The Blacklist 10x22

The Blacklist 10x22

Mit der Doppelfolge „Raymond Reddington: Pt. 1“ und „Raymond Reddington: Good Night“ endet die US-Serie „The Blacklist“. Coopers Team hat die Aufgabe, Red zu fassen und wird dabei kritisch von Arthur Hudson und Jordan Nixon beäugt.

James Spader in „The Blacklist“
James Spader in „The Blacklist“
© NBC

Raymond Reddington: Good Night

In der Folge Arthur Hudson haben Harold Cooper (Harry Lennix) und sein Team die Aufgabe erhalten, Raymond Reddington (James Spader) zu fassen. Andernfalls droht ihnen selbst eine Inhaftierung, weil sie Reds kriminelle Laufbahn über Jahre hinweg - so der Vorwurf - gefördert haben. Entsprechend sind Donald (Diego Klattenhoff), Dembe (Hisham Tawfiq), Siya (Anya Banerjee) und Herbie (Alex Brightman) dabei, Reds nächste Schritte auszumachen, damit sie ihn stellen können. Dembe ist die Person, die Raymond am besten kennt und auch über diverse Aufenthaltsorte Bescheid weiß, die unser Concierge of Crime nutzen könnte.

Allerdings hat Dembe auch Red gewarnt als Nixons (Derrick Williams) Leute ihn am Flughafen fassen wollten und sowohl Arthur Hudson (Toby Leonard Moore) als auch Nixon sind der Meinung, dass die „Reddington Taskforce“ noch immer mit Red zusammenarbeitet. Keine gute Voraussetzung für gegenseitiges Vertrauen, zumal der Anruf von Agent Ishwoods (Jake Silberman) Telefon schließlich dazu führt, dass Hudson und Nixon die Verhaftung von Dembe veranlassen. Red, der wie immer seinen Häschern entkommen kann, interveniert jedoch und versucht, Dembe aus dem kleinen Konvoi zu befreien, der ihn hinter Gitter bringen soll. Die Lage eskaliert und Hudson fängt sich einen Kopfschuss von Red ein, nachdem er auf Dembe geschossen und diesen schwer verletzt hat.

Nixon ist anschließend auf Rache aus, woraufhin Herbie das Team verlässt. In der letzten Episode ist Red noch immer auf der Flucht und angeschlagen, nachdem er Dembe das Leben durch eine Blutspende gerettet hat. Abermals ist es Dembe, der Reds Aufenthaltsort mit der Hilfe von Siya errät. Donald begibt sich nach Spanien, wo uns das Serienende erwartet, welches sich bestimmt heiß diskutieren lässt. Denn nach zehn Jahren The Blacklist hätte sicher kaum jemand ein solches Ende erwartet. Daran können auch Knocking on Heavens Door und A Mi Manera (die spanische Version von Frank Sinatras My Way) nichts ändern.

Harry Lennix in „The Blacklist“
Harry Lennix in „The Blacklist“ - © NBC

Arthur Hudson

Da ich hier zwei Folgen betrachte, aber nur einen Artikel dazu schreibe, möchte ich im Vorfeld direkt anmerken, dass ich die erste Episode Raymond Reddington: Pt. 1 für sehr gelungen halte. Dembes Konflikt bestimmt hier das Geschehen und überhaupt ist es ein schöner Schachzug, dass Dembe gegen Ende über Red als Person sprechen darf. Auch Herbie, der das Team in der letzten Folge verlässt, nachdem er erfahren hat, dass Nixon auf Reds Tod aus ist, kann Pluspunkte ernten. Aber zurück zum ersten Teil, der fast alles richtig macht.

Denn hier erfahren wir, dass Arthur Hudson sich tatsächlich auf einer Hexenjagd befindet und jeden Schritt unseres Teams hinterfragt. Er wittert, dass es letzte Woche einen Maulwurf gegeben hat, der Red warnte und agiert entsprechend. Das ist einerseits gut, weil diese Spur tatsächlich zu Agent Ishwood und daraufhin Dembe führt, dessen Warnung von Red in den ersten Szenen sogar kritisiert wird. Hudson will sich profilieren und den großen Skandal aufdecken, begibt sich aber gleichzeitig in ein Gebiet, über das er keine Kontrolle hat. Sein größter Fehler ist, dass er nur wenig über die Arbeit der Taskforce weiß, die mit Reds Informationen immer die Absicht hatte, das Beste herauszuholen und Kriminelle zu fassen, die mit den übelsten Methoden vorgehen. Außerdem unterschätzt Hudson Reds Ambitionen und Fähigkeiten, mit denen er über Jahrzehnte hinweg Erfolg hatte. Aus meiner Sicht sieht Hudson Red als einen gewöhnlichen Kriminellen, der mit Leichtigkeit zu fassen sein sollte. Wie gesagt, ein Fehler.

Hat sich Hudson den Kopfschuss verdient? Nicht wirklich, aber sein Schuss auf Dembe, der die Lage deeskalieren wollte, ist trotzdem nicht verzeihlich. Als Abgeordneter hätte er schon gar nicht zu Nixons Waffe greifen sollen, geschweige denn versuchen, den Helden zu spielen. Sein gesamtes Umfeld versucht, ihn zu beschwichtigen, aber da er noch immer davon ausgeht, dass Donald und Dembe mit Red unter einer Decke stecken, feuert er schließlich die Waffe ab und erhält prompt die Rechnung dafür. Vielleicht nicht das Ende, welches ich mir für Hudson gewünscht hätte, aber doch irgendwie passend.

Besser wäre gewesen, wenn Donald nicht nur schlagkräftig den Abgeordneten angegangen wäre, sondern den Namen Jonathan Pritchard (Mackenzie Astin) zur Sprache gebracht hätte, dessen Tod durch Hudson mehr oder weniger verschuldet wurde. Da hätte sich jedenfalls eine andere Lösung angeboten als der Kopfschuss von Red und die hätte mir wesentlich besser gefallen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass der Einsatz von Pritchard zur Verwanzung von Donalds Diensthandy von offizieller Seite gerechtfertigt war.

Agent Nixon

Zweiter Teil der Hexenjagd geht auf Nixon zurück und ist ebenfalls fragwürdig. Denn Nixon macht keinen Hehl daraus, dass er Red tot sehen will. Okay, unsere Taskforce musste auch diverse Kompromisse eingehen, um mit Red zusammenzuarbeiten und fand sich nicht selten in einer Bredouille wieder, wo „richtig“ und „falsch“ nicht mehr existierten. Aber niemand aus Harolds Team hatte jemals die Absicht, einen Kriminellen zu töten. Nixon hört auch gar nicht zu, wenn Ishwood seine Perspektive schildert, wonach Dembe nicht mit Red mitgehen wollte und die Eskalation allein in Hudsons Händen lag, der den Abzug gedrückt hat.

Diego Klattenhoff und Derrick Williams in „The Blacklist“
Diego Klattenhoff und Derrick Williams in „The Blacklist“ - © NBC

In meinen Augen ist Nixon damit ebenfalls ein Bösewicht, der hinter Gitter gehört. Cooper hätte ihn da im Zwiegespräch nicht wegschubsen sollen, sondern Nixons Motive (die er vor Zeugen ausgesprochen hat) den Obrigkeiten mitteilen sollen. Kann doch nicht sein, dass ein FBI-Agent vor versammelter Mannschaft bekundet, einen Kriminellen nicht inhaftieren, sondern töten zu wollen, oder?

In dieser Hinsicht kommt auch der größte Kritikpunkt am Serienfinale zur Sprache. Denn wir erfahren nicht, wie es mit Nixon oder unserer Taskforce weitergeht. Letztere mag ihre Aufgabe erfüllt haben, aber für Nixon sollte es dennoch Konsequenzen dafür geben, dass er einen Rachefeldzug für Hudson angepeilt hat. Gewissermaßen könnte man Nixon sogar die Schuld dafür geben, dass Hudson verstorben ist. Denn was hat ein Abgeordneter bei einem Gefangenentransport zu suchen?

Team Taskforce

Mich hat tatsächlich begeistert, dass unser Team hier gemeinsam am gleichen Strang zieht und Red stellen möchte. Selbst Dembe, der Red letzte Woche noch warnte, ist sehr aktiv dabei, Reds Fluchtwege zu ergründen und die „neue Mission der Taskforce“ zu einem Erfolg zu bringen. Auch, nachdem er fast ins Gras gebissen hätte und durch Red gerettet wurde. Für mich war auch schon vorher eindeutig, dass Dembe seine Loyalität zu Red zwar nicht abgelegt hat, aber im Team angekommen ist und entsprechend versucht, alle zum Erfolg zu führen - auch wenn das bedeutet, Red zu inhaftieren.

Außerdem hat mir gefallen, dass wirklich alle zum Einsatz kommen und zur Suche beitragen. Okay, Herbie verabschiedet sich nach Nixons Äußerungen, aber das passte ins Bild. Die anderen sind derweil Feuer und Flamme, um Reds nächsten Aufenthaltsort auszumachen und Donald hat am Ende Erfolg. Leider nicht der Erfolg, den ich mir wünschen würde, aber dennoch findet er Red und kann somit dazu beitragen, dass die Taskforce ihre Aufgabe erfüllt hat.

Aber wir erfahren leider nicht, wie es anschließend mit Harold, Donald und Siya weitergeht. Wir wissen nur, dass Dembe nicht weiter ein FBI-Agent sein wird, was für ihn in Ordnung ist (aber sich falsch anfühlt). Was wird denn nun aus der Taskforce? Bleibt sie bestehen, um Kriminelle zu jagen oder ist sie mit Reds Tod ebenfalls gestorben? Das sind Fragen, die schlicht offenbleiben und das ist schlecht. Schließlich haben wir mit einigen Charakteren sehr viel Zeit verbracht und wollen diese am Ende der Serie auch in einem sicheren Hafen wissen, oder? Vielleicht ähnlich wie Aram (Amir Arison), der jetzt einer neuen Profession nachgeht. Aber mich würde schon interessieren, was aus Harold, Siya, Donald und auch Dembe wird (bei Herbie kann ich mir gut vorstellen, was er macht).

Raymond Reddington

Dass Reds Tod ein mögliches Szenario für das Ende der Serie sein könnte, hatte ich vor ein paar Wochen noch auf dem Schirm. Dennoch habe ich nicht damit gerechnet, dass er tatsächlich stirbt beziehungsweise beim letzten Spaziergang von einem Bullen getötet wird. Das Finale macht zwar deutlich, dass sein „Spaziergang“ der letzte sein wird und er so oder so nicht mehr lange zu leben hat, aber mir kam das alles zu plötzlich (zumal seine Krankheit im Verlauf der letzten beiden Staffeln wieder revidiert wurde). Und selbst die Geschichte mit dem Matador, der lieber der Gefahr ins Auge sieht, als sich zur Ruhe zu setzen, wirkt hier irgendwie falsch.

Aber zurück zum Anfang. Mich hat es gefreut, Paula (Marylouise Burke) wiederzusehen, die wir natürlich als Glens (Clark Middleton) Ehefrau kennen. Reds Fluchtweg mit der Unterbrechung, um Dembe zu retten, ist auch gekonnt inszeniert. Das ist Raymond Reddington, der seine Freunde und Angestellten nicht vernachlässigt und immer einen Plan B hat, selbst wenn es bedeutet, dafür eigene Strapazen auf sich zu nehmen.

James Spader, Hisham Tawfiq und Jonathan Holtzman in „The Blacklist“
James Spader, Hisham Tawfiq und Jonathan Holtzman in „The Blacklist“ - © NBC

So weit, so gut. Aber wir merken schon (Red hustet Blut), dass er sich auf eine letzte Reise begibt und Weecha (Diany Rodriguez) nicht mehr dazu gehört. Diese Veränderung passt nach den letzten Episoden überhaupt nicht mehr ins Bild und ist entsprechend ernüchternd. Okay, irgendwie wurden wir schon darauf vorbereitet, aber eben nicht nach dem, was uns die letzten Folgen gezeigt haben. Da sah es nämlich so aus, als wenn Red lediglich ein neues Kapitel in seinem Leben aufmachen wollte - ohne Taskforce, dafür mit Weecha - welches eben nicht unter einem nahenden Tod stand.

Mir hat Reds Ende jedenfalls überhaupt nicht gefallen. Über ein Jahrzehnt konnten wir mit ihm mitfiebern, haben uns daran erfreut, dass er stets interessante Geschichten zu erzählen hat und der Konkurrenz mehr als einen Schritt voraus ist. Sicher, mit dem Ausscheiden von Megan Boone als Liz am Ende der achten Staffel hat er die Person verloren, für die er sich im Piloten interessiert hat und wir konnten lange miträtseln, in welchem Verhältnis er zu ihr wirklich steht. Aber auch dahingehend hatte ich mir mehr erhofft als die Bemerkung von Agnes (Sami Bray), dass Pinky sich wie eine „Mutter“ verhält. Wir wissen zwar, dass Raymond Reddington in Wirklichkeit Katarina Rostova ist, die sich umoperieren ließ. Aber eine „echte“ Offenbarung abseits von Andeutungen haben wir auch mit diesem Serienfinale nicht erhalten und das ist schlecht. Ich würde mir jedenfalls noch eine Epilog-Episode wünschen, die mit allen Geheimnissen bezüglich Red aufräumt und auch aufzeigt, wie es mit Harold, Dembe, Donald, Siya und sogar Herbie weitergehen soll.

Ich werde Red, die Taskforce und die Serie vermissen. Die letzten beiden Staffeln waren vielleicht weniger interessant, aber dank James Spader dennoch sehenswert. Eine schöne Prämisse, die sich vom üblichen Crime-Prozedere abhebt und trotz einiger, schwächerer Beiträge immer wieder aktuelle Themen aufgegriffen hat, die zum Nachdenken einluden. Außerdem natürlich die Frage nach der Identität von Red, die immer wieder aufgegriffen und erweitert wurde. Echt schade, dass das alles jetzt zu Ende sein soll und das Ende obendrein noch recht unbefriedigend ist.

Fazit

Den ersten Teil des Serienfinales würde ich noch als sehr gut beschreiben, denn da passt fast alles und setzt Reds letzte Reise gekonnt ins Bild. Die letzte Folge ist allerdings sehr unbefriedigend, nicht nur was die Hauptfigur und deren Ende angeht, sondern auch mit Blick auf die anderen Charaktere, deren weitere Werdegänge größtenteils ungewiss bleiben. Das Serienfinale ist für mich entsprechend eher eine Enttäuschung als ein würdiger Abschluss. Für die beiden Episoden lasse ich daher zusammen nicht mehr als zweieinhalb von fünf Sternen springen. Und Ihr?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 16. Juli 2023

The Blacklist 10x22 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 22
(The Blacklist 10x22)
Deutscher Titel der Episode
Gute Nacht Raymond Reddington
Titel der Episode im Original
Raymond Reddington: Good Night
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 13. Juli 2023 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 12. August 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 12. August 2023
Autoren
Jon Bokenkamp, Lukas Reiter, Katie Bockes, Jon Bokenkamp
Regisseure
Cort Hessler, Michael Caracciolo, Matthew McLoota, John Terlesky

Schauspieler in der Episode The Blacklist 10x22

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