The Americans 6x03

The Americans 6x03

Die Gräben werden tiefer, die Schützen sind entschlossener denn je. In der The-Americans-Episode Urban Transport Planning werden die Grundlagen für die großen Konfliktlinien der letzten Staffel gelegt. Sogar in Stans Handlungsbogen zeichnet sich eine Richtung ab.

Elizabeth (Keri Russell) ist mit den Nerven völlig am Ende. (c) FX
Elizabeth (Keri Russell) ist mit den Nerven völlig am Ende. (c) FX
© lizabeth (Keri Russell) ist mit den Nerven völlig am Ende. (c) FX

In der Auftaktepisode zur sechsten und letzten Staffel von The Americans hat es sich bereits angekündigt, nun ist es bereits so weit: Philip (Matthew Rhys) und Elizabeth Jennings (Keri Russell) haben sich emotional und ideologisch so weit voneinander entfernt, dass der eine beschließt, seine Ehefrau fortan auszuspionieren. Dies geschieht am Ende einer langen Reihe von Meinungsverschiedenheiten, die mal mehr, mal weniger laut - und bisweilen sogar ziemlich witzig - ausgetragen werden. Ein gutes Ende rückt für sie in unerreichbare Ferne.

Stick to the plan

Aber damit haben wir ja sowieso nie wirklich gerechnet, oder? Die Episode Urban Transport Planning steigt genau dort ein, wo die letzte aufgehört hatte. Der Zwischenfall mit General Rennhull ist so nah, dass Elizabeth immer noch damit beschäftigt ist, sich das Blut aus dem Gesicht zu waschen, was sich als ziemlich hartnäckige Angelegenheit herausstellt. So bleibt Philip Zeit, sich mit Paige (Holly Taylor) über das Erlebte zu unterhalten. Nur leider gibt er seiner Tochter einen Ratschlag, der dem, was ihre Mutter sagen würde, diametral gegenübersteht.

Philip versucht, aus seinen EST-Seminaren eine Lebensweisheit abzuleiten, derzufolge Paige die erlebte negative Emotion nicht verdrängen, sondern als Teil ihres Heilungsprozesses verstehen sollte. Er wählt einen verständnisvollen, sanften Ansatz, was wohl jeder halbwegs vernünftige Vater genauso machen würde, aber in diesem sehr speziellen Fall merkt man ihm einfach nur an, dass er seit drei Jahren den Spionagedienst an den Nagel gehängt hat. Dementsprechend verzerrt ist die Botschaft, die Paige unmittelbar danach von Elizabeth hört - nämlich, dass sie ihre Gefühle zu unterdrücken und ihren Anweisungen zu folgen hat.

Die Verwirrung bei der Nachwuchsagentin ist maximal, als Philip ihr erst erlaubt, in ihrem Elternhaus zu übernachten, Elizabeth dies aber sofort danach verbietet. Das passt natürlich zur Philosophie beziehungsweise dem sturen Gehorsam, den sie ihrer Tochter eintrichtern will: „You don't get to talk about what you thought or how you felt or anything else.“ Als Paige abgezogen ist, geht der elterliche Streit weiter, wobei Elizabeth zumindest eingesteht, die Situation mit Rennhull falsch eingeschätzt zu haben. Mehr erfährt Philip darüber jedoch nicht - ihm fehlt schlichtweg die nötige security clearance.

Philip (Matthew Rhys) gehört nicht mehr so richtig dazu.
Philip (Matthew Rhys) gehört nicht mehr so richtig dazu. - © FX

Im weiteren Verlauf der Episode weitet sich der Graben zwischen dem Ehepaar immer mehr. Elizabeth gibt Paige mit kühlerem Kopf Einblick in ihre Lebens- und Arbeitsphilosophie: „For me, no matter how risky it is, it's okay.“ Ihre Liebe zu Mutter Russland sei so stark, dass sie gar nicht darüber nachdenken müsse, ob sie nun das Richtige tue. Und wenn man an diesem Punkt angekommen sei, helfe es nicht, über Leben und Tod nachzudenken: „You can't live your life being afraid, there's no point.“ Man müsse dann einfach genau das tun, wovon man überzeugt ist.

The people back home

Das hört sich in der Theorie einfacher an, als es in der Praxis ist, vor allem für Paige. Und für Philip. Aber nicht für Elizabeth, zumindest will sie das alle Umstehenden glauben lassen. Pater Andrei (Konstantin Lavysh) - der sie und Philip in geheimer Zeremonie verheiratet hatte - lässt sie zumindest ein bisschen tiefer blicken. Als der jedoch vorschlägt, sie solle doch einmal ihren Ehemann mitbringen, kehrt der argwöhnische Ausdruck in ihr Gesicht zurück, der mittlerweile zu ihrem Standardrepertoire gehört. Dabei hilft auch nicht, dass die momentane Lebensrealität von ihr und Philip so fundamental unterschiedlich aussieht.

Er lebt den amerikanischen Unternehmertraum, der ganz offensichtlich nicht so einfach zu erfüllen ist, wie das einstmals den Anschein hatte. Henrys Privatschule meldet sich nämlich mit einer Zahlungsaufforderung, die Philip mit einem einmaligen Aufschub zu umgehen gedenkt. Hernach macht er eine Ansprache vor seinen Mitarbeitern, was ziemlich ungewöhnlich ist, zumindest, wenn man die verdatterten Gesichtsausdrücke als Maßstab nimmt, die ihn dabei anstarren. Lange wird es ein Reisebüro wie seins sowieso nicht mehr geben, aber das kann der arme Philip ja jetzt noch nicht wissen.

Das genaue Gegenteil von Philips weichgespültem Arbeitsalltag erlebt Elizabeth, die kurz davorsteht, von all ihren Aufgaben zerrieben zu werden. Wie dünn ihr Nervengerüst ist, hat sie bereits gegenüber Paige demonstriert, nun kann sie sich auch vor ihrem Ehemann nicht mehr zurückhalten. Von einer ihrer Russland-Glorifizierungssessions mit Paige und Claudia (Margo Martindale) bringt sie ihm eine Portion Heimatkost mit, für die er nur sehr schwer echte Begeisterung aufbringen kann. Zuvor hat man ihr förmlich dabei zusehen können, wie sie beim Kochen eines heimatlichen Gerichts aufblüht.

In der Küche ist Streit mittlerweile vorprogrammiert.
In der Küche ist Streit mittlerweile vorprogrammiert. - © FX

Von Philip weiß sie jedoch, dass er den amerikanischen Assimilierungsprozess längst begonnen hat. Entsprechend deutlich sind die Worte, die sie ihm gegenüber wählt: „I hate it here.“ Während er es für etwas Positives hält, dass sich Westen und Osten annähern (und in Moskau vielleicht bald ein Pizza Hut eröffnet, lol), würde genau das ihrer schlimmsten Horrorvorstellung gleichkommen, obwohl sie - wie Philip richtigerweise anmerkt - seit 20 Jahren nicht mehr zu Hause war. Bei Elizabeth kommt das aber nicht mehr an: „I don't want to be like them.

Don't do it

Für ihn ist das der berühmte straw that broke the camel's back. In diesem Moment entscheidet er sich dafür, gegen seine Ehefrau nicht nur im Geiste zu opponieren, sondern auch tatkräftig. Also setzt er seine „Sad Philip“-Maske auf, die wir in dieser Staffel noch gar nicht gesehen haben, und trifft sich mit Oleg (Costa Ronin), der ausdrücklich nach Washington geschickt wurde, um die Aktionen der Gorbatschow-Gegner - darunter Elizabeth - zu sabotieren. Stan (Noah Emmerich) ist er da schon begegnet, was der FBI-Agent nicht nur zum Anlass nimmt, sich wegen der Erpressung durch die CIA zu entschuldigen und an Nina zu erinnern, sondern auch, um eine deutliche Warnung auszusprechen.

Ansonsten ist Stan damit beschäftigt, sich - und die Serie - von dramaturgischen Altlasten zu befreien. Der Handlungsbogen um die TASS-Mitarbeiterin Sofia (Darya Ekamasova) und ihren Ehemann Gennadi (Yuri Kolokolnikov) war bereits in der letzten Staffel kein großer Hit, nun hat sich Drehbuchautorin Tracey Scott Wilson endgültig seiner entledigt. Zumindest lässt sich daran erahnen, welches Schicksal Ehepaar Jennings blühen könnte: Falls nicht einer oder beide im Kugelhagel oder sonstwie sterben, könnten sie ganz banal verhaftet oder ins Zeugenschutzprogramm gesteckt werden.

Derzeit würde es Elizabeth und Philip wohl nicht allzu viel ausmachen, wenn sie längere Zeit ohne einander auskommen müssten. Ihre Ehe hat sich stets in Wellen fortbewegt, momentan stecken sie jedoch in einer Krise, deren Ausmaß sie bisher nicht kannten. Könnte es sogar so weit kommen, dass sich Elizabeth gezwungen sieht, ihren eigenen Ehemann umzubringen? Es wäre ein brutales, niederschmetterndes, aber nicht unrealistisches Ende der Geschichte. Und wie ruchlos sie derzeit vorgeht, kann man am Ende von Urban Transport Planning bestaunen, als sie einen arglosen Informanten erwürgt, weil dessen Freundin eine Gefahr darstellen könnte.

Vor dieser Killermaschine muss derzeit wirklich jeder Angst haben. Wie geil.

Trailer zu Episode 6x04: „Mr. and Mrs. Teacup“

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 12. April 2018

The Americans 6x03 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 3
(The Americans 6x03)
Deutscher Titel der Episode
Öffentlicher Nahverkehr
Titel der Episode im Original
Urban Transport Planning
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 11. April 2018 (FX)
Autor
Tracey Scott Wilson
Regisseur
Daniel Attias

Schauspieler in der Episode The Americans 6x03

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