The Americans 6x04

The Americans 6x04

Philip und Elizabeth finden in der Episode Mr. and Mrs. Teacup überall Parallelen zu ihrem eigenen Leben. Nur leider scheint ihnen die Fähigkeit abhanden gekommen zu sein, sich aufeinander einzulassen. The Americans steuern vermeintlich unaufhaltsam auf ein düsteres Ende zu.

Volle Konzentration für - nichts (c) FX
Volle Konzentration für - nichts (c) FX
© olle Konzentration für - nichts (c) FX

Das Leben als Spion ist hart - vor allem, wenn man für die Sowjetunion spioniert - und das auch noch kurz vor Ende des Kalten Krieges. Philip (Matthew Rhys) und Elizabeth Jennings (Keri Russell) wissen natürlich nichts davon, dass ihr Heimatreich bald sang- und klanglos untergehen wird, aber für den erstgenannten hätte es diese Information auch gar nicht gebraucht. Er hat längst das Handtuch geworfen. Stattdessen verrichtet seine Ehefrau nun - mit wenigen Ausnahmen - Dienst für zwei, was keine gesunden Folgen für ihren Gemütszustand hat.

Start from the dark, work towards the light

In der Episode Mr. and Mrs. Teacup erleiden The Americans so viele Niederlagen wie nie zuvor. Elizabeth scheitert nicht nur mit sämtlichen Missionen, die hier mehr als nur ein paar Minuten Spielzeit bekommen, sondern auch mit ihrem Ansinnen, Berufs- und Erziehungspflichten miteinander zu vereinbaren. Mit ähnlichen Problemen hadert Philip, der sich eingestehen muss, dass er ein besserer Spion denn Geschäftsmann ist - auch er enttäuscht den ihm zugeteilten Sprössling Henry (Keidrich Sellati), der wohl bald nach Hause zurückkehren muss.

Zu Beginn präsentiert uns Regisseurin Roxann Dawson die dunkelste Szene der Seriengeschichte, in der wir gerade so ausmachen können, dass Elizabeth, Paige (Holly Taylor) und ihre Kolleginnen versuchen, bei der Herstellerfirma der ominösen „Lithium-basierten Strahlungssensoren“ einzusteigen. Das geht so grandios schief, dass am Ende drei tote Wächter zu Buche stehen, aber keins der ersehnten Geräte, von denen Elizabeth auch jetzt noch nicht weiß, wofür sie überhaupt gut sind. Eine schöne Parallele zum McGuffin, den sie für uns Zuschauer darstellen.

Pikant ist an der Szene nicht nur, dass darin kaum etwas zu erkennen ist, sondern vor allem ihr Nachspiel. Elizabeth versucht offensichtlich weiterhin, die schlimmsten Aspekte ihres Jobs vor Paige geheim zu halten. Vor zwei Episoden log sie ihre Tochter noch bezüglich der Tatsache an, dass Verführung und Sex als Spionagemittel eingesetzt werden. Über den getöteten General Rennhull hat sie indes die Mär verbreitet, er habe sich selbst erschossen. Elizabeth ist sich also sehr wohl im Klaren darüber, welch fatale Auswirkungen es auf Paige haben könnte, würde sie die Wahrheit erfahren - zum Beispiel auch über die kaltblütig ermordeten Wachen.

Ein seltener Moment der Einsicht in einer ansonsten viel zu dunklen Szene
Ein seltener Moment der Einsicht in einer ansonsten viel zu dunklen Szene - © FX

Diese Unehrlichkeit führt zu einer Szene kaum auszuhaltender Spannung zwischen Philip und Elizabeth, die auch Paige so unangenehm ist, dass sie sogleich das Weite suchen will. Schon davor hatte sich das Ehepaar kaum etwas zu sagen, zwischen ihnen ist wahrlich die Eiszeit ausgebrochen. An Paige geht das natürlich nicht spurlos vorüber, weshalb sich Elizabeth veranlasst sieht, beruhigend auf sie einzureden: „He loves me, he loves you. But somewhere something got lost.“ Ob sie dieses verlorene Etwas jemals wiederfinden werden? Das scheint vor allem auch wegen Philips derzeitigem Verrat unwahrscheinlich.

The more you want, the more you get

Im Park trifft er sich mit Oleg (Costa Ronin), um darüber zu berichten, welche Missionen Elizabeth derzeit verfolgt. So schön es auch war, diese beiden Hauptfiguren - und tollen Darsteller - aufeinandertreffen zu sehen, so verbittert ist der Inhalt ihres Gesprächs. Gefangen zwischen zwei Welten realisieren sie beide, dass diese grundverschiedenen Philosophien doch eines gemeinsam haben: „Something rotten about it.“ Das ist Olegs Antwort auf Philips Frage, warum er Amerika wieder verlassen habe. Ganz langsam kommt der „American“ nämlich dahinter, dass auch im kapitalistischen System längst nicht alles Gold ist, was glänzt.

Er selbst erlebt die unnachgiebige Brutalität dieser Wirtschaftslogik ja gerade am eigenen Leib. Nur leider wartet nirgendwo Erlösung: Weder beim Drink mit Stan (Noah Emmerich) - dem er erstens nicht alles anvertrauen kann und der zweitens seine Probleme sowieso nicht nachvollziehen könnte, weil er finanziell weich gebettet ist - noch im Ehebett, in dem Philip einen zarten Annäherungsversuch macht, der von Elizabeth zwar mit einem flüchtigen Kuss honoriert, dann aber gleich wieder unterbrochen wird. Wer kann's ihr schon verdenken, so müde und ausgelaugt, wie sie ist.

Nur folgerichtig also, dass der line dance, zu dem Philip seine Angestellten erneut einlädt, mittlerweile kein so breites Lächeln mehr auf seine Lippen zaubert. Jedes Gespräch, das er momentan führt, sei es mit Elizabeth, Stan oder sogar Kimmy (Julia Garner), ist durchzogen von seinen Sorgen, überall scheint der echte Philip durch, auch wenn er Verkleidung trägt. Letztgenannte Gesprächspartnerin gibt ihm denn auch den für sie einleuchtenden, für ihn aber völlig wertlosen Tipp, er solle doch jeden Tag voll auskosten. Selbst, wenn er das wollte - wie soll das funktionieren?

Selbst Kimmy (Julia Garner) durchschaut Philip aka Jim Baxter (Matthew Rhys).
Selbst Kimmy (Julia Garner) durchschaut Philip aka Jim Baxter (Matthew Rhys). - © FX

Also bleibt Philip traurig und Elizabeth hoffnungslos überarbeitet. Neben der Gerätemission hat sie sich auch noch um Glenn Haskard (Scott Cohen) und seine kranke Ehefrau Erica (Miriam Shor) zu kümmern. Dabei springt immerhin eine Gelegenheit heraus, den russischen Verhandlungspartner des amerikanischen Unterhändlers auszuhorchen. Jedoch kommt dabei nichts Brauchbares heraus. Bleibt noch der Auftrag, Gennadi und Sophia zu finden, der die größte Sprengkraft enthält, weil Stan von Aderholt (Brandon J. Dirden) gebeten wurde, sich um die sichere Unterbringung der beiden Überläufer zu kümmern.

Tired all the time

Es läuft also alles auf eine Konfrontation zwischen den ach so freundlichen Nachbarn hinaus, worauf die Serie natürlich seit über fünf Staffeln hinarbeitet. Deshalb dürfte es kein Zufall gewesen sein, dass es im Gespräch zwischen Philip und Stan auch um Matthew ging. Dies sollte - genau wie Philips Begegnung mit Kimmy - ganz offensichtlich verdeutlichen, wie viel schlechter es Paige im Vergleich zu ihren amerikanischen Altersgenossen erwischt hat. Zwar scheint sie sich nicht besonders viel daraus zu machen, aber die Schuld auf dem Gewissen ihrer Eltern dürfte sehr schwer wiegen.

Sollte Philip nach dem Gespräch mit Oleg kurzzeitig an seiner Amerika-Liebe gezweifelt haben, müssten diese Bedenken am Ende der Episode eigentlich wieder verflogen sein, als er sich angesichts eines unverzehrten Sandwichs daran erinnert, wie karg sein Aufwachsen in der Sowjetunion war. Damals mussten er und seine kleinen Freunde um magere Essensreste betteln, die in Töpfen und Pfannen angetrocknet waren. So prekär seine derzeitige Situation auch sein mag - in den USA arm zu sein ist weiterhin besser als in Russland.

Henry muss dann eben in den sauren Apfel beißen, ein Weltuntergang ist es schließlich nicht, auf eine Privatschulausbildung zu verzichten. Der Center stünde wohl nur als Geldgeber bereit, wenn Henry im Tausch rekrutiert werden würde. Und, ob das so einfach geht wie bei Paige, darf bezweifelt werden. Diese Frage erübrigt sich aber sowieso, da uns nur noch sechs Episoden von The Americans bevorstehen. Ob des Dramas, das sich darin entfalten dürfte, können wir sie gleichermaßen freudig erwarten und fürchten. Ich wünsche mir dafür eigentlich nur eines: dass sie keine solch dunklen Szenen mehr enthalten wie Mr. and Mrs. Teacup.

Trailer zu Episode 6x05, „The Great Patriotic War“:

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 19. April 2018

The Americans 6x04 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 4
(The Americans 6x04)
Titel der Episode im Original
Mr. and Mrs. Teacup
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 18. April 2018 (FX)
Autor
Peter Ackerman
Regisseur
Roxann Dawson

Schauspieler in der Episode The Americans 6x04

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