The Blacklist 10x11

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The Man in the Hat
Diese Woche erwartet uns kein Blacklister. Stattdessen stolpert Raymond Reddington (James Spader) in Philadelphia auf der Suche nach ein paar Schokoriegeln in einen Überfall, den der Junkie Jack Davis (Derek Chariton) begeht. Das Video eines anderen Kunden (Jovan Tyler-Graham) zeigt unseren Fedora-Träger im Hintergrund, weshalb Dembe (Hisham Tawfiq) und Donald (Diego Klattenhoff) sich zum Tatort begeben, wo die Behörden bereits vor Ort sind und kurz darauf sogar eine Spezialeinheit eintrifft, um den kleinen Laden zu stürmen. Es gilt, die Geiseln zu retten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Red nicht zusammen mit dem Täter abgeführt wird.
Harold (Harry Lennix) erhält derweil Besuch von Cynthia Panabaker (Deirdre Lovejoy), die sich nach den Geschehnissen aus The Troll Farmer: Part 3 erkundet. Offenbar hat Cooper noch keinen Bericht darüber abgegeben und Panabaker ist nicht gerade erfreut über das Ergebnis. Sie verlangt ein Treffen mit Red, andernfalls will sie den Justizminister einschalten und ihm die jüngsten Fehlschläge berichten, womit das Ende der Taskforce in Reichweite käme.
In der Nebenhandlung darf Siya (Anya Banerjee) eine Inventur des Datenarchivs durchführen, welches bekanntlich keine Hinweise mehr auf Red enthält. Dabei stolpert sie (aus Neugierde) über die Akte ihrer Mutter Meera (Parminder Nagra), die einen Eintrag enthält, wonach Siya adoptiert wurde. Herbie (Alex Brightman) führt für sie daraufhin einen DNA-Test durch, der den Eintrag bestätigt.
Dumme Zufälle
Irgendwie hatte ich wesentlich mehr von der Episode erwartet und das fängt beim aktuellen Abenteuer an, welches einen dummen Zufall beziehungsweise mehrere davon als Aufhänger hat. Denn rein zufällig (was noch nicht weit hergeholt ist) wird der Laden überfallen, den Red gerade aufgesucht hat, um Agnes (Sami Bray) noch ein paar Schokoriegel aus Philadelphia zu besorgen. Rein zufällig (schon weiter hergeholt) filmt gerade jemand ein (Live-)Video, als der Täter den Laden betritt und mit einem Revolver die Kassiererin Jin-Min (Nancy J. Lee) sowie die Kundschaft bedroht. Rein zufällig (sehr weit hergeholt) sehen Dembe und Siya dieses Video und erkennen darauf Red. Und rein zufällig hat die letzte Kundin Francine (Makia Martin) nach Verlassen des Ladens auch noch den Täter und seine Waffe gesehen.
Aber okay, nehmen wir mal an, dass diese ganzen Zufälle einfach passieren und akzeptieren die Ausgangslage, so unwahrscheinlich sie auch sein mag. Was sollte unsere Taskforce jetzt unternehmen? Selbstverständlich die Geiseln retten, die der von der Polizei überraschte Täter nun in seiner Gewalt hat. Und Red? Nun, Donald und Dembe liegen sicher richtig, wenn sie der Meinung sind, dass der Täter in Lebensgefahr schwebt. Aber weshalb sie jetzt Raymond irgendwie aus dem Laden schmuggeln wollen, damit er den Behörden nicht auffällt, passt nicht so recht ins Bild. Jedenfalls mit Blick auf die gegenwärtige Situation zwischen Taskforce und Red, die seit dem Tod von Wujing (Chin Han) angeschlagen ist und in meinen Augen weiterhin falsch angegangen wird.
Lückenfüller
In der Tat bin ich der Meinung, dass diese Folge uns in der Haupthandlung (zu den Nebenhandlungen komme ich gleich noch) nicht weiterbringt. Es wäre noch okay, wenn es wenigstens einen interessanten Blacklister gäbe, wie es letzte Woche mehr oder weniger der Fall war. Aber letztlich wird uns „nur“ gezeigt, wie Red allein aus einer brenzligen Situation entflieht und unser Team - dieses Mal Dembe und Donald - auf dem Holzweg unterwegs sind. Wenn wenigstens ein bisschen Spannung aufgekommen wäre, aber das war leider nicht der Fall, obwohl es sicher die Absicht von Daniel Cerone war, der diese Episode verfasst hat.
Denn die Zutaten an sich sehen auf den ersten Blick vielversprechend aus. Wir haben Red als unfreiwillige Geisel, die neben den anderen Geiseln geschützt werden muss, wobei ein paar Zweifel eingestreut werden, ob Red wirklich vor Ort ist. Entsprechend müssen unsere FBI-Agenten die anderen Behörden in Schach halten, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Und als es zum Schuss kommt, der den Täter ins Jenseits befördert, werden die Zeugen befragt, deren Geschichte erwartungsgemäß mit einigen Twists versehen wird. Dass der erste Rückblick auf die Ereignisse, die zum Schuss führten, nicht der Wahrheit entspricht, ist selbstverständlich. Schließlich lebt die Serie von Überraschungen. Aber wenn man diese Überraschungen zehn Meilen gegen den Wind riechen kann, läuft irgendetwas schief.
Unsereins hat sich jedenfalls eher gelangweilt, während Dembe und Donald die in Geiselhaft genommene Kundschaft befragt haben und uns mehrere Rückblicke beschert wurden. Kleiner Pluspunkt für Dembe, dem auffällt, dass die Tatwaffe von Red stammen muss (und kein Revolver ist) und kleiner Pluspunkt für Donald, der Hut und Jacke von Ron (Wally Dunn) als zu teuer einstuft. Gut ermittelt, wobei Dembe auch richtig damit lag, dass Red den anderen einen Geldsegen bescheren würde, wenn sie ihre Geschichte entsprechend anpassen.
Aber das reicht eben nicht. Klar, die Geschichte mit dem Bus hätte man kaufen können, weil Red eben in letzter Zeit eher die Öffis benutzt. Aber wie soll er aus dem umstellten Gebäude unbemerkt entkommen sein? Für mich war jedenfalls klar, dass Red sich irgendwo im Laden versteckt hat beziehungsweise versteckt wurde und dass ich damit richtig lag, während jemand wie Dembe, der jahrelang an Reds Seite war, diese Option nicht gesehen hat, fühlt sich einfach falsch an. Daher kam bei mir auch keine Spannung auf, wie es sonst oft der Fall ist. Im Übrigen konnte man den Zeugen auch ansehen, dass sie erneut lügen und Red somit nicht durch die Hintertür geflohen ist.
Unterm Strich hat mir dieses Abenteuer jedenfalls kaum etwas gegeben, während ich von Dembe ein wenig enttäuscht wurde. Ein kleiner Pluspunkt ist vielleicht, dass Red dieses Abenteuer wegen Agnes angegangen ist, aber an sich war das ein zurechtgebogenes Drehbuch aufgrund der Zufälle sowie eine schwache Handlung, die einmal nichts Neues beisteuert und zudem noch vorhersehbar war. Jedenfalls für diesen Teil der Episode.

Zukunft der Taskforce
Der Besuch von Cynthia bereitet Harold Sorgen, und zwar zu Recht. Wir erfahren, dass sie nie eine Rückmeldung bekommen hat und können verstehen, wie aufgebracht sie ist, wenn sie ihm in der Zentrale einen Besuch abstattet und nach seinem Bericht alles andere als motiviert ist, um die Taskforce weiterhin zu unterstützen. Die kompromittierten Datenarchive kommen da noch obendrauf und müssten eigentlich noch peinlicher sein als die Tatsache, dass Cooper und Co sich von Red an der Nase haben rumführen lassen.
Aber wie soll es jetzt weitergehen? Aktuell sieht es danach aus, als wenn abermals alles unter den Teppich gekehrt wird. Dafür spricht, wie nachdrücklich Cooper die Arbeit der Taskforce lobt, deren Fälle sie von Red zugespielt bekommen. Dafür spricht, dass Reddington noch immer den lieben netten Kerl spielt, der sich um Agnes kümmert und falls notwendig auch einzelne Mitglieder der Taskforce mit seinen Mitteln unterstützt (brauchte er schon länger nicht mehr, aber diese Option ist weiterhin offen). Dafür spricht ebenfalls, dass Panabaker ihren Termin am Ende und nach Reds Besuch absagt. Und zwar nicht, weil er sie unter Druck setzt, sondern weil er ihr seine einzige (?) Erpressungsmöglichkeit überreicht und darauf setzt, dass sie die „richtige“ Entscheidung treffen wird.
Also geht es weiter wie bisher? Nun, die Tatsache, dass wir hier die letzte Staffel vor uns haben, spricht dagegen. Und ich für meinen Teil wäre der Ansicht (wie zuvor bereits erwähnt), dass mit dem Tod von Wujing und der Manipulation des Datenarchivs das Maß voll sein sollte. „Taskforce vs. Red“ sollte die letzte Staffel dominieren und mich stört es, dass der Gamechanger von vor zwei Wochen nun abermals abgemildert wird. Schließlich ist der „Staffelgegner“ weg, da sind Folgen wie diese oder die vorherige eher schwimmend als zielstrebig.
Ich wünsche mir zwar für Red einen gelungenen Abschluss, inklusive eindeutiger Auflösung über seine Person, aber dafür sollte uns langsam mal aufgezeigt werden, wohin der letzte Teil der Reise gehen soll. Panabaker und Cooper wählen da in meinen Augen den falschen Weg.
Siya Malik
In der Nebenhandlung darf Siya sich um das Archiv kümmern und ist selbstverständlich neugierig auf die Einsätze ihrer Mutter. Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass sie bis dato noch nicht die volle Zugriffsberechtigung hatte, obwohl sie zur Taskforce gehört. Okay, ich hätte es verstanden, wenn sie auf Coopers Dateien nicht zugreifen darf. Aber der Rest? Sollte doch Standard sein, weil sie zum Team gehört. Außerdem sei noch ein Fehler meinerseits angemerkt, denn ich war letzte Woche der Meinung, dass das Archiv gelöscht (und vorher irgendwohin hochgeladen) wurde und hatte HexRoot wohl unterschätzt. Denn gelöscht wurde „nur“ der Name „Raymond Reddington“ in allen Beiträgen, aber nicht das Archiv selbst.

Aber zurück zu Siya. Sie stellt mit der Hilfe von Herbie fest, dass sie adoptiert wurde, aber verschweigt Cooper gegenüber diese neue Erkenntnis. Mir ist dabei nicht klar, wohin diese Nebenhandlung führen soll, aber ich bin durchaus gewillt, zusammen mit Siya zu entdecken, was es zu entdecken gibt und es ist sicher eine gute Sache, wenn sich der Fokus jetzt weniger auf Meera richtet als vielmehr auf Siya selbst. Herbie hat gewiss einen Punkt, wenn er Siya im Vorfeld davor warnt, den Umschlag zu öffnen. Aber ich glaube, in ihrer Situation würde ich ähnlich agieren und das Ergebnis wissen wollen. Derartige Geheimnisse gehören schließlich auch zur Serie, daher ist diese Entdeckungsreise willkommen.
Fazit
Diese Woche fällt es mir schwer, die Folge zu bewerten. Im Großen und Ganzen wurde ich enttäuscht von den beiden Haupthandlungen, die sich um Red drehen, während ich neugierig auf Siyas weitere Reise bin. Abermals bin ich der Meinung, dass diese Episode besser gewirkt hätte, wenn sie zu Beginn der Staffel und unter anderen Bedingungen stattgefunden hätte. Von mir gibt es zweieinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 13. Mai 2023(The Blacklist 10x11)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 10x11
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