The Blacklist 10x10

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The Postman
So viel also zum Gamechanger von letzter Woche. Nachdem eine weitere Zusammenarbeit zwischen Raymond Reddington (James Spader) und der Taskforce eigentlich unmöglich sein sollte, was neben Harold Cooper (Harry Lennix) auch Donald Ressler (Diego Klattenhoff) und Siya Malik (Anya Banerjee) ansprechen, geht es erstmal mit einem Fall der Woche weiter. Reds doppeltes Spiel, die gelöschten Archive, die Leichen von Wujing (Chin Han) und Zhang Wei (Kenneth Lee) in der Zentrale sowie die Tatsache, dass Bo Chang (Aaron Yoo) mit der Cyberwaffe noch da drauĂen ist, werden auf die lange Bank geschoben, weil Raymonds inhaftierter Schachpartner sich einen Schuss eingefangen hat. PrioritĂ€ten halt.
Wobei der Fall der Woche an sich recht gut in die erste StaffelhĂ€lfte gepasst hĂ€tte, als die Kooperation zwischen Harold und Red noch in Ordnung war. Denn Lawrence Nelson (Robert Neary) alias „The Postman“ ist nicht unbedingt der Standard-Blacklister, auch wenn seinem Treiben ganz klar ein Ende gesetzt werden muss. Nelson wurde einst unschuldig verurteilt, woran ein junger Harold Cooper (Ruffin Prentiss) als Geschworener beteiligt war.
Cooper war damals zwar nicht von der Schuld des Angeklagten ĂŒberzeugt, konnte sich bei der Urteilsfindung aber nicht durchsetzen und so landete Nelson im Knast und hat sich zum heutigen Kriminellen entwickelt, der einen besonderen Weg gefunden hat, um HĂ€ftlinge mit allem zu versorgen, was sie verlangen. Das inkludiert automatische Waffen und sogar ein kleines Chemielabor, mit Hilfe dessen Nelsons frĂŒherer MithĂ€ftling Eugene Campos (Lance Roberts) jetzt ein besonders tödliches Gift fĂŒr ihn einsatzbereit macht.
Herbie (Alex Brightman) unterstĂŒtzt diese Woche unsere Taskforce und spielt bei der Auflösung eine entscheidende Rolle, wĂ€hrend sich Donald in der Nebenhandlung mit Jonathan Pritchard (Mackenzie Austin) trifft, um seine Rolle als Mentor wahrzunehmen. Ungleich der letzten Folge gibt es also wieder etwas mehr von unserem Team, welches an diversen Stellen auf die Hilfe von Red zurĂŒckgreifen muss, um am Ende Nelson die entscheidende Falle zu stellen.
Fall der Woche
Betrachten wir den Fall der Woche auĂerhalb der Staffelhandlung, so passt er recht gut in die Serie hinein. Denn der Werdegang von Lawrence Nelson, der einst unschuldig zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde, liefert hier einen diskutablen Mehrwert und stellt die Frage danach, ob der „Postman“ sich im Falle eines Freispruchs nicht zu einem aufrechten Mitglied der Gesellschaft entwickelt hĂ€tte. Sein ehemaliger GefĂ€ngnisdirektor (Lee R. Sellers) verliert im GesprĂ€ch mit Harold auch kein schlechtes Wort ĂŒber Nelson, der sich hinter Gittern weiterbildete und wegen guter FĂŒhrung vorzeitig entlassen wurde. Dass Nelson trotzdem einen kriminellen Weg eingeschlagen hat, wird am Ende auf seine Verurteilung zurĂŒckgefĂŒhrt, fĂŒr die er sich rĂ€chen will.
Die prĂ€sentierte Geschichte ist folglich nicht verkehrt und erhĂ€lt durch Harolds Beteiligung als Geschworener einen besonderen Anstrich, trifft den Leiter der Taskforce doch eine gewisse Mitschuld an Nelsons Werdegang. Allerdings gibt es einen Haken, wenn Nelson abseits der eigenen RacheplĂ€ne eine kriminelle Karriere als „Postman“ gemacht hat und unter anderem Kartellmitglieder versorgt, deren Taten uns beispielhaft im Episodenauftakt gezeigt werden. Denn Rache hin oder her, ist diese Laufbahn weniger nachvollziehbar, wenn Nelson wĂ€hrend seiner Haft nie aufgefallen ist.
Taskforce
Ermittlungstechnisch gibt es wenig zu beklagen, das passte alles gut ins Bild. Pluspunkte gibt es fĂŒr Herbie, der gleich an seinem ersten offiziellen Arbeitstag per Videokonferenz zugeschaltet wird und in ĂŒblicher Manier die wesentlichen Punkte entdeckt, die unserem Team weiterhelfen. Hilfestellung leistet auĂerdem Red, der wieder wesentlich symbiotischer mit unserer Taskforce zusammenarbeitet und dann weiterhilft, wenn es unseren Agenten nicht möglich ist. Gegen Ende lief Nelson vielleicht ein bisschen zu schnell in die Falle beziehungsweise konnte Red zu schnell fĂŒr eine Umleitung sorgen, aber das ist nur ein kleiner Negativpunkt.

Donalds Nebenhandlung interessierte mich zwar nicht groĂartig, aber immerhin erhalten wir damit noch eine kleine Nebengeschichte auĂerhalb des ĂŒblichen Geschehens. Ob Donald seinem neuen SchĂŒtzling (dauerhaft) wirklich helfen kann, muss sich natĂŒrlich erst noch herausstellen. Aber fĂŒr den Anfang wĂŒrde ich meinen, dass er einen guten Job macht und die Rolle auch ernst nimmt. SchlieĂlich ist Jonathan noch weit davon entfernt, seine Sucht hinter sich zu lassen und auf Hilfe angewiesen.
Raymond Reddington
Was Raymond Reddington und seine weitere Zusammenarbeit mit der Taskforce angeht, bin sicher nicht nur ich irritiert. Bereits am Anfang, als er Agnes (Sami Bray) einen Besuch abstattet und mutterseelenruhig mit Harold ĂŒber die letzten Geschehnisse diskutiert, passte das fĂŒr mich nicht. Klar, Red hatte schon immer eine eigene Agenda und diese stets durchgezogen. Dass er Leute aus dem Verkehr zieht, insbesondere diejenigen, die es auf ihn abgesehen haben, gehörte ebenso zur Serie dazu, wie die daraus resultierende Frage, ob der ImmunitĂ€tsdeal noch Bestand haben sollte, wenn Reddington weiterhin als Krimineller unterwegs ist. Cooper hat die Zusammenarbeit stets auf die Verbrecher zurĂŒckgefĂŒhrt, die mit Reds Hilfe verhaftet werden konnten und bei Reds weiteren Machenschaften ein bis zwei Augen zugedrĂŒckt.
Aber genau das sollte nach der letzten Episode nicht mehr möglich sein, und zwar unabhĂ€ngig davon, wie Raymond sich jetzt rausreden möchte. Zwar bekrĂ€ftigt Cooper, dass es noch Konsequenzen geben wird, aber vorerst wird trotzdem der Schwamm drĂŒbergelegt. Ich hĂ€tte vielmehr damit gerechnet, dass bereits diese Woche alles in Frage gestellt und der Kontakt zu Red abgebrochen wird. Keine Besuche bei Agnes, keine neuen FĂ€lle von Red und keinerlei Kooperation mehr. Etwas weiter gedacht, sind mit den Archiven jetzt alle Hinweise verschwunden, auf die Wujing es abgesehen hatte, um die Taskforce und Red bloĂzustellen - inklusive des ImmunitĂ€tsdeals.
Daher wĂ€re es leicht denkbar gewesen, dass Red bei seinem nĂ€chsten Auftritt (ob bei Harold oder in der Zentrale) direkt verhaftet und abgefĂŒhrt wird. SchlieĂlich zĂ€hlt er noch immer als meistgesuchter Verbrecher, womit unsere Taskforce den SpieĂ einfach umdrehen und jetzt Reddington hintergehen könnte.

Ob wir noch dorthin kommen? Abwarten. Kurz auf den Episodentitel der nĂ€chsten Folge geschaut, könnte sich die weitere Staffelhandlung tatsĂ€chlich in diese Richtung entwickeln. Aber der Fall dieser Woche zeigt, dass es kein Muss ist und uns trotzdem noch weitere „normale“ FĂ€lle erwarten können. Ich bin jedenfalls enttĂ€uscht, dass der Gamechanger aus The Troll Farmer: Part 3 derart abgeschwĂ€cht wird und unser Team vorerst nach Schema F weitermacht.
Fazit
Vor ein paar Wochen hĂ€tte sich der aktuelle Fall der Woche noch gut gemacht, hat er doch ein interessantes Thema parat, zeigt gut funktionierende Teamarbeit zwischen Red und der Taskforce und hat obendrein eine Verbindung zu Coopers Vergangenheit an Bord. Aber mit Blick auf die jĂŒngsten Geschehnisse, die vorerst zur Seite geschoben werden, als wĂ€re nichts passiert, rutscht die aktuelle Episode doch ein gewaltiges StĂŒck ab. Von mir gibt es diese Woche mit zugedrĂŒcktem Auge drei von fĂŒnf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian SchÀfer am Freitag, 5. Mai 2023(The Blacklist 10x10)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 10x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?