The Americans 6x08

The Americans 6x08

Nach der atemberaubenden letzten Episode schaltet The Americans in The Summit einen Gang zurück. Während Elizabeth an einen wichtigen Scheideweg gelangt, sucht Philip mit wachsender Verzweiflung nach irgendeiner Art von Halt. Stan bleibt ihnen auf der Spur.

Auf den Bändern findet Elizabeth (Keri Russell) keine wichtigen Informationen. (c) FX
Auf den Bändern findet Elizabeth (Keri Russell) keine wichtigen Informationen. (c) FX
© uf den Bändern findet Elizabeth (Keri Russell) keine wichtigen Informationen. (c) FX

In der The Americans-Episode Harvest schien das Endspiel der Serie eingeläutet worden zu sein, da Stan (Noah Emmerich) endlich dahinterkam, wer seine Nachbarn wirklich sind. Dieser Handlungsbogen nimmt sich in der von Joshua Brand geschriebenen und Sylvain White inszenierten Episode The Summit allerdings größtenteils eine Auszeit. Diesen vermeintlichen Leerlauf wissen Drehbuchautor und Regisseur aber bestens zu füllen - mit der Umkehr von Elizabeth Jennings (Keri Russell).

Ja, ist es denn die Möglichkeit?

Sie war stets die Überzeugtere, die ideologisch Gefestigtere der beiden „Americans“. Deshalb ist es nun auch ziemlich überraschend, dass sie am Ende ihre Auftraggeber hintergeht und fortan gegen sie arbeiten will. Das Autorenteam will so vielleicht einer - eventuell tödlichen - Konfrontation zwischen Elizabeth und ihrem Ehemann Philip (Matthew Rhys) aus dem Weg gehen. Verdient hätten es beide: Nachdem sie lange gebraucht haben, um aus ihrer vorgetäuschten eine echte Ehe zu machen, sind sie nun an einem Punkt angekommen, an dem sie bedingungslos füreinander eintreten, auch wenn das von außen nicht immer so aussieht.

Ihre Partnerschaft ist der unbestreitbare emotionale Kern der Serie, weshalb es nachvollziehbar ist, diesen nicht kurz vor Ende auseinanderzusprengen. Oberflächlich betrachtet, ist Elizabeths Kehrtwende durchaus eine Überraschung, aber die Anzeichen dafür waren eigentlich überall zu erkennen. Den endgültigen Anstoß zum Umdenken gibt - wie kann es anders sein? - Philip, indem er zugibt, sie ausgehorcht zu haben. Zunächst ist Elizabeth darüber empört, wünscht ihren Ehemann gar in die Hölle. Aber je länger sie darüber nachdenkt, desto einleuchtender werden seine Beteuerungen, alles nur für sie getan zu haben.

Sämtliche Missionen, die Elizabeth in dieser Episode zu erfüllen hat, tragen ebenfalls zu ihrer weitreichenden Entscheidung bei. Mit dem jungen Senatorenpraktikanten Jackson (Austin Abrams) läuft zunächst alles wie geschmiert. Elizabeth bekommt dank ihrer Verführungskünste von ihm, was sie möchte. Er platziert unwissentlich eine Wanze in einem Verhandlungszimmer, findet diese aber anschließend selbst, weil er von ihrer Schönheit nicht so verblendet ist, wie sie das gerne glauben würde. Anschließend tut er alles dafür, als weiterer Eintrag auf ihrem nicht enden wollenden Mordtableau gescheiterter Missionen zu landen.

Philip (Matthew Rhys) irrt völlig kopflos durch die Gegend.
Philip (Matthew Rhys) irrt völlig kopflos durch die Gegend. - © FX

In Elizabeths Ohren hallen jedoch noch Philips Worte nach, mit denen er sie gefragt hat, ob sie sich noch darüber im Klaren sei, wofür sie eigentlich kämpfe. Natürlich müsste sie Jackson nun eigentlich umbringen, aber selbst für eine kaltblütige Agentenmaschine wie Elizabeth wird der Leichenberg irgendwann einmal zu hoch. Also lässt sie den Jungen laufen, obwohl sie sich sicher sein kann, dass er irgendjemandem von ihrer Aktion erzählen wird. Vielleicht ist es ja gerade sein junges Alter, das ihm das Leben gerettet hat. Vielleicht hat sie in diesem Moment an ihre gleichaltrige Tochter Paige (Holly Taylor) gedacht.

Die Momente der Einsicht

Oder sie ist es einfach leid, anderen Leid zuzufügen, obwohl die gar nichts verbrochen haben, sondern ihr nur im Weg stehen. Aus ihrer Vergangenheit - und vor allem aus dieser sechsten Staffel - ließen sich unzählige Beispiele zusammentragen, aber nun ist sie an einem Punkt angekommen, an dem es nicht mehr weitergeht. Das lässt sich auch gut am Handlungsbogen um die nun endgültig im Sterben liegende Erica (Miriam Shor) ablesen. Deren Zeichnungen hat Elizabeth anfänglich nicht verstanden, nun malt sie selbst in jeder freien Minute.

Als sie von Glenn (Scott Cohen) darum gebeten wird, bei der Sterbehilfe für Erica zu assistieren, bietet Elizabeth sogleich freimütig ihre Expertise an, von der er ja gar nichts weiß. Die alte Elizabeth hätte wohl versucht, sie zu retten und ihn so zu manipulieren, dass er weiter an den Gipfelverhandlungen teilnimmt, damit sie ihn wieder ausspionieren kann. Dank Philip und den vielen Leichen, die ihren Weg pflastern, macht sie nun mit der leidenden Erica, was sie am besten kann: ruchlos töten. Obwohl sie dabei altruistisch handelt, ist die dazugehörige Szene ob ihrer Schonungslosigkeit nur schwer zu ertragen.

Endgültig wechselt sie die innersowjetischen Lager, als sie von Claudia (Margo Martindale) erfährt, was der Center als Nächstes von ihr verlangt: den Mord am prominenten russischen Unterhändler Nesterenko (Alex Feldman). Elizabeth beginnt zwar ihren Mordversuch, lässt in letzter Sekunde allerdings davon ab, weil alles, was sie bisher von ihrer Zielperson erfahren hat, eigentlich positiv ist für das, wofür die Sowjetunion ihrer Meinung nach kämpfen sollte. Dass er nur umgebracht werden soll, damit seine Berichte zu Ungunsten Gorbatschows manipuliert werden können, ist selbst für Elizabeths Obrigkeitshörigkeit zu viel.

Stan (Noah Emmerich) geht mit kühlem Kopf seinen Ermittlungen nach.
Stan (Noah Emmerich) geht mit kühlem Kopf seinen Ermittlungen nach. - © FX

Also macht sie eine Kehrtwende um 180 Grad, weil sie erstens an das glaubt, wofür Nesterenko verhandelt, und zweitens keine Lust mehr hat, stillschweigende Befehlsempfängerin zu sein. In gewisser Weise hat ihr dieser Status früher stets geholfen, ihr Gewissen rein zu halten. Sie war ja immer nur die Ausführende, nicht diejenige, die die Todesurteile sprach. Aber nun, da sich die Opferzahlen so rasant erhöhen, stellt sie doch die Sinnfrage. Das mag vielleicht nicht für ein solch explosives Finale herhalten, wie es eine Jennings'sche Auseinandersetzung gewesen wäre, aber großes emotionales Kino ist es dennoch.

Vollkommene Orientierungslosigkeit

Elizabeth hat jetzt auch Gefühle, deal with it. In keiner Szene wird das hier so deutlich wie in der in der heimischen Garage, in der sie minutenlang überlegt, ob sie das von den Haskards geschenkte Bild nun verbrennen soll. Elizabeth 1.0 hätte daran überhaupt keine Gedanken verschwendet. Schrie sie Philip vor wenigen Episoden noch an, niemals so werden zu wollen wie die Amerikaner, hat sie sich mittlerweile doch ein ganzes Stück an sie angenähert. Wird sie jemals so in der amerikanischen Kultur aufgehen wie ihr Ehemann? Wahrscheinlich nicht. Anschauen würde ich mir eine Screwball-Comedy trotzdem, in der sich Elizabeth abmüht, die „American Way of Life“ zu verinnerlichen.

Eine Mini-Komödie spielt sich ja bereits ab, als sie versucht, das riesige Gemälde in den ebenso riesigen Kofferraum ihres station wagon zu hieven. Mehr zu lachen gibt es in The Summit allerdings nicht. Philip gibt sich nach dem neuerlichen Streit mit seiner Ehefrau vollends seiner depressiven Seite hin, was sogar so weit geht, dass er Stavos (Anthony Arkin) aufsucht und sich abermals für die Entlassung entschuldigt. Der gibt nur trocken zurück, dass er niemals verraten werde, welch krumme Geschäfte im Hinterzimmer des Reisebüros stattgefunden haben. Sein Glück, dass nicht die alte Elizabeth vor seiner Tür stand.

Am langsamsten geht es im Handlungsbogen um Stan voran. Der müsste seinem Verdacht eigentlich mit Sturm und Drang nachgehen, führt seine Ermittlungen aber mit der üblichen Gelassenheit durch. Die Phantombilder aus Chicago erkennt er nicht auf Anhieb, obwohl diese für Jennings-Kenner eigentlich sofort ersichtlich sein müssten. Immerhin bekommt er von Curtis (Curtis Lyons) einen eindeutigen Hinweis auf Elizabeth, die Kettenraucherin mit dem tollen Haar. Ein großes Fragezeichen steht weiterhin hinter Renee (Laurie Holden), für deren vermeintliche Spionagetätigkeit kaum noch Zeit zur Aufdeckung bleibt.

Das Ende ist nahe, aber The Americans lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Hoffen wir, dass diese Vorgehensweise in den nächsten beiden Wochen Früchte trägt.

Trailer zu Episode 6x09, „Jennings, Elizabeth“:

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 17. Mai 2018

The Americans 6x08 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 8
(The Americans 6x08)
Deutscher Titel der Episode
Der Gipfel
Titel der Episode im Original
The Summit
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 16. Mai 2018 (FX)
Autor
Joshua Brand
Regisseur
Sylvain White

Schauspieler in der Episode The Americans 6x08

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