The Americans 6x09

The Americans 6x09

In ihrer vorletzten Episode bleibt die Spionageserie The Americans ihren Wurzeln treu. Für Jennings, Elizabeth und ihren Ehemann bedeutet dies, dass es nun sehr schnell sehr eng werden könnte. Ein spannendes Finale dürfte somit garantiert sein.

Elizabeth (Keri Russell) muss sich beruflich und privat einiges anhören. (c) FX
Elizabeth (Keri Russell) muss sich beruflich und privat einiges anhören. (c) FX
© lizabeth (Keri Russell) muss sich beruflich und privat einiges anhören. (c) FX

Ist es schizophren zu glauben, The Americans würde sich in ihrer sechsten und letzten Staffel mit einem Action-Feuerwerk verabschieden? Vielleicht ja, denn Joel Fields und Joe Weisberg, Showrunner und Drehbuchautoren der Episode Jennings, Elizabeth, sind ihrer Vorgehensweise stets treu geblieben. Diese beinhaltete zwar immer mal wieder packende Actionszenen, aber größtenteils präsentierten sie uns hier ein stilles, nachdenkliches Charakterdrama, und eben keinen explosiven Spionagethriller.

Falsche Annahmen

Das könnte sich im Finale ändern, denn Elizabeth (Keri Russell) und Philip Jennings (Matthew Rhys) sind nun endgültig on the run. Das „topsy turvy“-Signal hätte nicht eindeutiger ausfallen können. Allerdings gibt es in der letzten Episode ever noch einiges zu klären. Diese Folge hat bereits viel Aufklärungsarbeit geleistet, aber längst nicht so viel, wie man vorher hätte glauben können. Stattdessen widmet sie sich noch einmal der Vergangenheit, gibt uns einen vermutlich letzten Einblick in Elizabeths Ausbildung und bringt bekannte Gesichter zurück.

Stan (Noah Emmerich) ist in seinem Glauben an die Jennings'sche Schuld so gefestigt, dass er auch am Arbeitsplatz nach Beweisen dafür sucht. Die Datenbanksuche ergibt gar nichts, weshalb er sich ins Feld begibt. Im Reisebüro seiner Nachbarn hofft er irgendwelche Anhaltspunkte zu finden, Philip bietet er gar finanzielle Hilfe an, wovon er sich wohl verspricht, sein Gegenüber würde sich in irgendeiner Form eine Schwäche leisten. Dem ist natürlich nicht so, was wir Stan auch hätten erzählen können, hätte er uns gefragt. Auch nach drei Jahren Abstinenz kann einen Philip Jennings nichts so leicht schrecken.

Ähnlich wenig Glück hat Stan mit einem Anruf in Buenos Aires, wo Pastor Tim (Kelly AuCoin) seinen kirchlichen Auslandsdienst tut. Er könnte Ehepaar Jennings verraten, sieht davon aber ab - vielleicht, weil er Paige (Holly Taylor) schützen will, vielleicht, weil er zu viel Angst hat. Nur einen winzigen Kommentar über die Glaubensfestigkeit der ihm bekannten Familienmitglieder erlaubt er sich, aber damit kann Stan nichts anfangen. Also zieht er die Notbremse und erzählt seinem ehemaligen Partner Aderholt (Brandon J. Dirden) davon.

Dank klassischer Methoden kommt das FBI seinem Ziel näher.
Dank klassischer Methoden kommt das FBI seinem Ziel näher. - © FX

Dessen Reaktion ist dank Stans Ausführungen äußerst verständlich. Weisberg und Fields bedienen sich dabei eines klugen Drehbuchkniffs. Wir Zuschauer wissen natürlich, dass Stan Recht hat. Aber für Aderholt muss das alles viel zu weit hergeholt klingen. Es gibt keine handfesten Beweise, nur Vermutungen, die teilweise auch noch auf jahrealten Begebenheiten beruhen. Eine Frau mit tollen Haaren, die viel raucht? Eine Familie mit zwei Kindern? Ein Auto, das Marke und Modell eines Wagens aus einem anderen Verbrechen gleicht? Stan muss wohl total überarbeitet sein.

Zwischen den Fronten

Was wird jedoch mit ihm geschehen, wenn sich herausstellt, dass er Recht hatte? Wird er dafür ausgezeichnet oder doch auf der Stelle gefeuert, weil es ihm nicht früher aufgefallen ist? Der Lösung des Rätsels kommen er und die FBI-Kollegen jedenfalls durch klassische Antispionagearbeit näher. Ein Priester verrät einen anderen, weil er mit dessen politischer Klüngelei nicht einverstanden ist. Und Oleg (Costa Ronin) wird bei der Abholung eines dead drop beobachtet. Ihm kommt wohl die bisher tragischste Rolle in der gesamten Staffel zu, nun, da er vom FBI festgenommen wurde.

Die Unterhaltungen-Slash-Vernehmungen zwischen ihm und Stan gehören zu diesen brillanten Momenten, die kaum eine Serie so hinbekommt wie The Americans. Obwohl darin nur leise gesprochen wird, bersten sie geradezu vor Spannung. Sie halten uns in Atem, weil wir die darin involvierten Figuren so gut kennen - und weil sie von hochbegabten Darstellern gespielt werden. Stan glaubt, Oleg zum Reden bringen zu können, weil ihm andernfalls mehrere Jahrzehnte im Gefängnis drohen. Aber Oleg bleibt standhaft - das Vaterland ist wichtiger als jede Form sentimentaler Zuneigung zur eigenen Familie.

Dabei wollen sie beide eigentlich Ähnliches - und das versucht Oleg seinem Gegenüber auch klarzumachen. Sollte die Botschaft, die ihm zugespielt wurde, nicht nach Russland weitergeleitet werden, könnten Gorbatschows Verhandlungsbemühungen doch noch zunichte gemacht werden. Also bittet Oleg unumwunden darum, Stan solle diese Weiterleitung doch übernehmen. Der kann darüber erstmal nur lachen, kommt dann aber doch ins Grübeln. Eine der spannendsten Fragen des Finales wird es sein, ob sich Stan vom eigenen Gewissen überreden lässt. Vielleicht kommt die Sache aber auch gar nicht mehr vor, so genau weiß man das nicht.

Ob das der letzte Auftritt von Claudia (Margo Martindale) war?
Ob das der letzte Auftritt von Claudia (Margo Martindale) war? - © FX

Elizabeth ist derweil in ihrer neuen Ansicht zu allem entschlossen. Statt den vermeintlichen Feind zu bespitzeln, widmet sie sich nun den Saboteuren in den eigenen Reihen. Es genügt ihr nicht, den russischen Unterhändler Nesterenko (Alex Feldman) zu verschonen, sie will auch sicherstellen, dass kein anderer Russe ihn ermordet. Das kostet Olegs Ex-Freundin Tatiana (Vera Cherny) das Leben, wobei ich die auf Nesterenko zugehende Frau zunächst für Renee (Laurie Holden) gehalten habe. Wäre das nicht eine besonders elegante Art gewesen, deren wahre Identität zu enthüllen?

Emotionales Feuerwerk

Bei Claudia (Margo Martindale) macht Elizabeth jedenfalls überhaupt keinen Hehl daraus, die Aktion erfolgreich sabotiert zu haben. Dies führt zu einer weiteren bombastischen Szene, mit der sich Claudia wohl aus der Serie verabschiedet. Sie äußert ihre abgrundtiefe Enttäuschung über Elizabeths Verhalten und macht ihr unmissverständlich klar, dass sie nicht darauf zählen könne, bei Entdeckung nach Russland zu fliehen. Nun sind die Jennings ganz auf sich alleine gestellt, was eine ziemlich überraschende, aber äußerst vielversprechende Ausgangssituation fürs Finale ist.

Wenn es überhaupt zur gemeinsam Flucht kommt, wäre es hilfreich, die Familie könnte auf ihren großen Zusammenhalt zählen. Aber davon ist derzeit nicht besonders viel zu spüren. Zwar funktioniert es zwischen Elizabeth und Philip wieder ganz gut, aber die Mutter-Tochter-Beziehung erleidet in dieser Episode Schiffbruch. Paige hat den von Elizabeth verführten Jackson Barber auf einer Party kennengelernt, wo er völlig besoffen von seiner schrecklichen Erfahrung berichtet hat. Nun stellt sie ihre Mutter zur Rede, die aber genau das macht, was sie kürzlich noch Claudia vorgeworfen hat: Sie lügt wie gedruckt.

Dies führt zu einer giftigen, beim Zusehen beinahe schmerzhaften Auseinandersetzung, in der vor allem Paige Dinge sagt, die nur schwer zurückzunehmen sind. Elizabeth verteidigt sich mit dem bekannten Verweis auf ihr hartes Aufwachsen, das in keinster Weise mit dem von Paige genossenen Erwachsenwerden zu vergleichen sei. Damit hat sie zwar Recht, aber ist das auch eine Entschuldigung? Eine große Rolle wird diese Differenzierung wohl nicht mehr spielen, denn es gibt nur noch eine Episode, und in der wird Familie Jennings vor allem eines tun: Rennen.

Die Abschlussstaffel von The Americans überrascht wegen der Unaufgeregtheit, mit der sie von Weisberg, Fields und Konsorten zu Ende erzählt wird. Das ist angesichts immer pompöserer Fernsehunterhaltung wie Game of Thrones oder Westworld angenehm wohltuend. Das Kreativteam weiß genau, was es will, und auch, wie es dorthin kommt. Mein Vertrauen darin, dass es uns ein spektakuläres Finale liefern wird, bleibt ungebrochen.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 24. Mai 2018

The Americans 6x09 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 9
(The Americans 6x09)
Titel der Episode im Original
Jennings, Elizabeth
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 23. Mai 2018 (FX)
Autoren
Joel Fields, Joseph Weisberg
Regisseur
Chris Long

Schauspieler in der Episode The Americans 6x09

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