The Blacklist 10x09

The Blacklist 10x09

In der Folge „The Troll Farmer: Pt. 3“ der US-Serie „The Blacklist“ erleben wir einen Gamechanger. Raymonds lange vorbereiteter Plan wird offenbart, wobei der Troll Farmer dabei helfen soll, Wujing eine Falle zu stellen.

James Spader in der Serie „The Blacklist“
James Spader in der Serie „The Blacklist“
© NBC

The Troll Farmer: Pt. 3

Bo Chang (Aaron Yoo) alias der Troll Farmer wurde in der letzten Episode bereits von Harold Cooper (Harry Lennix) eingesetzt, um ein Treffen mit Wujing (Chin Han) durchzufĂŒhren, bei dem er die frisch gestohlene Cyberwaffe ĂŒbergeben sollte. Eine Falle, die nicht aufging, weil anstelle von Wujing der Freelancer (Daniel Sauli) auftauchte und obendrein mit Hilfe von Richard Deever (Chris McKenna) entkommen konnte. Jetzt erfahren wir von Cynthia Panabaker (Deirdre Lovejoy), dass Chang die Waffe bereits auf einen unbekannten Server hochgeladen hat und nicht mit dem FBI kooperiert. Ein erneutes Verhör steht an und sollte der Troll Farmer nicht mitspielen, wird er dem CIA ĂŒbergeben, um in einem dunklen Loch zu landen, wo andere „Verhörmethoden“ auf ihn warten.

Diese PrĂ€misse wird allerdings durch die ersten Szenen der Folge direkt in Frage gestellt. Denn wir sehen, woran Raymond Reddington (James Spader) im Hintergrund so lange gewerkelt hat. Eine exakte Kopie der Blacksite, die er einem staunenden Harold auch prĂ€sentiert. Als wir anschließend sehen, wie Chang entkommen kann, ist uns sogleich klar, dass er den Ort dieser Kopie erfahren und an Wujing weitergeben soll. Dieser plant schließlich einen Angriff auf die Zentrale unserer Taskforce und soll fehlgeleitet werden, damit unser Team seinem Treiben ein Ende bereiten kann.

Nachdem uns bestĂ€tigt wird, dass Changs Flucht zu Harolds Plan gehörte, macht sich unsere Taskforce in der falschen Zentrale fĂŒr einen Angriff von Wujing bereit, der Sven Hollufson (Carsten Norgaard) und dessen Söldner im GepĂ€ck hat. Doch Red hat andere PlĂ€ne, was uns einen Gamechanger beschert, der die weitere Zusammenarbeit zwischen der Taskforce und Red gewaltig in Frage stellt.

Moment mal

Ich war bereits zu Beginn der Episode ein wenig irritiert, als Panabaker eröffnete, dass die Cyberwaffe verschwunden und das silberne Köfferchen damit nutzlos ist. Hat da letzte Woche wirklich niemand kurz kontrolliert, ob HexRoot noch vorhanden ist, nachdem der Koffer durch unsere Agenten zurĂŒckgeholt werden konnte? Es waren doch die gleichen Leute von der NSA in Coopers Zentrale, die die Funktion der Waffe bei dem geheimen Treffen demonstrieren sollten. Da hĂ€tte ich erwartet, dass direkt kontrolliert wird, ob noch alles so ist, wie es sein soll. Jetzt zu sagen, dass das Programm verschwunden ist, erscheint mir jedenfalls zurechtgebogen und unglaubwĂŒrdig. Zumal diese geheime Waffe als das Mittel prĂ€sentiert wurde, welches bei einem weltweiten Cyberkrieg zum Einsatz kommen sollte.

Auch, dass Chang, der letzte Woche noch kooperierte und der vorgetĂ€uschten Übergabe zustimmte, sich jetzt plötzlich in Schweigen hĂŒllt und weiterhin mit Wujing unter einer Decke steckt (was nur vorgetĂ€uscht ist, aber dazu gleich mehr), will nicht so recht passen. Dieser (erneute) Sinneswandel kommt aus dem Nichts und widerspricht den letzten Ereignissen. Das stört natĂŒrlich, auch wenn wir relativ schnell erfahren, weshalb die Figur Chang jetzt so gestrickt wird, dass es zur aktuellen Episode passt.

Die erste Falle

Nehmen wir diese Änderungen in Kauf, so erwartet uns in der ersten HĂ€lfte der Folge ein Schema der Sorte „Malen nach Zahlen“. Changs Ausbruch musste zum Plan von Cooper und den anderen gehören und ließ sich erwarten. Gefallen hat mir dabei, dass wir endlich einmal sehen können, welcher Aufwand betrieben wird, um die Blacksite geheim zu halten und welcher Prozedur sich die „GĂ€ste“ unterziehen mĂŒssen, ehe sie die geheimen BĂŒrorĂ€ume betreten dĂŒrfen. Das erklĂ€rt auch, weshalb vorher niemand den genauen Ort kannte, den Wujing ausfindig machen will. Wobei halt, erinnern wir uns kurz an Anslo Garrick (1) (Ritchie Coster) (1x09 und 1x10), so war die Lage vom Post Office bereits in der ersten Staffel mal kompromittiert werden.

Diego Klattenhoff, Aaron Yoo und Hisham Tawfiq in „The Blacklist“
Diego Klattenhoff, Aaron Yoo und Hisham Tawfiq in „The Blacklist“ - © NBC

Die Offenbarung, dass Red in den letzten Wochen und Monaten eine exakte Kopie der Blacksite anfertigen ließ, wĂŒrde ich unterm Strich ebenfalls als gelungen bezeichnen. Hinweise dazu wurden bereits vor langer Zeit gegeben - wir denken zurĂŒck bis zum zehnten Staffelauftakt -, da ist es schön, wenn wir endlich erfahren, was hinter diesen ominösen Bauarbeiten steckt, die Red stets beilĂ€ufig erwĂ€hnte. Allerdings wĂ€re es fĂŒr diese Episode wesentlich spannender gewesen, wenn uns erst nach Changs Flucht oder sogar spĂ€ter das Ergebnis prĂ€sentiert worden wĂ€re und nicht schon in den ersten Minuten dieser Folge.

Denn dadurch, dass wir Raymond und Chuck (Jonathan Holtzman) zu Beginn dabei zuschauen, wie sie die letzten Vorbereitungen treffen, ist die Katze bereits aus dem Sack, womit sich der Braten, den Donald (Diego Klattenhoff), Dembe (Hisham Tawfiq) und die anderen fĂŒr Chang vorbereiten, meilenweit gegen den Wind riechen lĂ€sst. Die anschließende ErklĂ€rung dazu - mit diversen RĂŒckblicken zur Flucht - hĂ€tte es nicht mehr gebraucht.

Insgesamt und unter den neuen Voraussetzungen, die uns zum Thema Troll Farmer prĂ€sentiert werden, ist das Ergebnis aber stimmig und lĂ€sst fĂŒr die zweite HĂ€lfte der Episode mit Spannung darauf warten, ob diese von langer Hand vorbereitete Falle zuschnappen kann. Es gibt nur wenige Punkte, die dagegen sprechen und uns wittern lassen, dass dieses Vorhaben nicht nach Coopers Plan verlaufen wird. Denn wir wissen, dass Red nicht vorhat, Wujing lebend fassen zu lassen und vielleicht auch noch, dass die Zusammenarbeit zwischen Taskforce und Reddington seit der letzten Episode wieder abgenommen hat. Außerdem haben wir im Hinterkopf, dass Red sĂ€mtliche Hinweise auf seine Zusammenarbeit mit der Taskforce verschwinden lassen will. Entsprechend lĂ€sst sich antizipieren, dass uns eine Überraschung erwartet.

Gamechanger

Alles scheint nach Plan zu verlaufen, ehe es Siya (Anya Banerjee) ist, die anstelle der erwarteten Eindringlinge den Aufzug verlĂ€sst. An dieser Stelle ist uns klar, dass Wujing mit seinen Schergen der echten Zentrale einen Besuch abstattet, die zu dem Zeitpunkt quasi leer steht. Und damit kommen wir auch direkt zu dem Punkt, der mir ĂŒberhaupt nicht geschmeckt hat. Ich kann zwar nachvollziehen, dass Cooper ein paar Leute abzieht und sich auf die kopierte Zentrale konzentriert. Schließlich lĂ€sst sich erwarten, dass Wujing mit großer und schwerbewaffneter UnterstĂŒtzung diesen Angriff durchziehen wird. Aber die echte Zentrale fast schutzlos lassen, wo sich die Archive mit den heißbegehrten Daten zu allen EinsĂ€tzen und HintergrĂŒnden der Taskforce finden lassen? Das ist schon grob fahrlĂ€ssig, zumal Cooper ganz sicher VerstĂ€rkung aus anderen Quellen hĂ€tte anfordern können. Schließlich sollte es dem FBI nicht an EinsatzkrĂ€ften mangeln.

Chin Han in „The Blacklist“
Chin Han in „The Blacklist“ - © NBC

Die nĂ€chste Überraschung ist der Kopfschuss, mit dem Red den vermeintlichen Staffelgegner ausschaltet. Damit habe ich nicht gerechnet, auch wenn ich immer wieder moniert habe, dass Wujing nicht bedrohlich genug wirkt und vergleichsweise schlecht bei den Bösewichten der Serie abschneidet. Dass er jetzt aus dem Spiel ist, wĂŒrde ich als willkommen bezeichnen, denn damit kann sich The Blacklist jetzt in den verbleibenden Episoden dieser zehnten und letzten Staffel auf das konzentrieren, was stets im Mittelpunkt der Serie stand. Gemeint ist damit natĂŒrlich die Frage danach, ob sich die Zusammenarbeit zwischen Reddington und dem FBI rechtfertigen lĂ€sst.

An dieser Stelle sei auch direkt auf Reds AusfĂŒhrungen gegenĂŒber Hollufson hingewiesen, wo er ausgiebig erklĂ€rt, dass er die Taskforce fĂŒr die eigenen Zwecke einsetzt und sich dieser bedient, um anderen Kriminellen Steine in den Weg zu legen, die ihm ein Dorn im Auge sind. Red mag diese Woche zwar Cooper und die anderen schĂŒtzen, weil sie sich außerhalb der Schusslinie befinden, und es lĂ€sst sich annehmen, dass ihm unser Team doch ein wenig mehr bedeutet als er hier vorgibt. Aber unterm Strich fĂŒhrt er seinen Deal auf die eigenen Zwecke zurĂŒck, was ins Bild passt und uns nach dieser Episode mit der Frage konfrontiert, ob und wie ein Harold Cooper nach den jĂŒngsten Ereignissen noch mit Reddington zusammenarbeiten kann.

Die Antwort, die uns hoffentlich nĂ€chste Woche gezeigt wird, muss eigentlich so lauten, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr stattfinden kann. Reds doppeltes Spiel - er hat Chang lange vor Wujing angeheuert und diesen Coup von langer Hand geplant - lĂ€sst keine andere Option fĂŒr Cooper zu. Daher erwarte ich, dass unsere Taskforce und Reddington in den nĂ€chsten Folgen auf Konfrontationskurs gehen und damit auf ein Serienende zusteuern, welches sich sehenlassen kann.

Sonstiges

Abseits der Haupthandlung gibt es leider nichts, was sich großartig diskutieren ließe. Unsere Hauptfiguren sind zwar dabei, aber es gibt keinerlei Nebenhandlung, die uns etwas mehr zu Donald, Dembe oder Siya bescheren wĂŒrde. Herbie (Alex Brightman) fehlt diese Woche komplett, obwohl er jetzt Teil des Teams sein mĂŒsste. Aber vielleicht ĂŒberlegt Cooper sich Herbies Beteiligung nach den jĂŒngsten Ereignissen auch noch, denn die Option, sich mit ihm einen Maulwurf an Bord zu holen, ist jetzt mehr denn je gegeben.

Ferner gibt es keinen Fall der Woche, wie es sonst ĂŒblich ist. Der Troll Farmer mag im Titel stehen, ist aber lediglich Mittel zum Zweck und liefert anders als in der letzten Episode keinen diskutablen Mehrwert abseits der Haupthandlung. Unklar ist außerdem, was mit dem Freelancer passiert ist, der zuletzt mit erhobenen HĂ€nden vor Red stand. Mit Blick auf diverse Episodentitel fehlen da noch einige „Conclusion“-Folgen. Mal schauen, ob die noch kommen.

Anya Banerjee und James Spader in „The Blacklist“
Anya Banerjee und James Spader in „The Blacklist“ - © NBC

Fazit

GrundsĂ€tzlich hat mir der Gamechanger gefallen und könnte uns fĂŒr die letzten Episoden der Staffel frischen Wind sowie ein schönes Endspiel bescheren. Aber die DurchfĂŒhrung weist leider diverse MĂ€ngel auf, wie ein zurechtgebogenes Drehbuch und Unstimmigkeiten, die direkt ins Auge fallen. Außerdem war mindestens die HĂ€lfte der Episode vorhersehbar und damit kaum spannend. Ich drĂŒcke mal ein Auge zu und konzentriere mich bei meiner Wertung auf das vorlĂ€ufige Ergebnis, wenn ich drei von fĂŒnf Sternen vergebe. Und Ihr?

Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 29. April 2023
Episode
Staffel 10, Episode 9
(The Blacklist 10x09)
Deutscher Titel der Episode
Der Troll Farmer (Nr. 38) - Teil 3
Titel der Episode im Original
The Troll Farmer: Part 3
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 23. April 2023 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 12. August 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 12. August 2023
Autoren
Jon Bokenkamp, Lukas Reiter, Katie Bockes, Jon Bokenkamp
Regisseure
Cort Hessler, Michael Caracciolo, Matthew McLoota, John Terlesky

Schauspieler in der Episode The Blacklist 10x09

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