington wenige Sekunden vorher prophezeit hatte: „He almost exclusively works with a group of heavily armed, highly skilled mercenaries who call themselves ,The Wild Bunch'.“

In Windeseile nehmen die wilden Kerle die „Blacksite“ ein und kappen ĂŒberdies jegliche Kommunikationsmöglichkeiten nach auĂen. In kurzer Folge gelingt Reddington und dem schwer verletzten, weil angeschossenen Ressler die Flucht in die âBoxâ (die hier zum ersten Mal eine echte Funktion zugeschrieben bekommt), werden Cooper (Harry Lennix) und Malik (Parminder Nagra) gefangengenommen und verwandelt sich Liz Keen in eine elegantere Version von Lara Croft.
Es entspinnt sich ein Kammerspiel voller pathosbeladener Konversationen, atemloser Action und radikalen EntschlĂŒssen. Garrick ist auf Rache aus und geht notfalls ĂŒber Leichen, um Red endlich seiner gerechten Strafe zuzufĂŒhren. Harold Cooper entpuppt sich ebenfalls nicht als Kind von Traurigkeit: Sehenden Auges lĂ€sst er Dembe und Luli in den sicheren Tod schreiten. Das war eigentlich auch der einzige Punkt, der mich wirklich geĂ€rgert hat, denn welche Motivation hat Cooper, um den Mord an zwei - in dieser Situation - Unschuldigen zu rechtfertigen? Seine Lage ist aussichtslos, sein vorderstes Interesse mĂŒsste eigentlich dem Retten von Menschenleben gelten. Ohne diese grausamen Morde wĂ€re die Episode jedoch etwas weniger spektakulĂ€r geworden. AuĂerdem hĂ€tten wir einige wunderbare, pathosbeladene SĂ€tze weniger gehört: „Ours was a friendship formed once in this life, and in the next. Goodbye, my brother.“
Fazit
Mit wenigen Erwartungen bin ich an die Rezensionen zu The Blacklist herangetreten. Bisher wurden diese niedrigen Erwartungen gröĂtenteils erfĂŒllt. Die neue Episode macht dieser langweiligen Gewohnheit nun jedoch einen Strich durch die Rechnung. Ich will nicht ĂŒbertreiben, aber die letzten Minuten von Anslo Garrick (1) haben mich zeitweise an die besten, schockierendsten und traurigsten Momente von 24 erinnert.
Dass ein Network in Zeiten peinlich genauer Einhaltung der Political Correctness und strikter Vermeidung jeglicher Ecken und Kanten noch einmal soviel Chuzpe beweisen wĂŒrde wie NBC nun mit der Neuorientierung von The Blacklist, hat mich wahrlich ĂŒberrasscht. Und das durchweg im positiven Sinne.
Auch den Schauspielern sieht man in beinahe jeder Szene an, wie begeistert sie davon sind, dass sie endlich von ihren Drehbuchfesseln befreit worden sind. Megan Boone erstrahlt als bad ass-Liz in neuem Licht, auch Cooper und Ressler gewinnen endlich an Kontur und Profil. Spader war von Beginn an der Star der Serie, nun bekommt er mit Garrick einen Gegenspieler vorgesetzt, der sich durchaus mit ihm messen kann.
Die Serie ist mit der neuen Episode nicht glaubwĂŒrdiger geworden - sie ist wahrhaftiger geworden. Sie muss sich fortan nicht mehr als etwas ausgeben, das sie nie sein konnte und wollte. Liz als weiblicher Jack Bauer im Gespann mit dem immer coolen Reddington auf Terroristenjagd: Darauf kann ich mich wahrlich Woche fĂŒr Woche freuen!
Trailer zu âThe Blacklistâ (1x10):
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 26. November 2013The Blacklist 1x09 Trailer
(The Blacklist 1x09)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 1x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?