The Blacklist 10x08

© NBC
The Troll Farmer: Pt. 2
Der Episodentitel kündigt die Rückkehr des Troll Farmers alias Bo Chang (Aaron Yoo) bereits an, und Wujing (Chin Han) hatte gegenüber Robert Vesco (Stacy Keach) schon vor ein paar Wochen den Blacklister erwähnt, der die Dateien der Taskforce stehlen und entschlüsseln soll, um den Deal zwischen FBI und Raymond Reddington (James Spader) publik zu machen. In den ersten Minuten dieser Episode verschafft sich Chang eine Kopie des Ausweises von Graham Flynn (Colin Moss) und nutzt als Ablenkung ein erfundenes Geiseldrama, welches er selbst über Social-Media-Kanäle initiiert hat.
Red kriegt Wind davon und lässt Cooper (Harry Lennix) und die Taskforce den Fall untersuchen, der als Vorbereitung für Changs nächsten Coup dienen soll. Erneut täuscht der Troll Farmer einen Notfall vor und kann dieses Mal eine streng geheime Cyberwaffe der NSA erbeuten. Unser Team ist ihm aber mittlerweile auf die Schliche gekommen und kann ihn mitsamt der Waffe dingfest machen. Um an den Auftraggeber Wujing zu kommen, lässt Cooper Chang am Treffpunkt erscheinen, ohne Red darüber zu informieren. Prompt schlägt die Aktion fehl, wobei der Freelancer (Daniel Sauli) die Waffe entgegennehmen sollte, der erneut und dieses Mal mit der Hilfe von Richard Deever (Chris McKenna) entkommen kann.
In den Nebenhandlungen stattet Red verschiedenen Personen Besuche ab, während Siya (Anya Banerjee) ständig von Herbie (Alex Brightman) angerufen wird. Offenbar hat dem forensischen Analysten seine Arbeit mit der Taskforce so gut gefallen, dass er gewillt ist, längerfristig für Cooper zu arbeiten. Mit der Empfehlung von Red soll Herbie nun fortan die Taskforce unterstützen. An anderer Stelle beschwert sich Red bei Cooper, dass er nicht über die jüngste Operation informiert wurde und meint gegen Ende, dass die ganze Auseinandersetzung mit Wujing innerhalb von 72 Stunden erledigt sein wird.
Fall der Woche
Falsche Informationen über Social Media zu verbreiten, ist heutzutage keine Seltenheit mehr. Dafür gibt es sogar Anleitungen, wie sich mit ein wenig Recherche herausfinden lässt. Allein die Suche nach „social media prank“ lieferte mir Ergebnisse im zweistelligen Millionenbereich, unter anderem auch diesen Artikel von 2016, der sich auf Facebook und diverse Möglichkeiten bezieht, mit denen man seine dortigen „Freunde“ trollen kann. An sich vielleicht harmlos (auch wenn mir einige Streiche bereits zu weit gehen), aber im Zeitalter von Fake News und gezielter Desinformation gleichzeitig eine Waffe, die sehr schnell sehr gefährlich werden kann und deren Folgen kaum absehbar sind.
Dass sich Bo Chang nun dieser „Waffe“ bedient, um seine Ziele zu erreichen, gibt uns endlich wieder ein relevantes Thema, welches zu Recht in The Blacklist aufgenommen und ins Extrem geführt werden darf. Zwar wird wohl kaum jemand in der Lage sein, ähnlich wie Chang derartige Krisensituationen heraufzubeschwören, aber theoretisch muss man dafür auch nicht über Changs Mittel verfügen. Daher bleibt nach dieser Episode ein reales Thema zurück, über das sich Nachdenken lässt, womit die Folge einen gewissen Mehrwert hat.

Das Ziel unseres Troll Farmers geht allerdings wieder in den imaginären Bereich, denn eine solch praktische Waffe für Cyberattacken (oder deren Abwehr) wird es wohl kaum geben. Weniger imaginär sind derweil Angriffe durch Hacker, die ganze Systeme lahmlegen und damit nicht nur Lösegeldforderungen verfolgen, sondern politisch oder gar kriegerisch motiviert versuchen, staatliche Infrastrukturen zu schädigen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist der Hinweis des Abgeordneten McFarley (Ben Livingston), dass ein dritter Weltkrieg mit Cyberwaffen ausgetragen werden könnte, leider nicht sehr weit hergeholt und lässt den Zuschauer auch bei diesem Thema etwas nachdenklich zurück.
Taskforce
In Sachen Ermittlungen gibt es bei unserem Team kaum etwas zu beanstanden. Siya muss natürlich erst noch von Donald (Diego Klattenhoff) und Dembe (Hisham Tawfiq) über Bo Chang informiert werden, der einst Elizabeth Keen (Megan Boone) und Raymond Reddington in The Troll Farmer (3x01) die Flucht ermöglichte. Den Hinweis darauf, dass Siya die Einzige ist, die sich in Social-Media-Kanälen aufhält und deshalb die Führung bei den Ermittlungen übernehmen soll, fand ich amüsant. Also nicht, dass Dembe oder Donald einen Account bei „Rumbler“ haben sollten, aber die Überwachung diverser Plattformen sollte zum Aufgabenbereich des FBI gehören und wäre in vorherigen Staffeln sicher bei Aram (Amir Arison) gewesen.
Nach dem ersten Vorfall leistet unser Team jedenfalls gute Arbeit und zieht die richtigen Schlüsse, um die Puzzleteile beim zweiten Angriff zusammenzufügen. Dembe spekuliert mit Donald sogar darüber, was Bo Chang beziehungsweise Wujing mit der Waffe plant. Wobei mir an der Stelle der Gedanke kam, dass die Festnahme von Chang vielleicht geplant war und der Sender im Köfferchen seinen Weg in unsere Zentrale finden sollte, um Wujing den Aufenthaltsort unserer Agenten zu geben. Aber falls dem so ist, wird das in dieser Episode noch nicht offenbart und die vorgesehene Übergabe negiert diesen Verdacht direkt wieder.
Zu kritisieren hätte ich bloß, dass Cooper diese Woche nicht alles mit Red teilt. Zugegeben, dass Raymond sein Handy entsorgt hat und in Bezug auf Wujing sowie deren Komplizen tödliche Absichten verfolgt, liefert Harold mehr als einen triftigen Grund dafür, diesen Plan nicht zu teilen. Außerdem zieht diese Vorgehensweise ein Gespräch zwischen Siya und Dembe nach sie, bei der sie hinterfragt, wie die Taskforce funktionieren kann, wenn beide Parteien sich gegenseitig nicht wirklich vertrauen. Aber die bisherigen Folgen der zehnten Staffel deuteten auf eine wesentlich größere Vertrauensbasis hin, weshalb mir dieser neuerliche Bruch nicht schmecken will.
Raymond Reddington
Das gilt übrigens auch für Red, der unsere Taskforce über seine jüngsten Ermittlungen zunächst im Dunkeln lässt. Die Person, die Chuck (Jonathan Holtzman) in New Orleans aufspüren und mitbringen soll, kann am Ende ja nur Richard Deever gewesen sein. Das beschert uns zwar eine Überraschung, wenn Deever den Freelancer zu Red bringt, aber wie gesagt wurde uns in der jüngeren Vergangenheit eine wesentlich höhere Transparenz zwischen Red und der Taskforce aufgezeigt. Dass er am Ende Siya die Adresse zukommen lässt, wo er Deever zurückgelassen hat, ist allerdings wieder ein Pluspunkt.

Gut gefallen haben mir dafür die restlichen Handlungen um Reddington. Der Besuch bei Phil (Tony Ward) sticht ein wenig hervor - ich hätte nie gedacht, dass eine Geschichte um eine einäugige Ziege so spannend sein kann, geschweige denn, welche Wirkung da erzielt wird. Der Besuch bei Agnes (Sami Bray) war ebenfalls „köstlich“ und animiert dazu, selbst mal einen Schokoladenkuchen mit Mayonnaise zu backen und zu probieren. Zuletzt sei noch der Besuch bei Herbie (Alex Brightman) erwähnt, welcher uns dank Reds Empfehlung bei Cooper wohl tatsächlich bald im Team begegnet. Auf diese Auftritte freue ich mich schon.
Ansonsten erfahren wir noch ein wenig über die Vorbereitungen im Hintergrund, die bei Red schon seit längerer Zeit laufen. Hier sehe ich es auch nicht als schlimm an, wenn Red sich bedeckt hält und diese Pläne noch nicht mit Cooper teilt. Klar, es war abzusehen, dass es auf die Beseitigung von Wujing und den Schutz der Taskforce hinauslaufen wird, aber eine Bestätigung ließ bislang noch auf sich warten. Jetzt wissen wir (und Cooper), dass es in 72 Stunden so weit sein soll. Mal schauen, was genau Red da vorbereitet hat.
Wujing
Ob Wujing am Ende tatsächlich wie eine lästige Fliege sein wird? Nach dem kleinen Sieg von letzter Woche könnte sich das bestätigen, denn in dieser Folge scheint es mit unserem Gegenspieler wieder gewaltig bergab zu gehen, was nicht unbedingt gut ist. Fassen wir mal kurz den aktuellen Stand zusammen und schauen auf die bisherigen Blacklister, die für Wujing ins Feld gezogen sind oder ziehen sollten.

Dr. Laken Perillos (Laverne Cox) hat Wujing nach getaner Arbeit selbst wieder verschwinden lassen. Robert Vesco war Reds Maulwurf und wurde getötet. Der Freelancer hat sich fleißig für Wujing engagiert, befindet sich aber jetzt in Reds Gewalt und könnte preisgeben, wo unser Gegenspieler sich aufhält. Diese Woche kommt der Troll Farmer hinzu, aber wechselt nach seiner Inhaftierung und dem Verhör mit Dembe und Donald (scheinbar?) wieder die Seiten. Unterm Strich also nicht gerade eine Glanzleistung, die Wujing da vollbringt. Wir können zwar vermuten, dass er noch weitere Blacklister an Bord hat, von denen wir noch nichts wissen, aber bislang spricht nur wenig dafür. Da muss dringend eine Überraschung her, die Wujing wieder die Oberhand gibt, denn sonst haben wir es tatsächlich nur mit einer lästigen Fliege zu tun, die sich leicht wegwischen lässt.
Fazit
Ein paar Knackpunkte in der Handlung wollen hierbei nicht so recht schmecken, während die Bedrohung durch Wujing scheinbar (?) kleiner wird. Dafür gibt es aber wieder größere Portionen Raymond Reddington, gutes Teamwork bei der Taskforce und ein paar interessante Themen, über die sich nach der Episode noch grübeln lässt. Ich würde insgesamt erneut dreieinhalb von fünf Sternen springen lassen. Und Ihr?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 22. April 2023(The Blacklist 10x08)
Schauspieler in der Episode The Blacklist 10x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?