The Americans 6x01

The Americans 6x01

Zum Start ihrer sechsten und letzten Staffel macht die FX-Spionageserie The Americans einen Zeitsprung von drei Jahren. Philip genießt seine Entscheidung, den Dienst zu quittieren, in vollen Zügen, während Elizabeth Doppelschichten fährt und ein entsprechend dünnes Nervengerüst trägt.

Gute Miene zu bösem Spiel: Die „Americans“ wahren den Schein. (c) FX
Gute Miene zu bösem Spiel: Die „Americans“ wahren den Schein. (c) FX
© ute Miene zu bösem Spiel: Die „Americans“ wahren den Schein. (c) FX

Das Endspiel hat begonnen: Nur noch zehn Episoden wird es von der herausragenden FX-Dramaserie The Americans geben, bis sie sich für immer von uns verabschiedet. Den Auftakt macht die Episode Dead Hand, in der die Handlung einen Sprung von drei Jahren macht. Es ist nun 1987, was nicht nur neue Popkulturreferenzen bedeutet, sondern auch ein Heranrücken an den Kollaps der Sowjetunion und das Ende des Kalten Krieges. Das bringt eine erhöhte Dringlichkeit für unsere Protagonisten mit sich, was uns Zuschauer zusätzliche Nerven kosten dürfte.

Everything is divided up

In der Zwischenzeit ist einiges passiert, was uns die Drehbuchautoren und Serienschöpfer Joel Fields und Joe Weisberg in gewohnter Manier nicht dick aufs Brot schmieren, sondern organisch in die Handlung einfließen lassen. Philip (Matthew Rhys) blüht voll in seiner neuen Rolle als American und Reisebürochef auf, genießt die Vorzüge des kapitalistischen Wirtschaftssystems in vollen Zügen und findet sogar Zeit, seinem ehemals heimlichen Hobby, dem Linedancing, in aller Öffentlichkeit nachzugehen. Er hat sich einen Wunsch erfüllt, den er sich lange Zeit nicht eingestanden hat.

Sein Ausfall für jegliche russische Spionagebedürfnisse muss indes von Elizabeth (Keri Russell) aufgefangen werden, was man ihr deutlich ansieht. Man kommt kaum hinterher, all den Operationen zu folgen, die sie jongliert. Noch schwieriger ist es, auch zu verstehen, worum es in diesen Missionen überhaupt geht. Eine davon hängt immerhin mit der Rückkehr von Oleg (Costa Ronin) in die USA zusammen, was ein Durchdringen dieses Plotkonvoluts einfacher macht. So wichtig ist es andererseits auch gar nicht, den vollen Umfang der Operationen zu verstehen, da in „The Americans“ schon immer die Charakterarbeit Vorzug vor dem Plot bekam.

Trotzdem kommen auch Fields und Weisberg nicht umhin, lange Monologe in Russisch abzufassen, die uns helfen sollen, auf den Stand unserer Protagonisten zu kommen. Einer davon findet in Mexiko City statt, wo Elizabeth einen ihr unbekannten Kontaktmann trifft, um eine weitere Mission in ihr Portfolio aufzunehmen. Ebenjener General Kovtun (Michael Khmurov) gehört zum Gegnerkreis des sowjetischen Staatschefs Gorbatschow, dessen Politik eine ungeahnte Öffnung zum Westen beinhaltet. Darin erkennen Kovtun und seine Mitverschwörer - zurecht, wie die Geschichte beweisen wird - eine existenzbedrohende Gefahr für ihr Vaterland.

Nur widerwillig nimmt Philip (Matthew Rhys) den Spionagedienst wieder auf.
Nur widerwillig nimmt Philip (Matthew Rhys) den Spionagedienst wieder auf. - © FX

Die unerschütterlich an Mutter Russland glaubende Elizabeth muss denn auch nicht lange überredet werden, sich mit vollem Einsatz dieser neuen Mission zu widmen. Pikant ist dabei, dass Arkady Iwanowitsch (Lev Gorn) als neuer Vizechef des Directorate S eine Gegenreaktion zu dieser Verschwörung plant, weshalb Oleg wieder ins Spiel kommt. Der hat sich eigentlich vom KGB verabschiedet, arbeitet im Transportministerium unter seinem Vater, ist verheiratet und frischgebackener Vater. All dies hält ihn jedoch nicht davon ab, seine Loyalität zu Arkady unter Beweis zu stellen, mit der Reise nach Amerika vor allem aber seine Freiheit zu riskieren.

It's hard to trust the Americans

Die höchste Brisanzstufe erreicht diese Auftaktepisode, als klar wird, von welchem Ehepaar Arkady gesprochen hat. Oleg soll Philip nicht nur reaktivieren, sondern ihn auch gegen seine eigene Ehefrau wenden. Dass Philip und Elizabeth am Ende der Serie gegeneinander antreten würden, war ja abzusehen. Nun passiert das wahrscheinlich, aber aus anderen Gründen, als zunächst angenommen. Lange Zeit konnte davon ausgegangen werden, dass Philips Liebe zu seinem neuen Heimatort der Grund für den finalen Zwist sein würde, nun ist dieser jedoch im Auseinanderbrechen der Sowjetunion zu finden.

Der größte Streitpunkt im sowjetischen Führungsstab ist der Auftritt Gorbatschows beim bevorstehenden Arms Control Summit in Washington sowie die damit verbundenen Verhandlungen. Die Falken befürchten, dass der Staatschef gegenüber den Amerikanern das „Dead Hand“-System preisgibt, im Tausch für Informationen über deren Raketenabwehrprogramm „Star Wars“. Philip erkennt darin eine beiderseitige Abrüstung, Elizabeth jedoch glaubt, die Abrüstung finde nur einseitig statt, zum Nachteil Russlands. Entsprechend wenig Überzeugungsarbeit muss der Luftwaffengeneral leisten, um ihr die neue Operation schmackhaft zu machen.

Mit dem Wissen über Dead Hand steigt Elizabeth außerdem in den inneren Vertrautenzirkel des sowjetischen Führungsstabs auf, weshalb sie von Kovtun auch eine Giftkapsel ausgehändigt bekommt, die sie vor einer möglichen Verhaftung schlucken soll: „You can't get arrested.“ Am Ende eines weiteren langen Tages, als sie so aufgerieben ist, dass sie Philip gar nicht zu Wort kommen lässt, der ihr eigentlich von Olegs Kontaktaufnahme erzählen möchte, erwägt sie möglicherweise kurz, die Pille sofort zu schlucken und ihrer derzeit erbärmlichen Existenz ein schnelles Ende zu bereiten.

Paige (Holly Taylor) ist jetzt fester Bestandteil des Spionageteams ihrer Mutter.
Paige (Holly Taylor) ist jetzt fester Bestandteil des Spionageteams ihrer Mutter. - © FX

Vielleicht ist das aber auch nur meine drastische Interpretation. So kaputt haben wir Elizabeth andererseits noch nie gesehen. In dieser Episode muss sie erneut eine furchteinflößende Gräueltat begehen, um einen Fehler ihrer Tochter Paige (Holly Taylor) auszubügeln. Die studiert mittlerweile, ist aber größtenteils damit beschäftigt, bei Elizabeth und deren Team in die Ausbildung zu gehen. Die übrigen Teammitglieder wissen nichts vom Verwandtschaftsverhältnis zwischen Elizabeth und „Julie“, nur Claudia, inzwischen eine echte Großmutterfigur für Paige, ist informiert.

A lot of Nazis were brilliant, too

Auch andernorts hat sich in drei Jahren einiges verändert. Stan (Noah Emmerich) und Renee (Laurie Holden) haben geheiratet, was deren mögliche Rolle als Agentin in ein anderes Licht rückt. Wäre sie wirklich auf ihn angesetzt, würde das bedeuten, dass ihre Operation eine extrem lange Laufzeit und einen noch längeren Geduldsfaden hat. Diese wäre weiterhin durch Stans Wechsel in eine andere Abteilung beim FBI erschwert worden. Er jagt jetzt keine ausländischen Agenten mehr, sondern herkömmlichere Verbrecher. Nur bei der Sofia-Mission kooperiert er noch mit Kollege Aderholt (Brandon J. Dirden), der seinerseits eine Familie gegründet hat.

Für Henry (Keidrich Sellati) hat sich die vor drei Jahren gefällte Entscheidung, sich bei einer Privatschule zu bewerben, gleichermaßen ausgezahlt wie die seines Vaters, in den Teilzeit-Ruhestand zu gehen. In der Schule und beim Eishockey ist der jüngste Jennings-Sprössling so erfolgreich, dass ihn gleich mehrere Mädchen anhimmeln. Auch das Kreativteam dürfte aufatmen, muss es doch keine Entschuldigungen mehr für Sellatis Wachstumsschübe aus dem Hut zaubern. Es ist nun ganz einfach nachvollziehbar, dass er mittlerweile größer ist als Philip.

Fields und Weisberg umgehen es in der Episode Dead Hand geschickt, der notwendigen Exposition zu viel Raum einzurichten, indem sie sich auf die Charakterkonflikte konzentrieren. Lange konnte die himmelweite Disparität im Arbeitsalltag von Elizabeth und Philip nicht aufrechterhalten werden. „Something's gotta give“, wie der Amerikaner so schön sagt. Die sechste und letzte Staffel von The Americans beginnt äußerst vielversprechend, aber daran hat doch niemand wirklich gezweifelt, oder?

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 5. April 2018

The Americans 6x01 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 1
(The Americans 6x01)
Deutscher Titel der Episode
Tote Hand
Titel der Episode im Original
Dead Hand
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 28. März 2018 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 14. September 2019
Autoren
Joel Fields, Joseph Weisberg
Regisseur
Chris Long

Schauspieler in der Episode The Americans 6x01

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