The Americans 5x13

© aige (Holly Taylor) macht spürbare Fortschritte. / (c) FX
Dass nicht alle Handlungsbögen, die in der fünften und vorletzten Staffel von The Americans eröffnet wurden, an ihrem Ende zu einem zufriedenstellenden Abschluss finden konnten, dürfte seit längerer Zeit klar gewesen sein. Die Staffel bot viele wirkungsvolle Einzelmomente, fühlt sich aber im Ganzen wie eine sehr lange Vorbereitung für die abschließende sechste an. Ob man all diese einzelnen Erzählstränge gebraucht hätte, um eine kraftvolle Landung zu schaffen? Joel Fields und Joe Weisberg, Showrunner und Autoren der Finalepisode, würden das sicherlich bejahen.
Cannot live in America
The Soviet Division eröffnet mit einer packenden Sequenz, die dort anknüpft, wo die letzte Episode aufhörte. Pasha (Zack Gafin) hat sich wirklich die Pulsadern aufgeschlitzt, wie Tuan (Ivan Mok) es ihm gezeigt hat. Er kann in letzter Minute von ihm, Philip (Matthew Rhys), Elizabeth (Keri Russell) und den Morozovs gerettet werden, und die Aktion führt zum gewünschten Ergebnis: Evgheniya (Irina Dvorovenko) wird mit ihrem Sohn zurückkehren in die Sowjetunion. Familienoberhaupt Alexei (Alexander Sokovikov) wird jedoch bleiben. Er will nie wieder zurück in seine Heimat.
In dieser zukünftig auseinandergerissenen Familie sieht Ehepaar Jennings eine Parallele zu den eigenen innerfamiliären Verwerfungen, die ob ihrer geplanten Rückkehr bald noch viel schlimmer werden könnten. Deshalb ersuchen sie Claudia (Margo Martindale) darum, sich doch dafür einzusetzen, dass die Morozovs zusammenbleiben können: „Do we have to tear this family apart, too?“ Ihre Bemühungen bleiben jedoch folgenlos - selbst wenn der Center zustimmen würde, bleibt Alexeis Entschlossenheit undurchdringbar.
Ähnlich entschlossen wie seine Zielperson zeigt sich Tuan, der nach erfolgreich abgeschlossener Mission gegenüber seinen Kooperateuren neues Selbstbewusstsein an den Tag legt. Er kritisiert sie dafür, die Operation beinahe torpediert zu haben, indem sie sich um die Sicherheit Pashas sorgten. So habe er es auch in den Report an seine Vorgesetzten geschrieben. Ihre Sorge um den Jungen sei nichts anderes gewesen als „petty bourgeois concerns“. Elizabeth kontert das mit dem Hinweis, dass Tuan es mit dieser Einstellung nicht lange aushalten werde in diesem Berufsfeld.

Ob er sich ihren Ratschlag, sich eine Partnerin zu suchen, zu Herzen nehmen wird, darf bezweifelt werden, schließlich ist er noch sehr jung und ungestüm, wie diese Szene zeigt. Elizabeths Worte hallen indes in ihrem eigenen Leben nach. Nach den Morozov-Erlebnissen scheinen sie und Philip so sicher wie nie zuvor, die eigenen Rückkehrpläne durchführen zu wollen. Sie überlegen bereits, wie sie Paige (Holly Taylor) und Henry (Keidrich Sellati) einweihen sollen. Am Ende steht Philips deutlicher Entschluss: „That's it then. We're going.“
Allowed to have a life
Dass es so nicht kommt, zumindest nicht bald, dürfte einem jeden geübten Fernsehzuschauer bereits in dieser Szene klar gewesen sein. Wie Familie Jennings dann aber an der vorzeitigen Rückreise gehindert wird, erscheint ziemlich konstruiert. Plötzlich spielt nämlich Kimmy (Julia Garner) wieder eine zentrale Rolle, die in dieser Staffel lediglich zwei Auftritte und in der vorherigen nur einen hatte. Nun fällt ihr, beziehungsweise ihrem Vater, auf einmal eine entscheidende narrative Aufgabe zu. Weil er zum Chef der Soviet Division befördert wurde, können Philip und Elizabeth ihren Posten nicht mehr aufgeben.
So sehr man die dramaturgischen Bindfäden erkennt, die diesen Handlungsbogen zusammenhalten sollen, so wirkungsvoll sind die anschließenden Szenen mit Philip und Elizabeth. Nachdem er die entscheidende Information gefunden hat, erwägt er, die Aufnahme verschwinden zu lassen, damit der Rückkehr nichts im Wege steht. Alleine daran lässt sich ablesen, wie weit Philip mittlerweile fortgeschritten ist in der Verachtung seiner Tätigkeit, in der eigenen geistigen Erschöpfung. Das erkennt auch Elizabeth sofort, nachdem sie von ihm erfahren hat, was er gerade in Erwägung zog.
In der emotional äußerst mitreißenden Abschlussszene wird denn auch der Graben sichtbar, der sich mittlerweile zwischen ihnen aufgetan hat - ein Graben, der sie jedoch nicht voneinander entfernt, sondern sie viel eher zueinander geführt hat. Das Verständnis füreinander ist proportional zur unterschiedlichen Fähigkeit gewachsen, diesen Beruf effektiv ausführen zu können. Elizabeth ist weiterhin so überzeugt von ihrer Arbeit, dass sie sofort ausschließt, trotz der neuen Erkenntnis die Heimreise anzutreten. Stattdessen bietet sie Philip an, sich bis auf die Kimmy-Operation aus allen Missionen zurückzuziehen. Das muss echte Spioninnenliebe sein.

Ob Familie Jennings jemals in die UdSSR zurückkehren wird, darf nun stark angezweifelt werden. Die Kinder haben von diesem Plan weiterhin keinen blassen Schimmer, sind aber trotzdem schon davon betroffen. Obwohl es Henry versprochen wurde, bekommt er hier von Philip die nahezu unbegründete Botschaft, doch nicht auf das Internat zu dürfen: „This family stays together.“ Merkwürdigerweise entschuldigt sich Philip hernach nur bei Paige dafür, dass sie kein normales Teenagerleben führen darf. Immerhin hat er da gerade das Veilchen entdeckt, das ihr beim Training aus Versehen von Elizabeth verpasst wurde.
One day it will all come crashing down
Es bleibt weiterhin überraschend, wie stark es Philip zurück nach Russland zieht, und warum er keine anderen Optionen erwägt, aus dem Agentenleben auszusteigen, ist er doch der größte Amerika-Fan von allen. Das wird auch in einer von Regisseur Chris Long wunderbar umgesetzten, mit dem Elton-John-Song „Goodbye Yellow Brick Road“ vertonten Montage deutlich, in der sämtliche Hauptfiguren dem hinterhertrauern, was sie nur in den USA haben können: Sport mit dem besten Kumpel, einen vollen Kleiderschrank, spirituellen Austausch mit einem Mentor.
So offen wie der Haupterzählstrang bleiben am Ende der fünften Staffel von The Americans auch die meisten neu eröffneten Nebenstränge. Renee (Laurie Holden), die neue Flamme von Stan (Noah Emmerich), ist wahrscheinlich eine Agentin, könnte aber durchaus auch nur seine Freundin sein. Oleg (Costa Ronin) und seine Familie kommen in der Finalepisode gar nicht mehr vor, obwohl auch dort noch vieles aufzuklären ist. Der Handlungsbogen um Sofia (Darya Ekamasova) und ihren neuen Freund bleibt ebenfalls unbeendet - so halbgar wie die dramaturgische Sackgasse rund um Philips Sohn Mischa (Alex Ozerov).
Die Einzige, die eine Art Abschluss - man mag es kaum Happy End nennen - ist überraschenderweise Martha (Alison Wright). Sie könnte dank Gabriel im russischen Exil nun endlich das bekommen, was sie sich von „Clark“ stets gewünscht hatte: ein Kind. Ihr Gesichtsausdruck, nachdem sie diese Nachricht erfahren hat, lässt jedenfalls darauf schließen, dass sie unter diesen armseligen Umständen doch irgendeine Art von Glück finden kann. Es gibt wohl kaum jemanden in dieser Serie, der das mehr verdient hätte.
Würde uns gleich in der nächsten Woche die Auftaktepisode zur letzten Staffel präsentiert, fiele es durchaus leichter, diese vergangene Staffel wertzuschätzen. Sie war noch lange keine schlechte Staffel, wurde stets von brillantem Schauspiel und hervorragender Dialogarbeit über Wasser gehalten. Aber im Vergleich zu früheren Staffeln wird sie sich ganz sicher warm anziehen müssen. Zehn Episoden stehen noch aus - hoffentlich liefern sie die Berechtigung für die vergangenen 13.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 31. Mai 2017The Americans 5x13 Trailer
(The Americans 5x13)
Schauspieler in der Episode The Americans 5x13
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